Reaktionen auf Pläne des Providers
"Smart Steps" von O2: Datenschützer kritisieren geplante Weitergabe von Nutzerdaten
O2 im Sperrfeuer der Kritik: Der Provider will die Lokalisierungsdaten seiner Kunden zu Geld machen, indem sie an Dritte verkauft werden. Das provoziert kritische Kommentare von Datenschützern.
Smart Steps nennt sich das Programm der neu gegründeten O2-Geschäftseinheit Dynamic Insights, mit der der Provider die kommerzielle Nutzung von Kundendaten vorantreiben will. Über den neuen, bereits Anfang Oktober in England vorgestellten Dienst sollen Unternehmen und Behörden Analysen erhalten - auf Basis von Kundendaten.
"Smart Steps" nutze "komplett anonymisierte und aggregierte Daten aus Mobilfunknetzen, die Unternehmen und öffentliche Einrichtungen befähigen, die Faktoren zu messen, vergleichen und zu verstehen, die Leute an einem Standort zu jeder Zeit beeinflussen", schreibt O2 in einer Pressemitteilung auf der Dynamic Insights-Seite.
"Ich sehe das außerordentlich kritisch"
Händler sollen dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Angebote in Einkaufsläden zu optimieren, und bestimmen können, welche Lage und welches Format das Beste für ein neues Geschäft wäre, heißt es weiter. O2 arbeitet bei "Smart Steps" unter anderem mit dem Marktforscher GfK zusammen.
Obwohl O2 noch keinen Marktstart für Deutschland bekanntgab, hagelt es bereits Kritik. "Ich sehe das außerordentlich kritisch", sagte etwa der Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar gegenüber der Tagesschau. Die Weitergabe von Bewegungsdaten sei nach deutschem Recht nicht zulässig; es sei denn, der Nutzer stimme dem Vorhaben ausdrücklich zu. Schaar könne sich aber kaum vorstellen, dass O2 die Zustimmung von einer "größeren Zahl von Kunden" erhalten wolle. Der Datenschützer sieht deshalb kaum einen legalen Weg, das Vorhaben zu realisieren.
Streitpunkt ist auch, wie genau O2 Lokalisierungsdaten messen kann. Ein Sprecher des Unternehmens sagte gegenüber der Tagesschau, dass eine Ortung nur "auf höchstens 200 Meter genau" technisch möglich sei. Der Datenschutzexperte Malte Spitz von den Grünen urteilt dagegen, dass man "in Städten zum Teil auf 20 oder 50 Meter genau verfolgen könne, wo sich jemand aufhalte". Gemessen über einen längeren Zeitraum sei es dann möglich, tiefergehende Rückschlüsse zu ziehen auf den Alltag der Menschen.


Nach Kritik an der geplanten Weitergabe von Bewegungsdaten an Dritte macht O2 einen Rückzieher: Das Smart Steps genannte Programm wird in Deutschland nicht starten.
Kurz vor der geplanten Umstellung beim Google-Datenschutz hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar eine Aussetzung gefordert. Ein Gutachten sieht einen Verstoß gegen EU-Recht.
Google bekam unter anderem bei seinem Foto-Straßendienst Street View Probleme mit den deutschen Datenschützern. Auf einem eintägigen Kongress wollte der Konzern nun in einer Diskussion Lösungen zu Datenschutz-Fragen finden.
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz Peter Schaar sprach auf Googles Datenschutz-Kongress DatenDialog und kritisierte dabei die Politik, die der Branche in manchen Fragen zu viel Freiheiten lässt.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat seinen Tätigkeitsbericht für den Zeitraum 2009 bis 2010 veröffentlicht. Ein Fazit: Es gibt mehr Beanstandungen und mehr Beschwerden der Verbraucher.
Zeit Online hat eine interaktive Karte zusammengestellt auf der Basis von Bewegungsdaten des Grünen-Politikers Malte Spitz. Das Ergebnis ist beeindruckend - und erschreckend zugleich.
Malte Spitz zeigte 2011, was die Netzbetreiber bei der Vorratsdatenspeicherung alles über ihn an Daten sammeln. Nach dem Ende der Vorratsdatenspeicherung ist die Daten-Sammelwut der Netzbetreiber aber offenbar weiter ungebrochen. Das zeigt eine neuerliche Datenabfrage von Spitz bei der Deutschen Telekom.




