Muss denn alles authentisch sein?

Verkehrte Netzwelt: Schöne Illusionen aus der Digicam

Die Kritiker der Digitalfotografie haben während der Photokina wieder reichlich Stoff zum Meckern. Digifotos seien nicht "authentisch", sagen sie. Aber ein Blick auf das "authentische" Leben zeigt, dass die virtuelle Welt der Photoshop-Fotos doch viel schöner ist.

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Die Digitalfotografie ist nicht authentisch. Na und? (Bild: netzwelt)
Die Digitalfotografie ist nicht authentisch. Na und? (Bild: netzwelt)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Sandstrand mit Wolken
  2. 2Geblubber um Authentizität
  3. 3Alte Socken und Pappschnee
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Wenn technische Neuheiten vorgestellt werden, sind auch gleich die Kritiker zur Stelle. Besonders die Digitalfotografie bekommt ihr Fett weg. Wie jetzt gerade wieder auf der Photokina. Mit der Digicam würde man nicht so sorgfältig fotografieren und die Bilder sähen so künstlich aus. Das Feuilleton lispelt, digitale Fotos seien nicht "authentisch".

Doch wer braucht schon authentische Bilder? "Authentisch" ist doch der ganze Tag. Um sieben Uhr morgens stehen wir nach einer viel zu kurzen Nacht auf, schleppen uns ins Badezimmer und werfen einen gequälten Blick auf unser authentisches Spiegelbild. Eine halbe Stunde später, nach dem immer gleichen, hektischen Frühstück, hetzen wir zum Bus, wo wir den authentischen Anblick schlechtgelaunter Arbeitssklaven haben. Überaus authentisch geht es den ganzen Tag auch im Büro zu.

Abends warten wir im Regen auf den Bus. Die schweren Einkaufstüten an der linken und an der rechten Hand leiern uns den Arm aus. Im Bus warten Hunderte von "authentischen", das heißt erschöpften und übellaunigen Mitmenschen, die sich gemeinsam von Station zu Station durchschütteln lassen.

Foto gefällig? Nein danke, das "Authentische" kennen wir bereits.



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