Verkehrte Netzwelt: Die Ballade von Rudolf und Renate

Röhrenfernseher auf dem Wertstoffhof

Einen kleinen Stich ins Herz gab es ihm dann doch, als er am nächsten Samstag den Loewe zum Wertstoffhof brachte. 15 Jahre lang hatte ihnen der Apparat Abend für Abend Information und Unterhaltung ins Wohnzimmer gebracht. Jetzt landete er auf dem Wertstoffhof, obwohl er eigentlich noch funktionierte. Hatte Renate nicht doch ein klein bisschen recht gehabt?

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Aber Rudolf tröstete sich mit der Vorstellung, dass der Loewe jetzt in der Gesellschaft vieler anderer alter Röhrenfernseher war, dann von liebevollen Händen vorsichtig auseinandergenommen und korrekt entsorgt wurde. Das war jedenfalls ein würdevolles Ende. Nach einigen Wochen war auch der Haussegen wieder gerade gerückt und auch Renate freute sich über das strahlend schöne HD-Bild. Der alte Loewe trat derweilen seine letzte Reise an. Auf einem großen Containerschiff mit Kurs Afrika. Aber das ist eine andere Geschichte.

Rudolf liest einen interessanten Artikel

Wenige Wochen später stieß Rudolf in einer Fachzeitschrift auf einen interessanten Bericht. Demnach bauen die TV-Hersteller seit neuestem Flachbildfernseher, die nur noch drei oder vier Jahre halten. Wenn die erste Platine kaputt geht, dann ist die Reparatur so teuer, dass sie sich nicht mehr lohnt und der Konsument in einen neuen Fernseher investieren muss.

Rudolf wunderte sich über den empörten Tonfall des Artikels. So, als ob das ein Skandal wäre. Dieser Journalist hatte die Wirklichkeit in deutschen Ehen nicht verstanden. Was kann einem rechtschaffenen Hightech-Anwender, der auf der Höhe der Zeit bleiben will, besseres passieren, als wenn Elektrogeräte nach einigen Jahren kaputt gehen. Dann darf er ohne schlechtes Gewissen wieder ein neues, technisch innovatives Produkt kaufen. Bisher hatte die Langlebigkeit vieler Produkte es den Verbrauchern schwer gemacht, sich für neue Technik zu entscheiden.