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Kommentar: Intels Milliardengewinn oder Jammern auf höchstem Niveau
Von Desktop zu Mobile und zurück

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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AMD und Intel jammern! Warum? Weil die Käufer nur noch Smartphones wollen! Aber haben sie dazu einen Grund? Und wenn ja, wird sich das nicht bald schon wieder ändern?

Intel und AMD melden sinkende Gewinne und blicken neidisch auf die Chiphersteller der Mobilbranche. Diese machen derzeit mit Mobil-Chips für Smartphones und Tablet-PCs riesige Umsätze. Doch spätestens, wenn der Mobilmarkt gesättigt ist, wird Intel mächtig zurückkommen – und wahrscheinlich auch AMD.

Intels Atom-Prozessor Z2760 soll Windows-8-Tablets antreiben. (Quelle: Intel)

Der Prozessorhersteller Intel hat im dritten Quartal 2012 einen Nettogewinn von fast drei Milliarden US-Dollar gemeldet. Drei Milliarden US-Dollar Nettogewinn in nur drei Monaten! Da darf man schon mal ein Ausrufezeichen setzen. Aber bei Intel ist man natürlich nicht zufrieden. Denn gegenüber dem Vorjahresquartal ist der Gewinn um fünf Prozent gesunken.

Verantwortlich gemacht für diesen Gewinneinbruch - wenn man überhaupt von einem Einbruch sprechen will - werden neben der schwierigen Lage der Gesamtwirtschaft die sinkenden PC-Umsätze und natürlich der Boom bei Smartphones und Tablet-PCs. Und hier haben zurzeit Hersteller wie Qualcomm mit der von ARM lizenzierten Chiparchitektur einen Lauf. Qualcomm, Hersteller des bei Smartphones häufig eingesetzten Snapdragon-Prozessors, hat gerade einen Nettogewinn von 1,2 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal gemeldet, satte 17 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

AMD, das ewige Sorgenkind

Während man bei Intel aber eigentlich von Jammern auf höchstem Niveau sprechen muss, sind die Probleme von AMD deutlich größer. Die Gewinnprognose für das dritte Quartal sagt einen Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr voraus - die endgültigen Quartalszahlen lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor - Branchenexperten sprechen schon von einem drohenden „massiven Stellenabbau“ oder spekulieren, Qualcomm könnte Interesse an dem schwächelnden Chiphersteller aus Sunnyvale, Kalifornien haben. AMD, das ewige Sorgenkind der Halbleiterbranche, der ewige Zweite hinter Intel. Wenn man bedenkt, dass Intel weltweit über 16 Fabs verfügt und AMD über seinen Produktionspartner Global Foundries wohl nur auf zwei oder drei Werke zurückgreifen kann, darf man erstaunt sein, dass AMD überhaupt so lange mithalten konnte, zumal Intel in den letzten zwei Jahrzehnten immer mit harten Bandagen und nicht immer mit fairen Mitteln gegen den Konkurrenten vorgegangen ist.

Intel schickt seinen Atom-Prozessor Z2760 ins Rennen bei Windows-8-Tablets. Mit dem gerade angekündigten AMD Z-60 Accelerated Processing Unit (APU) will auch AMD mitmischen. AMD hat sich in der Vergangenheit in so mancher Krise als ausgesprochen zäh erwiesen, es bleibt zu hoffen, dass der Chiphersteller auch dieses Mal wieder in die richtige Spur kommt.

Windows-Partnerschaft zieht nicht mehr

Schlecht für beide Chiphersteller ist allerdings, dass die altgediente Partnerschaft mit Microsoft nicht mehr so richtig funktioniert. Spätestens seit dem Flop von Windows Vista können sich Intel und AMD nicht mehr darauf verlassen, dass ein neues Betriebssystem von Microsoft auch den Absatz von PCs, respektive Prozessoren, Chipsätzen und Grafikkarten in die Höhe treibt. Die Bedienoberfläche von Windows 8 orientiert sich so stark an der App-Kultur der Mobilgeräte, dass es kaum noch als Desktop-Betriebssystem wahrgenommen wird. Fraglich also, ob Windows 8 den großen Schub für Desktop-Rechner bringt.

Das Ende des Mobil-Booms

Trotzdem wird auch die Begeisterung für Mobilgeräte irgendwann mal abflauen. Die phantastischen Zuwachsraten von Smartphones und Tablets erklären sich zum großen Teil dadurch, dass die Geräte auf einem sehr niedrigen Niveau gestartet waren. Vor fünf Jahren hatten nur Technik-Fans und Geschäftsleute ein Smartphone, heute will praktisch jeder eins haben, deshalb explodieren die Umsätze. Es ist allerdings absehbar, dass auch dieser Markt irgendwann so gesättigt sein wird, wie es der PC-Markt seit einigen Jahren ist.

Die Industrie will uns weismachen, dass Mobilgeräte geniale Alleskönner seien, die den Desktop-Rechner nahezu überflüssig machen. Das will sie deshalb, weil mit Smartphones und Tablets mehr Geld zu verdienen ist. Die Geräte lassen sich kaum aufrüsten und sind technisch vielfach noch nicht ausgereift. So kommen alle paar Monate neue Features hinzu: noch bessere Touchdisplays, noch schnellere Prozessoren, noch pfiffigere Apps, noch cooleres Design. Dementsprechend werden Smartphones oder Tablets schon nach zwei oder drei Jahren ausgetauscht. Ein PC kann mit ein paar preisgünstigen Aufrüstmaßnahmen (Festplatte, Grafikkarte, Arbeitsspeicher) problemlos fünf Jahre und mehr durchhalten.

Mobilgeräte verursachen Mehrkosten

Doch wenn erst mal jeder das zweite oder dritte Smartphone in der Schublade und die Spirale der technischen Entwicklung abgebremst hat, wird die Ernüchterung auf dem Mobilmarkt einsetzen. Unternehmen werden auf die Kosten blicken. Smartphones, Notebooks und Tablets sind nicht nur in der Anschaffung teurer, sie verlangen auch Extra-Aufwand bei der Anbindung ans Unternehmens-Netzwerke und bei der Datensicherheit, was wiederum Geld kostet.

Und bald schon wird sich die Binsenweisheit in den Köpfen wieder durchsetzen, dass langes, konzentriertes und ergebnisorientiertes Arbeiten doch am besten im Büro stattfindet - an einem schnellen PC mit einem Prozessor von Intel oder AMD …

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Kommentar: Intels Milliardengewinn oder Jammern auf höchstem Niveau
Kommentar: Intels Milliardengewinn oder Jammern auf höchstem Niveau
Ersetzt das Smartphone den PC? Oder ist das nur jetzt gerade Trend und wird sich bald schon wieder legen?
http://www.netzwelt.de/news/94067-kommentar-intels-milliardengewinn-jammern-hoechstem-niveau.html
2012-10-19 17:16:03
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Kommentar: Intels Milliardengewinn oder Jammern auf höchstem Niveau