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Nintendo Wii U im Kurztest
Post-E3-Event in Hamburg

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Nintendo setzt bei seiner neuen Konsole Wii U voll auf den neuen Controller namens GamePad. Durch diesen werden "asymmetrische Spielkonzepte" möglich. Was das genau heißt und ob das Spaß bringt, zeigt der netzwelt-Kurztest.

Zwei Bildschirme - jede Menge Spaß? Netzwelt hatte die Gelegenheit, bei einem Post-E3-Event von Nintendo in Hamburg erstmals die Wii U und das neue GamePad mit unterschiedlichen Titeln auszuprobieren. Dabei stellte sich beim chaotischen Kampf gegen Riesenroboter und dem vorsichtigen Erkunden des von einer Zombie-Apokalypse heimgesuchten Londons heraus, dass "Asymmetrie" durchaus Spaß machen kann.

Die Wii U von Nintendo kommt noch in diesem Jahr auf den Markt. Wann genau und zu welchem Preis, hat das Unternehmen noch nicht verraten - auch wenn die Konsole aktuell bereits bei Amazon.de vorbestellt werden kann. Während das Neue bei der Nintendo Wii die Einführung der Bewegungssteuerung war, soll die Wii U mit einem neuen Controller punkten - dem GamePad. Aufälligstes Merkmal des Riesen-Controllers - in einer Hand lässt sich die 26,7 Zentimeter lange Steuerung kaum halten - ist der 6,2 Zoll große Touchscreen in der Mitte.

GamePad liegt gut in der Hand

Auch in Natura hat das GamePad eine stattliche Größe. Wie soll ich das Riesen-Ding stundenlang in der Hand halten, fragt sich der eine oder andere vielleicht. Sobald der Controller allerdings hochgenommen wird, verschwinden diese Bedenken.

Das Tablet-artige GamePad liegt sehr gut in der Hand und ist mit seinen rund 500 Gramm auch nicht zu schwer. Auch nach gut zehn Minuten Spielen werden die Arme nicht schlapp. Ein Langzeittest muss jedoch erst noch zeigen, wie es sich mit den eigenen Armmuskeln nach mehreren Stunden verhält.

Streichen, Neigen, Formen zeichnen

Der Controller bietet eine ganze Reihe an Steuerungselementen. Vorhanden sind zwei Analog-Sticks, ein Steuerkreuz, A-, B-, X- und Y-Knöpfe sowie insgesamt vier Schultertasten, die bei den angetesteten Spielen besonders oft zum Einsatz kamen. An alle Knöpfe kommt der Nutzer auch mit kleineren Händen jedoch gut ran.

Auch den Touchscreen mit dem Daumen zu bedienen, stellt an sich kein Problem dar. Nur manchmal ist ein Umgreifen nötig, was natürlich auch von der eigenen Handgröße abhängt. Auf die Berührungen reagierte der Bildschirm insgesamt gut. Nur selten war ein erneutes Anwählen des gewünschten Objekts oder ein Wiederholen der gemalten Geste erforderlich.

Auch Beschleunigungs-, Gyro- und Magnetsensoren für die Bewegungssteuerung sind wieder integriert. Darüber hinaus ist das GamePad mit einer Rumble-Funktion und einem Eingabestift ausgerüstet.

Nur ein GamePad zur Zeit

Wie bereits beim Vorgänger Wii lässt sich auch der Wii U Controller als Fernbedienung für den Fernseher nutzen. Außerdem ist die Near Field Communication-Technologie in das GamePad integriert. Diese Technik ermöglicht es dem Controller, mit Objekten zu kommunizieren, die über ihm positioniert werden. Die beim Post-E3-Event in Hamburg gezeigten Titel nutzten diese Funktion noch nicht, künftig sollen entsprechende Spielkonzepte jedoch folgen.

Kritisch anzumerken ist, dass es zum Wii U-Start lediglich möglich sein wird, ein einzelnes GamePad zu verwenden - auch in den Multiplayer-Modi. Weitere Teilnehmer müssen dann entweder auf einen Wii U Pro Controller oder einen alten Wii-Controller zurückgreifen. Übrigens: Auch Wii-Spiele lassen sich auf der neuen Konsole spielen. Gamecube-Titel sind allerdings nicht mehr kompatibel.

Nintendo Wii U im Kurzest

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Der Nachfolger der Wii - die Nintendo Wii U. (Bild: netzwelt)

Asymmetrisches Gameplay

Der besondere Vorteil des neuen Controllers liegt Nintendo zufolge im "asymmetrischen Gameplay". Im Detail meint dies, dass auf dem kleinen Zusatz-Display andere Inhalte angezeigt werden als auf dem Fernseher.

Beim Kurztest von ZombiU, einem Ego-Shooter, bei dem es - wie der Titel vermuten lässt - darum geht sich durch eine apokalyptische Zombiewelt zu kämpfen, fungierte der Screen auf dem GamePad als Umgebungsscanner. An manchen Stellen im Spiel leuchtet der Hinweis auf, einen Blick auf das GamePad zu werfen - beim Anspielen geschah dies bei der Durchsuchung einer Kiste.

GamePad als Scanner bei ZombiU

Der Blick auf den separaten Bildschirm verriet, was sich in der Kiste versteckt. Dabei kommt es auch darauf an, dass der Nutzer den Controller auf die richtige Stelle des Fernsehers lenkt. Dreht er sich beispielsweise von diesem weg, bekommt er keine Gegenstände auf seinem GamePad angezeigt.

Bei Project P-100, einem Spiel, dass sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, wiederum wurde die Bedienung des Touchscreens nötig, um Angriffsbefehle einzugeben.

Project P-100

In dem Spiel steuert der Nutzer gleich eine ganze Gruppe von unterschiedlichen Superhelden, die recht chaotisch durch eine Kleinstadt laufen und angreifende Roboter besiegen müssen. Im ersten Moment wirkte das Spiel recht unübersichtlich. Durch die vielen unterschiedlichen Charaktere, die sich auf dem Bildschirm bewegen, ist mitunter schwer zu erkennen, wer nun gerade was macht und ob man den Gegner auch tatsächlich erwischt.

Hat man jedoch nach einigen Versuchen den Bogen raus, macht die kleine Superhelden-Truppe richtig Spaß. Auf dem Touchscreen lässt sich während des Kampfs zwischen unterschiedlichen Chrakteren wechseln und Gruppenattacken lassen sich ausführen. Hierfür muss der Spieler geometrische Formen mit dem Finger oder Stylus auf dem Touchscreen malen. Ansonsten heißt es vor allem feste Draufhauen auf den Gegner.

Batman: Arkham City Armored Edition

Bei Batman: Arkham City Armored Edition, der Wii U-Adaption des Titels, der bereits für die Konkurrenz-Konsolen sowie PC und Mac erschienen ist, nutzt der Spieler den Bildschirm ähnlich wie bei ZombiU. Hier können Waffen über den Touchscreen ausgewählt werden.

Darüber hinaus kommt die Bewegungssteuerung des GamePads zum Einsatz. Im Kurztest wurde mithilfe der Controller-Bewegung beispielsweise Batmans Boomerang gesteuert. Auch der Analog-Stick steht hier jedoch als alternatives Steuerungsmittel bereit. Bei den ersten Schritten haben die vielen Steuerungsmöglichkeiten ziemlich irritiert. Bewegt man sich sicher im Spiel, könnten die unterschiedlichen Steuerungselemente aber auch für Abwechslung sorgen. Ein Urteil kann hier erst nach einem ausführlicheren Test gefällt werden.

Innovative Multiplayer-Modi

Natürlich darf auch beim Launch der Wii U kein Super Mario-Titel fehlen. New Super Mario Bros. U heißt der neueste Spross mit dem altbekannten Klempner-Helden. Das Level-Design der ersten getesteten Level erinnert dabei an die klassischen 2D-Titel, die noch für den SNES herauskamen. Mario, Luigi oder auch Toad bewegen sich also zumindest am Anfang des Spiels nicht im dreidimensionalen Raum, sondern nur in zwei Dimensionen von A nach B. Die eigentliche Neuheit ist der Multiplayer-Modus, der eine ungewöhnliche Rollenverteilung festlegt.

In New Super Mario Bros. U hat der Spieler mit dem GamePad nämlich die Aufgabe, die anderen Spieler, die mit einem Wii- oder Wii U Pro-Controller unterwegs sind, per Eingabe auf dem Touchscreen zu unterstützen.

Brücken bauen

Während ein Spieler also durch das Level hüpft und auf Schildkrötenpanzer springt, muss der andere ihm möglichst tatkräftig zur Seite stehen und auf seinem Touchscreen zum Beispiel Brücken für seinen Partner bauen. Bis zu vier Spieler können die Level gemeinsam durchstehen, was es für den GamePad-Träger erheblich erschwert, seine unterstützende Aufgabe zu erfüllen. Beim Anspielen gelang die Eingabe über den Touchscreen problemlos. Das Spielkonzept bringt einen erfrischend neuen Ansatz ins Mario-Universum und sorgt sicherlich für einiges Geschrei im Wohnzimmer. Im Singleplayer macht das GamePad bei diesem Titel allerdings nur wenig Sinn, da in diesem Fall auf dem Controller-Display nur das zu sehen ist, was auch auf dem Fernseher dargestellt wird,

Auch bei ZombiU können zwei Spieler mit unterschiedlichen Controllern gegeneinander antreten. Im klassischen Capture the Flag-Modus hat der Spieler mit dem GamePad die Aufgabe, Zombies so zu platzieren, dass der Gegenspieler nicht seinen Stützpunkt erreicht. Ein weiteres Beispiel für Nintendos "asymmetrisches" Spielkonzept.

Die Grafik

Als Grafikkarte hat Nintendo laut eigenen Angaben einen HD-Radeon-basierten Grafikchip von AMD eingebaut. Die Wii U unterstützt zudem HD-Auflösung, wie beim Vorgänger ist es jedoch nicht möglich, Kinofilme auf DVD oder gar Blu-ray abzuspielen.

Die auf dem Post-E3-Event gezeigten Titel waren in der Regel noch im Entwicklungsstadium und enthielten daher noch nicht die finale Grafik, gerade bei dunklen Titeln wie Batman: Arkham City Armored Edition und ZombiU konnte die Wii U jedoch durchaus überzeugen.

Die Rauchwolken vor dem verwüsteten Londoner Buckingham Palace wirkten sehr realistisch, die Umgebung sehr detailreich gestaltet. Bei manchen Tapeten war sogar die Perforation zu erkennen. Nintendo hat hier im Vergleich zum Vorgänger Wii also definitiv einen Fortschritt gemacht, allerdings reicht die Grafik der neuen Konsole nach dem ersten Eindruck lediglich an das Niveau von PlayStation 3 und Xbox 360 heran. Übertroffen werden die Konkurrenten nicht. Schon die nächste Generation von Sony und Microsoft könnte die Grafik der Wii U also in den Schatten stellen.

Fazit

Die Nintendo Wii U hat ihren Reiz. Die Grafik ist um einiges ansprechender als beim Vorgänger Wii und die neuen Spielkonzepte mit dem GamePad wirken vielversprechend. Eine Konsole für hartgesottene Gamer, die sich vor allem für Titel wie Call of Duty oder Ghost Recon Future Soldier interessieren, wird Nintendo aber wohl nie herausbringen. Daran kann auch der neue Riesen-Controller höchstwahrscheinlich nichts ändern.

Ob das GamePad das gleiche Potential entfaltet wie die Bewegungssteuerung der Wii, die es geschafft hat, auch Menschen vor die Konsole zu holen, die sich sonst nie an einen Controller setzten, ist unklar. Spaß machen kann die Wii U in jedem Fall. Jetzt kommt es darauf an, wie es die Spieleentwickler schaffen, das Funktionsspektrum des Controllers - speziell im Multiplayer - in ihre Titel einzubauen.

Text: Lisa Bruneß und Annika Demgen Regie: Marcel Roth

Kommentare zu diesem Artikel

Nintendo setzt bei seiner neuen Konsole Wii U voll auf den neuen Controller namens GamePad. Durch diesen werden "asymmetrische Spielkonzepte" möglich. Was das genau heißt und ob das Spaß bringt, zeigt der netzwelt-Kurztest.

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  • UnregistriertUnreg schrieb Uhr
    AW: Zwei Bildschirme und jede Menge Spaß: Nintendo Wii U im Kurztest

    So reden Frauen halt, nur keine Angst Jungs :-P Aber mal im ernst, falls das Gequatsche nervt schalt ich halt den Ton aus, aber so finde ich es immernoch besser, als wenn man nur zuguckt wie jemand stumm vor sich hinspielt (aber gronkh redet manchmal auch sehr viel Blech und über alles andere, bloß nicht über das Spiel :) ) Lisa wirkte in der Halle in der Tat etwas schrill und reißerisch, ab Minute 12 fand ich sie deutlich angenehmer zu hören. Aber nichtsdestotrotz go Team Annika, Nintendogamer müssen zusammenhalten.
  • Jessica.J schrieb Uhr
    AW: Zwei Bildschirme und jede Menge Spaß: Nintendo Wii U im Kurztest

    Gutes Video toll erklärt informativ, aber musste das komische kommentieren während dem Gameplay sein? Wenn ja dann das nächste mal mit gronkh :) Da stimm ich zu, sehr informativ, schöner Einblig auf die neuen Titel aber das Kommentieren während dessen gespielt wurde, hat etwas vom wesentlichen von der Wii U un deren neue Titel abgelenkt, war nicht schlimm aber beim nächsten mal einfach mal nichts sagen oder den anderen nerven, dann wirds auch witzig. :P Trotzdem gutes Video :bye:
  • Gianmarco schrieb Uhr
    AW: Zwei Bildschirme und jede Menge Spaß: Nintendo Wii U im Kurztest

    Gutes Video toll erklärt informativ, aber musste das komische kommentieren während dem Gameplay sein? Wenn ja dann das nächste mal mit gronkh :)

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Nintendo Wii U im Kurztest
Nintendo Wii U im Kurztest
Auffälligstes Merkmal an der neuen Wii U von Nintendo ist der riesige Controller namens GamePad. Ob dieser wirklich Spaß macht oder nur behindert, zeigt der netzwelt-Kurztest.
http://www.netzwelt.de/news/92744-nintendo-wii-u-kurztest.html
2012-06-21 16:59:21
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Nintendo Wii U im Kurztest