Kommentar: Wie das Internet uns klüger macht

Surfen, Navigieren, Kombinieren

Außerdem hat das Surfen auch einen Trainingseffekt auf den Intellekt. Denn das ständige Wechseln von Seiten, das Navigieren durch verschiedene Inhalte, das schnelle Erfassen von Kurztexten, Symbolen und Bildern benötigt auch eine geistige Fähigkeit. So muss man viele kleine Entscheidungen treffen, was man anklickt und was nicht, auf welcher Seite man verweilt und auf welcher nicht und wie Informationen einzuordnen sind. Diese Fähigkeit hat viel mit selbstständigem Denken zu tun. Jeder muss beim Websurfen selbst entscheiden, wohin er surft und wie er Informationen einordnet und verbindet.

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Die klassischen Bücherleser und Bildungsbürger auf der einen Seite, die Internetsurfer auf der anderen. Hier stehen sich in gewisser Weise zwei Begriffe von Bildung gegenüber. Der konventionelle Bildungsbegriff, den Spitzer, Greenfield und andere vertreten, basiert im Wesentlichen auf drei Qualitäten: Der kluge Mensch sammelt und speichert Wissen, er konzentriert sich für lange Zeit auf ein Thema und er arbeitet sich durch Nachdenken tief in dieses Thema ein. Der klassische Intellektuelle eben.

Der Internetsurfer hingegen bewegt sich sprunghaft durch die Welt des vorhandenen Wissens, er wechselt in schnellem Takt zwischen den Informationen und er verknüpft diese auf immer neue Weise. Der dynamische Internetsurfer eben.

Mit anderen Worten: Hier ein statischer Bildungsbegriff, in dem der Mensch vertikal in die Tiefe des Wissens eindringt, dort ein dynamischer Bildungsbegriff, bei dem der Mensch an der Oberfläche bleibt und Elemente beweglich miteinander verknüpft.

Globalisierung und Neue Medien

Diese neue Art, mit Wissen umzugehen, die durch das Internet gefördert wird, passt zur Globalisierung. Denn es ist die Globalisierung, die über Regionen und Kontinente hinweg ganz neue Zusammenhänge und Strukturen erzeugt. Fast jeder bekommt das täglich in Arbeit und Freizeit zu spüren. Um die Globalisierung und ihre Folgen zu verstehen, sind andere Fertigkeiten nötig, als das in die Tiefe gehende, analytische Denken und das Sammeln von Wissen. Es ist vielmehr nötig, Phänomene aus verschiedenen Kulturen miteinander zu verknüpfen und gemeinsame Muster zu erkennen. Genau die Art von "Intelligenz", die durch das Internetsurfen potenziell gefördert wird.

Zugegeben, eine etwas steile These, aber wahrscheinlich nicht ganz falsch. Wenn sie stimmt, dann ist das Internet der beste intellektuelle Katalysator für den Menschen im Zeitalter der Globalisierung. Es macht uns hier ein bisschen dümmer und da ein bisschen klüger. Trotzdem kann es nicht schaden, abends wieder mal ein anspruchsvolles Buch zu lesen. Es muss ja nicht gleich Immanuel Kant sein …



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