Nach Kritik von Datenschützern

Rückzieher: O2 will keine Bewegungsdaten in Deutschland verkaufen

O2 macht einen Rückzieher und wird sein Smart Steps-Programm in Deutschland nicht einführen. Vorgesehen war eine Weitergabe von Bewegungsdaten aus Mobilfunknetzen zur kommerziellen Nutzung. Zuletzt hatte auch das Bundeswirtschaftsministerium Bedenken an Smart Steps geäußert.

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O2 teilte auch per Facebook mit, das umstrittene Programm Smart Steps in Deutschland nicht zu starten. (Bild: Screenshot facebook.com)
O2 teilte auch per Facebook mit, das umstrittene Programm Smart Steps in Deutschland nicht zu starten. (Bild: Screenshot facebook.com)

Der Provider verkündete seine Pläne, die Lokalisierungsdaten der O2-Kunden in Deutschland nicht zu vermarkten, unter anderem auf Facebook. "Datenschutz und Kundenzufriedenheit hat bei Telefónica oberste Priorität. Nach dem Feedback unserer Kunden haben wir uns nun allerdings entschieden, Smart Steps in Deutschland nicht einzuführen", heißt es in dem Eintrag auf dem Sozialen Netzwerk.

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O2 weist nochmals darauf hin, dass es keine konkreten Pläne zum Marktstart hierzulande gegeben habe. Überdies erfülle Smart Steps "alle Datenschutzansprüche", heißt es in dem Facebook-Eintrag. Zuletzt hatte es aber auch massive Kritik vom Bundeswirtschaftsministerium gegeben. Die Behörde zweifelte genauso wie vorher schon der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar die Legalität des Programms an.

Ministerium zweifelt Legalität an

In einer Antwort auf eine Anfrage von netzwelt verweist die Behörde auf das Telekommunikationsgesetz: "Eine Verarbeitung von Standortdaten ist hiernach nur zulässig, wenn der Diensteabieter unter Verwendung von Standortdaten einen Dienst mit Zusatznutzen anbieten will. Nach Einschätzung des BMWi lassen diese Bestimmungen nicht zu, dass ein Mobilfunkanbieter Standortdaten verkauft - auch nicht in anonymisierter Form oder mit Einwilligung des Betroffenen. Die Anforderungen an die Verwendung von Standortdaten sind europarechtlich vorgegeben und gelten in den EU-Mitgliedstaaten gleichermaßen."

Hätte O2 das Programm trotzdem gestartet und Standortdaten weiterverkauft, "müsste dies vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz beanstandet und von der Bundesnetzagentur verfolgt werden. Wir gehen davon aus, dass von den zuständigen Stellen dann entsprechende Schritte eingeleitet werden", heißt es weiter in der Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums gegenüber netzwelt.

Smart Steps wurde Anfang Oktober in England vorgestellt und ist ein Produkt der neuen O2-Geschäftseinheit Dynamic Insights. Ziel ist es, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen anonymisierte Bewegungsdaten der Kunden zur kommerziellen Weiterverwendung zur Verfügung zu stellen. 

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