Kommentar: MP3 und das Geheimnis der Stradivari

Das Geheimnis des guten Klangs

Inzwischen haben Forscher das so genannte Geheimnis des guten Klangs dieser jahrhundertealten Geigen ziemlich genau entschlüsselt. Da geht es um Dinge wie ausgesuchtes Fichtenholz mit einer bestimmten Dichte, die sich an den Jahresringen zeigt, und eine bestimmte Zusammensetzung des Lacks. Wie auch immer das genau sein mag, im Wesentlichen ist der Klangreichtum solcher Instrumente nur möglich, weil die Instrumentenbauer über vier Eigenschaften verfügten: handwerkliches Geschick, geduldiges Beobachten und Nachdenken, Intuition und ein feines Gehör. Nur mit diesem magischen Quadrat an Eigenschaften konnten sie Instrumente bauen, deren Klang heute noch alles übertrifft, was mit Digitaltechnik reproduzierbar ist. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass diese Leute im 18. Jahrhundert noch keinerlei moderne Werkzeuge zur Hand hatten. Kein Tonstudio, kein Mikrofon, keine Computersimulation, keine Frequenz-Analyse, keine CAD-Software.

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Skeptiker spötteln über den Mythos

Nun sollte man andererseits nicht allzu viel Gewese um das angebliche Geheimnis der Stradivari machen. Es gibt Skeptiker, die gerne an gewisse entlarvende Experimente erinnern. Da steht der Geiger hinter einem Vorhang und spielt dasselbe Stück einmal auf der Stradivari und einmal auf einer billigen neuzeitlichen Geige. Der Clou des Experiments: Die Musikkritiker vor dem Vorhang erkennen den Unterschied nicht zwischen der edlen Stradivari und der mittelmäßigen Geige. Dann ertönt das boshafte Triumphgeheul der Skeptiker und Faktenhuberei. Das Geheimnis der Stradivari ist demnach nichts weiter als ein geschickt vermarkteter Mythos.

Da ist es dann aber schon komisch, dass weltberühmte Geiger wie Yehudi Menuhin, Jascha Heifetz oder Anne-Sophie Mutter auf der teuren Stradivari spielen und nicht ein neuzeitliches Instrument bevorzugen. Alles nur Marketing für Leichtgläubige?


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