Zurück zu Papier und Bleistift?

Kommentar: Digitale Tücken im Büroalltag

Sie scheinen in einer fernen Vergangenheit versunken: Arbeitswerkzeuge wie Füllfederhalter, Papier und Bleistift. Doch wer die Gelegenheit bekommt, digitale und analoge Arbeitsweisen zu vergleichen, sieht die Schwächen der Computertechnik viel klarer.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Abstürzende PCs, streikende Drucker
  2. 2Kurze Produktzyklen
  3. 3Intel und Microsoft
  4. 4Kaufverhalten ändern
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Ich hatte das Vergnügen, in der Redaktion einer Kulturzeitung mitarbeiten zu dürfen. Eine interessante Erfahrung. Vor allem für einen Technikjournalisten, der normalerweise mit Kollegen zusammenarbeitet, die pausenlos mit Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks jonglieren.

Bei Redaktionskonferenzen wurden Füllfederhalter und Notizbücher gezückt, Termine und Adressen in Terminkalender notiert, Skizzen mit Bleistift gemacht - und seit gefühlt 100 Jahren habe ich zum ersten Mal wieder einen Radiergummi benutzt. Ich hatte ganz vergessen, dass es Radiergummis gibt.

Natürlich waren PCs, Notebooks, schnurlose Telefone und der ein oder andere Blackberry im Einsatz. Doch nur insoweit, als sie gebraucht wurden; die IT hatte noch nicht die Alleinherrschaft über den Alltag übernommen.

Abstürzende PCs, streikende Drucker

Unterbrochen wurde der Arbeitsfluss eigentlich immer nur dann, wenn Geräte versagten. Das war der Fall, wenn der Laserdrucker HP Laserjet einen seiner häufigen Papierstaus hatte. Oder wenn das DINA3-Multifunktionsgerät von Epson eine neue Farbpatrone brauchte. Bei Tintenstrahldruckern, die mit fünf oder mehr Farben arbeiten, ist praktisch immer irgend eine Patrone leer, oder fast leer. Nach dem Patronenwechsel brauchte die Maschine weitere fünf Minuten, um sich neu einzustellen.

Zu weiteren Unterbrechungen kam es, weil der Desktop-Rechner aus unerfindlichen Gründen die Verbindung zum Netzwerk nicht mehr fand und infolgedessen das Layout-Programm abstürzte und neugestartet werden musste.

Gegenüber standen sich also zwei unterschiedliche Arbeitsweisen. Die sehr langsame, aber dafür kontinuierlich fließende analoge Arbeitsweise mit Füller und Papier. Auf der anderen Seite die ungeheuer schnelle und hocheffiziente digitale, die aber aufgrund häufiger Pannen immer wieder unterbrochen werden musste. Subjektiv gesehen schien die Computertechnik der Verlierer.

So wahnsinnig neu ist das als Erkenntnis sicherlich nicht. Das ist ungefähr so, als wenn man nach Jahren des Autofahrens entdeckt, dass man auch mit guten Wanderschuhen eine schöne Strecke zurücklegen kann.

Allerdings stellt sich die Frage, warum es den IT-Herstellern bis heute nicht gelingt, ihre Produkte so zu bauen, dass die fehlerfrei und zuverlässig funktionieren. Bei der Entwicklung des Automobils hat das schließlich auch funktioniert. Heute sind Autos sehr viel zuverlässiger und weniger reparaturanfällig als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Kurze Produktzyklen

Die Ursache des Problems bei Hard- und Software ist relativ offensichtlich. Die Produktzyklen sind zu kurz. Statt Programme und Geräte kontinuierlich zu optimieren, bis sie irgendwann mal (fast) perfekt arbeiten, werden ständig neue Features, Funktionen und Designs entwickelt. Das soll die Besitzer und Anwender dazu bringen, ihr Geld für eine neue Version oder eine neue Gerätegeneration auszugeben, obwohl die alte ihren Zweck im Prinzip noch erfüllt.

In den letzten 20 Jahren hat sich eine Art Zwei Jahres-Rhythmus herausgebildet. Vermutlich ist dieser Zwei-Jahres-Takt in den 90er Jahren entstanden. Weil die Vorteile des Computers insbesondere in Kombination mit Bürosoftware so unglaublich stark und faszinierend waren, hat sich die Computertechnik rasend schnell verbreitet. Die daraus entstehenden hohen Gewinne für Konzerne wie IBM und später Intel, Microsoft und viele andere haben die Unternehmen gierig gemacht und sie daran gewöhnt, dass pro Quartal immer ein bestimmter Umsatz zu erzielen ist.

Intel und Microsoft

Spätestens als in jedem Haushalt ein Computer stand, war dieser Umsatz nicht mehr ohne weiteres zu erzielen, weil eine gewisse Sättigung eingetreten war. Um die hohen Gewinnerwartungen trotzdem zu erfüllen, beschleunigten die Anbieter ihre Produktzyklen, damit auch die vorhandenen Kunden ihren Software- und Gerätepark schneller austauschen. Zwischen Intel und Microsoft hat sich ein geradezu perfides Zusammenspiel entwickelt. Microsoft hat neue Betriebssysteme und neue Office-Versionen herausgebracht, die nicht nur wegen neuer Features und besserer Grafik leistungsfähigere Hardware benötigen. Die Software schien teilweise auch schlampig und ineffizient programmiert, was ebenfalls den Einsatz schnellerer CPUs und größere Festplatten erforderte.

Für die Industrie war das ein klasse Deal. Microsoft, Adobe und Co. konnten immer neue Programmversionen, Intel, Seagate und Co. immer neue Hardware verkaufen. Natürlich hat auch der Anwender was davon. Er bekommt immer leistungsfähigere Produkte und nebenbei das Gefühl, ganz vorne mit dabei zu sein.

Doch die Kehrseite des schnellen Takts ist die Unzuverlässigkeit der Computertechnik.

Kaufverhalten ändern

Ist es möglich, den schnellen Takt bremsen und in der digitalen Welt zu einer flüssigen Arbeitsweise zurückzufinden? Das geht wohl nur, wenn der Verbraucher sein Kaufverhalten ändert. Nicht mehr jedes Upgrade mitmachen, PCs und Notebooks ein oder zwei Jahre länger nutzen als von den Herstellern vorgesehen und auf neue Geräte oder Programmversionen nur umsteigen, wenn diese einen wichtigen Technikstandard (USB 3.0) oder eine unverzichtbare Funktion (HD-Unterstützung) bieten - das wären die wichtigen Tipps.

So hätte man beispielsweise auch mehr Zeit, alle Funktionen eines Programms kennenzulernen und zu nutzen. Damit steigt letztendlich die Chance, dass man mit einer bewährten Technikausstattung problemlos und flüssig durch den Büroalltag kommt. Fast so flüssig wie mit Füller, Bleistift, Radiergummi und Papier.

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