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Internet per Stromleitung: Aktuelle Powerline-Adapter im Test
Leistungsumfang, Installation, Probleme

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Es muss nicht immer Kabel oder WLAN sein: Auch die Stromleitung eignet sich zur Internet-Versorgung und Vernetzung von Rechnern und anderen Multimedia-Geräten. Vorteile und Nachteile der Stromnetzwerk-Adapter im Überblick.

Als Alternative zum herkömmlichen LAN-Kabel und WLAN bietet sich die Vernetzung per Powerline an. Das hat viele Vorteile, wie der netzwelt-Test von 14 Stromnetzwerk-Modellen zeigte. Aber es gibt auch einige Fallstricke.

Powerline ist erwachsen geworden. Arbeiteten ältere Modelle noch mit Datenraten von bis zu 14 oder 85 Megabit pro Sekunde, so sind aktuelle Geräte weit flotter. Es lohnt sich deshalb, eines der von uns getesteten Geräte in Betracht zu ziehen: 11 der 14 überprüften Adapter bringen sattes Netzwerk-Tempo mit Brutto-Datenaten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde. In der Praxis fließen dann zwischen 70 und 90 Megabit pro Sekunde durch die Leitungen, wie unsere Tests ergaben. Das reicht zur Ausreizung von schnellen VDSL-Anschlüssen mit einem Tempo bis zu 50 Megabit pro Sekunde völlig aus. Auch zur Übertragung bandbreitenhungriger Multimedia bis hin zu HD-Videos taugen die schnellen Modelle.

Das gilt auch für die älteren Powerline-Adapter mit bis zu 200 Megabit pro Sekunde, die noch häufig auf dem Markt zu finden sind und von denen wir drei Exemplare unter die Lupe nahmen. Die Durchsatzraten dieser Modelle lagen im Test zwischen 45 und 50 Megabit pro Sekunde. Damit bremsen auch die "langsameren" Modelle die meisten Internetleitungen kaum aus, eher dürfte es umgekehrt sein: Der DSL- oder Kabelanschluss ins Web liefert weniger Tempo als die Powerline-Geräte in der Lage sind umzusetzen.

Einfache Inbetriebnahme

Powerline-Adapter senden Daten über die Stromleitung und modulieren hierfür ein entsprechendes Frequenzsignal. Damit ein Netzwerk via Stromleitung eingerichtet werden kann, sind immer zwei Adapter nötig: ein Gerät zum Senden und ein Modell zum Empfangen von Daten. Zur Übertragung des Netzwerk- oder Internetsignals auf Endgeräte besitzen die Powerline-Adapter eine LAN-Schnittstelle. Anwender schließen also einen Adapter per Ethernet am oder hinter dem Router an und greifen das Signal am zweiten Modell mit einem Rechner, Konsole oder anderen Netzwerkgeräten ab, indem sie den Adapter über die LAN-Schnittstelle mit dem Endgerät verbinden.

Die meisten Modelle im netzwelt-Test besaßen auch einen Gigabit-Ethernet-Anschluss. Damit fließen Daten weit schneller als über den herkömmlichen Fast Ethernet-Port durchs Netzwerk. Ein mögliches Nadelöhr stellt aber die Empfangsseite dar, denn nicht alle angeschlossenen Geräte verfügen über einen Gigabit-Port. Das reduziert dann den Durchsatz. Eine Investition in einen Powerline-Adapter mit einer solchen Schnittstelle kann trotzdem nicht schaden.

Mögliche Störquellen

Im Test konnten wir einen großen Vorteil der Powerline-Adapter sofort nachvollziehen: die stabile Datenverbindung. Zudem versorgen die Stromnetzwerkgeräte auch entferntere Bereiche der Wohnung mit Internetsignal - dort, wo das WLAN-Signal oft schon zu schwach ist oder es umständlich wäre, Kabel zu verlegen. Die Hersteller der Adapter im Test geben eine Reichweite bis zu 200 oder 300 Metern im hauseigenen Stromnetz an. Ob die Daten dann noch so flüssig durch die Stromleitung fließen, ist allerdings fraglich.

Denn die Signalstärke ist abhängig von der Stromleitungsqualität, Überspannungsfiltern und anderen Störquellen. In der Praxis bedeutet das, das der Durchsatz mit zunehmender Entfernung der Adapter voneinander sinkt. Aber dieses Reichweitenproblem besteht auch in WLAN-Netzwerken. Unbedingt abzuraten ist von einer Verwendung der Adapter in Verteiler-Steckdosen, denn dadurch wird das Signal gedämpft. Darauf verweisen auch die Hersteller in ihren Bedienungsanleitungen. Viele der Testmodelle besitzen alternativ eine durchleitende Steckdose, sodass der Steckplatz an der Wand im Powerline-Gerät weitergenutzt werden kann. Filter in den Adaptern sorgen dann meist dafür, dass bei eingeschaltetem Haartrockner oder anderen elektrischen Geräten der Datendurchsatz nicht verrauscht. Da die Adapter ein hochfrequentes Signal über die Stromleitung schicken, kann es übrigens auch möglich sein, dass das Powerline-Netzwerk den UKW-Empfang stört. In solchen Fällen sollte der Anwender sein Radio an einem anderen Platz aufstellen.

Powerline-Adapter im Test: die Rangliste

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Netzwelt hat 14 aktuelle Powerline-Modelle mit Brutto-Datenraten von bis zu 200 und 500 Megabit pro Sekunde getestet. (Bild: netzwelt)

Wenn der Nachbar mitsurft

Plug & Play hört sich für den Anwender immer gut an. Und in der Tat: Meistens reicht es, die Adapter in der jeweiligen Wandsteckdose zu platzieren, schon steht das Powerline-Netzwerk. Eine zusätzliche Konfiguration empfiehlt sich dennoch: Viele der Hersteller im Test liefern ihre Geräte nämlich mit einem Standard-Kennwort wie "Homeplug AV" aus, das für den Nachbar nebenan leicht zu erschließen ist. Und Stromleitung und Stromzähler sind leider keine hinreichende Barriere für Datenschnüffler.

Zur Absicherung genügt in der Regel ein ein- bis zwei sekündiger Druck auf den Verschlüsselungsknopf an den Powerline-Adaptern. Einige Modelle muss man vorab auch erst durch ein etwa zehn Sekunden langes Betätigen des Knopfes in die Lage versetzen, ein neues Kennwort für den Schlüsselaustausch zu generieren. Alle Geräte im Test verwenden eine AES-Verschlüsselung per 128 Bit. AES kommt auch bei Funknetzen zur Anwendung, die per WPA 2 verschlüsselt sind.

Weitere Adapter einbinden

Anwender, die ihr Powerline-Netzwerk um weitere Adapter ergänzen wollen, können auch Stromnetzwerkgeräte anderer Hersteller kaufen, da die meisten aktuellen Modelle den HomePlug AV-Standard verwenden und damit untereinander kompatibel sind. Unterschiedliche Chipsätze in den Geräten sollten dann eigentlich keine Rolle mehr spielen bei der Herstellung einer funktionierenden Datenverbindung.

Ganz problemlos klappte die Einbindung von Adaptern anderer Hersteller in unserem Test jedoch nicht. Bei einigen Geräten schlug sie sogar mehrmals fehl. Optimal ist deshalb eine Verwendung von Modellen eines Unternehmens und der aktuellsten Geräte-Generation. Wer Powerline-Geräte anderer Hersteller hinzukauft, sollte immer die Bedienungsanleitung der bestehenden Adapter für die Neuinstallation zu Rate ziehen. Dort findet sich häufig eine Beschreibung für die Inbetriebnahme weiterer Adapter im Netzwerk.

Kleine Helferlein

Alternativ zur manuellen Konfiguration per Knopfdruck legen manche Hersteller auch eine Software bei, die unter anderem den Durchsatz anzeigt und der Verschlüsselung dient. Das ist durchaus praktisch - so erhält der Anwender eine Übersicht, an welchen Steckdosen die Transferrate gut und an welchen diese schlecht ist. Bei der Verschlüsselung greift man lieber zur einfachen Knopfdrucklösung als zur Software - es sei denn, man ist zu faul, ein paar Meter durch die Wohnung zu gehen und bleibt lieber am Rechner sitzen.

Die Programme zeigen Powerline-Geräte nur an, wenn sie ins LAN eingebunden sind und stehen meist nur für Windows-Rechner zu Verfügung. Mac-Nutzer werfen deshalb einen Blick auf die getesteten Modelle von Devolo und Netgear. Allerdings sollte ein lieferbares Powerline-Programm kein ausschlaggebendes Kaufargument sein. Und bei zwei oder vier Adaptern im Haushalt ist solch eine Software auch nicht zwingend notwendig.

Stromverbrauch

In unserem Test maßen wir auch die Leistungsaufnahme, die abhängig vom Modell zwischen zwei und rund fünf Watt lag. Die Adapter verbrauchen damit Strom zu einem Preis zwischen rund drei und zehn Euro im Jahr, ausgehend von einem Kilowattpreis von 23 Cent pro Stunde. Da die Geräte auch öfter in den Standby-Zustand zurückfallen, belasten die Powerline-Adapter die Stromrechnung nicht allzu sehr.

Die Standby-Funktion ist praktisch, denn im Ruhezustand verbrauchen die Geräte nicht mehr als ein Watt. Allerdings hängt manchmal ein Rechner am Powerline-Adapter, dessen Netzwerkkarte für WakeOnLan konfiguriert ist. Dann bleibt die Ethernet-Verbindung zum Stromnetzwerk-Gerät immer aktiv und die Adapter können sich nicht schlafen legen.

Der Testsieger: FRITZ! Powerline 520E kostet rund 120 Euro im Paarset.

Testsieger

In der Gesamtschau der getesteten Adapter gefiel uns das AVM-Modell FRITZ! Powerline 520E am besten. Es überzeugt mit gutem Durchsatz, geringem Stromverbrauch, kompakter Verarbeitung und ist zu einem Set-Preis von rund 120 Euro zu haben.

Aber die Abstände der Modelle untereinander sind gering. So lag der Datendurchsatz bei allen Modellen im guten Bereich. Interessierte sollten ihre Kaufentscheidung auch vom Funktionsumfang - etwa Gigabit-Port, durchleitende Steckdose, eingebauter Switch - abhängig machen. Dafür wird dann auch mehr Geld fällig.

Eine Rangliste der getesteten Powerline-Modelle finden Sie in der Bilderstrecke in diesem Artikel. Außerdem bietet netzwelt eine Tabelle, die die wichtigsten Leistungsdaten der 14 getesteten Produkte gegenüberstellt. Zu den einzelnen Testberichten der Powerline-Adapter gelangen Sie über diese Übersicht.

Kommentare zu diesem Artikel

Es muss nicht immer Kabel oder WLAN sein: Auch die Stromleitung eignet sich zur Internet-Versorgung und Vernetzung von Rechnern und anderen Multimedia-Geräten. Vorteile und Nachteile der Stromnetzwerk-Adapter im Überblick.

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  • Hans- Stephan schrieb Uhr
    AW: Internet per Stromleitung: Das können aktuelle Powerline-Adapter

    Die Powerline-technologie erzeugt ein breites Störspektrum welches aber über von privaten Instituten im Sinne der Industrie geschönt ist. Wer so etwas betreibt verstößt gegen geltende Gesetze , unabhängig davon , was die vom Wirtschaftsministerium geleitete Bnetzagentur an gesetzlich nicht geltenden Normen geltend macht . Entsprechende Klagen sind anhängig .
  • Wolfganges schrieb Uhr
    AW: Internet per Stromleitung: Das können aktuelle Powerline-Adapter

    Wie immer sehr einseitige Berichterstattung über Powerline. Powerline (HF auf ungeschirmten Leitungen)stört UKW und andere Funkdienste erheblich, denn die Leitungen sind nicht für eine solche Übertragung konzipiert. Derjenige der stört ist dafür haftbar. Hier wird es so dargestellt, als hätte man Pech gehabt und sollte das Radio umstellen. Also ich stelle mein Radio nicht weg, wenn es gestört wird. Dann soll die RegTP den Störer suchen.
  • Jo Hannes schrieb Uhr
    AW: Internet per Stromleitung: Das können aktuelle Powerline-Adapter

    Powerline ist nichts für unabgeschirmte Leitungen. HF führt zu Störungen anderer Funkdienste.
  • Firestarter schrieb Uhr
    AW: Internet per Stromleitung: Das können aktuelle Powerline-Adapter

    Hallo,

    Powerline-Adapter funktionieren sowohl im Betrieb mit ausschließlich Windows- oder Mac-Rechnern als auch in gemischten Netzwerken (Macs und PCs). Schließlich wird die Verbindung zum Rechner über Ethernet hergestellt, und der Ethernet-Standard wird von Microsoft und Apple unterstützt. Auch Linux-Rechner im Netzwerk dürften keinerlei Probleme bekommen, Datenströme über Powerline zu empfangen. Der einzige Nachteil für Mac- und Linux-Nutzer: Viele Programme zur Powerline-Überwachung sind nur für Windows-Rechner erhältlich. Das ist aber zu verschmerzen.

    Viele Grüße Firestarter
  • Mannes Fotos schrieb Uhr
    AW: Internet per Stromleitung: Das können aktuelle Powerline-Adapter

    Vielen Dank für diese Information, sie ist hilfreich. Leider ist nicht angeschrieben, wie es sich beim Betrieb von Windows UND Mac PC's verhält. mfG Manne

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Internet per Stromleitung: Aktuelle Powerline-Adapter im Test
Internet per Stromleitung: Aktuelle Powerline-Adapter im Test
Netzwelt testete 14 Powerline-Adapter. Unsere Ergebnisse zeigen: Die Stromnetzwerk-Geräte bieten viele Vorteile.
http://www.netzwelt.de/news/92364-internet-per-stromleitung-aktuelle-powerline-adapter-test.html
2012-05-26 09:31:03
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