Hintergrund zur neuen Version des Grafikprogramms

Im Gespräch: Gérard Métrailler über das neue CorelDRAW X6

CorelDRAW behauptet sich seit über 20 Jahren in der Kreativbranche. Das Programm gehört neben Adobe Photoshop zur Grundausstattung vieler Designer und würde kürzlich in der neuen Version X6 vorgestellt. Netzwelt spricht anlässlich der Aktualisierung mit Gérard Métrailler von Corel.

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Gérard Métrailler ist Produktmanager für den Grafikbereich bei Corel. (Bild: Corel)
Gérard Métrailler ist Produktmanager für den Grafikbereich bei Corel. (Bild: Corel)
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Was Photoshop für die Bildbearbeitung ist, ist CorelDRAW für Grafik und Layout: Das Programm, das bereits 1989 in der ersten Version vorgestellt wurde, gehört zum Handwerkszeug jedes professionellen Designers. Anlässlich der neuen Version, die Ende März in München vorgestellt wurde, hat netzwelt mit dem leitenden Produktmanager für den gesamten Grafikbereich bei Corel über das neue CorelDRAW X6 gesprochen.

netzwelt: CorelDRAW ist seit nunmehr bereits über zwei Jahrzehnten ein bei Grafikdesignern sehr populäres Programm. Wer ist heute die Zielgruppe beziehungsweise hat sich diese im Laufe der Jahre verändert?

Métrailler: "Die CorelDRAW Graphics Suite hat sich durch ihre Vielseitigkeit über die Jahre einen exzellenten Ruf unter Profianwendern aufgebaut. Freiberufler sowie große aber insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen wissen unsere Software sehr zu schätzen. Mit unserer Komplettlösung können sie interne Marketingmaterialien einfach und schnell erstellen, wie zum Beispiel Flyer, Poster oder Briefköpfe. Die Nutzungsszenarien sind dabei vielfältig: Grafik, Werbetechnik, Gravur, Modedesign, Textildruck oder Stickerei. Auch immer mehr Hobbyanwender finden durch die einfache Bedienung Zugang zu CorelDRAW."

netzwelt: Welche speziellen neuen Werkzeuge gibt es?

Métrailler: "Die Suite beinhaltet ein komplett überarbeitetes Typografiemodul, neue Farbstile und Farbharmonien sowie leistungsstarke neue Formhilfsmittel. Insgesamt haben wir den Arbeitsfluss sowie die Arbeitsgeschwindigkeit optimiert, so dass Anwender mit der Suite intuitiv arbeiten und zu schnellen Ergebnissen gelangen können. Wie immer haben wir bei der Entwicklung der neuen Version eng mit unseren langjährigen Kunden zusammengearbeitet, um unsere Grafiklösung stärker an ihren Anforderungen auszurichten. Bisher war ihr Feedback zu den Neuheiten ausgesprochen positiv."

netzwelt: Können Sie uns bitte drei bis vier weitere der größten Neuerungen nennen, die mit der aktuell 2012 herausgekommenen Version X6 verwirklicht wurden?

Métrailler: "Sehr gerne. Wir haben unseren programmübergreifenden Ganzseitenbrowser, Corel CONNECT, erneuert. Nun können Anwender ihre Inhalte in verschiedenen Ablagen aufbewahren und somit an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten. Besonders stolz sind wir auch auf unser neues Stilmodul, mit dem Nutzer für mehrere Objekte die Stile verwalten und einmal eingestellte Formatierungen durchgängig auf verschiedenen Objekten anwenden können.

Das in der Suite enthaltende Bildbearbeitungsprogramm PHOTO-PAINT X6 haben wir mit einer intelligenten Ausschneidefunktion ausgestattet. Dank dieser Neuerung lassen sich nun zugleich unerwünschte Bereiche aus einem Foto entfernen und das Seitenverhältnis des Bildes anpassen. Damit CorelDRAW X6 auch die neueste Hardware ausreizen kann, gibt es die Grafiksuite nun als native 64-Bit-Version. Zudem werden Mehrkernsysteme optimal unterstützt."

netzwelt: Sie haben es gerade erwähnt, zwei der Neuerungen sind die Mehrkernprozessoren- sowie die 64-Bit-Unterstützung. Worin liegen speziell hier die Vorteile für Anwender?

Métrailler: "Die CorelDRAW Graphics Suite X6 wurde für 64-Bit-Prozessoren entwickelt, unterstützt jedoch weiterhin auch 32-Bit-Prozessoren. Bei 64-Bit-Prozessoren mit Mehrkernunterstützung reagiert das Programm nun insgesamt erheblich schneller und erledigt rechenintensive Aufgaben unauffällig im Hintergrund. Anwender müssen weniger warten, wenn Sie Dateien speichern oder exportieren oder wenn Sie verschiedene Dokumente drucken und große Dateien kopieren.

Interne Tests haben einen Leistungszuwachs von bis zu 50 Prozent bei bestimmten Filtern gegenüber X5 ergeben. Auch auf einem 32-Bit-Betriebssystem läuft CorelDRAW nun erheblich schneller als vorherige Versionen. Der Leistungsunterschied zwischen 32-Bit und 64-Bit bei X6 beträgt im Durchschnitt 10 bis 20 Prozent."

netzwelt: Erstmals kann CorelDRAW nun auch zum Designen von Webseiten verwendet werden. Ein heutzutage längst überfälliger Schritt, oder?

Métrailler: Für uns war es der nächste logische Schritt, einen Webseiteneditor in unsere Grafiksuite zu integrieren. Unsere Kunden, die meist auf ein Gebiet spezialisiert sind, bekommen immer öfter Anfragen, weitere Bereiche der visuellen Kommunikation abzudecken. Mit CorelDRAW X6 haben sie nun ein Werkzeug an der Hand, mit dem sie von der Broschüre über die Visitenkarte und das Logodesign bis hin zur Webseite die ganze Bandbreite abdecken können. Sie brauchen keine Vorkenntnisse in HTML und Webprogrammierung.

netzwelt: Können Sie in zwei Sätzen für den Laien sagen, was CorelDRAW von anderen Grafikprogrammen wie beispielsweise Adobe Photoshop unterscheidet und was das Besondere Ihres Produkts ausmacht?

Métrailler: "CorelDRAW X6 bietet eine intuitive Bedienung, mit der Anwender auch ohne professionellen Hintergrund schnell und einfach ansprechende Ergebnisse erzielen. Die komplette Grafiksuite bekommen Sie zu einem Top-Preis."

netzwelt: CorelDRAW war unter Grafikern auch aufgrund seiner Nutzerfreundlichkeit bzw. Offenheit für den Import von Dateien aus anderen Programmen wie beispielsweise von FreeHand oder dem Illustrator von Adobe beliebt. War das der Schlüssel für den Erfolg?

Métrailler: "In der Tat kann CorelDRAW X6 bei der Kompatibilität zu zahlreichen Dateiformaten einen weiteren Trumpf ausspielen. Die Software bietet schließlich mehr als 100 Import- und Export-Filter: von PSD, AI, PDF, EPS und DocX über PNG, JPEG, SVG, CGM bis zu PhotoCD und WMF."

CorelDRAW unterstützt eine Reihe von Dateiformaten, selbst die von Adobe. (Bild: Corel)
CorelDRAW unterstützt eine Reihe von Dateiformaten, selbst die von Adobe. (Bild: Corel)

netzwelt: Nicht wenige Designer schwören auf die Arbeit mit Mac-Computern. Die CorelDRAW-Version für Macs wurde allerdings 2003 mit der Version 11 eingestellt. Können Sie bitte noch einmal begründen, warum? Wird es irgendwann wieder eine Version für Mac-Systeme geben?

Métrailler: "Unsere Zielgruppe für CorelDRAW arbeitet fast ausschließlich mit Windows, was für uns ein Grund war, die Mac-Version 2003 einzustellen. Während wir mit Corel Painter, CorelCAD oder Corel AfterShot Pro führende Produkte für den Mac im Portfolio haben, konzentrieren wir uns bei CorelDRAW weiterhin auf Windows.

Mit CorelDRAW X6 wollen wir unseren Anwendern die bestmögliche Grafiklösung für ihre Ansprüche bieten, die exklusiv für die Windows-Plattform ausgelegt ist. Natürlich schauen wir ständig, wie sich die Bedürfnisse unserer Kunden entwickeln und richten daran unsere zukünftigen Entscheidungen aus."

netzwelt: Zuletzt war noch ungeklärt, ob CorelDRAW überhaupt mit Windows 8 kompatibel sein wird. Gibt es in dieser Hinsicht eine neue Entwicklung?

Métrailler: "CorelDRAW X6 werden Sie definitiv auf einem Windows-8-System nutzen können, sobald die finale Version veröffentlicht wird. Wir arbeiten in dieser Hinsicht seit über einem Jahr eng mit Microsoft zusammen und pflegen gute Beziehungen zueinander. Auch für den angekündigten Windows Store sind Apps von uns in Planung. Es ist jedoch noch zu früh, um Einzelheiten bekanntzugeben."

netzwelt: Mit 629 Euro beziehungsweise 319 Euro für das Upgrade ist CorelDRAW nicht ganz billig. Was bietet das Programm sonst noch an zusätzlichen erwähnenswerten Details beziehungsweise hilfreichen Beigaben in der neuen Version?

Métrailler: "CorelDRAW Graphics Suite X6 ist nicht etwa nur ein einzelnes Programm, sondern ein Komplettpaket an Softwarelösungen für Illustration, Layout, Bildbearbeitung und die Gestaltung von Webgrafiken. Das Paket bietet ein äußerst attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Es beinhaltet im Einzelnen das Zeichenprogramm CorelDRAW X6 für Vektorillustration und Seitenlayout, das Bildbearbeitungsprogramm Corel PHOTO-PAINT X6, das Vektorisierungsprogramm Corel PowerTRACE zur schnellen und präzisen Umwandlung von Bitmaps in bearbeitete Vektorgrafiken, den Browser Corel CONNECT zum Durchsuchen digitaler Inhalte der Suite, das Bildschirmerfassungsprogramm Corel CAPTURE X6 sowie das neue Webdesignprogramm Corel Website Creator X6. Anwender profitieren zudem von 1.000 neuen professionellen Digitalfotos in Hochauflösung, einer Vielzahl professionell gestalteter Vorlagen, Rahmen und Muster sowie 1.000 neuen OpenType-Schriften. Einzelne dieser Schriften kosten alleine schon bis zu 100 Euro."

Seit Version X6 beinhaltet CorelDRAW auch ein Webdesign-Werkzeug. (Bild: netzwelt)
Seit Version X6 beinhaltet CorelDRAW auch ein Webdesign-Werkzeug. (Bild: netzwelt)

netzwelt: Was hat sich statistisch gesehen seit der ersten Version von CorelDRAW im Jahr 1989 bei den Nutzerzahlen getan. Wo will Corel in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf dem Markt sein?

Métrailler: "Durch die intuitive Bedienung unserer Grafiksuite haben wir immer mehr Anwendern Zugang zu einem mächtigen Grafikwerkzeug verschafft. Mit CorelDRAW X6 sprechen wir Profianwender genauso an wie Hobbyanwender. Unsere Komplettlösung ermöglicht ihnen, die ganze Bandbreite visueller Kommunikation abzudecken. Dabei ist klar: Visuelle Kommunikation wird immer wichtiger, da sehen wir einen Trend über alle Medien hinweg – im Print, bei Druck und Publishing wie auch Online.

Neben den traditionellen Grafikbereichen wie der Werbetechnik und bei Graveuren entwickeln sich neue Felder wie 3D-Drucken und Digital Signage. All das benötigt grafische Kommunikation. Wir von Corel wollen auch in Zukunft unsere Anwender in die Lage versetzen, alle Medien bedienen zu können, in denen visuell kommuniziert wird."

netzwelt: Grafikprogramme wie von Corel oder auch die der Konkurrenz von Adobe lassen für Designer derzeit kaum Wünsche offen. Dennoch die Frage: Wo liegen die Herausforderungen Ihrer Branche, was ist vielleicht noch Zukunftsmusik und wo geht die technische Entwicklung hin?

Métrailler: "Eine große Herausforderung ist für uns auch in Zukunft, den Arbeitsfluss für unsere Nutzer noch intuitiver und einfacher zu gestalten. Schließlich soll CorelDRAW auch weiterhin erste Wahl für diejenigen sein, die mit wenigen Klicks ihre kreativen Ideen schnell und einfach in professionelle Resultate umsetzen wollen. Eine Herausforderung, mit der die gesamte Branche sich derzeit beschäftigt, sind die sich aufgrund von Cloud-Services und mobilen Endgeräten wandelnden Nutzerverhalten. Diese berücksichtigen wir natürlich in unseren Planungen.

Neben erweiterten Services werden für uns in Zukunft auch alternative Vertriebsmodelle eine wichtige Rolle spielen. Dabei ist für uns jedoch wichtig, dass die Anwender selbst entscheiden können, wie sie unsere Software erwerben möchten: ob traditionell in der Box, als Festlizenz, als Abonnementdienst oder einer Mischung daraus. Während sich bei anderen Anbietern durchaus ein Zwang zum Abo abzeichnet, wird Corel auch in Zukunft Wahlfreiheit bieten."

netzwelt: Vielen Dank für das Gespräch.

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