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Motorola Razr i im Test
4,3-Zoll-Bildschirm mit minimalem Rand

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Motorola präsentiert mit dem Razr i das weltweit erste Smartphone mit nahezu randlosem Display. Zusätzlich feiert in dem Modell Intels Medfield-Chip für Smartphones auf dem deutschen Markt Premiere. Kann Motorola mit dem Razr i wieder an alte Erfolge anknüpfen?

Ein nahezu rahmenloses Display, ein Intel-Prozessor und ein Gehäuse mit Kevlarfasern: Dem Motorola Razr i mangelt es nicht an für Smartphones ungewöhnlichen Eigenschaften. Diese könnten aber bald schon Standard sein. Im Test entpuppt sich das Smartphone nämlich als echter Volltreffer für preisbewusste Nutzer mit hohen Ansprüchen.

Design und Verarbeitung

Das Motorola Razr i ist ein echter Hingucker mit einer extrem hochwertigen Verarbeitung, was sich schon an kleinen Details wie dem ausgestanzten Motorola-Logo oberhalb des Displays zeigt. Trotz des edlen Aussehens bewahrtsich das Razr i aber einen für die Marke Motorola typischen rustikalen Charme. So macht sich der Hersteller etwa keine Mühe, die Torx-Schrauben, die das Gehäuse zusammenhalten, zu verbergen. Dieser Industrie-Charakter spiegelt sich beim Razr i sogar in den Gerätetönen wieder.

Schaltet der Nutzer das Smartphone aus, ertönt ein lautes mechanisches Summen und das Razr i vibriert kurz. Nicht nur Fans von Industriekultur dürften bei so viel Liebe zum Detail ihre Freude am Razr i haben.

Die verwendeten Materialien wie Kevlar und Flugzeugaluminium sehen schick aus, sorgen aber auch für eine hohe Robustheit des Modells. Stürze auf Teppich oder Parkett sind kein Problem für das Razr i, auch einen Aufschlag auf Stein übersteht der Androide - allerdings nicht ganz ohne Schrammen. Eine wasserabweisende Schicht schützt das Razr i und sein Innenleben zudem vor Feuchtigkeit. Ein kurzer Tauchgang wie mit dem Motorola Defy ist mit dem Razr i zwar nicht möglich. Verschüttete Getränke oder Nieselregen bringen das Smartphone aber nicht aus dem Takt. Zudem glänzt das Razr i mit seiner kompakten Bauweise. In den Abmessungen entspricht es dem Apple iPhone 5, bietet aber dennoch ein mit einer Diagonalen von 4,3 Zoll deutlich größeres Display.

Motorola Razr i

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Das Motorola Razr i ist so groß wie das Apple iPhone 5 und bietet dennoch ein größeres Display. (Bild: netzwelt)

Hardware

Highlight des Motorola Razr i ist das Display: Es misst 4,3 Zoll, passt aber problemlos in den Rahmen eines 4-Zoll-Bildschirms. Möglich wird dies, weil Motorola den Rand, der üblicherweise den Bildschirm links und rechts umgibt, auf ein Minimum reduziert. Er beträgt beim Razr i nur noch knapp zwei Millimeter, bei aktuellen Spitzenmodellen wie dem Apple iPhone 5 oder dem Samsung Galaxy S3 misst der Rand satte fünf Millimeter. Einen breiteren Rand findet der Nutzer beim Video schauen und Co. nur am unteren Rand, da Motorola den Platz hier für virtuelle Bedienelemente nutzt. Motorola spricht daher gerne auch vom Vollbild-Smartphone.

Anfänglich sorgte der minimale Rand noch für einen Wow-Effekt, der aber über den Testzeitraum schnell verpuffte. Das Super-AMOLED-Display selbst begeistert mit knackigen Farben und einem großen Blickwinkel, allerdings wirkt die Auflösung von 960 x 540 Pixeln altbacken.

Das Motorola  Razr i weist noch eine zweite Besonderheit auf: Im Inneren des Geräts werkelt nämlich nicht wie bei anderen Smartphones ein Prozessor auf ARM-Basis, sondern ein Chip des Herstellers Intel. Dieser arbeitet zwar nur mit einem Rechenkern, muss sich aber nicht hinter der Konkurrenz mit bis zu vier Kernen verstecken: Sowohl das Android-System als auch grafikintensive Titel wie GTA 3 oder Dead Trigger laufen auf dem Motorola Razr i geschmeidig. Längere Ladezeiten oder Ruckler waren im Test nicht auszumachen. Selbst in Benchmarks reicht die Intel-CPU an die Konkurrenz von Nvidia und Qualcomm heran. Im Geekbench liegt das Razr i mit 963 Punkten noch vor Dual-Core-Modellen wie dem Sony Xperia S oder dem HTC Desire X.

In den Browser-Tests Sunspider und Browsermark spielt das Razr i sogar in der Spitzengruppe mit: Das Sunspider-Benchmark absolviert das Intel-Smartphone beispielsweise in 1.065,3 Millisekunden - es ist damit deutlich schneller als etwa das Galaxy S3. Im Browsermark wiederum zieht das HTC One X gegenüber dem Razr i den Kürzeren. Das Motorola-Handy erreicht hier 120.342 Punkte, das HTC-Smartphone nur 90.799 Punkte. Möglich wird dies zum einen durch die hohe Taktrate von bis zu zwei Gigahertz, zum anderen durch Intels Hyper-Threading-Technologie, die dem System einen Mehrkernprozessor vorgaukelt. Im Test war allerdings bei längerem Zocken eine höhere, aber nicht bedrohliche Wärmeentwicklung festzustellen.

Der interne Speicher des Razr i beträgt übrigens acht Gigabyte, dem Nutzer stehen davon ab Werk knapp fünf zur Verfügung. Der Speicher lässt sich jedoch problemlos um bis zu 32 Gigabyte erweitern.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität ist gut, hier muss sich das Razr i nicht vor dem Galaxy S3 verstecken - vor allem Nebengeräusche wie Straßenlärm filtert das Gerät sehr erfolgreich. Die Gesprächspartner klingen jedoch im Hörer manchmal etwas künstlich, was für leichte Abzüge in der B-Note sorgt. Der Lautsprecher ist für den Freisprechmodus zudem zu leise. Zum Telefonieren benötigen Nutzer eine Micro-SIM-Karte. Schön: Das Motorola Razr i informiert den Nutzer mittels einer Status LED über verpasste Anrufe, SMS oder E-Mails.

Bereits mit dem Modell RazrMaxx hat Motorola das Thema Akkulaufzeit als ein Abgrenzungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz für sich entdeckt und setzt diesen Trend nun auch in den neuen Razr-Modellen fort: Der Akku des Motorola Razr i bietet eine Kapazität von 2.000 Milliamperestunden. Er ist fest verbaut und lässt sich nicht wechseln, bietet dafür aber eine gute Laufzeit. Eine halbe Stunde Video schauen verbrauchte auf dem Razr i im Test nur knapp neun Prozent der Akkuladung, eine halbe Stunde Zocken (DeadTrigger, GTA 3) knapp 11 Prozent. Bei mittelmäßiger Nutzung sollten Nutzer bis zu zwei Tagen locker mit einer Akkuladung auskommen.

Multimedia

Das Razr i verfügt über einen physikalischen Auslöser. Die Kamerataste befindet sich an der unteren rechten Seite des Gehäuses. Über sie kann der Nutzer auch direkt in die Kamera-App springen - selbst wenn das Smartphone gesperrt ist. Nach dem Verlassen der App kehrt der Nutzer dann auf den Sperrbildschirm zurück. Der Auslöser reagiert zweistufig, könnte allerdings etwas mehr Hub vertragen.

Motorola Razr i Unboxing

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Auf dem Karton prangt der Schriftzug "Intel inside". (Bild: netzwelt)

Bilder nimmt das Razr i mit maximal acht Megapixeln auf, Videos in Full HD (1080p). Die Bildqualität geht insgesamt in Ordnung. Die Farben könnten jedoch etwas kräftiger sein. Ein mit dem Motorola Razr i aufgenommenes Foto finden Sie hier. An den Videoaufnahmen gibt es dagegen nichts auszusetzen, selbst mit schnellen Bewegungen kommt die Razr i-Kamera klar. Für einen Platz in den Top 5 der Kamera-Handys reicht es jedoch nicht, dafür bietet die Kamera-App zu wenig Einstellungsmöglichkeiten.

In Sachen Audioqualität kann es das Razr i durchaus mit guten MP3-Playern aufnehmen - den Einsatz guter Kopfhörer vorausgesetzt. Der Lautsprecher hingegen ist zwar extrem kräftig, klingt aber auch stark blechern, sodass bei der Hintergrundbeschallung mit Musik wenig Freude aufkommt.

Software

Das Motorola Razr i läuft ab Werk mit Android 4.0.4, ein Update auf Android 4.1 ist angekündigt, wird aber zumindest in Deutschland wohl erst 2013 erscheinen. Im Gegensatz zu früheren Modellen modifiziert Motorola die Android-Nutzeroberfläche nicht mehr so stark. Allerdings lässt sich der Hersteller es sich nicht nehmen, einige seiner Goodies auch in das Razr i zu integrieren - dazu gehören etwa die sogenannten SmartActions. Hierbei handelt es sich um vom Nutzer konfigurierbare Makros.

Der Anwender legt in einer grafisch ansprechenden Oberfläche Auslöser fest und bestimmt ebenso, wie das Razr i auf das jeweilige Ereignis reagieren soll - etwa eine bestimmte App starten, jemanden anrufen oder das WLAN deaktivieren. Auslöser für diese Makros können Uhrzeiten, Standorte, aber zum Beispiel auch ein kritischer Akkustand sein.

Kompatibilitätsprobleme müssen Nutzer übrigens aufgrund der vom Intel-Chip verwendeten abweichenden Systemarchitektur nicht fürchten. Auf dem Testgerät von netzwelt liefen beliebte Programme wie Whats App, Instagram, Flipboard oder Skype problemlos und auch Spiele wie AngryBirds oder JetpackJoyride störten sich nicht am Prozessor. Selbst den Chrome-Browser, der in einer früheren Version noch die Zusammenarbeit mit Intels Medfield-Chip verweigerte, hat Google inzwischen für den Intel-Prozessor optimiert.

Fazit

"HelloMoto! Willkomen zurück!" Mit dem Razr i meldet sich der zuletzt so gescholtene Handyhersteller Motorola zurück. Das Vollbild-Smartphone ist kaum größer als Apples iPhone, bietet aber mehr Display für deutlich weniger Geld. Eine verführerische Mischung, die Motorola noch mit einem schicken Design, einer leistungsfähigen Intel-CPU und einem ausdauernden Akku garniert. Das Razr i ist also ein echter Volltreffer für Nutzer auf der Suche nach einem guten Mittelklasse-Smartphone.

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Motorola Razr i lautet 399 Euro. Aktuell halten sich Online-Händler noch an diese Vorgabe. Alternativen zum Modell sind das HTC One S, das dem Razr i in Sachen Verarbeitungsqualitätähnelt, oder das Panasonic Eluga, das ebenfalls ein 4,3-Zoll-Display in einem kompakten Gehäuse bietet.

Kommentare zu diesem Artikel

Motorola präsentiert mit dem Razr i das weltweit erste Smartphone mit nahezu randlosem Display. Zusätzlich feiert in dem Modell Intels Medfield-Chip für Smartphones auf dem deutschen Markt Premiere. Kann Motorola mit dem Razr i wieder an alte Erfolge anknüpfen?

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  • Christian V. schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    Also meine Frau schafft mit wenig Nutzung 7 Tage Laufzeit, mit mäßiger 5 Tage und bei viel sogar 4 Tage. Die 7 Tage Nutzung kann ich sogar mit Bild belegen. Ich habe noch nicht ein Smartphone gefunden, das so gute Laufzeit hat wie das Razr-I. Muss aber auch sagen ich habe auch noch nicht damit gezockt. Wenn es nicht so riesig wäre würde ich es sofort kaufen, den das tägliche Akku-laden nervt enorm. Ciao
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    Übrigens: Shazam ist nun mittlerweile auch kompatibel zur Intel-CPU!

    Grüße aus der Redaktion.
  • Ein-Gast schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    ich will die neue generation von diesem handy - razr war damals schon ein tolles handy und jetzt hat es motorola auch auf den smartphonemarkt geschafft - find ich gut
  • Der Gärtner schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    Klar, dass nicht Hunderttausende von Apps getestet werden können. Shazam fiel mir halt auf, ist ja eine ziemlich prominente App. Dass es - auch zum Browser -Alternativen gibt, ist klar. Wollte nur auf Shazam aufmerksam machen und hoffe, dass es noch ein entsprechendes Update gibt. Die scharfe(n) Kante(n) beziehen sich auf die Displayeinfassung- direkt unterhalb des Displays am besten zu merken, wenn man von unten nach oben fasst.
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    @Der Gärtner: Danke für deine Anmerkungen. Scharfe Kanten konnte ich beim Razr i im Test nicht feststellen. Wenn mir das störend aufgefallen wäre, hätte ich es erwähnt.

    Die beiden von dir erwähnten Apps laufen wirklich nicht. Alternativ zu Shazam kann aber SoundHound verwendet werden, was im Test einwandfrei lief. Zu Firefox stehen mit Chrome und dem Motorola eigenen Browser auch Alternativen bereit. Es kann natürlich zu Inkompatibilitäten kommen, aber ein Großteil der Apps läuft. Wir können natürlich leider nicht alle 700.000 Apps von Google Play testen. Für Hinweise wie deine sind wir aber immer dankbar.

    Die Synchronisation (Kontakte, Termine, etc.) kann bei Android größtenteils über das Google-Konto erfolgen. Motorola verzichtet als Google-Tochter wohl deshalb auf entsprechende Software. Für die Synchronisation von Musik kann ich DoubleTwist empfehlen. Motorola liefert mit dem Device Manager aber doch eine Software für die Suche nach Updates mit.

    Grüße aus der Redaktion.
  • Der Gärtner schrieb Uhr
    AW: Display ohne Grenzen: Motorola Razr i im Test

    Das mit der Kompatibilität habt ihr nicht genügend getestet. Shazam lässt sich zwar installieren, läuft aber nicht. Firefox verweigert die Installation direkt. Auch nicht erwähnt sind die relativ scharfen Kanten, die einige stören könnten. Aber das Wichtigste: Motorola liefert keine taugliche Software, etwa für Synchronisation etc.