Kompromissbereitschaft vorausgesetzt

Surface RT im Test: Mehr Halbes als Ganzes

Mit Surface zeigt der Software-Riese Microsoft ein anderes, sehr innovatives Gesicht. Der Tablet-Computer fand schon in der Rumor-Phase viel Beachtung, nun ist er endlich im Handel erhältlich. Netzwelt testet die RT-Version von Surface.

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Eher Halbes als Ganzes: Frühe Surface-Käufer müssen noch mit zu vielen Kompromissen leben. (Bild: netzwelt)
Eher Halbes als Ganzes: Frühe Surface-Käufer müssen noch mit zu vielen Kompromissen leben. (Bild: netzwelt)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Ausstattung
  2. 2Verarbeitung
  3. 3Display
  4. 4Ergonomie und Alltag
  5. 5Touch Cover 
  6. 6Type Cover
  7. 7Leistung und Akkulaufzeit
  8. 8Multimedia
  9. 9Software
  10. 10Fazit
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Wie die Zeiten sich doch ändern: Früher stand Microsoft oft bei Datenschützern und auch ganz normalen Nutzern in der Kritik - das Betriebssystem Windows übermittelte nahezu unbemerkt Daten zur Nutzung an die US-amerikanische Firmenzentrale, es "telefonierte nach Hause". Heutzutage, bei der Allgegenwärtigkeit von Facebook, klingt das fast schon putzig.

Auch der aktuelle Schritt des Software-Giganten wäre damals undenkbar gewesen. Surface ist von der Pike auf ein Microsoft-Hardware-Produkt. 

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Grundversionen des Microsoft-Tablets, die sich sowohl von der Hardware, als auch von der Software her voneinander unterscheiden. Im Test befindet sich die RT-Version mit ARM-Architektur und Windows RT. Diese Kombination lässt den Nutzer lediglich Apps aus dem Windows Store installieren.

Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Surface-Version mit Windows 8 und Intel-Prozessor folgen. Diese erlaubt auch das Herunterladen und die Installation nativer Windows-8-Applikationen. Surface mit Windows 8 wird allerdings erst im nächsten Jahr in Deutschland erhältlich sein.

Ausstattung

Das Testgerät verfügt über einen Nvidia Tegra 3-Chipsatz, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 64 Gigabyte Flash-Kapazität. Auch eine Variante mit 32 Gigabyte Speicher ist erhältlich. Zwei Mikrofone zeichnen Stimmen und Geräusche auf, die bei Bedarf über an der Oberseite angebrachte Stereo-Lautsprecher wiedergegeben werden können. 

Microsoft Surface Unboxing

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An der linken Gehäuseflanke befindet sich ein gut erreichbarer Lautstärkeregler mit klarem Druckpunkt, rechts finden sich ein normal großer USB-2.0-Anschluss, ein Video-Ausgang sowie der Netzteilanschluss. An den USB-Anschluss lassen sich Peripherie-Geräte wie Maus und Tastatur anschließen. Surfsticks wurden im Test jedoch nicht erkannt. Schade, denn eine 3G- oder gar 4G-Variante von Surface gibt es nicht.

Ähnlich den bekannten Apple-Magsafe-Anschlüssen verwendet Microsoft auch bei Surface einen magnetischen Stromanschluss. Zusätzlich findet sich noch jeweils eine 720p-Kamera auf Vorder- und Rückseite des Tablet-PCs. Auf der Vorderseite signalisiert eine hell leuchtende Status-LED den Betrieb der eingebauten Webcam. 

Vielleicht nicht direkt ein Killerfeature, dennoch ein riesiger Pluspunkt am Surface ist die in das Gehäuse integrierte Stütze. Links und rechts bieten Einbuchtungen Platz für die Finger, um die Stütze relativ komfortabel auszuklappen. Darunter haben die Produktdesigner den microSD-Kartenschacht gut versteckt, der erst auf den dritten Blick erkennbar wird. 

Verarbeitung

Das Surface-Gehäuse besteht laut Microsoft aus "VaporMG", einer Magnesiumlegierung. Um es kurz zu machen: In den Händen fühlt sich das Microsoft-Tablet sehr, sehr gut an. Bleibende Kratzer traten im Test nicht auf. Dafür ist der Flachcomputer vergleichsweise schwer, die Waage zeigt 680 Gramm an. Heftet man das separat erhältliche Touch Cover an, erhöht sich das Gewicht bereits auf 892 Gramm. Mit dem so genannten Type Cover, dazu später mehr, sind es 895 Gramm. Damit wildert Surface bereits deutlich in Ultrabook-Sphären.

Hier fühlt sich alles hochwertig und edel an: Besser kann man ein Tablet kaum zusammenbauen. (Bild: netzwelt)
Hier fühlt sich alles hochwertig und edel an: Besser kann man ein Tablet kaum zusammenbauen. (Bild: netzwelt)

Die eingebaute Stütze klappt mit einem satten Klack in ihrer endgültigen und nicht veränderbaren Position ein. Die Konstruktion hinterlässt einen soliden Eindruck, ist jedoch recht scharfkantig. Allzu hohen Druck sollte man nicht auf sie ausüben. Im Falle eines Defektes lässt sie sich jedoch vergleichsweise einfach auswechseln, die zu lösenden Schrauben befinden sich auf Höhe der soliden Scharniere. Auch das Verbinden von Cover und Tablet ist Microsoft gelungen - die Magnete sind stark genug und das Geräusch, das beide Einheiten beim Zusammenführen an die Umwelt abgeben, zeugt von der hohen Wertigkeit des Surface-Tablets. Das alles hebt das Microsoft-Projekt nach Meinung von netzwelt zusammen mit dem iPad auf den Verarbeitungs-Thron. 

Display

Das berührungsempfindliche Display im 16:9-Format eignet sich aufgrund seines Seitenverhältnisses sehr gut zur Filmwiedergabe. Schade, dass Microsoft ihm keine höhere Auflösung spendiert hat. Zwar sieht Schrift prinzipiell scharf aus - nicht zuletzt ein Verdienst von Microsofts ClearType-Technik - aber mehr Pixel wären sehr willkommen. Zumal das Surface-Display riesig ist, vor allem in der Breite. Die Bildschirmdiagonale von 26,5 Zentimetern übertrifft die des Apple iPads und die der meisten Android-Tablets deutlich. 

Für Farbdarstellung, Kontrast und Helligkeit gibt es viel Lob: Das Testgerät stellt Farben äußerst knackig dar, ohne so stark zu überzeichnen, wie es bei AMOLED-Bildschirmen häufig der Fall ist. Dass es für den Einsatz unter freiem Himmel keine Bestnoten gibt, liegt vor allem am stark spiegelnden Bildschirm - aber dieses Manko haben fast alle am Markt erhältlichen Tablet-PCs

Ergonomie und Alltag

Stundenlang könnten wir dem satten Klack der Magnetverbindungen oder der eingebauten Stütze lauschen. Es braucht einige Zeit, bis man die anfängliche Faszination über die Andersartigkeit und die sehr hohe Verabreitungsqualität des Surface abgelegt hat und das Microsoft-Tablet als reines Arbeits- und Spaßgerät begreift. Dann aber fällt auf, dass sich zum Beispiel der Aufstellwinkel der eingebauten Stütze nicht variieren lässt. So ist man gezwungen, den Tablet-Computer immer wieder aus der selben, recht steilen Perspektive zu betrachten. Hier hätte Microsoft gut daran getan, seinem Hardware-Produkt zumindest eine weitere Einraststellung zu spendieren.

Verzichtet man hingegen auf die eingebaute Stütze und nimmt das Tablet in die Hände, macht sich auf der einen Seite sofort das hohe Gewicht bemerkbar. Auf der anderen Seite eckt man aber auch am ungewöhnlichen Format an. Beim Testgerät will sich auf der Couch einfach nicht die Gemütlichkeit breit machen, wie es mit anderen sieben oder neun Zoll großen Tablets der Fall ist. 

Überspitzt formuliert mutiert Surface im Querformat zum Frühstückstablett, im Hochformat nimmt er die Ausmaße eines Tennisschlägers an. Stundenlanges Surfen auf der Couch am Sonntagmorgen? Nicht das Spezialgebiet des Microsoft Surface. Das können andere Tablets wie dieses oder dieses wesentlich besser. 

Aber andere Tablets, vom Asus Transformer Pad einmal abgesehen, erheben für sich nicht den Anspruch, neben dem reinen Surf- und Spielvergnügen auch ein waschechtes Produktivitätstool zu sein. Dieses Versprechen offeriert Microsoft in hohem Maße. Zu einer Art Notebook-Ersatz wird das Tablet allerdings nur, wenn man es auf eine ebene Fläche oder einen Tisch stellt. Auf den Knien hinterlässt die Kombination aus Touch- oder Type-Cover und Tablet einen zu labilen Eindruck.

Touch Cover 

Die ansteckbaren Tastaturen wurden von Microsoft prominent beworben. Wann immer man den Surface vor dem Verkaufsstart auf Plakaten oder in Fernsehspots zu sehen bekam, spielten die Cover eine Hauptrolle. Zurecht, denn sie sind in dieser Form nicht nur einzigartig und beleben das ganze Segment der Tablet-PCs, sondern sie sind in der Praxis ungemein praktisch. Ärgerlich ist jedoch, dass die Cover einen heftigen Aufpreis von bis zu 130 Euro kosten.

Das Touch Cover bietet keinen Tastenhub und ist beim Schreiben zunächst sehr gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit sinkt die Fehlerrate aber rapide. (Bild: netzwelt)
Das Touch Cover bietet keinen Tastenhub und ist beim Schreiben zunächst sehr gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit sinkt die Fehlerrate aber rapide. (Bild: netzwelt)

Stellte netzwelt im Kurztest des Surface dem Touch Cover noch ein eher schlechtes Zeugnis aus, müssen wir unsere Meinung nach einigen intensiven Tagen mit dieser Tastatur nun revidieren. Es braucht einfach seine Zeit, bis man mit dem fehlenden Tastenhub zurecht kommt. Dann funktioniert das Schreiben zwar immer noch nicht fehlerfrei und definitiv langsamer als auf einer physikalischen Tastatur - Text entsteht aber deutlich schneller als auf einer Bildschirmtastatur.

Type Cover

Im Gegensatz zum Touch Cover verfügt das Type Cover über physikalische Tasten mit angemessenem Hub. Auch der Abstand zwischen den einzelnen Tasten geht in Ordnung. Ein Grund, warum das Type Cover den Vergleich zur klassischen Notebook-Tastatur verliert, ist das eingebaute Touchpad. Es reagierte sowohl beim Touch- als auch beim Type Cover unzuverlässig. Zudem ist die berührungsempfindliche Fläche zu klein bemessen. 

Mit dem Type Cover kommt fast Notebook-Gefühl auf. Leider reagiert das Touchpad nur wiederwillig und ist recht klein. (Bild: netzwelt)
Mit dem Type Cover kommt fast Notebook-Gefühl auf. Leider reagiert das Touchpad nur wiederwillig und ist recht klein. (Bild: netzwelt)

Prinzipiell lassen sich zwar auch sämtliche Eingaben über den Touchscreen erreichen - der Weg zum Touchpad ist aber oftmals, etwa beim Schreiben von Texte, der kürzere. Alle verfügbaren Cover schützen im geschlossenen Zustand das Display und bewahren es vor Kratzern. Die filzartige Oberfläche ist Microsoft gut gelungen und sorgt für Abwechslung. Wahrscheinlich wird jeder, der den Kauf eines Surface in Erwägung zieht, auch ein Cover besitzen wollen. Der vergleichsweise günstige Surface-Einstiegspreis von 479 Euro für die Basisversion ist daher mit Vorsicht zu genießen, da er kein Cover enthält.

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