Im Interview mit Grant George und Oliver Gürtler

Windows 8: Warum Microsoft sich gegen Desktop und Startmenü entschied

In Windows 8 ist alles neu. Microsoft hat das Betriebssystem zum ersten Mal speziell auf die Bedienung per Touchscreen ausgelegt, sich für eine neue Benutzeroberfläche entschieden und den Start-Knopf abgeschafft. Doch warum? Netzwelt klärte diese und andere Fragen im Gespräch mit Grant George und Oliver Gürtler von Microsoft.

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Microsoft im Gespräch über Windows 8: Netzwelt sprach im Rahmen des Windows 8 Launch-Events in Berlin mit Oliver Gürtler, Leiter des Geschäftsbereichs Windows bei Microsoft Deutschland. Dabei ging es um die Gründe für das Abschaffen des Startmenüs genauso wie die Entscheidung für die neue Benutzeroberfläche. Zum Video: Microsoft im Gespräch über Windows 8

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Separates OS für Tablets war keine Option
  2. 2Microsoft: Nutzer wollen keinen Start-Knopf
  3. 3Kritik von allen Seiten
  4. 4Internet Explorer-Zwang in Windows RT?
  5. 5Der neue Name für Metro
  6. 6Ist der Desktop tot?
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Eine der größten Neuerungen von Windows 8 empfängt Nutzer sofort nach dem ersten Login - der neue Startbildschirm. Er ähnelt im Design stark dem mobilen OS Windows Phone und wird durch Apps in Form von Kacheln bestimmt. Der klassische Desktop besteht zwar weiterhin, ist aber nur noch über einen Klick auf das entsprechende Feld zu erreichen. Direkt nach dem Login in der klassischen Windows-Ansicht zu landen, ist von Microsoft nicht vorgesehen - doch warum?

Separates OS für Tablets war keine Option

"In der Entwicklung von Windows 8 wollten wir frisch und neu über die Benutzeroberfläche nachdenken", sagt Grant George, Corporate Vice President des Windows Test-Teams, in einer Diskussionsrunde am Rande des Windows 8 Launch-Events in Berlin. In dem gesamten Entwicklungsprozess habe Microsoft nie darüber nachgedacht, zwei getrennte Betriebssysteme zu bauen. Die neue Benutzeroberfläche für Tablets und der Desktop für PCs seien nie eine Option gewesen.

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"Unsere Marktforschung ergab, dass Nutzer auf einem Gerät beides machen wollen - Spaß haben und arbeiten", erklärte George. Der Boot direkt zum Desktop sei nicht möglich, da Nutzer "diese Einführung in den neuen Startbildschirm brauchen", ergänzte Oliver Gürtler, Leiter des Geschäftsbereich Windows bei Microsoft Deutschland.

Microsoft: Nutzer wollen keinen Start-Knopf

Auch bei der Entscheidung, den Start-Knopf abzuschaffen, sei das Feedback der Konsumenten entscheidend gewesen, betonten George und Gürtler. Seit der Veröffentlichung der Developer Preview von Windows 8 hielt Microsoft stetig Rücksprache mit der Entwickler-Gemeinde und die Mehrheit habe das Startmenü nicht zurückgefordert.

Generell sei noch nie eine Version von Windows so viel getestet worden wie Windows 8 und noch nie war das Interesse von Entwickler-Seite her so groß. Weltweit sind dem Unternehmen zufolge 400.000 Entwickler dabei, Anwendungen für Windows 8 zu programmieren. Auch krtisiche Stimmen sind aus der Community jedoch zu hören. 

Windows 8 Launch

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Kritik von allen Seiten

Kürzlich wurde kritisiert, dass zentrale Apps wie beispielsweise Facebook zum Verkaufsstart des Betriebssystems fehlen. Grant George erwiderte daraufhin nur, dass das Soziale Netzwerk in Kürze nachgeliefert wird.

Minecraft-Erfinder Markus Persson alias "Notch" kritisierte Microsoft dafür, mit Windows 8 die offene Plattform PC zu zerstören. Damit spielt der Entwickler auf die Notwendigkeit einer Windows Live-ID an, die für viele Funktionen des neuen Betriebssystems zentral ist, und auf die strengen Richtlinien im Windows Store, dem neuen App Store von Microsoft für Windows 8-Startbildschirm-Anwendungen. 

Wie die Nutzungsbedingungen des Stores enthüllen, sind beispielsweise keine "Ab 18"-Apps im Online-Shop erlaubt, was hierzulande auch populäre Spiele wie Skyrim ausschließen würde. Auch die Altersbeschränkung sei jedoch ein Wunsch der Nutzer gewesen, erwiderte George. Inzwischen ist jedoch bekannt, dass Microsoft ab Dezember auch "Ab 18"-Spiele zulassen wird.

Kritik zog zudem Microsofts Entscheidung auf sich, in Windows RT - der im Funktionsumfang abgespeckten Windows 8-Version für Tablets mit ARM-Prozessoren - den Download von Apps von Drittanbietern für die neue Benutzeroberfläche zu verweigern. George begründete dies mit der Gewährleistung der Sicherheit und der Notwendigkeit, den Programmiercode "sauber zu halten". Nur so könne Microsoft Leistung garantieren.

Internet Explorer-Zwang in Windows RT?

Kritik hagelte es für Microsoft ebenfalls von der Mozilla Foundation und Google. Beide beschwerten sich, dass in Windows RT lediglich der Internet Explorer optimal auf der neuen Benutzeroberfläche funktioniere. Außerdem würde Microsoft für die Entwicklung wichtige APIs zurückhalten. Auch auf diesen Vorwurf reagierte George auf Nachfrage von netzwelt nur knapp: "Weitere Browser werden folgen."

Der neue Name für Metro

Ein Name wurde während der Diskussionsrunde und des späteren Interviews tunlichst vermieden - Metro. Der Begriff, der ursprünglich als Name für Microsofts neue Benutzeroberfläche verwendet wurde, ist inzwischen Tabu. Er sei aber ohnehin nur ein interner Code gewesen und schon immer habe der Plan bestanden, die Bezeichnung zu ersetzen, betonte George. Stattdessen sprachen beide Microsoft-Sprecher nun von "modernen Apps" und einer "modernen Benutzeroberfläche". Läutet Windows 8 denn unwiderruflich das Ende des Desktops ein?

Ist der Desktop tot?

Oliver Gürtler verneinte dies im Interview nachdrücklich und betonte die Wichtigkeit der Oberfläche für viele Nutzer. Grant George lachte nur und schloss mit den Worten: "Ich will die Zukunft nicht vorhersagen."

Laden Sie hier die Testversion von Windows 8 herunter.

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