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Toshiba 55 ZL 2G: Erster Quad-Full-HD-Fernseher im Test
Vierfache Full-HD-Auflösung und brillenloses 3D

von Florian Friedrich Uhr veröffentlicht

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Vier Mal Full-HD, also Ultra-HD, auf 55 Zoll erhalten Käufer mit dem Toshiba 55 ZL 2G. Netzwelt hat den 3D-Fernseher mit der hohen Auflösung unter die Lupe genommen und ihn einem Praxistest unterzogen.

Vierfache Full-HD-Auflösung, 3D ohne Brille und 55 Zoll - was bis vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, wird mit dem 55 ZL 2G von Toshiba Wirklichkeit - vorausgesetzt, es werden rund 8.000 Euro investiert. Ob sich die Investition lohnt und was der Bolide auf dem Kasten hat, verrät der netzwelt-Test.

Ausstattung 

Wir schreiben das Jahr 2011 an einem warmen Spätsommertag: Auf der IFA in Berlin tummeln sich zahlreiche Technikfans - besonders am Messestand von Toshiba geht es heiß her. Denn der japanische Hersteller zeigt hier den 55 ZL 2G, den ersten Fernseher, der die vierfache Full-HD-Auflösung Ultra-HD (Quad-Full-HD; kurz: QFHD) beherrscht. Das sind sage und schreibe 3.840 x 2.160 statt 1.920 x 1.080 Pixel! Als wäre das allein nicht genug, wartet das Gerät außerdem mit brillenloser 3D-Technik auf, die netzwelt später näher erklärt. Der Bildschirm selbst misst stolze 55 Zoll beziehungsweise 139 Zentimeter in der Diagonale und besitzt ein stromsparendes Edge-LED-Backlight, das eine Helligkeit von bis zu 450 Candela pro Quadratmeter verspricht.

Für eine konstant hohe Leistung und Arbeitsgeschwindigkeit soll die aus mehreren Rechenkernen bestehende "CEVO Engine" sorgen. Auf Wunsch befördert diese sogar herkömmliches 2D-Material in die dritte Dimension. Schnittstellen lässt der 55 ZL 2G nicht vermissen, doch haben die HDMI-Eingänge eine große Schwäche: Sie nehmen lediglich Bilder mit maximal 1.920 x 1.080 Pixeln entgegen, so dass nicht einmal ein QFHD-fähiger Blu-ray Player die volle Auflösung ausschöpfen kann. In den Genuss von Ultra-HD kommen Nutzer nur, wenn die entsprechend aufgelösten Fotos und Videos via USB zugespielt werden. Das DLNA-Streaming der QFHD-Inhalte über die Netzwerkbuchse oder den eingebauten WLAN-Empfänger schlägt ebenfalls fehl.

Ohnehin kommt der Media-Player auf diesem Weg nur mit relativ wenigen Dateiformaten zurecht. Internetdienste wie Maxdome und YouTube sowie ein Universaltuner (DVB-T/Kabel/Satellit) mit USB-Aufnahmefunktion und HD+-Unterstützung komplettieren die allgemein sehr üppige Ausstattung.

Handhabung und Klang 

Üppig ist auch der Fernseher selbst: Er misst 125,3 x 75,5 x 5,8 Zentimeter, macht dank des 55 Zoll großen Panels mit schmalem Rahmen aber trotzdem eine schnittige Figur. Umso mehr verwundert das doch recht hohe Gewicht von rund 30 Kilogramm, weshalb der Fernseher besser von zwei Personen aufgestellt werden sollte. Alles andere als schwer oder kompliziert ist die Bedienung. Der 55 ZL 2G zeichnet sich nämlich - wie schon sein Vorgänger - durch ein übersichtliches Menü aus, welches eine mühelose Navigation ermöglicht. Einzig die 3D-Einstellungen sind etwas unpraktisch in diversen Untermenüs versteckt.

Wer das TV-Programm des Öfteren umschaltet, dürfte sich darüber hinaus am recht trägen Senderwechsel stören. So vergehen knapp drei Sekunden, bis der Fernseher das nächste Programm zeigt. Das zeitversetzte Fernsehen (Time-Shift) und die USB-Aufnahme wiederum funktionieren problemlos. Wer das Bild und insbesondere die Farben an persönliche Anforderungen anpassen möchte, kann auf zahlreiche Bildregler, Farbfilter und Testbilder zurückgreifen. Diese finden sich primär im Bildmenü, wo darüber hinaus auch zehn vordefinierte Farbtemperaturen sowie Gamma-Kennlinien zur Verfügung stehen. Ebenso verfügt der 55 ZL 2G über ein umfangreiches internes Farbmanagement, über das Farbton, Sättigung und Helligkeit für sechs Farben getrennt optimiert werden können.

Alternativ konfiguriert sich der Toshiba mithilfe des optional erhältlichen Sensors TPA-1 (rund 200 Euro) selbst. Die Farbkalibrierung erfolgt dabei vollautomatisch und ohne Computer. Leider ist die Lautsprecherzeile des Vorgängers ZL 1G dem Rotstift zum Opfer gefallen und durch zwei Zehn-Watt-Boxen ersetzt worden, so dass hörbare Abstriche beim Klang hingenommen werden müssen. Nichtsdestotrotz liegt die Tonqualität im allgemeinen Vergleich nach wie vor auf hohem Niveau.

Sehtest Standard-Signale und Blu-ray 

Auch wenn der bittere Nachgeschmack der mangelnden QFHD-Zuspielung via HDMI anhält, weiß der Toshiba 55 ZL 2G mit einer exzellenten Bildqualität zu überzeugen. Vor allem ambitionierte Fotografen kommen voll auf ihre Kosten. Der Fernseher stellt nämlich von USB-Speichermedien wiedergegebene JPEG-Fotos extrem hell und perfekt skaliert dar, ohne dass sie weichgezeichnet oder überschärft wirken. Selbst aus einem Meter Entfernung lassen sich keine einzelnen Pixel ausmachen. Getestet wurde die QFHD-Wiedergabe übrigens mit einer äußerst detailreichen 31-Megapixel-Luftaufnahme von San Francisco, die mit der Mittelformatkamera Hasselblad H4D-31 gemacht wurde.

Konkret hat das Foto sogar eine Auflösung von 6.496 x 4.872 Bildpunkten, die der Fernseher sauber auf 3.840 x 2.160 Pixel herunterskaliert. Allerdings fällt bei genauerem Hinsehen ein leichtes diagonales Linienmuster auf. Leider spielt das Gerät weder RAW-Fotos (Rohdaten) noch TIFF-Dateien ab. Ebenso wenig unterstützt der Fernseher erweiterte Farbräume wie zum Beispiel Adobe RGB. Nichtsdestotrotz punktet er im Großen und Ganzen mit einer originalgetreuen, satten Farbdarstellung. In puncto Helligkeit verspricht Toshiba jedoch zu viel. Von den angeblichen 450 Candela pro Quadratmeter blieben unter praxisnahen Bedingungen nur 355 Candela übrig. Verglichen mit anderen LCD-Modellen ist das aber ein respektabler Wert.

Unsere Videos in QFHD-Auflösung hat der 55 ZL 2G leider nicht akzeptiert. So wurden die entsprechenden Testsequenzen im MP4- und MOV-Format sowie hochskalierte Zeitrafferaufnahmen nicht einmal erkannt. Auch vom 4k-fähigen Blu-ray Player Sony BDP-S790 zugespielte hochaufgelöste Inhalte sind dem Fernseher fremd. Full-HD-Clips und Filme von Blu-ray hingegen erscheinen in höchstmöglicher Schärfe. Die erstklassige Kontrastwiedergabe ist dabei nicht zuletzt der dynamischen Hintergrundbeleuchtung zu verdanken.

3D-Wiedergabe - ohne Brille

Gleich und dennoch verschieden: Zwar basiert auch Toshibas 55 ZL 2G auf der stereoskopischen Reproduktionstechnik, welche das linke und das rechte Auge mit perspektivisch versetzten Bildern versorgt, doch schafft er dies - anders als normale 3D-Fernseher - ohne eine Polfilter- oder Shutterbrille. In diesem Fall übernimmt ein System aus Mikrolinsen sowie schaltbaren Sperrgittern (Active Switches) die Separierung. Vereinfacht ausgedrückt: Die Lichtstrahlen der Pixel werden so abgelenkt, dass jedes Auge ein eigenes Bild zu sehen bekommt. Um mehrere Zuschauer versorgen zu können, ermittelt eine eingebaute Kamera die jeweilige Position und passt die Darstellung dementsprechend an.

Toshiba 55 ZL 2G

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Toshibas aktuelles TV-Flaggschiff besticht optisch durch einen schmalen Display-Rahmen, hat aber auch technisch einiges zu bieten. (Bild: netzwelt)

Jedoch ist das Verfahren (noch) extrem blickwinkelabhängig, sodass speziell vor hellen Hintergründen häufig Doppelkonturen auftreten. Ebenso lässt der 3D-Effekt selbst zu wünschen übrig, da dieser zusammenbricht, sobald der Kopf nur minimal nach links oder rechts bewegt wird. Um der Moiré-Bildung entgegenzuwirken, sind Linsen und Pixel in einem schrägen Winkel zueinander angebracht. Nichtsdestotrotz hat auch der 55 ZL 2G (konstruktionsbedingt) mit den typischen Auflösungsverlusten zu kämpfen. Ergo: Klassische 3D-Fernseher mit Brillen erzeugen ein besseres, weil stabileres dreidimensionales Bild.

Fazit

Um die Zukunft des TV-Markts vorherzusehen, muss nicht etwa in eine Kristallkugel, sondern bloß in den Toshiba CEVO 55 ZL 2G geblickt werden: Der erste Fernseher mit Ultra-HD-Auflösung und brillenloser 3D-Technik bietet eine exzellente Bildqualität mit phänomenaler Schärfe. De facto profitieren derzeit aber nur Fotografen von den 3.840 x 2.160 Pixeln und dem damit verbundenen Detailreichtum, zumal das hochauflösende Material nicht via HDMI zugespielt werden kann. Ebenso scheitert die USB-Wiedergabe von Videos. Dennoch weist der Toshiba 55 ZL 2G in die richtige Richtung, obgleich es für den Heimkino-Einsatz deutlich günstigere Alternativen gibt.

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Vier Mal Full-HD, also Ultra-HD, auf 55 Zoll erhalten Käufer mit dem Toshiba 55 ZL 2G. Netzwelt hat den 3D-Fernseher mit der hohen Auflösung unter die Lupe genommen und ihn einem Praxistest unterzogen.

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Toshiba 55 ZL 2G: Erster Quad-Full-HD-Fernseher im Test
Eine Ultra-HD-Auflösung von 3.840 x 1.160 verteilt auf 55 Zoll Fernseher! Was der Toshiba 55 ZL 2G im Praxistest leistet und ob er seinen Kaufpreis wert ist, zeigt der Testbericht.
http://www.netzwelt.de/news/94336-toshiba-55-zl-2g-erster-quad-full-hd-fernseher-test.html
2012-11-25 10:49:22
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/gallery/2012/5453/43298.jpg
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