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Verkehrte Netzwelt: James Bond und das Sony-Notebook
Product Placement im Dienste Ihrer Majestät

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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James Bond. Das bedeutet: schicke Sportwagen, hübsche Frauen, viel Action und Sony-Notebooks. Seit neuestem. Aber warum Vaio und welche Product-Placement-Chancen bietet die Zukunft? Die Verkehrte Netzwelt deckt auf!

Der neue James Bond glänzt wieder mit jeder Menge Product Placement. Auch Hightech-Hersteller wie Sony sind dabei. Doch die Assistentin von Agent 007 wurde vergessen. Dabei wäre die flotte Miss Moneypenny eine ideale Werbefigur für Hightech-Produkte.

Die ideale Werbeträgerin in James Bond: Moneypenny

Haben Sie den neuen James Bond "Skyfall" schon gesehen? Hauptdarsteller Daniel Craig ist natürlich wieder von einer Menge Technik umgeben. Wie immer eine prima Gelegenheit für die Hersteller, Werbung für ihre Produkte zu machen. Am Handgelenk trägt James Bond eine Omega, wie der Uhrenliebhaber unschwer erkennt. Auf der Webseite von Omega erfahren wir, dass es sich um eine modifizierte "Seamaster Planet Ocean 600M" mit "Co-Axial-Kaliber 8507" als Antrieb handelt. Wer so eine Uhr haben will, muss sich womöglich beeilen, Omega produziert eine auf 5007 Exemplare limitierte Edition.

Außer der Seamaster haben wir im Film noch einen Caterpillar gesichtet, außerdem Bier von Heineken, einen Landrover, ein Sony-Vaio-Notebook und eine Walter PPK. Schon praktisch, wenn man Millionen Dollar allein damit verdient, dass man im Film teine bestimmte Uhr trägt.

Das richtige Notebook für James Bond

Das Vaio-Notebook von Sony passt vom Image her gut zum harten, männlichen Bond, den Daniel Craig darstellt. Nur schwerlich könnte man sich Bond mit einem MacBook von Apple vorstellen. Apple ist zwar cool, aber irgendwie nicht besonders männlich, vielleicht sogar ein bisschen androgyn. Wenn's besonders männliche Hardware sein soll, könnte man auch an die Panasonic Toughbooks denken, aber die sind nicht elegant genug. James Bond ist ein britischer Geheimagent und kein Bauarbeiter. Dell-Notebooks haben wiederum den Makel des klassischen PC-Nerds. Samsung-Notebooks passen auch nicht. Die sind zu geleckt-lifestylig und vor allem: zu koreanisch. Schließlich kommt James Bond aus Schottland, wie wir in dem Film erfahren. Vielleicht ein Fujitsu-Notebook für 007? Nein, das geht gar nicht, die sind irgendwie so nichtssagend-sachlich. Und Toshiba erinnert zu sehr an einen biederen Handelsvertreter. Am ehesten würde vielleicht noch Asus passen, aber da ist der Glamour-Faktor noch nicht groß genug. Sony Vaio, das passt schon.

Der Landrover in "Skyfall" wird übrigens von James Bonds attraktiver Assistentin Moneypenny gefahren und man muss sagen, das Mädel kann wirklich Auto fahren. Schießen kann sie im Prinzip auch sehr gut, dummerweise schießt sie einmal daneben und deshalb ist James Bond am Anfang des Films erstmal tot. Damit er aber weiterhin seine Omega-Uhr tragen und am Heineken-Bier nippen kann, erholt er sich bald wieder.

Der Noname-Nassrasierer

Aber zurück zu Miss Moneypenny. Eine so attraktive Assistentin wäre sicher ein guter Werbeträger für Product Placement. Das hat man in "Skyfall" noch nicht ausreichend bedacht. So rasiert Moneypenny ihm in einer Szene die Bartstoppeln ab - mit einem klassischen Rasiermesser eines namenlosen Herstellers. Das muss doch besser gehen. In den nächsten Filmen könnte sie Bond zum Beispiel mit einem Elektrorasierer von Braun oder Panasonic rasieren. Oder mit dem Nassrasierer "Quattro Titanium Precision" von Wilkinson. Der lässt sich dann anschließend als Limited James-Bond-Edition zum doppelten Preis vermarkten.

Natürlich braucht die Assistentin von 007 auch eine richtig gute Uhr. Aber bitte nicht wieder eine Omega, sondern vielleicht eine robuste Timex.

Floral Kiss von Fujitsu

Beim Notebook von Moneypenny, dessen 19-Zoll-Display James Bonds Position auf den Meter genau anzeigt, wenn er gerade den Superschurken im U-Bahn-Tunnel verfolgt, könnte man natürlich auch ein Sony Vaio nehmen. Aber die Filmproduzenten würden sicher mehr Geld verdienen, wenn sie noch einem anderen Hersteller die Chance zum Product Placement geben würden. Vielleicht ist das ja die Chance für Fujitsu. Die haben in Japan nämlich gerade ein Notebook extra für Frauen vorgestellt.

Der Mobilrechner im Ultrabook-Format heißt "Floral Kiss" und soll Eleganz in die Welt der PCs bringen. Gestaltet wurde das Notebook gemeinsam mit der Schmuckmarke "Agete." Frauen und Schmuck, das ist, wie jeder weiß, eine unauflösbare Verbindung. Das Notebook lässt sich praktischerweise auch von Frauen mit langen Fingernägeln leicht öffnen, die Power-Taste ähnelt einer Perle, die Tasten sind in einen Goldring eingefasst. Auch einige Applikationen hatte Fujitsu schon fertig gestellt. Es gibt ein "Scrapbook", in dem die Anwenderin ihre Internetfavoriten sammelt, also in erster Linie Shopping-Seiten, Kochrezepte und Fotos. So sind Frauen eben. Außerdem gibt es eine Tagebuch-Applikation und eine für Horoskope.

Fujitsu weiß, was Frauen wünschen, und ist überzeugt, dass die Moneypennys dieser Welt von diesem liebevollen Design entzückt sein werden. So gesehen wäre der nächste James Bond für den bisher so farblosen IT-Hersteller eine Gelegenheit, die eigenen Produkte in ein glitzerndes Licht zu stellen.

Andererseits ist die Moneypenny aus "Skyfall" vielleicht doch etwas zu handfest und zupackend für so ein damenhaftes Stück Technik. Nicht vergessen: Die Frau ist Geheimagentin. Ob der ein Notebook mit Blumenmuster gefallen würde?

Karrierefrauen in TecDax-Unternehmen

Die Karriere von James Bonds Assistentin vom Mauerblümchen, das zwischen Schreibmaschine und Telefon sein Vorzimmer-Dasein fristet, zur sportlichen Agenten-Lady mit Waffenschein passt so richtig in den Zeitgeist. Der Zeitgeist verlangt nach Karrierefrauen. Die Managementberatung Kienbaum hat herausgefunden, dass die Anzahl weiblicher Aufsichtsräte in DAX 30-Unternehmen sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt hat. Jetzt sind schon rund 15 Prozent der Aufsichtsräte Frauen. In TecDax-Unternehmen sind es allerdings nur 7,0 Prozent. In der Hightech-Branche tun sich die Damen also immer noch schwer – es sei denn, sie haben einen Waffenschein und können mit dem Geländewagen in zwei Minuten einen ganzen türkischen Basar in Grund und Boden fahren.

Vielleicht sollten die männlichen Aufsichtsratvorsitzenden der TecDax-Betriebe das Wort des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney beherzigen, der sich einen ganzen "Ordner voller Frauen" kommen ließ, damit er die passenden Mitarbeiterinnen raussuchen kann. Die gut gemeinte Aktion hat ihm nicht geholfen. Ja, Mister Romney, auch Männer sind manchmal Verlierer. Und Frauen Gewinner, wie Michelle Obama gezeigt hat.

Michelle Obama kann man sich übrigens auch nicht mit einem Notebook der Serie "Floral Kiss" vorstellen. Die hat sicher ein robustes Thinkbook von Lenovo - bei den Oberarmen.

So ist zu befürchten, dass Fujitsus liebevoll gestaltete "Lady Books" denselben Weg gehen werden, den all die anderen liebevoll mit Blumenmotiven, Schmucksteinen und Perlen verzierten Notebooks anderer Hersteller gegangen sind. Die Geräte tauchten in Randnotizen der Presse als Kuriosität auf, doch gekauft hat sie keiner. Welche Managerin möchte schon mit einem pinkfarbenen Computer mit aufgeklebten Strass-Steinen im Büro rumlaufen?

Man merkt schon, die Sache mit dem Product Placement im nächsten Bond wird ganz schön schwierig ...

Kommentare zu diesem Artikel

James Bond. Das bedeutet: schicke Sportwagen, hübsche Frauen, viel Action und Sony-Notebooks. Seit neuestem. Aber warum Vaio und welche Product-Placement-Chancen bietet die Zukunft? Die Verkehrte Netzwelt deckt auf!

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: James Bond und das Sony-Notebook

    Da Sony ja die Produktionsfirma ... Natürlich. Die Verkehrte Netzwelt ist unsere Kolumne. Dort werden mitunter Technik- aber eben auch Multimedia-Themen auch mal mit einem Augenzwinkern betrachtet. Es ist auch nicht in unserem Sinne, dass beispielsweise Moneypenny in Zukunft behängt wie eine Litfaßsäule durch die Filme stolpert ;)
  • Besnson schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: James Bond und das Sony-Notebook

    Da Sony ja die Produktionsfirma von James Bond ist, wird er natürlich immer nur Sony Gadgets verwenden, und das ist auch so.

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Verkehrte Netzwelt: James Bond und das Sony-Notebook
Verkehrte Netzwelt: James Bond und das Sony-Notebook
Er hat die Lizenz zum Töten. Außerdem hat er die Lizenz, teure Uhren zu tragen. Oder High-End-Notebooks zu nutzen. Oder zumindest hat er einen Kaufbeleg dafür. Theoretisch.
http://www.netzwelt.de/news/94278-verkehrte-netzwelt-james-bond-sony-notebook.html
2012-11-10 09:46:32
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/ideale-werbetraegerin-james-bond-moneypenny-bild-netzwelt-16986.jpg
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