Bald gesamtdeutscher Betriebsrat?

Apple Store: Mitarbeiter beschweren sich über "Gute-Laune-Diktatur"

Erneut wehren sich Apple-Mitarbeiter eines deutschen Apple Stores gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Nach München wird nun in Frankfurt der nächste Betriebsrat gegründet. Die Angestellten beschweren sich vor allem über die "Diktatur der guten Laune".

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Erneut beschweren sich Apple Store-Mitarbeiter über schlechte Arbeitsbedingungen. (Bild: netzwelt)
Erneut beschweren sich Apple Store-Mitarbeiter über schlechte Arbeitsbedingungen. (Bild: netzwelt)
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Nachdem Apple Store-Mitarbeiter in den USA mit der Gründung der Retail Workers Union den Anfang machten, zogen im Februar 2012 die ersten deutschen Angestellten der "Genius Bar" mit. Sie suchten Hilfe bei der Gewerkschaft Ver.di und gründeten schließlich den ersten Apple-Betriebsrat Deutschlands. 

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Apple Stores sind zu laut

Wie netzwelt in einem Gespräch mit der Ver.di-Sprecherin Victoria Sklomeit erfuhr, gaben vor allem die geringe Bezahlung, die Intransparenz bei internen Beförderungen und die Lautstärke im Store Anlass zur Kritik. Einige Mitarbeiter litten Sklomeit zufolge unter einem Tinitus als unmittelbarer Konsequenz des Arbeitsumfelds. 

Wie nun das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in einer Vorabmeldung schreibt, wird sich auch in Frankfurt ein Betriebsrat gründen. Im Dezember finden die entsprechenden Wahlen statt. Wie der Spiegel unter Berufung auf Ver.di berichtet, ist durch die Gründung des zweiten Betriebsrats der Weg frei zu einem Gesamtbetriebsrat "Apple Retail Germany".

"Diktatur der guten Laune"

Auch im Frankfurter Apple Store in der Großen Bockenheimer Straße beschweren sich die Mitarbeiter über die Lautstärke und die geringe Bezahlung - genauso jedoch über die "Diktatur der guten Laune". Einen Einblick in dieses Diktat bietet ein eigentlich geheimer Schulungsbericht, der bereits Ende August vom US-Tech-Magazin Gizmodo veröffentlicht wurde. 

Jeder Angestellter muss sich demnach einem 14-tägigen Training unterziehen, bei dem der Umgang mit dem Kunden einstudiert wird. Dabei gibt es unter anderem eine Liste mit Wörtern, die nicht verwendet werden dürfen. Beispielsweise ist es Apple Store-Mitarbeitern nicht erlaubt, von "Abstürzen" in Verbindung mit Apple-Geräten zu sprechen, oder zu sagen, dass iPads etc. heiß werden. Egal wie groß die Hitze-Entwicklung ist, Apple-Geräte werden höchstens warm. Darüber hinaus ist Empathie mit dem Kunden zwingend erforderlich und Widersprüche sind unerwünscht. 

Wie Victoria Sklomeit gegenüber netzwelt erklärte, zeigte sich Apple beim Betriebsrat in München bisher einsichtig und unterstützte die Mitglieder. Auch einen gesamtdeutschen Betriebsrat könnte Apple also billigend hinnehmen.

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