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Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy
Smartphones können nerven

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Ein gutes Handy muss nicht teuer sein. Es muss nur technisch ausgereift sein. Viele Features braucht es auch nicht unbedingt. Telefonieren sollte man können und zur Not eine SMS schreiben. Verkehrte Netzwelt über ein Handy, das wahrhaft begeistert.

Alternative für Menschen, die einfach nur telefonieren wollen: Klapphandys wie das Samsung E1150. (Quelle: Samsung)

Als Hightech-Konsument muss man manchmal bittere Niederlagen erdulden, bevor man weiß, was gut ist für einen. Gut für mich ist zum Beispiel mein neues Handy. Ein Geniestreich der Technik. Für 26 Euro. Ich mache keine Reklame für den Hersteller, doch der Name hat die Buchstaben u-g-m-n-s-a. Ach ja, ein zweites "s" ist auch dabei.

Von dem neuen bin ich jedenfalls restlos begeistert. Das liegt vielleicht daran, dass ich vom alten restlos enttäuscht war. Es ist übrigens vom selben Hersteller und kam vor etwa drei Jahren auf den Markt. Sah auf den Fotos einfach großartig aus. Ich wartete ein Jahr, dann kaufte ich es im Rahmen einer Verlängerung des Mobilfunkvertrags für 200 Euro. Es hatte alles, was damals gut und teuer war: ein Touch-Display mit AMOLED-Technik, einen schnellen 800-MHz-Prozessor, eine 5-Megapixel-Kamera mit Videofunktion, inklusive Videoschnittprogramm. Ein Radio und einen MP3-Player. Einen Beschleunigungssensor, der automatisch das Bild dreht, wenn man das Smartphone kippt. Drei verschiedene Bedienoberflächen. Und ganz viele Widgets. Ich fühlte mich auf der Höhe der Zeit und bestellte gleich noch eine Internet-Flatrate.

Die Freude währte nicht lange.

Viele Features, viel Frust

Das erste, was mir auffiel, war, dass das Gerät doch überraschend klein war. Auf den Fotos hatte das Smartphone noch richtig imposant ausgesehen. Ein 3,1-Zoll-Display ist halt zu klein für Internetnutzung. Na gut, hätte ich einfach mal vor dem Kauf die Abmessungen genauer ansehen können. Selbst schuld.

Mit dem Touchdisplay hatte ich auch Schwierigkeiten. Es reagierte unzuverlässig, manchmal gar nicht und manchmal viel zu stark. Ein unberechenbares Biest. Will man beispielsweise eine lange Liste mit Kontakten bis zum Buchstaben "G" runterscrollen und stößt diese mit dem Finger an, dann rast die Liste gleich bis zum Ende durch. Manchmal wird auch eine Nummer direkt gewählt, obwohl man nur in der Liste scrollen wollte. Die Synchronisation der Outlook-Termine mit dem PC funktionierte auch nicht. Zuerst dachte ich, dass ich das mit dem Display noch lernen müsste, schließlich bin ich Grobmotoriker. Doch auch andere Leute, denen ich das Ding zum Ausprobieren gab, hatten Probleme. Das Display war einfach Mist.

Ein weiteres Problem war, dass das Smartphone in der Jackentasche oft unbeabsichtigte Aktionen startete. Natürlich kann man das Gerät sperren. Klar. Allerdings braucht es zum Entsperren immer sehr lange. Vor allem, wenn man es über den Touchscreen probiert.

Das teure Hightech-Smartphone war ein einziges Ärgernis. Letzte Woche ist mir dann der Kragen geplatzt. Ich stand kurz davor, das Gerät in den Küchenmixer zu geben. Doch dann tat mir der Mixer leid.

Jetzt habe ich mir ein neues Handy angeschafft. Es hat 26 Euro gekostet, also nur einen Bruchteil dessen, was das Smartphone gekostet hat. Schon beim Auspacken bereitete mir das Gerät große Freude. SIM-Karte und Akku einstecken, aufladen, nach einer Stunde war es betriebsbereit. Dann noch die wichtigsten Kontakte eingetippt, abgespeichert. Fertig. Die Bedienanleitung steht auf einem Faltblatt. Beim Vorgänger musste man ein 110-seitiges PDF studieren.

Wenig Features, viel Freude

Mein neues Handy zeichnet sich durch das aus, was es nicht hat. Einen fetten Pluspunkt gibt es zum Beispiel für die fehlende Kamera. Noch einen Pluspunkt gibt es für das fehlende Radio. Das Handy hat auch keinen Beschleunigungssensor. Keinen MP3-Player. Kein GPS. Kein Internet. Keine Widgets. Das gibt fünf weitere Pluspunkte. Die Bedienung funktioniert zuverlässig über Tasten und nicht über einen tückischen Touchscreen. Es hat auch keine drei verschiedenen Bedienoberflächen, sondern nur ein kleines Display, immerhin in Farbe.

Das neue Handy ist ein Klapphandy. Es startet keine unbeabsichtigten Aktionen, wenn es in der Hosentasche steckt. Denn es ist zugeklappt. Wie praktisch und nervenschonend. Klein, kompakt, einfach. Das ist mein neues Handy. Ich kann telefonieren, SMS schreiben und bin erreichbar. Ein Geniestreich der Technik. Ich bin begeistert.

Das Vorgängermodell liegt jetzt in der Schublade. Rührend, wie es da so unbenutzt zwischen den alten Socken liegt. Mal sehen, wem ich damit eine Freude machen kann. Ein Smartphone will doch heute jeder haben, oder?

Mehr aus der Verkehrten Netzwelt finden Sie an dieser Stelle.

Kommentare zu diesem Artikel

Ein Smartphone ist ein technisches Meisterwerk und trotzdem ist ein einfaches Handy befriedigender, denn es tut, was es soll, wann es soll! Ein Beitrag aus der Verkehrten Netzwelt.

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  • Ockatocka schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    Tja, aus dem Grund habe ich 2 Telefone, bzw. ein Handy und ein Smartphone. Das letztere nehm ich dann fürs surfen und auch mal als wlan umts hotspot, schlepp es aber eigentlich meistens umsonst mit mir rum. Der Autor sollte finde ich noch 2 Killer-Applikationen des Klappgerätes erwähnen und zwar Kalender mit Erinnerungsfunktion und Wecker. Das sollte ein zeitgemäßes Handy schon können finde ich. Mein 6230 hat außerdem sogar eine Aufnahmefunktion, die ich bei meinem Xperia Neo erst gar nicht gefunden habe. Ich muß dem Vorredner recht geben, Android ist so toll nicht. Vor 7,8 Jahren ein schöner PDA mit Styluseingabe und Windows OS war fast genau so schnell und die freeware meistens umfangreicher und deutlich sinnvoller als die allermeisten schrottigen Widgets oder auch Games heutzutage. Es ist wirklich wahr. Das war alles schonmal da, und dann haben sich die Hersteller und Softwareprogrammierer wohl überlegt, wie sie am besten für möglichst wenig das meiste Geld kriegen.
  • hwiehansemann schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    hihi...ja manchmal ist weniger auch mehr...ich nenne noch ein älteres symbian handy mein eigen...2-3 kleine apps sind da drauf mit denen ich bspw. nachschaue wann die nächste bahn/bus kommt...ansonsten muss ICH unterwegs nicht unbedingt daueroline sein...zum thema klapphandy: mein bester kumpel schwört auch auf sein uraltes klapphandy, witzig ist aber bei ihm, dass seine hosentasche immer fotos schiesst...mind. einmal die std hört man den digitalen kameraverschluss :-D
  • Philip1982 schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    Mit einem iPhone wär das nicht passiert
  • Streetking schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    Das Klapphandy ist wie oben beschrieben einfach und gut. Leider hat es sich nach ca. 6 Monaten ständig selbstständig ausgeschaltet, so dass man in einer Tour das Gerät neu starten und die Pin eingeben mußte!? Habe jetzt das Nokia C2-02, mal sehen wie das so ist...
  • Bob Buildmaster schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    Kann mich nur anschliessen. Habe mit meinem jetzigen Handy (Nokia X1-01) auch sehr viel Freude, gerade weil es fast nichts kann. Im Gegensatz zu Ihrem Samsung vefügt es aber über einen MP3-Player und ist ein Dual-Sim Handy (wer das auch nicht braucht: Nokia 100, 22€). Keine Kamera, kein Internet - kein ausspionieren durch dubiose Betriebssysteme oder Apps. Dafür gute Sprachqualität und nur einmal im Monat den Akku laden.
  • Nicy schrieb Uhr
    AW: Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy

    Wer kauft sich auch einen Porsche mit Jetpack, wenn er eigentlich nur Kirmes-Autoscooter fahren will/kann?! Selbst schuld, wenn man seine Ansprüche (und wohl auch seine Fähigkeiten) überschätzt - und wenn das dann noch mit schlechter Recherche/Vorbereitung (das Gerät war 12 Monate alt) zusammenfällt, kommt oft eine Erfahrung wie oben beschrieben heraus. Ist zwar nur ne verkehrte Netzwelt - passiert aber genau so auf der Welt gefühlte 1000mal am Tag. ;)
Preis Handy

Beim dem angezeigten Preis handelt es sich um einen umgerechneten Euro-Wert. Die Preisangabe basiert auf Medienberichten. Eine unverbindliche Preisempfehlung von BlackBerry gibt es noch nicht.

circa 580 Euro

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Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy
Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy
Ein Smartphone ist ein technisches Meisterwerk und trotzdem ist ein einfaches Handy befriedigender, denn es tut, was es soll, wann es soll! Ein Beitrag aus der Verkehrten Netzwelt..
http://www.netzwelt.de/news/92299-verkehrte-netzwelt-perfekte-handy.html
2012-05-19 09:12:36
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Verkehrte Netzwelt: Das perfekte Handy