Heldendämmerung in der Wüste Dubais

Spec Ops - The Line: Im Kurztest

Rund 830 Meter ragt der Burj Khalifa in den Himmel über Dubai und kündet wie kein anderes Bauwerk auf der Welt vom Größenwahn der Menschheit. Im neuen Take2-Shooter "Spec Ops: The Line" erlebt man dort oben den Höhepunkt einer Reise in die tiefsten Abgründe der Psyche. Gleichzeitig liefert das Berliner Studio Yager den Beweis, dass Ballern nicht zwangsläufig banal sein muss.

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Test: Spec Ops - The Line: Der Third-Person-Shooter konfrontiert den Spieler mit einer Antikriegs-Atmosphäre. Das deutsche Entwickler-Team Yager hat sich dabei von Vorlagen wie dem Film "Apocalypse Now" inspirieren lassen. So durchstreift der Spieler in Spec Ops: The Line das vom Wüstensand verschlungene Dubai und kämpft gegen einen abtrünnigen Colonel der US-Armee und seine Soldaten. Zum Video: Test: Spec Ops - The Line

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Antikriegsfilme wie "Westfront 1918", "Im Westen nichts Neues" oder "Die Brücke" zeigten schon früh mit drastischen Bildern die Schrecken und Sinnlosigkeit des Krieges. Im Games-Bereich hingegen gab es bislang keinen Titel, der dem Terminus "Antikriegsspiel" gerecht wurde. Zu schmal war vielen Entwicklern der Grat, von einer mahnenden, distanzierten Position in stumpfe Gewaltexzesse abzurutschen.

Mit "Spec Ops - The Line" wagt das Berliner Entwicklerstudio Yager nun den bis dato beispiellosen Versuch - und orientiert sich dabei in hohem Maße an Joseph Condrads Roman "Heart of Darkness", der als Vorlage für den Film "Apocalypse Now" diente. Konrad heißt auch jener Colonel, der sich mit seiner Einheit von der US-Armee losgesagt hat und in Dubai, verwüstet von einem Sandsturm biblischen Ausmaßes, ein eigenes Reich aufgebaut hat.

Während der acht- bis zehnstündigen Kampagne von "Spec Ops" sollen der aus der Schulterperspektive gesteuerte Captain Walker und seine beiden Kameraden Lugo und Angel dem Colonel das Handwerk legen. Eine Mission, bei der die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge, Realität und Wahnsinn, Moral und Selbstgerechtigkeit verschwimmen.

Entscheidungen müssen getroffen werden, deren Optionen allesamt untragbar erscheinen. Sollen ein möglicher Informant gerettet und Zivilisten geopfert werden? Bestraft man einen Wasserdieb, einen Mörder oder keinen von beiden? Und wie verhält man sich gegenüber einer aufgebrachten Menschenmenge, die mit Steinen wirft und zuschlägt?

"Spec Ops" macht es einem nicht leicht, das eigene Handeln in den richtigen Kontext zu rücken - und das konsequent bis zum Ende. Allerdings verpassen es die Macher auch, dem Spieler echte Entscheidungsfreiheit zu gewähren. Vor allem in Schlüsselszenen. Stattdessen muss man aus dramaturgischen Gründen Grausamkeiten begehen, deren Folgen zuweilen arg plakativ zur Schau gestellt werden.

Nichtsdestotrotz ist "Spec Ops - The Line" etwas Besonderes. Kaum ein Spiel demontiert seine Helden derart rücksichtlos. Und noch seltener wurde bislang vermittelt, wie hässlich Krieg ist - und dass es am Ende kein Richtig oder Falsch gibt, geschweige denn Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Platter Hurra-Patriotismus im Stile eines "Call of Duty" bleibt komplett außen vor.

Der Gewalt stehen die Entwickler von Yager über weite Strecken zwar ablehnend gegenüber. Allerdings kommt auch "Spec Ops" spielerisch nicht umhin, dem üblichen Regelwerk von Deckungs-Shootern zu folgen, durch akute Munitionsarmut den permanenten Waffenwechsel zu provozieren und immer wieder stationäre Geschütze aufzustellen, die mit anrückenden Gegnern in "Moorhuhn"-Manier kurzen Prozess machen. Auch Sand kann hier als Waffe verwendet werden - etwa, wenn Fensterscheiben zerschossen werden und eindringende Sandmassen Widersacher unter sich begraben.

Technisch bewegt sich "Spec Ops: The Line" dank der Unreal Engine 3 als Grafikgerüst auf hohem Niveau. Dubai als exotischer Schauplatz, zeitgemäße Animationen, geschickt agierende Gegner sowie eine grandiose Song-Auswahl - Yager leistet sich kaum Fehler.

Spec Ops - The Line: Im Kurztest

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Fazit: "Spec Ops" ist ein Spiel, das man nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Endsequenzen mehrmals in Angriff nimmt, sondern eins, das im Gedächtnis haften bleibt - als spielerischer Gegenentwurf zu "Apocalypse Now" und als Beweis, dass das Medium Spiel erwachsen und selbstkritisch geworden ist.

Datenblatt

Spec Ops: The Line
SpielnameSpec Ops: The Line
HerstellerYager
Vertrieb2K Games
GenreAction
Erhältlich ab29.06.2012
Preisca. 60 Euro
EAN Code5026555251501
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 18 Jahren
Multiplayer2-8 (WWW)
Sonstiges 
Bewertung Grafiksehr gut
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundsehr gut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPC
SystemPlayStation3
SystemXbox 360

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