Bis das Ergebnis stimmt

Kommentar: Die Facebook-Scheindemokratie

Man soll ja niemandem etwas Schlechtes wünschen, aber bei Facebook möchte man fast mal eine kleine Ausnahme machen: Wer seine Mitglieder mit einer solch dreisten Scheindemokratie veralbert, gehört abgestraft. Ein stetig fallender Aktienkurs verdirbt mir jedenfalls nicht die Laune.  

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Haben Sie schon über die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen abgestimmt? Nein? Warum nicht? Nur weil Sie nichts von einer Abstimmung wussten oder wie sie daran teilnehmen können? Seien Sie beruhigt, so geht es dem Großteil der Facebook-Nutzer - und das ist auch so gewollt. Das Ergebnis der Abstimmung steht eh schon fest.   

Wahl zwischen Pest und Cholera

"Immer dieser Pöbel", werden Mark Zuckerberg und Co. vor Kurzem mal wieder gedacht haben. Nachdem über 10.000 Mitglieder gegen die neuen Nutzungsbedingungen protestiert hatten, lässt Facebook darüber nun seit vergangenem Freitag abstimmen. Doch diesmal geht man auf Nummer sicher: Innerhalb einer Woche sollen sich über 30% der Mitglieder - oder 270 Millionen Menschen (!) - an der Abstimmung beteiligen, nur dann ist das Ergebnis bindend. Dass diese Zahl nahezu illusorisch ist, wissen die Entscheider bei Facebook selbst. 

Damit die neuen Bedingungen im zweiten Anlauf auch wirklich durchgedrückt werden können, wurde die Abstimmung kurzfristig und mit einer Laufzeit von nur einer Woche gestartet. Teilnehmen können Mitglieder ausschließlich über die Facebook-Seite "Facebook Site Governance". Hier kann dann zwischen den alten und den geplanten neuen Bedingungen gewählt werden - also zwischen Pest und Cholera. Ein erneuter Protest stellt eventuell eine weitere Alternative dar.

Außer den 2,1 Millionen Mitgliedern, denen die Seite gefällt und die somit über dortige Änderungen informiert werden, gibt es übrigens keinen weiteren Hinweis zur Abstimmung. Wenn man jedoch für die Wertung der Befragung 270 Millionen Stimmen fordert, sollte man den übrigen 900 Millionen Nutzern auch die entsprechende Transparenz bieten. Beispielsweise könnten Änderungen auf der Site Governance-Seite voreingestellt in jedem Profil angezeigt werden. Wohin der Kurs der bislang schwachen Facebook-Aktie erst fällt, wenn die Mehrheit der Nutzer tatsächlich mal die Schnauze voll hat und der Seite den Rücken kehrt, mag man sich kaum vorstellen - oder vielleicht doch? 

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