Fluch der Freiheit

Dishonored - Die Maske des Zorns: Im Kurztest

Ein entehrter Leibwächter will in Dishonored - Die Maske des Zorns die Mörder seiner Monarchin zur Ader lassen, die entführte Tochter retten und letztlich seinen Namen reinwaschen: Bethesda und Rollenspiel-Spezialist Arkane Studios machen daraus einen ebenso clever aufgebauten wie blutigen Rachefeldzug und siedeln ihr Abenteuer in einer stilvollen Steampunk-Welt voller markanter Figuren an. 

?
?



Dishonored: Die Maske des Zorns - Launch Trailer: Der Launch-Trailer von Dishonored: Die Maske des Zorns zeigt auf eindrucksvolle Weise, entscheidende Elemente, die das Spiel prägen. So erhalten Spieler einen kleinen Einblick in die düstere Geschichte um Corvo Atano und seine Beziehung zur verstorbenen Kaiserin. Außerdem sind verschiedene Fähigkeiten zu sehen, die der Spieler nutzen kann. Angedeutet wird das spannende Chaos-System von Dishonored sowie die Freiheit, Missionen auf unterschiedlichsten Wegen zu absolvieren. Zum Video: Dishonored: Die Maske des Zorns - Launch Trailer

Werbung

Urige, von Dampfkraft und Walöl betriebene Apparaturen, hochnäsige Gentlemen, leichte Damen in verschwenderisch verzierten Kostümen und ein Gewirr aus klaustrophobisch engen Gassen, das von schmutzigen Fabrikschloten gekrönt wird: Die Stadt Dunwall wirkt wie ein Zerrbild des viktorianischen Londons, ist irgendwo zwischen der gesellschaftskritischen Prosa eines Charles Dickens und den futuristischen Klamotten eines Jules Verne angesiedelt.

Hinzu kommen ein Hauch von Mystik und Voodoo-Hexerei, denn für seinen Rachefeldzug wird Antiheld Corvo Atano von einem übernatürlichen Wesen - dem Outsider - gerüstet. Mit den verliehenen Fähigkeiten kann Corvo beispielsweise einen Schwarm pestverseuchter Ratten heraufbeschwören, die Zeit verlangsamen, von anderen Besitz ergreifen oder einen Windstoß erzeugen, der Wachen und Banditen meterhoch durch die Luft segeln - und am besten in einer elektrisch aufgeladenen "Lichtwand" landen lässt.

Aber wie bei den ähnlich gestrickten Titeln Thief und Deus Ex sollte man sich in auch Dishonored lieber unauffällig verhalten: Spätestens ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad sind die Gegner gnadenlos auf Zack - und je offensiver sich Corvo bei seinem Rachefeldzug auslebt, desto zahlreicher sind die Schurken.

Zum Glück darf der Meistermeuchler auf ein ganzes Sammelsurium diebischer Fähigkeiten zurückgreifen, mit deren Hilfe sich die Widersacher umgehen oder lautlos ausschalten lassen. Und selbst die magischen Kräfte des Outsiders sind nicht nur zum äußerst perfiden Massakrieren gedacht - auch wenn das tatsächlich großen Reiz besitzt.

Hat man die jeweiligen Kräfte durch das Sammeln von gut versteckten Runen erlernt, darf Corvo Wachen durch Wände hindurch beobachten oder sich über ein paar Meter hinweg auf schmale Podeste, Rohre und Vorsprünge teleportieren: Zusammen mit den Assassinen-Talenten (Gegner von hinten überwältigen, schleichen, aus dem Sprung heraus töten, durch Schlüssellöcher spähen) und der Bewaffnung mit Pistole, Armbrust und Schwert ergibt das eine enorme Bandbreite an Möglichkeiten, wie sich die Missionen angehen lassen.

Und tatsächlich hat sich das Entwickler-Team aus den französischen Arkane Studios (Arx Fatalis, Dark Messiah of Might & Magic) nicht lumpen lassen, wenn es darum geht, Corvos teuflische Fähigkeiten optimal zu nutzen: Die von einer tödlichen Seuche heimgesuchte Stadt Dunwall ist ein Paradies für jeden Langfinger. Das labyrinthische Gassengewirr wird von Rohren, Luftschächten und anderen Klettergelegenheiten durchzogen. Kurzum: Es ist wie dafür geschaffen, Gegner entweder von hinten zu übertölpeln oder zu umgehen. Denn so viel ist sicher: Ob durch die Kanalisation, eine vergessene Seitenstraße oder über die Dächer - irgendwo verbirgt sich immer eine Alternativroute.

Aber Dishonored überzeugt nicht nur durch ausgeklügeltes Spieldesign - auch künstlerisch gibt man sich keine Blöße: Das Szenario aus der digitalen Feder des bulgarischen Zeichners Viktor Antonov (Half-Life 2) ist herrlich dreckig, verschroben und auf Comic-hafte Weise bizarr. Damit bildet es eine willkommene Abwechslung vom sterilen, auf Möchtegern-Realismus getrimmten Effekt-Overkill, den amerikanische Entwickler-Studios am Fließband produzieren. Kurzum: Dishonored hat Geist, hat Charme und hat Seele - auch wenn es eine bitterböse, schwarze Seele ist.

Anders als bei den meisten modernen Actionspielen ist die teils überzeichnete Gewaltdarstellung kein plumpes Heischen um die Aufmerksamkeit, sondern künstlerisch clever eingesetzte Provokation. Darüber hinaus wird tödliche Gewalt durchaus vom Spiel registriert. Moralische Entscheidungen - etwa ob man Whiskyvorräte vergiften soll oder nicht - haben durchaus Einfluss auf den Fortgang der Geschichte und resultieren nicht selten in zusätzlichen Einsätzen und Aufgaben.

Dishonored - Die Maske des Zorns: Im Kurztest


Fazit

Dishonored fühlt sich an wie eine Mischung aus Thief und begehbarem franko-belgischen Comic-Album und ist das erste Schleichspiel, das auch für jene Gamer funktioniert, die nicht jede Situation stur auswendig lernen wollen. Die Kombination aus irdischen und überirdischen Talenten versetzt selbst zurückhaltende Spieler in einen regelrechten Macht- und Experimentierrausch. Allerdings sind manche von Corvos Fähigkeiten - allen voran das Teleportieren - zu mächtig geraten. Die daraus resultierende Handlungsfreiheit hebelt nicht selten das Spielprinzip aus. Der blass bleibende Antiheld, die vor sich hinplätschernde Geschichte und das etwas enttäuschende Finale sorgen letztlich dafür, dass Dishonored nur ein sehr gutes und kein bahnbrechendes Spiel ist.

Weitere Gaming-Kurztests finden Sie hier auf netzwelt.

Datenblatt

Dishonored - Die Maske des Zorns
SpielnameDishonored - Die Maske des Zorns
HerstellerArkane Studios
VertriebBethesda Softworks / ZeniMax
GenreAction
Erhältlich ab12.10.2012
Preisca. 60 Euro
EAN Code0093155119192
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 18 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges 
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundsehr gut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPC
SystemXbox 360
SystemPlayStation3

Nachricht bereitgestellt von teleschau - der mediendienst

Mehr zum Thema »

Links zum Thema