Kommentar: Wie das Urheberrecht die Kreativität behindert

Kreativ mit Audio- und Videosoftware

Das ist eigentlich eine wunderbare Sache. Schnelle PCs und Multimediasoftware bieten heutzutage fantastische Möglichkeiten, kreativ zu werden. Jeder kann schöne Filme oder Podcasts herstellen, sofern er nur das Talent, die Zeit und das Geschick dazu hat. Man muss nur einmal zurückdenken, wie ein Film in den achtziger Jahren produziert wurde. Welcher Aufwand hier nötig war, angefangen von Kamera und Scheinwerfer über Tonstudio und Schneideraum bis hin zur Lichtkorrektur des fertig geschnittenen Films im Labor.

All diese Schritte kann heute jeder Privatanwender tun. Er braucht dazu nur einen 500-Euro-Camcorder, einen PC und eine Schnittsoftware für 100 Euro. Schon klar, die wirklich professionellen Geräte sind immer noch ungleich teurer und die Profis spielen immer noch in einer ganz anderen Liga. Trotzdem ist es erstaunlich, was auf dem PC heute alles möglich ist. Ähnliches gilt für den Audio-Bereich. Wo viel früher ein komplettes Tonstudio mit Mischpult und Effekt-Geräten nötig war, kann heute jeder mit einer Audio-Software ein komplettes Tonstudio auf den Bildschirm holen.

Millionen von kreativen Hobbyisten veröffentlichen selbstproduzierte Videofilme, Fotos oder Podcasts im Internet.

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Und das ist doch genau das, worum es im Web 2.0 geht. Jeder kann mitmachen, jeder kann kreativ werden, jeder kann Ideen einbringen.

Ein Bein im Knast

Schade nur, dass viele dieser Kreativen mit einem Bein im Gefängnis stehen. Zumindest, wenn sie bei der Produktion ihrer Videos oder Podcasts urheberrechtlich geschützte Inhalte verwenden, also Ausschnitte aus anderen Videos oder fertig produzierte Musik oder Fotos. Wer auf seinem Casio-Keyboard ein Lied von Lady Gaga nachspielt und als Video ins Netz stellt, begeht eine Urheberrechtsverletzung. Wer auf ein Konzert geht, mit seinem Handy filmt und daraus eine kleine Videoreportage für Youtube fabriziert, müsste theoretisch vorher die Rechteinhaber um Erlaubnis fragen.

Das tut natürlich keiner. Und darum bewegen sich all diese Leute auf rechtlich unsicherem Terrain.

Andere basteln beispielsweise Parodien auf Blockbuster wie "Herr der Ringe", indem sie Ausschnitte nehmen und neu synchronisieren. Wieder andere machen sich einen Spaß daraus, eigene Trailer für Kinofilme zusammenzuschneiden. Oder sie mixen die Schnipsel aus vorhandenen Songs zu einem neuen Stück. Remixes sind in der Kulturszene schwer in Mode und treiben unseren Umgang mit Medien und Kunstwerken in eine neue Richtung.


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