Mit dem Stahlseil um die Kurve
Slingshot Racing: Im Kurztest
Bei "Slingshot Racing" muss man sich von den üblichen Steuerungsmethoden komplett verabschieden. Denn anstatt selbst zu lenken, zieht man bei diesem 2D-Rennspiel sprichwörtlich an der Leine. Die erfrischende Kurventechnik ist das Highlight des ansonsten eher konservativen iPhone- und iPad-Titels und sorgt für ein unverbrauchtes Fahrvergnügen.
"Slingshot Racing" gehört im Alles-schon-tausend-Mal-gesehen-AppStore zu den wenigen Spielen, die wieder frischen Wind in ihr Genre bringen. Um sich diesem Aspekt gebührend widmen zu können, erst mal den - recht gewöhnlichen - Rest in aller Kürze. Die Grafik? Nett, aber nicht überragend. Der Sound? Die Effekte sind okay, die Musik erinnert dagegen furchtbar an die unsägliche Mucke deutscher Mitt-90-er-Fußballmanager. Die Spielmodi? Der übliche Karriere-Modus mit diversen Mini-Ligen, die man mit eingefahrenen Schraubenmuttern mehr oder weniger schnell freischaltet, darf natürlich nicht fehlen. Der Multiplayer-Modus gibt sich halbwegs innovativ, indem mehrere Piloten gleichzeitig an einem Screen spielen können. Andererseits fehlt leider jeglicher Online-Part.
Das Besondere ist jedoch die Kurventechnik. Sie macht "Slingshot Racing" zu einem One-Touch-Rennspiel, ohne jedoch die mit dieser Steuerungsmethode meist verbundene übertriebene Simplizität erleiden zu müssen. Die Idee: In jeder Biegung steht ein Turm, an dem man sein mitgeführtes Seil einhaken darf. Ist das geschehen, geht es wie auf Schienen um die Kurve. Und zwar im gleichmäßigen Radius - Schneiden gibt es ebenso wenig wie eine (aktive) Richtungsänderung auf der Geraden.
Grundsätzlich ist die Innenbahn die schnellste. Was für die nächste Kurve aber automatisch die Außenbahn bedeutet. Ein Dilemma, das sich mit der Spielmechanik aber umgehen lässt: Sie ist fein und ausgeklügelt genug, um mit Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit und einer Prise Taktik und Planung eine perfekte Runde zu ermöglichen.
Im Kurveneingang, also beim Einhaken, kommt es eigentlich nur darauf an, rechtzeitig auf den Bildschirm zu tippen. Verpasst man den idealen Punkt, wird der Kurvenradius größer. Verpasst man ihn deutlich, reißt das eingehakte Seil den Schlitten schlagartig in eine andere Richtung, was einen ordentlichen Geschwindigkeitsverlust bedeutet. Noch wichtiger ist das gut getimte Ausklinken: Wird das Seil zu früh oder zu spät eingeholt, hängt man schon an der nächsten Bande.
Die Schlitten beschleunigen zwar wieder selbstständig, der zwischenzeitliche Zeitverlust kann aber schon entscheidend sein. Neben mangelhafter Turmtechnik bremsen auch Hindernisse wie Schneemänner oder Gräben den Schlitten ein - was je nach Spielmodi tödlich ist.






