Microsoft Surface RT im Test: Mehr Halbes als Ganzes

Leistung und Akkulaufzeit

Sich ständig aktualisierende Live-Kacheln, ein- und ausfahrende Menüflächen - auf dem Startbildschirm von Windows RT ist alles in Bewegung. Beim Starten von Apps und beim Wechsel von einer Anwendung zur nächsten, zeigt Nvidias Tegra 3-Chipsatz in Verbindung mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher keinerlei Schwächen. Im Gegenteil - unter Windows RT fühlt sich vieles flüssiger als unter Android an. 

Aber leider gibt es auch viele Ausnahmen. Beim Wechsel der Anzeige vom Quer- ins Hochformat genehmigt sich Surface bereits eine Gedenksekunde, das Aktualisieren des Mail-Clients geht mitunter noch träger von der Hand.

Vor allem bei der Multimedia-Wiedergabe spielt das ungewöhnlich große Display im 16:9-Format seine Vorzüge aus. (Bild: netzwelt)
Vor allem bei der Multimedia-Wiedergabe spielt das ungewöhnlich große Display im 16:9-Format seine Vorzüge aus. (Bild: netzwelt)

Auch bei manchen Webseiten, die netzwelt mit dem Internet Explorer angesurft hat, sowie bei HD-Videos unter Youtube kommt es zu irritierenden Rucklern. Beim testweise installierten Autorenn-Spiel Reckless Racing 2 HD stellte netzwelt unangenehme Grafik-Ruckler fest. Ob dies an der generellen Leistungsfähigkeit der ARM-Architektur oder an optimierungsfähiger Software liegt, lässt sich abschließend zum jetzigen Zeitpunkt nicht klären. Anerkennung erntet hingegen der leistungsfähige Akku. Im Test hielt er die von Microsoft versprochene Laufzeit von acht Stunden im Mischbetrieb nicht nur durch, sondern zeigte auch noch Reserven. So erreichten wir auch Laufzeiten jenseits der acht Stunden.

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Multimedia

Die Wiedergabe von Filmen ist eine große Stärke des ersten Tablet-Computers von Microsoft. Das 10,6 Zoll große Display eignet sich in Verbindung mit dem integrierten Standfuß hervorragend für die Anzeige von Bildmaterial.

Auch die eingebauten Stereo-Lautsprecher tragen ihren Teil zur gelungenen Multimedia-Vorstellung bei. Sie könnten ein wenig lauter sein, übersteuern dafür aber auch auf höchster Einstellung nicht. Interessant: Manche Spiele lassen sich auch mithilfe der angeschlossenen Tastatur spielen. Von einem Gaming-Notebook ist Surface aber natürlich meilenweit entfernt. Die rückseitig verbaute Kamera taugt bestenfalls für verrauschte Schnappschüsse, die vordere bietet dafür einen für Webcam-Verhältnisse ordentlich breiten Bildausschnitt.

Software

Windows 8 und Windows RT sind im Vergleich zu den alten Hasen iOS und Android junge Hüpfer im Software-Feld. Kaum verwunderlich also, dass die Anzahl an Apps noch überschaubar ist. Wichtige Apps von Google und für Soziale Netzwerke fehlen zum Beispiel und auch in den Bereichen Spiele und Produktivität gibt es etlichen Nachholbedarf. Die große Anzahl an Entwicklern wird diesem Umstand aber sicherlich bald ein Ende bereiten, spätestens dann, wenn Windows-Tablets im Allgemeinen oder das Surface im Speziellen ein kommerzieller Erfolg werden. 

Wer jetzt glaubt, dies alles sei kein Problem, da man ja einfach Windows 8-Programme installieren kann, ist leider auf dem Holzweg. Die RT-Version von Windows 8 lässt lediglich die Installation von Apps aus dem Windows Store zu.

Das Betriebssystem-Design von Windows RT orientiert sich sehr stark an Windows 8 mit seinen Live-Kacheln. Auch der bekannte Desktop ist nach wie vor vorhanden, versteckt sich aber gut. Sein Nutzen ist ohnehin fragwürdig. Er wird streng genommen nur für das Aufrufen einiger Systemeinstellungen und zum Starten der mitgelieferten Office-Apps benötigt. Mehr über die Unterschiede von Windows RT und Windows 8 erfahren Sie hier.

Microsoft Surface RT im Test

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In der RT-Variante von Surface findet der Nutzer eine Vollversion von Office 2013 auf dem Desktop. Leider hat Microsoft es versäumt, die Oberfläche von Word und Co. auf die Bedienung per Finger zu optimieren. Streng genommen lassen sich die Office-Programme nur mit einer über USB angeschlossenen Maus zufriedenstellend nutzen - und das widerspricht dem Tablet-Gedanken ein wenig.

Fazit

Dieses Fazit ist kein leichtes: Auf der einen Seite sammelt das Microsoft-Tablet für seine Verarbeitung, für die innovativen Cover, für die eingebaute Stütze und für seine wohltuende Individualität viele Plus- und Sympathiepunkte. Auch Windows RT gefällt im Ansatz. Im Alltag aber verhageln viele Ungereimtheiten wie ruckelnde Apps, ein eigentlich sinnloser und diffuser Desktop sowie die noch dürftige Anzahl an verfügbarer Software das Surface-Erlebnis. 

Als Sofa-Tablet zu groß und zu schwer, als Notebook-Ersatz zu eingeschränkt: Zum jetzigen Zeitpunkt müssen Surface-Käufer noch zu viele Kompromisse eingehen. Einige Dinge wird die im nächsten Jahr auf den Markt kommende Pro-Variante vielleicht besser machen. Wer jetzt schon ein Surface haben möchte, sollte sich die Eigenheiten des Systems in jedem Fall vorher ansehen.

Preise und Ausstattungsvarianten des Surface finden Sie direkt im Microsoft Store.

Als Alternative zum Surface bietet sich das nach Meinung von netzwelt erwachsenere Asus Vivo Tab RT an. Einen Kurztest dazu finden Sie an dieser Stelle. Wer wirklich dauerhaft produktiv arbeiten möchte, sollte sich auch in der Ultrabook-Liga mit Windows 8 und Touchscreen umschauen. Acer stellte beispielsweise erst kürzlich das sehr leichte und elegante, aber auch deutlich teurere Aspire S7 vor

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