Kurz nach erstem Razzia-Jahrestag

Kino.to: Urteil gegen Gründer gesprochen

Vor genau einem Jahr stürmten Ermittler zahlreiche Privatwohnungen und Geschäftsräume in Europa. In Deutschland nahmen die Polizisten insgesamt 13 Personen fest. Ihnen wird vorgeworfen, sich über das Filmportal Kino.to an millionenfachen Urheberrechtsverletzungen beteiligt zu haben. Nun wurde auch der Gründer, Dirk B, verurteilt. Netzwelt zieht Bilanz, während kürzlich zum letzten Mal ein Stream auf Kino.to lief.

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Am 8. Juni 2011 beschlagnahmte die Polizei die Domain Kino.to. (Bild: netzwelt)
Am 8. Juni 2011 beschlagnahmte die Polizei die Domain Kino.to. (Bild: netzwelt)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1GVU stellt Strafanzeige
  2. 2Das Filehoster-Sterben
  3. 3Verfahren im Fall Kino.to
  4. 4Prozess gegen ehemalige Nutzer?
  5. 5Der letzte Stream auf Kino.to
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Dirk B. wurde heute, am 14. Juni, vom Landgericht Leizig zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Darüber hinaus muss er eine hohe Geldstrafe an den Staat zahlen.

Erst kürzlich gab der Anwalt des 39-Jährigen in dessen Namen ein Geständnis ab. Dirk B. bedaure seine Mittäterschaft bei den ihm vorgeworfenen Urheberrechtsverletzungen. Er kritisierte jedoch auch, dass er überhaupt strafrechtlich verfolgt würde. Das Urteil gegen ihn fiel nur wenige Tage, nachdem sich die europaweite Razzia gegen Kino.to zum ersten Mal jährte.

GVU stellt Strafanzeige

Auf Kino.to war es Nutzern möglich, nach Links zu Videostreams und Downloads von aktuellen Fernsehserien und Kinofilmen zu suchen und diese anzuschauen. Da es sich dabei jedoch um urheberrechtlich geschütztes Material handelte, stellte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) einen Strafantrag.

Das Filehoster-Sterben

Daraufhin fanden am 8. Juni 2011 Razzien gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen in ganz Europa statt. Seitdem und einer weiteren Razzia gegen den Filehoster Megaupload hat sich die Filesharing-Szene stark gewandelt. Zahlreiche Anbieter wie beispielsweise FileSonic und Uploaded.to haben ihr Konzept umgestellt. Auf FileSonic können nur noch Dateien heruntergeladen werden, die der Nutzer selbst hochgeladen hat.

Uploaded.to hat zudem die Downloadvergütung eingestellt. Durch diese hatten Hochlader Geld erhalten, die besonders beliebte Dateien einstellten. Weitere Beschlagnahmungen wie beispielsweise des britischen Musikportals RnBXclusive trugen ihr übriges dazu bei, dass immer mehr Filehoster ihre Dienste komplett einstellten, beispielsweise btjunkie.

Eine der bekanntesten Filesharing-Seiten The Pirate Bay ist eines der wenigen Portale, das sich kämpferisch zeigt. Trotz möglicher juristischer Konsequenzen und der Tatsache, dass in den Niederlanden und Großbritannien die Webseite bereits auf gerichtliche Veranlassung hin geblockt wird, wollen die Betreiber The Pirate Bay weiterführen.

Verfahren im Fall Kino.to

Derweil sind gegen die Betreiber von Kino.to bereits einige Urteile gesprochen worden. Erst Mitte April wurde der Chefprogrammierer zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Ihm wurden Urheberrechtsverletzungen in 1,1 Millionen Fällen vorgeworfen. Eine vergleichbare Strafe erhielt auch der ehemalige Hauptadministrator von Kino.to im Dezember 2011.

Gegen Kinox.to, das Nachfolgeportal von Kino.to, hat die GVU ebenfalls weitere Schritte angekündigt.

Prozess gegen ehemalige Nutzer?

Ehemalige Nutzer von Kino.to hatten bislang noch keine strafrechtlichen Maßnahmen zu fürchten. Dies könnte sich in Zukunft jedoch ändern, jedenfalls wenn es nach der Einschätzung der GVU geht. Der Definition der Gesellschaft zufolge ist nämlich bereits das kurzfristige Speichern eines Films im Arbeitsspeicher als illegale Kopie zu betrachten.

Entsprechend wurde im Februar 2012 bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Dresden offenbar auch gegen ehemalige Premium-Kunden von Kino.to ermittelt. Basis für diese Verfahren seien die beschlagnahmten Server des Filmportals. Die GVU würde ein solches Vorgehen begrüßen, denn den Nutzern "müsste klar sein, dass sie damit Kriminelle unterstützen." 

Der Einschätzung von Rechtsanwalt Christian Solmecke zufolge müssten ehemalige Kino.to-Kunden jedoch nicht in Panik verfallen, denn die Streitfrage, ob die Speicherung des Streams im Arbeitsspeicher als Raubkopie gelten könne, sei juristisch noch nicht geklärt. Allerdings könnte die Taktikänderung der GVU, die nun nicht mehr nur auf "die großen Fische" setzt, sondern auch auf ehemalige Nutzer, auch Auswirkungen auf das Verfahren gegen Megaupload haben. 

Der letzte Stream auf Kino.to

Derweil hatten zwei Hacker mit den Pseudonymen pin3apple und Chomik die Domain Kino.to übernommen. Ein als "Bitte Lesen" gekennzeichneter Link verwies auf einen offenen Brief an die Staatsanwaltschaft und die GVU, in dem die Hacker ihre Motivation erläutern: "Wir verfolgen hierbei keinerlei böse Absichten, sondern wollen lediglich sicherstellen, dass die Domain auf dem Weg nicht von anderen z.B. zu Werbezwecken missbraucht werden kann", heißt es dort.

Wie Pin3apple und Chomik gegenüber netzwelt mitteilten, wurde inzwischen der Kontakt zur GVU und Staatsanwaltschaft hergestellt. Die offiziellen Stellen zeigten sich offenbar einsichtig und kooperieren mit den beiden anonymen Nutzern. Diese schlossen daraufhin die erwähnte Sicherheitslücke selbst und sicherten die Domain so vor unerlaubtem Zugriff.

Anlässlich des ersten Jahrestags der Beschlagnahmung von Kino.to richteten Pin3apple und Chomik den höchstwahrscheinlich letzten Stream auf Kino.to ein. 

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