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Windows 8 Release Preview im Test
Metro zum Spaß, Desktop zum Arbeiten

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Der Verkaufsstart von Windows 8 ist für den Herbst angekündigt. Schon vorab veröffentlichte Microsoft jedoch die Release Preview, die der endgültigen Version des Betriebssystems schon sehr nahe kommt. Im Test zeigte sich, dass die oft geäußerten Bedenken bezüglich der Metro-Oberfläche unbegründet sind.

Windows 8 wirkt auf den ersten Blick sehr ungewohnt. Es gibt kein Startmenü und nach der Installation und ersten Anmeldung landet der Nutzer automatisch auf der Metro-UI. Grund zur Panik besteht trotzdem nicht. Im Test der ReleasePreview zeigt netzwelt, dass das neue Betriebssystem trotz Microsofts tiefgreifender Änderungen im Vergleich zu Windows 7 durchaus überzeugen kann.

Microsoft hat versprochen, Windows 8 vor allem schneller und schlanker zu machen als seinen Vorgänger. Dass dies gelungen ist, macht sich bereits bei der ersten Installation bemerkbar, die nach zehn Minuten abgeschlossen ist. Der Kaltstart dauerte lediglich 26,1 Sekunden, bis der Anmelde-Bildschirm auftauchte, im Vergleich zu 1 Minute und 2 Sekunden bei Windows 7.

Schnelle Installation und schneller Start

Getestet wurde die aktuelle ReleasePreview von Windows 8 (32-Bit). Sie kommt der endgültigen Veröffentlichung des angekündigten Betriebssystems schon sehr nahe. Installiert wurde sie auf einem All-in-One-PC von Asus (EeeTop ET2002T). Integriert ist ein Intel Atom 330-Prozessor mit 1,6 Gigahertz. Der Festplattenspeicher umfasst 250 Gigabyte mit 5.400 Umdrehungen in der Minute. Der Arbeitsspeicher liegt bei zwei Gigabyte (DDR2). Zudem ist eine Ion-Grafikkarte von Nvidia integriert.

Nach der Installation und dem Hochfahren muss sich der Nutzer nur noch anmelden. Hier wird er nach einer Windows Live-ID gefragt, die er jedoch nicht zwingend sofort einrichten muss. Um den vollen Umfang von Windows 8 nutzen zu können, ist eine solche jedoch erforderlich. Ähnlich wie bei der Apple-ID, die für den iTunesStore notwendig ist, ist der Windows Live-Account beispielsweise nötig, um Apps aus dem WindowsStore herunterzuladen.

Nach der Anmeldung landet der Nutzer auf der viel diskutierten Metro-UI, die gestalterisch an WindowsPhone 7 erinnert.

Erster Kontakt mit Metro

Wer noch keine WindowsPhone-Erfahrung hat, wird beim ersten Kontakt mit Metro wahrscheinlich erst einmal etwas verunsichert sein. Im Vergleich zu Windows 7 ist auf dem Startbildschirm nichts, wie es einmal war: Anstatt des Start-Knopfs und der Taskleiste findet der Nutzer lediglich Live-Kacheln vor, die zudem nicht auf Programme, sondern auf Apps verweisen - eine gewisse Eingewöhnungszeit muss auch für alte Windows-Hasen definitiv eingeplant werden.

Aktive Ecken

Der Nutzer muss sich im Wesentlichen an drei Dinge gewöhnen: Erstens sind die Ecken und Ränder des Bildschirms bei Windows 8 aktiv. Wandert der Nutzer mit der Maus beispielsweise in die Ecke links oben, tauchen am linken Bildschirmrand alle aktiven Programme auf. Wandert er nach rechts, findet er die Programm-Suchfunktion und die Einstellungen von Metro beziehungsweise des gerade geöffneten Programms.

Generell findet die rechte Maustaste häufiger Verwendung als der Doppelklick, der in Metro so gut wie gar nicht mehr gebraucht wird. Er wird beispielsweise benötigt, um die Apps konfigurieren zu können oder um im Internet Explorer alle geöffneten Tabs anzuzeigen. Im Test brauchte es einige Stunden, um sich an die neue Bedienung zu gewöhnen. Danach gelang die Steuerung mit Maus und Tastatur oder auch per Touchscreen ohne größere Verzögerungen.

Steuerungsoptionen

Die Vorteile und Nachteile der unterschiedlichen Steuerungsoptionen sind relativ ausgeglichen. Mit Maus und Tastatur lässt sich die Desktop-Ansicht von Windows 8 - die anstatt Metro ausgewählt werden kann - besser bedienen, die Live-Kacheln in Metro eignen sich hingegen ideal für die Auswahl per Finger. Im Test gab es in Metro zudem das Problem, mithilfe des Fingers nicht in die aktiven Ecken zu kommen. Mit der Maus gelingt dies jedoch.

Kontakte, SkyDrive, WindowsReader und Co.

Vorinstalliert finden sich unter anderem der Internet Explorer, Anwendungen zur Medienwiedergabe, Nachrichten- und Wetter-Feeds sowie der WindowsStore und natürlich Microsofts Cloud-Service SkyDrive. Letzterer lässt sich mithilfe eines Plug-ins auch in den WindowsExplorer einbinden.

Neu ist ebenfalls die Reader-App in Windows 8, die das Lesen von PDFs ohne die Installation von Zusatz-Software ermöglicht. Die angebotene Mail-App macht die Verwaltung von mehreren E-Mail-Konten zudem um einiges einfacher als Outlook. Es reicht aus, sich mit Benutzername und Kennwort anzumelden. Weitere Konfigurationen sind nicht mehr erforderlich. Typisches Windows-Zubehör wie Paint oder der Rechner sind weiterhin zu finden und können in der Desktop-Ansicht genutzt werden.

Metro = Entertainment

Die Metro-Oberfläche ist die Entertainment-Zentrale des PCs. Über den WindowsStore lassen sich genauso wie bei einem Smartphone oder Tablet Spiele, Anwendungen wie Evernote oder auch Wikipedia genauso wie Kochrezepte-Apps auf den Startbildschirm ziehen. Xbox-Spieler können zudem ihr Xbox Live-Konto mit Metro verbinden und SocialNetworker haben die Möglichkeit, alle ihre Accounts mit der Kachel "Konten" zu verbinden und lokal zu verwalten.

Aus der Anwendung heraus lassen sich die Neuigkeiten in Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook verfolgen und man kann direkt auf selbige reagieren. Der Umweg über die Webseiten muss nicht mehr gegangen werden. Die Live-Kachel hält den Nutzer zudem über Statusänderungen und Retweets auf dem Laufenden. Praktisch, um alle sozialen Verbindungen im Blick zu behalten. Nach der Einrichtung der Konten findet der Nutzer darüber hinaus alle Fotos und Videos aus den Accounts in den Medien-Anwendungen von Windows 8 wieder.

Wen die ständige Aktualisierung stört, der kann die Live-Kachel per Rechtsklick ausschalten. Und für Nutzer, die sich gar nicht mit Metro anfreunden können, ist es ebenso möglich, das Betriebssystem nur in der Desktop-Ansicht zu verwenden.

Windows 8 Release Preview

Bild 1 von 8
Nach der Anmeldung begrüßt den Nutzer die neue Metro-Oberfläche. (Bild: Screenshot Windows8/netzwelt)

Der Desktop

Auch Metro-Muffel kommen also bei Windows 8 auf ihre Kosten. Microsoft bietet den altbekannten Desktop samt Taskleiste als alternative UI an. Lediglich auf das Startmenü muss auch hier verzichtet werden. Stattdessen sorgt ein Klick am linken Ende der Taskleiste für den Wechsel zu Metro, der jederzeit ohne Verzögerung gelang.

Dieser Umstand war im Test besonders anfangs sehr störend, denn als alteingesessener Windows-Nutzer klickt man fast automatisch auf diesen Punkt und wechselt ungewollt. Nach einigen Stunden sollte man sich jedoch auch daran gewöhnt haben.

Kompatibilität von Desktop und Metro

Ein negativer Punkt in der ReleasePreview, der sich nicht nach der Eingewöhnungszeit in Luft auflöst, ist die mangelhafte Kompatibilität von Metro und Desktop. Dateien, die in der klassischen Windows-Ansicht per Drag-and-Drop verschoben werden können, lassen sich nicht auf die gleiche Art und Weise in Metro bewegen oder transferieren.

Wann immer der Nutzer in Metro den WindowsExplorer öffnet, wechselt das Betriebssystem in die klassische Windows-Ansicht, obwohl sich der Dateiverwalter doch auch vor den Kacheln öffnen lassen könnte. Entsprechend lassen sich beispielsweise MP3-Dateien vom Desktop nicht einfach in eine Metro-Kachel ziehen, was Umwege über den Explorer erforderlich macht. Dramatisch ist dies jedoch nicht, denn Musik kann auf dem Desktop mit dem gewohnten Media Player oder in Metro mit der Musik-App abgespielt werden.

Windows 7 vs. Windows 8 - der Speed-Test

Die höhere Geschwindigkeit von Windows 8 im Vergleich zu Windows 7 zeigte sich im Test nicht nur - wie oben erwähnt - bei der Installation und beim Hochfahren, sondern auch beim Verschieben von Dateien. Für 207,71 Megabyte brauchte Windows 8 nur 30 Sekunden. Windows 7 dagegen 33,6 Sekunden. Auch beim Herunterfahren bestätigte sich die Geschwindigkeit des neuen Betriebssystems. Hier brauchte Windows 8 nur 10,06 Sekunden, während Windows 7 erst nach 46,7 Sekunden im Ruhezustand ist.

Fazit

Microsoft ist es gelungen, ein schnelles und flüssiges neues Betriebssystem zu entwickeln, dass seinen Vorgänger in diesem Punkt in die Tasche steckt. Außerdem macht die Metro-Oberfläche Windows 8 für Tablets definitiv attraktiv.

Eins ist jedoch sicher: Desktop-PC-Nutzer werden sich an Windows 8 gewöhnen müssen. In den ersten Stunden heißt es, Geduld haben und sich von der veränderten Bedienungen nicht abschrecken lassen. Die beliebtesten Programme in Form von Live-Kacheln ohne nerviges Konfigurieren und Einrichten von Widgets etc. auf einen Blick zu haben, ist definitv ein Argument für Metro. Zum Arbeiten eignet sich die Oberfläche aber nicht, hierfür ist nach wie vor der Desktop nötig.

Wer aus diesem Grund nur wenig Sinn in Metro sieht, für den besteht die Möglichkeit, ohne Umweg direkt zur klassischen Ansicht durchzustarten. Eine Anleitung finden Sie hier.

Alles weitere Wissenswerte zu Preisen, Release und Verfügbarkeit von Windows 8 finden Sie an dieser Stelle.

Kommentare zu diesem Artikel

Der Verkaufsstart von Windows 8 ist für den Herbst angekündigt. Schon vorab veröffentlichte Microsoft jedoch die Release Preview, die der endgültigen Version des Betriebssystems schon sehr nahe kommt. Im Test zeigte sich, dass die oft geäußerten Bedenken bezüglich der Metro-Oberfläche unbegründet sind.

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  • 111047 schrieb Uhr
    AW: Eingewöhnung nötig: Windows 8 Release Preview im Test

    Windows 8 (oder NT 6.2) ist einfach der letzte Sch+++! Habe schon alle Preview´s durchgetestet, aber wenn man erst Zusatzsoftware installieren muss um ein ordendliches Startmenü nutzen will, ist das nichts für mich!!! Irgendwelche einfarbigen Kacheln sehen einfach nur grottentief hässlich aus. Haben die Designer die letzen 30 Jahre gepennt???? Windowns 7 wahr in meinen Augen sehr gut, aber Windows 8 wird von mir übersprungen. Wie ist eigentlich der Entwicklungsname von Win8?: ME2 oder Vista2? :-) :-):-) Hoffen wir auf WINDOWS 9 (bitte diesmal ein besseres WIN7)
  • super_rolli schrieb Uhr
    AW: Eingewöhnung nötig: Windows 8 Release Preview im Test

    Es ist wirklich erstaunlich. 207,71 MB zu verschieben dauert unter Win8 33,0 Sekunden und unter Win7 33,6 Sekunden. Das haut einen direkt vom Hocker. Und beim Herunterfahren sitze ich sowie so nicht mehr am Computer und warte, denn das macht Win doch ganz von alleine. Für mich steht fest, dass ich bei Win7 bleibe. Bei Win8 geht es doch nur um Geldverdienen. Apple hat es doch vorgemacht, wie man mit Stores Geld machen kann und was auf jedem Handy funtioniert, soll jetzt auch auf Computen alles noch reicher machen. Ohne mich!

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Windows 8 Release Preview im Test
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Microsoft veröffentlichte kürzlich die Release Preview von Windows 8. Diese Version kommt dem endgültigen Betriebssystem schon sehr nahe. Lesen Sie im netzwelt-Test, was Metro-UI und Live-Kacheln zu bieten haben.
http://www.netzwelt.de/news/92559-windows-8-release-preview-test.html
2012-10-26 09:56:54
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Windows 8 Release Preview im Test