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Malte Götz im Interview
Entwickler von ProxTube

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Malte Götz wird auf Facebook als Held gefeiert: Der Entwickler, der noch zur Schule geht, hat mit ProxTube eines der beliebtesten Plug-ins für Firefox und Chrome entwickelt. Mit seiner Hilfe können deutsche Surfer Videos auf YouTube ansehen, die eigentlich gesperrt sind.

Malte Götz trickst mit dem Browser-Plug-in ProxTube die Filter aus, mit denen YouTube den Zugriff auf bestimmte Musik-Videos sperrt. Vor dem Hintergrund des Rechtsstreits zwischen GEMA und YouTube hat netzwelt mit dem jungen Entwickler gesprochen.

Netzwelt im Gespräch mit dem Erfinder von ProxTube. (Quelle: Malte Götz)

netzwelt: Hallo Herr Götz, Ihre Software ProxTube, mit der sich in Deutschland gesperrte YouTube-Videos ansehen lassen, hat gerade die Marke von zwei Millionen Downloads geknackt. Fühlen Sie sich als Internet-Rebell - oder wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Götz: "Ich sehe mich eher weniger als Internet-Rebell, schließlich hatte ich nie den Plan, dass ProxTube mal ein Millionenpublikum hat, sondern wollte nur Freunden zeigen, wie man die gesperrten Videos ohne viel Aufwand anschauen kann. Ich sehe mich daher ganz einfach als Software-Entwickler."

netzwelt: In der Szene sind Sie mittlerweile eine kleine Berühmtheit. In den Kommentarspalten auf Facebook werden Sie fast als Heiliger verehrt. Wie gehen Sie als 17-Jähriger mit diesem sagenhaften Zuspruch um?

Götz: "Ich freue mich immer wieder über solche Kommentare, so etwas spornt einen selbstverständlich an. Jedoch sollte man auf dem Boden der Tatsachen bleiben, es ist letztendlich auch nicht mehr als eine Browser-Erweiterung."

ProxTube ermöglicht es, gesperrte YouTube-Videos anzusehen. (Quelle: Screenshot)

netzwelt: Sie besuchen die elfte Klasse eines Düsseldorfer Gymnasiums. Wie groß ist der Aufwand, den Sie neben der Schule täglich für ProxTube betreiben müssen?

Götz: "Gering ist der tägliche Aufwand definitiv nicht, jedoch hängt dieser von verschiedenen Faktoren ab. Es gibt Tage mit Serverproblemen und vielen Support-Anfragen genauso wie es auch ruhige Tage mit weniger Arbeit gibt. Hinzu kommen dann noch Updates, da kann ich mir die Zeit relativ flexibel einteilen, jedoch sind es täglich zwischen ein bis drei Stunden, die ich investiere und 24-Stunden-Erreichbarkeit ist nicht unwichtig."

netzwelt: Wie oft haben Sie Ihre Eltern in den vergangenen Monaten beruhigen müssen, dass Ihre Abiturnoten nicht unter Ihrem außergewöhnlichen Hobby leiden würden?

Götz: "Selten war es definitiv nicht! Ich kann auch kaum abstreiten, dass die Noten nicht darunter leiden, auch wenn ich versuche, die Schule als erste Priorität zu sehen."

netzwelt: Sicher haben auch Ihre Schulkameraden und Lehrer von Ihren Aktivitäten Notiz genommen. Wie reagieren diese darauf?

Götz: "In meiner Stufe weiß es nahezu jeder und die meisten finden es beeindruckend, wie viele Nutzer ich mit ProxTube bereits erreichen konnte. Bei den Lehrern ist es komplett anders, zwar wissen diese von meinen Fähigkeiten im Bereich Informatik und Software-Entwicklung, jedoch eigentlich niemand von ProxTube."

netzwelt: Google hat ProxTube kürzlich aus seinem App-Store entfernen lassen, was dazu führte, dass Ihnen beziehungsweise Ihrer Software wohl eher noch mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ist der Schritt von Google für Sie nachvollziehbar?

Götz: "Vor dem Hintergrund, dass Google YouTube gehört, ist es absolut verständlich. Jedoch war die Vorgehensweise ein wenig außergewöhnlich, über Nacht wurde ProxTube mit einigen ähnlichen Erweiterungen einfach entfernt. Ich wurde letztendlich nur in einer Standardmail darüber informiert."

netzwelt: Hatten Sie nie Sorge, es könnte zu langwierigen Rechtsstreitigkeiten mit YouTube oder der GEMA kommen?

Götz: "Nein, ich bin mir sicher, dass ich auf der richtigen Seite stehe! ProxTube nutzt schließlich nur einen Proxyserver in den USA und die Verwendung eines solchen widerspricht nicht deutschem Recht geschweige denn den YouTube-Nutzungsbedingungen."

netzwelt: Ab und an scheint es bei ProxTube noch einige kleine Schwierigkeiten zu geben, sodass längere Wartezeiten auftreten können, bis eine Verbindung zum gewünschten Videoclip hergestellt werden kann. Manchmal sind bestimmte Clips auch gar nicht verfügbar. Woran liegt das, lassen sich diese Unregelmäßigkeiten noch beheben?

Götz: "Die Wartezeiten treten in der Regel bei Serverproblemen am Web- oder Proxyserver auf. Letztendlich lässt sich dies nie ausschließen, jedoch gebe ich mein Bestes, eine möglichst hohe Verfügbarkeit zu erzielen. Zudem sind einige Clips auch in den USA und weiteren Ländern gesperrt, sodass ProxTube das Video nicht entsperren kann. Dies wird sich wohl auch in Zukunft kaum ändern lassen, da die Videos meist auf nur ein Land beschränkt wurden."

Ein Ausschnitt aus der Umgebung, in der ProxTube entwickelt wird. (Quelle: Malte Götz)

netzwelt: Nicht alle begrüßen die sogenannte Kostenloskultur. Sven Regener von Element of Crime, der sich erst kürzlich lautstark in einem Interview zu diesem Thema zu Wort meldete, würde Ihnen wahrscheinlich vorwerfen, dass Sie den generellen Wert von Kunst untergraben, indem Sie diese kostenlos verfügbar machen. Was setzen Sie solchen Bedenken entgegen?

Götz: "Ich bin quasi ein Beispiel, dass die Kostenloskultur überhaupt nicht schlimm ist! Schließlich biete ich ProxTube kostenlos zum Download an und finanziere das Projekt über Spenden. Ich denke, alle Beteiligten müssen einfach umdenken und sich klar machen, dass die aktuelle Vorgehensweise, die Videos zu sperren, nicht mehr zeitgemäß ist. YouTube sollte man als Künstler mehr als Promotion-Plattform sehen, auf der man für die eigene Musik werben kann. Genauso sollte auch der Konsument sich Alben und Titel kaufen, die er möglicherweise auf YouTube entdeckt hat und die ihm gefallen."

netzwelt: Wie stehen Sie zu der Forderung Regeners, dass der Milliardenkonzern Google, der auf seiner Plattform YouTube die Videos zeigt, von seinem Gewinn etwas an die Künstler abgeben sollte?

Götz: "Solang man sich auf den branchenüblichen Tarif einigen könnte, welcher, soweit ich informiert bin, bei zehn Prozent der Werbeeinnahmen liegt, wäre es absolut in Ordnung. Jedoch verlangt die GEMA momentan noch einen Aufschlag von 0,6 Cent für hohe Interaktivität pro Aufruf, wodurch es vermutlich nicht mehr durch die Werbeeinnahmen finanzierbar wäre."

netzwelt: Was glauben Sie, wie der anhaltende Rechtsstreit zwischen YouTube und GEMA um gesperrte Videos im Internet ausgehen wird?

Götz: "Ich denke, dass man sich letztendlich einigen wird, jedoch nicht in den nächsten Wochen oder Monaten."

netzwelt: Parallel zu den rasant steigenden Nutzerzahlen erhöhte sich die mediale Aufmerksamkeit. Haben auch schon Unternehmen an Ihre Tür geklopft und gefragt, was Sie nach dem Erwerb Ihres Abiturs machen wollen? Haben Sie schon Pläne?

Götz: "Unternehmen haben noch nicht wirklich an die Tür geklopft, jedoch ist ProxTube nur ein Projekt. Ich arbeite bereits an weiteren, unter anderem beispielsweise an Windows Phone-Apps, wo es mir gelang, mit dem ZDF zusammenzuarbeiten. Wenn denn alles klappt, würde ich nach dem Abitur gerne studieren, am liebsten natürlich in Richtung Informatik."

netzwelt: Angesichts der hohen Klickraten auf Ihrer Website dürfte es Ihnen nicht schwer fallen, Werbetreibende zu finden, die Banner darauf schalten wollen. Gab es diesbezüglich schon Anfragen und wäre das für Sie ein Geschäftsmodell?

Götz: "Es wäre definitiv ein Geschäftsmodell und ich möchte auch nicht ausschließen, dass sich ProxTube in Zukunft durch Werbung finanziert. Jedoch ist dazu noch keine Entscheidung gefallen."

netzwelt: Vielen Dank für das spannende Gespräch.

Kommentare zu diesem Artikel

Malte Götz wird auf Facebook als Held gefeiert: Der Entwickler, der noch zur Schule geht, hat mit ProxTube eines der beliebtesten Plug-ins für Firefox und Chrome entwickelt. Mit seiner Hilfe können deutsche Surfer Videos auf YouTube ansehen, die eigentlich gesperrt sind.

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  • Ottensen63 schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Wir haben ein Grundgesetz (Die Kunst ist frei. Eine Zensur findet nicht statt.) Wir haben eine GEMA die zensiert. Darüber breiten wir den Mantel des Schweigens, und betrachten einseitig den kleinen David. Ich zolle ihm Respekt, den ich für die Feinde des Grundgesetzes nicht aufbringen kann. Meine eigene Internetseite ist werbefrei und weltweit verfügbar. Die GEMA erinnert an den Sozialismus imm Osten Deutschlands: Import (westlicher Musik) verboten, Qoutenregelung 60 (Ost) zu 40 (West) in Radio und TV. Ist das nun einfach nicht mehr Zeit gemäß, oder schon eine Wiederholung der Geschichte? Falsch!: Die GEMA zensiert nichts. Die GEMA zieht Gelder für die Künstler ein, deren Produkte in Disco's Kneipen, Radio- u. Fernsehsendern etc. ööfentlich gemacht werden. Durch den Rechtsstreit zw. GEMA u. YT hat sich YT entschlossen, deutsche usern ganz bestimmte Inhalte nicht mehr frei zugänglich zu machen. Die GEMA zensiert nichts.
  • Leonelf schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    netzwelt: Wie stehen Sie zu der Forderung Regeners, dass der Milliardenkonzern Google, der auf seiner Plattform YouTube die Videos zeigt, von seinem Gewinn etwas an die Künstler abgeben sollte? Öhm, Regener ist generell scheiße! Die guten Künstler können Partner werden, alle anderen können monetarisieren!
  • Immorb schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Malte Götz wird auf Facebook als Held gefeiert: Upps,Ein Held?? Jemand der das Rad neu erfindet ist ein Held?Ja,für die die keine Ahnung vom Internet haben. Um die Sperre zu umgehen braucht man kein Programm. Es gibt zig Wege um diese Sperre zu umgehen. m.f.G.
  • O. Wild schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Wir haben ein Grundgesetz (Die Kunst ist frei. Eine Zensur findet nicht statt.) Wir haben eine GEMA die zensiert. Darüber breiten wir den Mantel des Schweigens, und betrachten einseitig den kleinen David. Ich zolle ihm Respekt, den ich für die Feinde des Grundgesetzes nicht aufbringen kann. Meine eigene Internetseite ist werbefrei und weltweit verfügbar. Die GEMA erinnert an den Sozialismus imm Osten Deutschlands: Import (westlicher Musik) verboten, Qoutenregelung 60 (Ost) zu 40 (West) in Radio und TV. Ist das nun einfach nicht mehr Zeit gemäß, oder schon eine Wiederholung der Geschichte?
  • Florian 1234 schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Habe gestern erst 25 Cent gespendet. Ist zwar nicht die Welt, doch wenn dass jeder der 2 Millionen Nutzer macht, kommt trotzdem eine halbe Millionen euro zusammen. ;)
  • Oliver der Zweite schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Interessant wären weitere Fragen zur Zusammenarbeit mit dem ZDF gewesen, liebe Netzwelt :)
  • Dario schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Sehr Schön! Go Malte! :)
  • Karl Anders schrieb Uhr
    AW: Malte Götz im Interview: "Nicht alle begrüßen die Kostenloskultur"

    Mein persöhnlicher Held ;-)

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Netzwelt im Gespräch mit Malte Götz, dem Entwickler von ProxTube. Er sorgt dafür, dass deutsche Verbraucher gesperrte YouTube-Videos sehen können.
http://www.netzwelt.de/news/92048-malte-goetz-interview.html
2012-04-29 09:50:46
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/netzwelt-gespraech-erfinder-proxtube-bild-malte-goetz-14179.jpg
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