Kommentar: Amazons Angriff auf die Freiheit

E-Books sind ideal für Fachbücher

Von der Grundidee her sind E-Book-Reader und E-Books eine feine Sache. Am meisten profitieren Fach- und Sachbücher davon. Die kann der Verlag oder der Autor regelmäßig auf den aktuellen Stand bringen, so muss der Leser nicht befürchten, dass er veraltete Informationen bekommt, nur weil die alte Auflage abverkauft werden muss. Ein populärwissenschaftliches Werk über Teilchenphysik könnte beispielsweise schon Stunden nach der Entdeckung des Higgs-Teilchens am CERN als aktualisierte Version vorliegen.

Fach- und Sachbücher werden in der Regel zum Arbeiten genutzt werden, der Leser macht Notizen oder markiert bestimmte Passagen. Auch hierfür sind E-Book-Reader die ideale Plattform. Nicht zu vergessen, dass die Reader es ermöglichen, kiloschwere wissenschaftliche Standardwerke in einem kompakten Geräte mitzunehmen. Ein unschätzbarer Vorteil.

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Der offene EPUB-Standard

Bei Belletristik sieht der Fall anders aus.

Hier weisen die Kindles einige gravierende Nachteile auf. So lässt sich der von vielen Mitbewerbern unterstützte offene E-Book-Standard EPUB (EPUB, electronic publication) auf dem Kindle nicht darstellen. EPUB wird beispielsweise unterstützt von Geräten wie dem Sony-Reader, "Cybook Odyssey" (Thalia) oder dem "Italica Ebook Reader Paperback 2" (Libri). Auch der Trekstor-Reader "Pyrus" akzeptiert EPUB. Der Standard hat den entscheidenden Vorteil, dass man seine Bücher aus verschiedenen Shops beziehen kann.

Aber der Amazon-Reader mag kein EPUB. Nicht einmal der kostenpflichtige "persönliche Dokumenten-Service" Amazons, über den man Texte in anderen Dateiformaten in das Kindle-Format übertragen lassen kann, akzeptiert EPUB.

Rein marktwirtschaftlich ist der Ausschluss des offenen Formats durchaus nachvollziehbar. Amazon möchte eben, dass die Kunden in erster Linie die Bücher aus dem Kindle-Shop lesen und nicht die Bücher der Konkurrenz. Für den Kunden ist damit jedoch bereits eine Einschränkung verbunden. Diese ist zwar angesichts der riesigen Auswahl im Kindle-Shop nicht so sichtbar, vorhanden ist sie aber. Wahrscheinlich gibt es irgendwo ein Tool, mit dem man EPUB in ein Kindle-freundliches Format bringen kann und ein anderes, mit dem man DRM-Restriktionen umgehen kann und noch ein anderes, mit dem man E-Books kopieren kann. Doch das kostet Zeit und Aufwand.

Die grundsätzliche Frage lautet: Warum muss der Bürger im digitalen Zeitalter seine Rechte immer erst mit Tools und Tricks erarbeiten, erklicken und "jailbreaken"?

Testbericht: Amazon Kindle

Amazon Kindle im Test

Amazon bietet seinen neuen Kindle für 99 Euro an, erstmals besitzt dieser ein deutsches Menü. Was der Nutzer noch alles von dem E-Book-Reader erwarten darf, zeigt der netzwelt-Test. ~ Lisa Bruness

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