Licht und Schatten im sozialen Netzwerk

Kommentar: Facebook, die schöne, korrupte Utopie

Das Soziale Netzwerk Facebook ist erfolgreich, hat aber keinen guten Ruf. Warum nur? - Es gibt uns doch so viele schöne Entdeckungen, unterhaltsame Momente und Begegnungen. Ein Plädoyer für die schönen Seiten von Facebook.

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Extrem erfolgreich, unterhaltsam, aber unbeliebt – Facebook hat keinen guten Ruf. (Bild: Screenshot Facebook)
Extrem erfolgreich, unterhaltsam, aber unbeliebt – Facebook hat keinen guten Ruf. (Bild: Screenshot Facebook.com)

Inhaltsverzeichnis

  1. 11. Die Online-Party
  2. 22. Websites entdecken
  3. 33. Menschen neu kennen lernen
  4. 44. Alte Freunde finden
  5. 55. Das virtuelle Dorf
  6. 66. Politische Kampagnen
  7. 77. Einfluss auf die Industrie
  8. 88. Kommunikation der Zukunft
  9. 9Die dunkle Seite des Netzwerks

Über Facebook ist in den letzten Monaten fast nur Schlechtes geschrieben worden. Zum Beispiel über die Art, wie Facebook mit den Usern umspringt, über die ständige Verletzung von Datenschutzregeln, die Ausbeutung der Userprofile für Werbezwecke, die Suchtgefahr und nicht zuletzt über die Person Mark Zuckerbergs, dem immer noch das Image des skrupellosen, sozial inkompetenten Studenten anhaftet. Ach ja, und da sind auch noch die ganzen Facebook-Verweigerer. Sie behaupten, dass in Facebook nur Belanglosigkeiten ausgetauscht werden und das "echte Gespräch" zwischen Menschen doch viel mehr wert sei.

Die Kritik ist berechtigt, doch andererseits sollte man die positiven Aspekte des Sozialen Netzwerks nicht vergessen.

1. Die Online-Party

Facebook macht Spaß. Viele posten witzige Karikaturen, verlinken auf kuriose Videos oder präsentieren ihre Fotos. Und sei es nur ein Foto vom reich gedeckten Frühstückstisch. Das alles ist sicherlich nicht philosophisch wertvoll, hat aber Unterhaltungswert. Facebook ist eine einzige große Online-Party.

2. Websites entdecken

Viele Leute teilen Links zu interessanten Webseiten und machen so erst auf diese aufmerksam. Auf diese Weise entdeckt man Webseiten, auf die man alleine nicht gekommen wäre.

3. Menschen neu kennen lernen

Facebook ermöglicht es, Menschen, von denen man sich ein bestimmtes Bild gemacht hatte, von einer anderen Seite kennenzulernen. Man entdeckt plötzlich, dass diese ähnliche Hobbys, dieselben Interessen oder überraschend vernünftige Ansichten haben.

4. Alte Freunde finden

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Jeder, der einen Facebook-Account hat, hat schon einmal die Namen alter Schulfreunde eingetippt. Um zu sehen, ob es sie noch gibt und was aus denen geworden ist. Mit ein wenig Glück kann man die Freundschaften der Vergangenheit wieder aufleben lassen, wenn man das möchte.

5. Das virtuelle Dorf

Auf Facebook ist nie Feierabend, ist immer was los. Irgendjemand postet immer einen interessanten Link, ein witziges Foto oder sagt seine Meinung zur Tagespolitik. Facebook ist nicht nur Dauer-Party, es ist auch ein virtuelles Dorf - mit einem Marktplatz, auf dem sich die Leute treffen und Neuigkeiten austauschen. Zugegeben, alles ist nur virtuell und ersetzt natürlich nicht die "echte Begegnung". Spaß macht es trotzdem. Übrigens: Manche Menschen sind einem als Facebook-Freund lieber als im wirklichen Leben.

6. Politische Kampagnen

Kampagnen auf Facebook sammeln in Windeseile Tausende von Unterstützern und können deshalb Druck auf die Politiker ausüben. Es gab bisher kein Medium, in dem die Bürger ihren Willen so schnell und so wirksam äußern können. Das ist nicht ungefährlich und kann im Einzelfall auch im Fiasko enden. Das Phänomen spricht aber gegen die häufig vertretene Meinung, dass alles auf Facebook nur belangloses Gequatsche sei.

7. Einfluss auf die Industrie

Auch der Dialog zwischen der Industrie und dem Verbraucher wird über Facebook viel direkter und intensiver geführt. Das gibt Unternehmen die Chance, die Verbraucher und ihre Bedürfnisse noch besser kennenzulernen und ihre Produkte zu verbessern. Umgekehrt können die Verbraucher auch unsozial agierende Unternehmen kritisch angehen.

8. Kommunikation der Zukunft

Man könnte die vielleicht etwas hochgestochene These aufstellen, dass im sozialen Netzwerk so etwas wie die Kommunikation der Zukunft eingeübt wird. Statt langer Briefe zu schreiben, veröffentlicht man Fotos mit kurzen Kommentaren. Statt lange zu erklären, was man mag und was man nicht mag, markiert man ein Video oder eine Webseite mit dem "Gefällt mir"-Button. Diese Art der Kommunikation ist multimedial, reaktionsschnell und in kleine Einheiten dosiert. Man kann dies durchaus kritisch sehen, dennoch ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass diese Art der Kommunikation immer wichtiger werden wird.

Die dunkle Seite des Netzwerks

Facebook hat also eine Menge Vorteile und viele schöne Seiten. Die dunkle Seite gibt es leider auch noch. Die soziale Utopie des "virtuellen Dorfs" ist heute schon vergiftet. Denn Facebook finanziert sich allein aus Werbung. Das Geschäftsmodell beruht darauf, dass alle sozialen Beziehungen zwischen den Menschen und alle persönlichen Merkmale der Nutzer gnadenlos für den Kommerz ausgebeutet werden. Das birgt die Gefahr, dass die Beziehungen und die Kommunikation der Teilnehmer beeinträchtigt, gestört und manipuliert werden.

Facebook verwertet jede Lebensregung und jeden Dialog seiner mehr oder weniger ahnungslosen Teilnehmer zu Datenmaterial. Die Infrastruktur des sozialen Netzwerks dient somit einem Ziel, das dem freien Miteinander der Teilnehmer entgegensteht.

In diesem Sinne ist das soziale Netzwerk ein zutiefst korruptes System.

So wie die Dinge derzeit liegen, wird Facebook sich auch weiterhin durch Werbung finanzieren. Der Kampf um die Privatsphäre auf der einen Seite und den Zugang zu Nutzerprofilen auf der anderen Seite wird weitergehen. 

Es wird auch in Zukunft schwierig bleiben, über Facebook etwas Nettes zu schreiben.

Die Nutzer müssen auch weiterhin Vorsicht bei der Preisgabe persönlicher Informationen walten lassen und dem Betreiber ein gesundes Misstrauen entgegenbringen. Allerdings wäre es schade, wenn sie das soziale Netzwerk deswegen ganz verließen. Das soziale Miteinander in Facebook ist es wert, bewahrt zu werden - auch wenn es nur virtuell ist.

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