Sie sind hier:
 

Nokia Lumia 610 im Test
Hersteller punktet mit Zusatzdiensten

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Kostenlose Musik-Streams und Offline-Navigation - das gibt es bei Nokia nicht nur auf Highend-Geräten, sondern auch beim Einsteiger-Modell Lumia 610. Ein Pluspunkt gegenüber der günstigeren Android-Konkurrenz.

Nokia bläst zum Großangriff auf Android. Mit dem Lumia 610 will der Hersteller günstigen Einsteiger-Handys mit Googles Handy-OS Konkurrenz machen. Die junge Zielgruppe wird dabei mit Zusatzdiensten wie dem kostenlosen Streaming-Dienst Nokia Mix Radio umworben.

Design und Verarbeitung

Das Nokia Lumia 610 sieht optisch nicht unbedingt wie ein Einsteiger-Smartphone aus. Nokia verwendet zwar ein Kunststoffgehäuse, hat dieses aber hochwertig verarbeitet. So ist das Display von einem metallisch aussehendem Plastik umgeben. Die Rückseite ist gummiert und damit rutschfest, dafür aber leider anfällig für Fingerabdrücke.

Dank der kompakten Abmessungen und dem geringen Gewicht ist das Lumia 610 kompatibel mit Hemd- und Hosentasche. Designtechnisch erinnert das Smartphone an Modelle aus Nokias C-Serie wie das Nokia C7-00. Als SIM-Kartenformat kommt beim Nokia Lumia 610 übrigens bereits wie bei aktuellen Highend-Modellen eine Micro-SIM-Karte zum Einsatz.

Nokia Lumia 610

Bild 1 von 7
Das Nokia Lumia 610 bietet ein 3,7 Zoll großes Display. (Bild: netzwelt)

Hardware

Microsoft hat die Hardware-Anforderungen für sein Handy-OS gesenkt, um auch preisgünstige Einsteiger-Handys zu ermöglichen. Statt einem 1-Gigahertz-Prozessor und 512 Megabyte Arbeitsspeicher (RAM) dürfen Windows Phone-Handys wie das Nokia Lumia 610 nun auch mit einem 800 Megahertz-Prozessor und 256 Megabyte RAM ausgestattet sein. Die abgespeckte Hardware bedingt natürlich, dass das Nokia Lumia 610 im Vergleich mit anderen Windows Phone-Handys etwas langsamer arbeitet. Ruckler oder ein hakendes Menü müssen Nutzer aber nicht fürchten, sondern sich nur auf längere Ladezeiten beim Öffnen von Apps einstellen. Diese bewegen sich aber noch vollkommen im Rahmen.

Problematischer ist die abgespeckte Hardware dagegen im Zusammenhang mit dem Windows Phone Marketplace. Nicht alle der mittlerweile knapp 100.000 Apps, die es hier gibt, sind auf dem Lumia 610 lauffähig. Der Grund: Viele Apps verlangen mehr Arbeitsspeicher, als auf dem Gerät vorhanden ist - prominenteste Beispiele sind Skype und Angry Birds. Laut Microsoft sollen rund fünf Prozent der derzeit verfügbaren Apps inkompatibel sein. Ob eine App kompatibel ist, erfährt der Nutzer leider erst beim Anklicken.

Das Display des Lumia 610 fällt mit einer Diagonalen von 3,7 Zoll für die Preisklasse ungewöhnlich groß aus. Zudem bietet es mit 800 x 480 Pixeln eine vergleichsweise hohe Auflösung. Der Bildschirm spiegelt im Test nur leicht, sodass der Inhalt auch im Freiem gut abzulesen ist.

Leider erlaubt Microsoft auch nach den neuen Hardware-Richtlinien noch keinen frei zugänglichen Speicherslot. Deshalb lässt sich der 8-Gigabyte große interne Speicher nicht erweitern. Dem Nutzer stehen deshalb auf dem Gerät nach Abzug des Speicheranteils für das System nur knapp fünf Gigabyte zum Ablegen von Apps, Fotos, Videos und Musik zur Verfügung. Hinzu kommt Cloud-Speicher bei Microsofts Online-Dienst SkyDrive.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Die Sprachqualität ist für ein Nokia-Handy eher enttäuschend. Gesprächspartner klingen stets etwas dumpf, im Freisprechmodus zudem noch blechern. Außerdem ist der Ohrmuschel-Lautsprecher selbst auf voller Lautstärke noch sehr leise, was in lauten Umgebungen zu Verständisschwierigkeiten führen kann.

Nokia verbaut beim Lumia 610 einen Akku mit einer Kapazität von 1.300 Milliamperestunden. Laut Hersteller soll dieser eine Sprechzeit von bis zu 9,5 Stunden in einem 3G-Netz liefern. Videowiedergabe soll bis zu sieben Stunden möglich sein, Musik hören bis zu 35 Stunden, im Standby-Betrieb soll eine Akkuladung bis zu 720 Stunden lang halten. Je nach Nutzungsintensität dürften Laufzeiten von ein bis zwei Tagen möglich sein. Der Akku lässt sich bei Bedarf wechseln.

Software

Das Nokia Lumia 610 läuft bereits mit Windows Phone 7.5 Codename Mango. Unklar ist aktuell, ob die aktuellen WP7-Handys auch ein Update auf die nächste Version mit dem Codenamen Apollo erhalten werden, vermutlich wird Microsoft für die Geräte nur ein Feature-Update veröffentlichen, das bestimmte Funktionen nachrüstet. Ein weiterer Nachteil: Zum Austausch von Daten mit dem PC muss der Nutzer auf die Zune-Software von Microsoft zurückgreifen. Für Macs steht eine abgespeckte Version des Programms bereit.

Nokia Lumia 610 Unboxing

Bild 1 von 4
Das Nokia Lumia 610 wird in einem blauen Karton ausgeliefert. (Bild: netzwelt)

Nokia erweitert Windows Phone um zusätzliche Dienste. Dazu gehören die bereits von den ersten Lumia-Handys bekannten Dienste Nokia Musik, Nokia Karten und Nokia Navigation. Hinzu kommen Nokia Bus und Bahn sowie ein E-Book-Store. Hier stehen dem Nutzer eine Vielzahl von deutsch- und englischsprachigen Büchern zur Verfügung. Bezahlt wird hier derzeit noch per Kreditkarte, ein Bezahlen per Mobilfunkrechnung soll in Zukunft möglich sein. Im Sommer soll die Ebook-App um einen Flipboard-ähnlichen RSS-Reader erweitert werden.

Die bereits bekannten Dienste wurden gegenüber den ersten Versionen noch erweitert, so bietet Nokia Navigation nun auch offline Orientierungshilfe und mit Nokia Bus und Bahn steht zudem eine Navigations-App für den öffentlichen Nahverkehr in 650 Städten weltweit bereit. An deutschen Städten ist bislang Berlin in das Programm integriert. Nokia Musik bietet zudem nun nicht nur Zugriff auf den MP3-Store von Nokia, sondern mit Mix Radio auch einen Spotify-ähnlichen kostenlosen Streaming-Dienst. Darüber hinaus sind die Apps Groupon und Accuweather auf dem Lumia 610 vorinstalliert.

Multimedia

Auf der Rückseite verbaut Nokia eine 5-Megapixel-Kamera samt LED-Fotoleuchte. Bei guten Lichtverhältnissen gelingen mit dem Lumia 610 Fotos in befriedingender Qualität, Maßstäbe setzt die Handy-Kamera aber nicht. Hier erwartet man mehr von Nokia. Ein mit dem Lumia 610 aufgenommenes Testbild finden Sie hier. Die Qualität der Videos ist gut, leider nimmt die Kamera Clips aber maximal mit VGA-Auflösung auf. Eine Frontkamera für Video-Telefonate fehlt. Ein Pluspunkt von Windows Phone-Handys ist der physikalische Auslöser, über dem die Kamera-App sogar bei gesperrten Handy schnell aufgerufen werden kann. Die Kamera-Taste des Lumia 610 ist gut, hätte aber noch ein wenig mehr Hub vertragen können.

Der externe Lautsprecher des Lumia 610 ist nur bedingt zur Musikbeschallung geeignet. Er ist zwar laut, scheppert aber hörbar und die Musik klingt aus ihm kraftlos. Mit Kopfhörern macht das Lumia 610 dagegen MP3-Playern durchaus Konkurrenz - jedoch bietet die MP3-Player-App von Windows Phone nur einen rudimentären Funktionsumfang.

Fazit

Das Lumia 610 punktet vor allem mit seiner guten Verarbeitung, dem großen Display und den kostenlosen Nokia-Diensten. Vor allem Mix Radio dürfte sich bei jungen Nutzern großer Beliebtheit erfreuen. Sie müssen aber mit Einschränkungen bei der App-Auswahl durch den geringen Arbeitsspeicher leben.

Wer auf Nokias Zusatzdienste verzichten kann, findet im Android-Lager vergleichbar ausgestattete Modelle teilweise etwas günstiger. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Nokia Lumia 610 lautet 259 Euro. Im Netz wird das Smartphone aktuell für rund 220 Euro gehandelt.

Alternativen auf Windows Phone-Basis sind in diesem Preisbereich das Nokia Lumia 710 oder das Samsung Omnia W. Im Android-Lager bieten sich unter anderem das Motorola Motoluxe und das LG Optimus L5 oder das schon etwas ältere Sony Ericsson Xperia Neo V an.

Kommentare zu diesem Artikel

Kostenlose Musik-Streams und Offline-Navigation - das gibt es bei Nokia nicht nur auf Highend-Geräten, sondern auch beim Einsteiger-Modell Lumia 610. Ein Pluspunkt gegenüber der günstigeren Android-Konkurrenz.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Nokia Lumia 610 im Test: Einsteiger-Handy mit gratis Musik und Navigation

    .. Habe Schwierigkeiten mit dem SMS versand. Der offizielle Nokia-Hinweis bei so einem Problem ist, das Smartphone einmal ohne Sim-Karte zu starten, das Smartphone wieder abzuschalten und die Karte wieder einzulegen. www.nokia.com/de-de/support/smartphones-und-handys/lumia610/troubleshooting/?qt=Messaging&comp=nokiatroubleshootingcontent&action=faqSearch&topic=Telefonieren%20%26%20Messaging&subtopic=Messaging Es kann jedoch auch sein, dass da Probleme mit Deinem Netz bestehen. Geh mal auf "Einstellungen" dann auf "Mobilfunk" und schalte bei der Standard-Netz-Nutzung GSM (Edge oder E) ein. Das ist zwar insgesamt nicht so schnell wie UMTS (3G) aber dafür ist die Verbreitung besser.
  • Ilona Linke schrieb Uhr
    AW: Nokia Lumia 610 im Test: Einsteiger-Handy mit gratis Musik und Navigation

    Habe ein neues Nokia 610. Habe Schwierigkeiten mit dem SMS versand.

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
35042
Nokia Lumia 610 im Test
Nokia Lumia 610 im Test
Nokia bringt mit dem Lumia 610 ein günstiges Einsteiger-Handy mit Windows Phone auf den Markt. Das Modell punktet vor allem mit seinen kostenlosen Zusatzdiensten.
http://www.netzwelt.de/news/92715-nokia-lumia-610-test.html
2012-06-20 16:44:21
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/apple-war-august-zeitweise-wertvollste-unternehmen-welt-bild-screenshot7415.png
News
Nokia Lumia 610 im Test