Im Interview

Vernetztes Wohnen: Das Smart Home von Kuhnmedia und inHaus

Die Firmen Kuhnmedia und inHaus bieten eine Smart Home-Komplettlösung an, mit der alle Endgeräte sowie Multimedia-Systeme kompatibel sein sollen. Ob sich auch ein UKW-Radio, ein Blumentopf oder Röhrenfernseher mit einem vernetzten Haus verbinden lassen, verrieten Enrico Löhrke von inHaus und Fred Kuhn von Kuhnmedia im Interview.

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Smart Home-Komplettlösung von Kuhnmedia und inHaus: Die Firmen Kuhn Media und inHaus bieten eine Smart Home-Komplettlösung an. Netzwelt hat sich das System näher angeschaut und mit den Anbietern über Probleme und Realisierbarkeit gesprochen. Zum Video: Smart Home-Komplettlösung von Kuhnmedia und inHaus

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netzwelt: Nehmen wir an, ich hätte gerne eine komplette Haussteuerung. Also eine zentrale Steuerung von Multimedia, Heizung, Strom, Licht, Wasser sowie die Gewährleistung von Sicherheit und Energieeffizienz. Und das alles will ich mit meinem Android-Smartphone steuern, ist das möglich?

Löhrke: Ohne Probleme. Sie können beliebige Endgeräte nutzen, egal ob das ein Tablet-PC ist oder ein Smartphone. Wir arbeiten auch gerade daran, den Fernseher als Bedienoberfläche zu integrieren. Ein Smartphone ist vielen zu klein, aber für unterwegs ganz interessant, um ein paar wesentliche Funktionen zu sehen und zu bedienen. Fürs Haus ist dann eher eine größere Displayform spannend. Sie sind zudem auch an keinen Netzbetreiber gebunden, da die Haussteuerung nicht über Mobilfunk sondern über WLAN funktioniert.

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netzwelt: Gibt es mit WLAN keine Probleme bei einer Haussteuerung, wenn beispielsweise auch die Netzwerke der Nachbarn in unmittelbarer Umgebung sind?

Löhrke: WLAN ist sicherlich nicht gleich Kabel. Gerade in dicht besiedelten Gebieten kann es schwieriger sein, das eigene WLAN einzurichten. Daher bervorzugen wir auch die Verwendung von Kabeln, wenn es möglich ist. Auch eine kabellose Haussteuerung lässt sich jedoch mittlerweile relativ unkompliziert lösen.

netzwelt: Und was kann ich von meinem Endgerät aus im Haus alles steuern?

Löhrke: Auf der Startseite unserer App bekommen sie zunächst einmal einen Überblick darüber, was eigentlich vor der Wohnung oder dem Haus los ist. Sie bekommen Informationen über das Wetter genauso wie Hinweise darüber, ob alle Türen und Fenster geschlossen sind - und zwar in Echtzeit. Darüber hinaus ersetzt das intelligente Haus die Alarmanlage.

netzwelt: Das Smart Home schaltet also eine Sirene an? 

Löhrke: Viel mehr als das. Bei einem Einbruch gehen im ganzen Haus die Lichter an und die Rolläden fahren hoch. Außerdem lässt sich das System so konfigurieren, dass automatisch ein Anruf an ihr Mobiltelefon oder einen Sicheherheitsdienst getätigt wird. 

netzwelt: Wie ist es mit virtuellen Gefahren? Was passiert, wenn ein Computervirus oder Trojaner von meiner Haussteuerung Besitz ergreift? Fahren sich dann meine Jalousien ständig hoch und runter, ohne dass ich etwas dagegen tun kann?

Löhrke: Da kann ich sie beruhigen. Es gibt keinen zentralen PC, auch keinen zentralen Windows-PC, der die Hoheit über die Wohnumgebung hat. Die Kontrolle hat ein System, das dafür ausgelegt ist, 24 Stunden am Tag zu laufen. Dadurch ist es auch nicht anfällig für Viren. 

netzwelt: Kann der Nutzer auf dieses System zugreifen, wann er will?

Löhrke: Nein, das System ist in der Regel im Sicherungsschrank integriert. Im Idealfall ist das der Raum, in den die Bewohner gar nicht mehr hinein müssen und deswegen ist es auch nicht sichtbar irgendwo eingebaut.

netzwelt: Und Software-Updates braucht das System nicht?

Löhrke: Viele Personen vergleichen das System eines vernetzten Hauses mit einem Betriebssystem. Es ist jedoch anders. In dem Moment, wo es einmal installiert ist, läuft es. Das wird, auch bis Sie das Haus nicht mehr nutzen oder es abgerissen wird, laufen und bedarf keiner Updates. Es sei denn, der Nutzer wünscht sich neue Funktionen.

netzwelt: Ist es möglich Ihre Haussteuerung so zu konfigurieren, dass wenn ich einen Film einschalte, automatisch das Licht ausgeht und sich am besten auch noch das Telefon ausschaltet?

Löhrke: Selbstverständlich. Es gibt die Möglichkeit, verschiedene Szenarien abzurufen und diese nach den eigenen Vorlieben zu konfigurieren. So brauchen Sie beispielsweise nur auf die Abend-Szene zu klicken und automatisch wird dann das Licht gedimmt und ruhige Musik angestellt. 

netzwelt: Und was kann ich alles für Multimedia-Geräte verbinden?

Kuhn: Zum einen lässt sich da natürlich das TV-Programm für jeden Raum mit Fernseher kontrollieren. Dazu kommt ein zentraler Audio- und Videoserver, auf dem ich meine Musik, Fotos und Filme archivieren kann. Diese lassen sich über Netzwerk in beliebig vielen Räumen abrufen. Genau wie Heizung, Fenster oder Licht, lassen sich auch diese Medien zentral mit dem iPad steuern. Darüber hinaus ist es zudem möglich, Docking-Stationen für iPhone oder iPod genauso wie Radios zu integrieren. Auch von diesen Geräten habe ich den Content im gesamtem Haus zur Verfügung.

Im Gespräch mit Kuhnmedia und inHaus

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netzwelt: Kann ich auch alte Standard-Radios ohne Internetverbindung in das Netzwerk einbinden?

Kuhn: Ja, auch ein altes UKW-Radio lässt sich integrieren. Dafür würde es mit einem entsprechenden Kabel an das Netzwerk angeschlossen. Genauso auch bei Fernsehern. Es ist nicht notwendig, einen internetfähigen Fernseher zu besitzen. Wenn gewünscht, lässt sich sogar ein Röhrenfernseher zu dem System hinzufügen. 

netzwelt: Ist es möglich, nachträglich Geräte zu ergänzen?

Kuhn: Das ist möglich ja. Immer vorausgesetzt, dass die Geräte über die notwendigen Schnittstellen verfügen. Aber im Fall von Multimedia ist in der Regel immer Infrarot vorhanden, worüber sich das Gerät dann einbinden lässt.

netzwelt: Und wenn ich mir, nachdem meine Haussteuerung eingebaut ist, noch eine internetfähige Waschmaschine kaufe und die integrieren möchte, geht das auch?

Kuhn: Ja, wenn diese einen LAN-Anschluss besitzt - was bei den meisten netzfähigen Waschmaschinen der Fall ist - ist das kein Problem. Allerdings muss dafür der Fachmann kommen und unter anderem die Benutzeroberfläche der App entsprechend anpassen. Was sie als Verbraucher selbst bestimmen können, sind die Abläufe im Haus. Zum Beispiel wenn Sie das Haus verlassen, können Sie einstellen, dass das Licht überall ausgeht und alle schaltbaren Steckdosen ausgeschaltet werden, um etwa eine Kaffeemaschine dauerhaft vom Strom zu nehmen. 

netzwelt: Was mache ich eigentlich bei einem Stromausfall, wenn alle meine Geräte sich nur zentral steuern lassen?

Kuhn: Nun ja, bei Stromausfall geht ja auch bei einem nicht vernetzten Haus nichts mehr. Und wenn ihre Jalousien elektrisch sind, bekommen sie diese auch dann nicht mehr hoch oder runter.

netzwelt: Ich seh gerade die Pflanze neben Ihnen, die ist aber nicht mit an die Haussteuerung angeschlossen oder?

Kuhn: (lacht) Grundsätzlich ist auch das möglich und es gibt automatisch bewässernde Blumentöpfe. Diese ist aber definitiv nicht vernetzt. 

netzwelt: Wie viel kostet ihre Haussteuerung ungefähr?

Kuhn: Also Grundfunktionen lassen sich in kleineren Wohnanlagen schon ab 1.500 bis 2.000 Euro realisieren. Bei normalen Einfamilienhäusern beginnen die Preise in etwa bei 8.000 bis 10.000 Euro. Nach oben hin sind natürlich keine Grenzen gesetzt. 

netzwelt: Und wie lange dauert es ungefähr, einen bestehenden Haushalt umzurüsten? Wie lange habe ich dann Handwerker im Haus?

Kuhn: Also inklusive Planung, Einbau und Programmierung dürfte die Realisierung einer Haussteuerung je nach Umfang der Umbaumaßnahmen zwei bis drei Wochen dauern. 

netzwelt: In den USA ist der Smart Home-Markt schon wesentlich ausgeprägter als bei uns, wo es noch vergleichsweise wenig Anbieter von Haussteuerungen gibt. Was glauben Sie, warum ist das so?

Kuhn: Gott sei Dank ist das so. Wir haben hier noch ganz viel Potential und viel zu tun. 

netzwelt: Sie glauben also nicht, dass deutsche Kunden Angst davor haben, ihr Eigenheim zu vernetzen und durch die Anbindung ans Internet angreifbarer zu machen?

Kuhn: Nein, das glaube ich nicht. Viele Elektrofirmen sind hierzulande noch nicht so aufgestellt, dass sie diese Thematik mit angehen. Auch das haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Wir treten mit Elektrikern und Architekten in Verbindung und bringen ihnen diese Thematik näher, damit künftig mehr solcher Systeme hier in Deutschland auch verbaut werden. 

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