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Kommentar: Konsum-Revolution auf Facebook
Die Macht der Masse

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Schwarm-Intelligenz aus Facebook und Co für bessere Produkte im realen Leben. Oder: Wenn sich viele zusammentun, können sie die Welt verändern. Oder Hersteller dazu bringen, wieder 16:10-Monitore herzustellen.

Die Facebook-Präsenz der Hersteller und der vielbeschworene Dialog mit dem Kunden hat dem Verbraucher wenig gebracht. Service und Produkte sind nicht besser geworden. Dabei wäre ein soziales Netzwerk eine ideale Plattform für Nutzer, um ihre Bedürfnisse anzumelden. Für die Hersteller könnte das noch gefährlich werden.

Massenware Hightech: Canons Powershot A4000 IS. (Quelle: Canon)

Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass die großen Hightech-Unternehmen angefangen haben, sich in Facebook breitzumachen. Da wollten sie mit den Kunden in Dialog treten, täglich Feedback einsammeln und "näher am Kunden" sein. Gute Idee, wenn am Ende besserer Service und bessere Produkte stehen.

Aber sieht man sich einmal die Produkte an, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, ist davon nichts zu merken.

Pseudo-Vielfalt bei Geräten

Nach wie vor bietet die Produktwelt der Hightech-Branche immer noch die gleiche Pseudo-Vielfalt. So gibt es in jeder Gerätekategorie wie beispielsweise bei Digicams viele verschiedene Modelle, doch bei genauerem Blick merkt man, dass die Basistechnik immer dieselbe ist und nur ein Schräubchen hier und ein Knöpfchen da hinzugefügt wurde. So lässt sich eine Basistechnik kostensparend in scheinbar unterschiedlichen Geräten vermarkten.

Aber nach wie vor gibt es viele Menschen, die genau das Gerät, das sie brauchen, nicht finden. So zum Beispiel Displays im Format 16:10. Bei Notebooks ist 16:10 schon ganz verschwunden, bei Desktop-Displays muss man lange suchen. Dabei wäre dieses Format gerade für Office-Anwendungen viel sinnvoller als das "Kino-Format" 16:9. Doch die Hersteller haben ihre Produktionsstraßen längst auf 16:9-Panels umgestellt. Das Einheitsmaß ist profitabler für die Hersteller. Der Kunde hat das Nachsehen.

Nicht viel anders die Lage bei Digicams. Die Markenhersteller machen viel Gewese um die Funktionen ihrer jeweils neuesten Modelle, doch die Basistechnik ist immer dieselbe. Ambitionierte Fotografen, die beispielsweise eine besonders lichtstarke Kamera mit großem Sensor und wenig Schnickschnack suchen, müssen entweder sehr tief in die Tasche greifen oder eben verzichten.

Facebook, das Werkzeug der Konsum-Revolutionäre

Zurück zu Facebook. Das Netzwerk, das im arabischen Frühling schon seine Tauglichkeit als Werkzeug der Revolution gezeigt hat, könnte auch in der Konsumwelt nützlich werden. Zum Beispiel als Plattform für frustrierte Hightech-Fans, die das Gerät, das sie brauchen, einfach nicht bekommen. Und die es satt haben, dass die Unternehmen ihnen ständig einreden wollen, was gut für sie ist.

Eine Milliarde Menschen sollen mittlerweile auf Facebook sein. Eine Milliarde Verbraucher könnten eine bedrohliche Gegenmacht für die Apple, Canon, Sony und Konsorten bilden, wenn sie sich nur geschickt vernetzen. Facebook könnte selbst eine Plattform für die Entwicklung neuer Produkte werden. Gesteuert und organisiert von aktiven Konsumenten.

Das könnte beispielsweise so laufen: Ein Teilnehmer-Nutzer postet Ideen und Konzepte für eine Digitalkamera, die es noch nicht gibt: Schwenkbares LC-Display, Standard-AA-Batterien, Vollformatsensor, schneller Bildprozessor, hohe Lichtstärke von 1,8 oder besser und die Möglichkeit, die Bedienung auf dem PC individuell zu konfigurieren. Wer so eine Kamera gut findet, meldet sich an und kann weitere Ideen beisteuern, die das Konzept verfeinern. Sind genügend Interessenten zusammen, schlägt die Stunde der Wahrheit. Jeder muss einen bestimmten Betrag auf ein Konto einzahlen und sich verpflichten, die Kamera am Ende auch zu kaufen, wobei ein Höchstpreis festgelegt wird.

Von dem eingezahlten Geld kann ein Team bezahlt werden, das Design und technische Merkmale der Digicam festlegt, Hardware-Hersteller kontaktiert und mit diesen Stückzahlen und Preise aushandelt. Der Hardware-Hersteller fertigt die Kamera dann nach den vorgegebenen Spezifikationen und bekommt eine Garantie, dass die Facebook-Community ihm alle produzierten Geräte abkauft. Die Nutzer bekämen dann keine unbezahlbare maßgeschneiderte Kamera, aber ein Produkt, das genau ihre Anforderungen erfüllt und kein reines Massenmarkt-Produkt ist.

Sicherlich ist das in der Realität nicht so einfach, wie es hier skizziert wurde. So dürften allein die im Hightech-Bereich vorhandenen Patente eine große Schwierigkeit darstellen. Aber prinzipiell möglich ist es. Die Zukunft wird zeigen, ob sich ein Trend in diese Richtung abzeichnet.

Für viele Konzerne, die nichts mehr selbst fertigen und nur noch ihr Logo auf das Gerät kleben, wäre das ein Albtraum. Ein Albtraum vom Verbraucher, der sich nichts mehr einreden lässt, sondern mithilfe des sozialen Netzwerks genau das bekommt, was er wirklich haben will.

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Schwarm-Intelligenz aus Facebook und Co für bessere Produkte im realen Leben. Oder: Wenn sich viele zusammentun, können sie die Welt verändern. Oder Hersteller dazu bringen, wieder 16:10-Monitore herzustellen.

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Kommentar: Konsum-Revolution auf Facebook
Kommentar: Konsum-Revolution auf Facebook
Wenn viele Nutzer ein Produkt wollen, wird es hergestellt. Aber woher weiß der Hersteller, dass viele Nutzer ein bestimmtes Produkt wollen. Sind Facebook und Co die Antwort?
http://www.netzwelt.de/news/93912-kommentar-konsum-revolution-facebook.html
2012-10-05 16:58:11
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Kommentar: Konsum-Revolution auf Facebook