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Verkehrte Netzwelt: Schöne Illusionen aus der Digicam
Muss denn alles authentisch sein?

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Die Digitale Fotografie ist nicht authentisch, Facebook und MP3-Musik auch nicht. Aber ist dies denn wirklich so schlimm?

Die Kritiker der Digitalfotografie haben während der Photokina wieder reichlich Stoff zum Meckern. Digifotos seien nicht "authentisch", sagen sie. Aber ein Blick auf das "authentische" Leben zeigt, dass die virtuelle Welt der Photoshop-Fotos doch viel schöner ist.

Die Digitalfotografie ist nicht authentisch. Na und?

Wenn technische Neuheiten vorgestellt werden, sind auch gleich die Kritiker zur Stelle. Besonders die Digitalfotografie bekommt ihr Fett weg. Wie jetzt gerade wieder auf der Photokina. Mit der Digicam würde man nicht so sorgfältig fotografieren und die Bilder sähen so künstlich aus. Das Feuilleton lispelt, digitale Fotos seien nicht "authentisch".

Doch wer braucht schon authentische Bilder? "Authentisch" ist doch der ganze Tag. Um sieben Uhr morgens stehen wir nach einer viel zu kurzen Nacht auf, schleppen uns ins Badezimmer und werfen einen gequälten Blick auf unser authentisches Spiegelbild. Eine halbe Stunde später, nach dem immer gleichen, hektischen Frühstück, hetzen wir zum Bus, wo wir den authentischen Anblick schlechtgelaunter Arbeitssklaven haben. Überaus authentisch geht es den ganzen Tag auch im Büro zu.

Abends warten wir im Regen auf den Bus. Die schweren Einkaufstüten an der linken und an der rechten Hand leiern uns den Arm aus. Im Bus warten Hunderte von "authentischen", das heißt erschöpften und übellaunigen Mitmenschen, die sich gemeinsam von Station zu Station durchschütteln lassen.

Foto gefällig? Nein danke, das "Authentische" kennen wir bereits.

Sandstrand mit Wolken

So richtig schön "authentisch" war auch mein Frankreich-Urlaub. Fünf Tage an der Côte d’Azur. Statt Sonne wie im Urlaubskatalog gab es schneidend kalten Wind und Regen. Die wenigen Stunden, die man an den Strand gehen konnte, waren ganz okay, aber die Fotos von der Digicams waren natürlich nicht zu gebrauchen. Wer will schon einen Strand mit grauen Wolken und missmutig dreinblickenden Menschen sehen. Wie gut, dass es die Bildbearbeitung am PC gibt. Damit kann man einen wundervoll blauen Himmel mit ein paar schmucken Wölkchen ins Bild einpassen. Mit der CMYK-Farbpalette habe ich dann auch noch ein wenig rumgespielt, den Gesichtern ein wenig Urlaubsbräune geschenkt und die Zähne ein bisschen aufgehellt. Zugegeben, das ist nicht ganz so "authentisch" wie die toten Kakerlaken unter dem Hotelbett oder die labberigen Croissants zum Frühstück. Aber irgendwie doch schöner anzuschauen.

Mit Videos ist das nicht anders. Der öde Bootsausflug wird mit ein paar Farbeffekten, satten Sounds und schnellen Schnitten zum spannenden Wassersport-Event.

Um diesen Frankreich-Urlaub werden uns jedenfalls alle beneiden. Zumindest alle, die nicht dabei waren.

Geblubber um Authentizität

Das Authentizitäts-Geblubber gibt es ja in allen Bereichen. Zum Beispiel beim Thema MP3. Da hat man Spaß, wenn man unterwegs seine Lieblingsmusik aus dem MP3-Player von Trekstor oder dem iPod hören kann und abends auf der Feier kommt dann so ein Kultur-Heini daher und erzählt irgendwas von wegen, dass "die datenkomprimierte Musik nicht mehr lebt und atmet". Klar, der Kultur-Heini sitzt abends natürlich mit einem Glas Rotwein oder einem schottischen Whisky (natürlich Single Malt) vor seiner edlen Stereoanlage und lauscht den intimen Klängen einer Jazz-Combo. Das "lebt und atmet", bis man einschläft.

Ach ja, und Facebook wollen sie uns auch mies machen. Echte Freundschaften seien viel besser, tönt es uns aus dem Lager der Humanisten und Pädagogen entgegen. Es drohe die soziale Vereinsamung, die emotionale Verarmung, schluchz. Ich weiß nicht so recht, echte Freunde können ganz schön lästig sein. Zum Beispiel wenn sie einen totquatschen oder wenn sie nicht mehr gehen wollen. Oft sind sie dann auch noch anderer Meinung. In Facebook kann man solche Nervensägen einfach wegklicken.

Das nenne ich bedienfreundliches Sozialleben.

Alte Socken und Pappschnee

Das authentische Leben, das ist doch in Wahrheit nichts anderes als Würstchenbuden, alte Socken und Pappschnee im Winter. Macht das wahre Leben schöner, dann brauchen wir keine Digicams, kein Facebook und keine Videoeffekte. Schafft sie ab, die Kakerlaken unter dem Bett, die schweren Einkaufstüten und die grauen Wolken. Sagt den Nörgel-Freunden, dass sie mal die Klappe halten sollen.

Erst dann werden wir unsere Digicams auf Real-Life-Doku-Modus stellen, Photoshop deinstallieren, den MP3-Player gegen eine echte Geige tauschen und unseren falschen Facebook-Freunden Lebewohl sagen.

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Kommentare zu diesem Artikel

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  • das-maesi schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Schöne Illusionen aus der Digicam

    Schöner Bericht, Provokation gesucht und gefunden.

    Um ehrlich zu sein, versuche ich mein Leben schon noch etwas authentisch zu gestalten, was hab ich denn davon, wenn mich andere um einen Urlaub beneiden, den ich selber am liebsten so schnell wie möglich wieder vergessen würde? Wofür andere neidisch machen wollen? Bringt das eine Art Selbstbefriedigung mit sich? Was nützt es, einem selbst etwas vorzugaukeln? Die bittere Wahrheit holt einem nur allzu schnell wieder ein. Und aus negativen Erlebnissen lassen sich immer die besten und lustigsten Geschichten basteln. ;)

    Auf Facebook habe ich letzhin mal "ausgemistet" und habe jetzt nur noch Freunde in der Liste, die ich auch im "authentischen" Leben immer mal wieder sehe, oder die mir persönlich etwas bedeuten, Leute die ich nicht will, ignoriere ich. So bin ich zum Glück auch im "authentischen" Leben veranlagt. ;)

    Ich bin sicher der Berichtschreiber selbst ist ein äusserst sozialer Mensch, der ständig unter Leuten ist und den den Umgang mit ihnen auch geniesst, nur bringt der Bericht das heutige Sozialleben vieler Menschen leider nur allzu gut auf den Punkt, mehr Schein als Sein, so ist die Gesellschaft heute unterwegs, teure Autos, die der Bank gehören, immer das neueste iPhone oder Pad in der Tasche, denn man will ja dazugehören.

    So gesehen, gibt es kein "authentisches" Leben mehr... Denn auch in dieser Welt regiert nur noch der Schein und das Leben findet hinter dem Smartphone Bildschirm statt, denn mit Flatrates, etc. lässt sich der "authentischen" Welt und damit dem direkten Kontakt und dem daraus folgenden Konflikt mit - für Manche, ach so mühsamen - Diskussionen prima entgehen.

    Aber keine Angst, auch ich verstecke mich bisweilen hinter meiner PS Vita und höre Musik im mp3 Format ;)
  • Nicy schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Schöne Illusionen aus der Digicam

    Mein Sozialleben ist ganz und gar nicht "bedienfreundlich"...aber dafür schaffe ich es auch nicht, Dutzende oder gar Hunderte "Freunde" zu haben... ...mit bedienfreundlichen, wegklickbaren Freundschaften klappt das aber scheinbar ganz gut - jedem Tierchen sein Plaisirchen... ;)

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Verkehrte Netzwelt: Schöne Illusionen aus der Digicam
Digitalfotografie ist nicht authentisch, na und? Muss denn alles authentisch sein, fragt die Verkehrte Netzwelt.
http://www.netzwelt.de/news/93773-verkehrte-netzwelt-schoene-illusionen-digicam.html
2012-09-22 10:25:16
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/digitalfotografie-authentisch-na--bild-netzwelt-16351.jpg
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