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Kommentar: Microsofts langsames Comeback
Zu früh dagewesen und zu spät zurückgekommen

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Mit Windows 8 will Microsoft den Anschluss an die Welt von Tablet-PCs und Touchscreen finden. Doch die alte Herrlichkeit als Marktführer ist längst dahin. Microsoft wird nie wieder die Nummer eins sein. Was ist eigentlich so schlimm daran?

Mit Windows 8 will Microsoft den Anschluss an die Welt von Tablet-PCs und Touchscreen finden. Doch die alte Herrlichkeit als Marktführer ist längst dahin. Microsoft wird nie wieder die Nummer eins sein. Was ist eigentlich so schlimm daran?

Der verkachelte Startbildschirm von Windows 8 passt nicht zu einem Desktop-Betriebssystem. (Quelle: Microsoft)

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dieser Satz des damaligen russischen Generalsekretärs Gorbatschow könnte einem einfallen, wenn man Microsofts Versuche betrachtet, mit Windows 8 Anschluss zu finden an die schöne neue Welt der Touchscreens und coolen Apps.

Der Satz gilt aber auch umgekehrt, gerade für Microsoft. Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Tablets hatte Microsoft nämlich schon vor zehn Jahren vorgestellt, genauer gesagt, am 7. November 2002. Obwohl namhafte Hardware-Partner wie Acer und HP mit an Bord waren, sind die Dinger damals gefloppt. Die Technik war einfach noch nicht ausgereift.

Auf Microsofts Mobil-Strategie liegt also, wenn man so will, ein doppelter Fluch. Zu früh dran gewesen und dann doch zu spät gekommen.

Daraus muss man aber nicht unbedingt schließen, dass der Softwareriese in der Krise steckt und ums Überleben kämpft. Genau das scheinen aber viele Kommentatoren und Marktforscher derzeit zu tun. In ihren Kommentaren heißt es oft, dass Windows 8 das Schicksal von Microsoft entscheidet und die letzte Chance Microsofts sei, den Paradigmenwechsel von Desktop zu Mobil mitzumachen.

Keine echte Krise

Diese dramatischen Schilderungen scheinen doch stark übertrieben. Immerhin hat Microsoft im jüngsten Quartalsbericht einen operativen Gewinn von 5,3 Milliarden US-Dollar gemeldet. Die viel zitierte Krise in der PC-Industrie ist im Grunde genommen auch keine. Zwar sind die Umsätze der PC-Industrie laut Gartner auch im letzten Quartal deutlich zurückgegangen, doch liegt dies in der Hauptsache daran, dass der Markt sich zurückhält, weil viele auf Windows 8 warten. Ganz abgesehen davon, kann man von einem Markt, der so gesättigt ist wie der PC-Markt, nicht mehr die Zuwachsraten der Vergangenheit erwarten.

Eine echte Krise sieht anders aus.

Marktführer verpasst Paradigmenwechsel

Hinter dem ganzen Krisengerede steckt im Falle Microsoft die seltsame Vorstellung, ein Marktführer müsse für alle Zeiten Marktführer bleiben - oder untergehen. Ein Blick in die Industriegeschichte zeigt aber, dass es einem Unternehmen, das eine Ära mit seinen typischen Techniken und Produkten beherrscht, fast nie gelingt, bei einem Paradigmenwechsel in der Technik auch die nächste Ära zu beherrschen. Bei IBM, das das Computerzeitalter in seinen Anfängen beherrscht hat, hat das nicht funktioniert, bei Microsoft wird es auch nicht funktionieren. Das liegt daran, dass solche Unternehmen ihre ganze Kreativität und ihre ganze Energie darauf richten, aus ihren vorhandenen Erfindungen und Produkten möglichst viel Profit zu schlagen. Sie sind deshalb gar nicht in der Lage, völlig neue Techniken oder Bedienkonzepte zu entwickeln, weil sie damit ihr bestehendes Portfolio gefährden würden. Deshalb sind solche Unternehmen gefangen in der Ära, die sie selbst geschaffen haben.

Microsoft hat – gemeinsam mit Intel – für etwa 20 Jahre die IT-Industrie und den PC-Markt fast nach Belieben beherrscht. Mit dem Paradigmenwechsel von Desktop zu Mobil ist diese Herrschaft eben zu Ende.

Das ist nicht weiter schlimm, für die Verbraucher sowieso nicht, aber auch nicht für Microsoft. Solange das Unternehmen weiterhin Gewinne macht und gute Betriebssysteme herstellt, ist das kein wirkliches Problem. Auch als Nummer zwei oder als Nummer drei auf dem Markt für Smartphones und Tablet-PCs lassen sich noch schöne Gewinne erzielen. Ein Problem hat damit nur, wer der paranoiden Vorstellung anhängt, das Überleben hänge von der Marktführerschaft ab.

Gute Chancen für Windows 8

Windows RT, das für Tablets mit ARM-Prozessor konzipiert ist, Windows 8 und Windows Phone 8 sind nach Einschätzung aller Experten und Marktforscher vernünftige Betriebssysteme. Sie werden irgendwie ihren Weg machen, vorausgesetzt, man schreibt sie nicht auf Basis völlig überzogener Erwartungen, kaputt. Und die großen Hardware-Hersteller wie Dell, Acer, Lenovo, HP oder Asus halten Microsoft nach wie vor die Stange und bringen Windows 8-Rechner in den Handel.

Für den Endverbraucher ist es ein großer Vorteil, dass es nun neben iPhone (iOS) und Android noch ein drittes leistungsfähiges Mobil-Betriebssystem mit Apps und allem Drum und Dran gibt.

Die Fehlentscheidung bei Windows 8

Einen Fehler hat Microsoft aber mit Windows 8 gemacht. Das Betriebssystem startet auf dem Desktop mit der Oberfläche Metro, die mit Kacheldesign auf Touchscreens optimiert ist. Warum? Die Anwender erwarten doch, dass jeder Gerätetyp - Smartphone, Tablet, Notebook, Desktop-PC – jeweils das für diesen Typ optimale Betriebssystem mitbringt. Deshalb sollte das Windows 8 auf Desktops auch mit einer passenden Bedienoberfläche starten. Vielleicht zielt Microsoft damit auf den wachsenden Markt der All-in-One-in-One-PCs, die zum großen Teil ebenfalls einen Touchscreen haben. Doch dann wäre es zweckmäßig, wenn das Betriebssystem bei der Installation erkennt, ob ein Touchdisplay angeschlossen ist oder den Anwender fragt, mit welcher Oberfläche er arbeiten möchte. Bei Bedarf kann er ja immer noch auf den anderen Startbildschirm umsteigen.

Warum Microsoft auch den klassischen Desktop-Anwender mit der Metro-Oberfläche nervt, bleibt ein Rätsel. Hoffentlich behebt Microsoft das Problem noch mit dem ersten Servicepack.

Kommentare zu diesem Artikel

Mit Windows 8 will Microsoft den Anschluss an die Welt von Tablet-PCs und Touchscreen finden. Doch die alte Herrlichkeit als Marktführer ist längst dahin. Microsoft wird nie wieder die Nummer eins sein. Was ist eigentlich so schlimm daran?

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  • Von Apple bezahlt... schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Microsofts langsames Comeback

    ich benutze Windows 8 mit Metro auf Desktop und ich finde Ihn toll. Das was du hier schreibst das ist nur schr....!!!!
  • highdelbeere schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Microsofts langsames Comeback

    @lino: Also du schreibst ja wie einer von der Marketing-Abteilung von Microsoft. MS ist sicher keine Firma die dem Untergang geweiht ist sondern sicher in die Zukunft blicken kann. Was diese Firma aber mit Sicherheit nichtmehr ist: Sie ist nichtmehr der alles beherrschende Player wie noch vor 10 Jahren, sondern muss sich heute an vielen Fronten gegen starke Konkurrenten wie Google und Apple behaubten. Microsoft hat es zudem bei den Tablet-Versionen seines Betriebssystems nicht geschafft, alte Zöpfe abzuschneiden, weshalb ich z.B. Win RT in der jetzigen Version für einen Rohrkrepierer halte, weil es schlicht keine Software für die ARM-basierte Version gibt und weil die Standard-Desktop-Ansicht auf einem Tablet für die Touch-Bedienung viel zu klein ist und schon fast zwingend ein externes Bediengerät benötigt. Chancen sehe ich für Win8 auf Intel-basierten Systemen und auf den Handys, weil es für Intel-Systeme genug Software gibt und weil das Handy-Betriebssystem eine interessante Alternative zu iOS und Android darstellt, was die Bedienung betrifft. Alles in allem hat MS allerdings noch einen weiten Weg vor sich, weil sie erst so ein gutes Ökosystem alla Apple oder Google aufbauen müssen und dafür braucht man Jahre.
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Microsofts langsames Comeback

    Sorry aber hier passt mir einiges nicht... Zum einen IST MS mit weitem Abstand (>95% ?) Marktführer im wichtigsten OS-Sigment und danach kommt garnichts - also von wegen MS wird nie wieder Marktführer sein. Du hast den Text aber schon richtig gelesen? Da ist nämlich primär vom mobilen System die Rede - und da hinkt Microsoft Android und iOS nun mal hinterher. Ich denke/hoffe viel eher, dass Android in Zukunft AMrktanteile verlieren wird. Gibt's dafür eine sachliche und fundierte Begründung oder ist das reines Fanboy-Gequatsche? Ich finde es gut, dass mal ein offenes System so erfolgreich ist! Dann hat MS ein Bedienkonzept auf dem PC, dem Tablet, der Konsole (Wohnzimmer) und dem Handy...DAS ist die Zukunft. Das ist jetzt deine subjektive Einschätzung und beileibe nicht allgemeingültig. Die Frage ist vielmehr, ob sich das bei der breiten Masse etablieren kann. Was man auch nicht vergessen sollte, MS hat es geschafft innerhalb kurzer Zeit in viele Wohnzimmer eine Kamera und ein Mikrofon zu bringen mit Kinect, was akzeptiert wird. Dies in Zeiten, wo die deutschen eine Kollaps bekommen, wenn man im Netz allein Ihre Straße sehen kann... Na ja, da würden mich mal die Zahlen der deutschen Verkäufe interessieren. Davon mal abgesehen, kann man da weder verallgemeinern, noch sollte man eine Bewegungssteuerung in einen Topf mit anderen Sachen werfen, bei denen es primär um Datenschutz geht.
  • lino schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Microsofts langsames Comeback

    Sorry aber hier passt mir einiges nicht... Zum einen IST MS mit weitem Abstand (>95% ?) Marktführer im wichtigsten OS-Sigment und danach kommt garnichts - also von wegen MS wird nie wieder Marktführer sein. Ich denke/hoffe viel eher, dass Android in Zukunft AMrktanteile verlieren wird. Außerdem ist die Rede davon, ms traue sich keine neuen Bedienkonzepte zu. Grade MS hat mit Kinect das innovatiste Bedienkonzept der letzten Jahre auf den Markt gebracht - und die sonstige Pc-Peripherie von MS ist technisch führend. Auch sind grade die (Live-)Tiles die erste Innovation und die logische Evolution der Jahrzehnte alten Icons. Allgemein sehe ich MS vor einer goldigen Zukunft. Man wird spätestens mit der nächsten Xbox die Wohnzimmer erobern, hier hat man es innerhalb weniger Jahre geschafft, den Quasi-standard PlayStation abzulösen. Dann hat MS ein Bedienkonzept auf dem PC, dem Tablet, der Konsole (Wohnzimmer) und dem Handy...DAS ist die Zukunft. Und all dies verbunden mit dem besten Cloud-Service am Markt. Was man auch nicht vergessen sollte, MS hat es geschafft innerhalb kurzer Zeit in viele Wohnzimmer eine Kamera und ein Mikrofon zu bringen mit Kinect, was akzeptiert wird. Dies in Zeiten, wo die deutschen eine Kollaps bekommen, wenn man im Netz allein Ihre Straße sehen kann... Dazu hat MS Skype gekauft, hier werden sich in Zukunft viele Möglichkeiten für MS ergeben.

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Kommentar: Microsofts langsames Comeback
Nach 20 Jahren Dominanz verpasste Microsoft den Anschluss. Windows 8 und Surface sollen es richten.
http://www.netzwelt.de/news/94228-kommentar-microsofts-langsames-comeback.html
2012-11-03 11:10:09
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/verkachelte-startbildschirm-windows-8-passt-desktop-betriebssystem-bild-microsoft-16914.jpg
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