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Staubsauger-Roboter mit Wisch-Funktion von Sichler im Test
Günstig aber nicht gut

von Annika Demgen Uhr veröffentlicht

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Der Staubsauger-Roboter PCR-3350.UV von Sichler kann nicht nur saugen, sondern auch wischen. Trotz des günstigen Preises ist ein Kauf jedoch nicht unbedingt zu empfehlen. Erfahren Sie mehr im netzwelt-Test

Mit dem PCR-3350.UV von Sichler vertreibt das Versandhaus Pearl seit kurzer Zeit ein besonders günstiges Staubsauger-Roboter-Modell, das zudem auch noch wischen kann. Klingt erst einmal nützlich, im Praxis-Test stellte sich jedoch schnell Ernüchterung ein. Der unschlagbare Preis von gerade einmal knapp 200 Euro deutet zudem bereits an, dass Nutzer bei der Qualität des Geräts Abstriche machen müssen.

Der PCR-3350.UV wirkt auf den ersten Blick wie ein Haushaltsgerät aus den frühen 90er Jahren. Das rotglänzende Kunststoff-Gehäuse ruft Erinnerungen an gleichfarbige Glitterhosen aus damals trendigen Hip-Hop-Videos in Erinnerung. Ist das Design des Roboters sicherlich Geschmackssache, lassen sich einige Verarbeitungsmängel nicht wegdiskutieren.

Der Roboter stinkt

Die Plastik-Knöpfe auf der Oberseite des Sichler-Modells wirken sehr billig und die Bestätigungs- und Alarmtöne sind sehr durchdringend bis nervtötend. Außerdem fällt eins gleich beim ersten Auspacken des Roboters auf - das Gerät stinkt. Der Geruch verflüchtigt sich zwar an der frischen Luft, zu dicht sollte man seine Nase aber trotzdem nicht an das Gehäuse halten. Die wesentlichen Bestandteile des Roboters wie die Hauptrolle und Seitenbürste sind jedoch gelungen. Positiv ist die einfache Entnehmbarkeit der Rolle, was für die Säuberung des Roboters nötig ist.

Eine Reinigung der Hauptrolle und Entleerung des Auffangbehälters empfiehlt sich nach jedem Saugvorgang, denn - wie bei allen Staubsauger-Robotern, die netzwelt bisher testete - verwickeln sich besonders lange Haare um die Rolle und deren Aufhängung, bis sich nichts mehr dreht. Ärgerlich ist, dass beim Umdrehen des Roboters auf den Rücken immer etwas des aufgesaugten Schmutzes aus dem Staubsauger rieselt.

Navigation mit Infrarot

Seinen Weg findet der Roboter mithilfe von Infrarot-Sensoren an der Unterseite, an der Vorderseite und am Kopf des Modells. Die Bezeichnung UV im Produktnamen des Sichler-Geräts ist übrigens nicht zufällig, sondern steht für die integrierte UV-Lampe an der Unterseite des Roboters. Diese soll zur Reduzierung von Bakterien auf dem Boden beitragen, heißt es vonseiten des Herstellers.

Des Weiteren ist im Lieferumfang neben der Ladestation eine Fernbedienung, eine Ersatz-Seitenbürste und eine spezielle Bürste zur Reinigung des Roboters enthalten. Auch eine Infrarot-Sperre findet sich in dem Paket, die den PCR-3350.UV daran hindert, in Räume zu fahren, die nicht gesaugt werden sollen, beziehungsweise ihn vor Gefahren wie Treppen schützt.

Vorsicht bei Treppen

Diese Unterstützung hat der Roboter auch bitter nötig, denn Treppen und andere Abgründe erkennen seine Sensoren oft nicht rechtzeitig, sodass akute Absturzgefahr besteht. Das Sichler-Modell kann also nur in Räumen verwendet werden, die durch Infrarot-Sperre oder andere Hilfsmittel gesichert sind - auch unter Berücksichtigung des günstigen Preises ist dies ein schwerwiegender Minuspunkt.

Dass die integrierten Sensoren offenbar weniger zuverlässig arbeiten als bei anderen Staubsauger-Robotern macht sich auch bei dem Auto-Saug-Modus des Sichler-Modells bemerkbar.

Fehler beim Auto-Modus

Der Roboter verfügt über drei unterschiedliche Auto-Modi: Entweder fährt er, bis seine Akku-Kapazität sich nach 50 bis 70 Minuten dem Ende zuneigt oder man lässt ihn 30 beziehungsweise 15 Minuten lang seine Bahnen ziehen und dann zur Ladestation zurückkehren. Im Test gelang die selbstständige Rückkehr allerdings nicht.

Bei drei Versuchen, den Roboter im Auto-Modus sich selbst zu überlassen, brach das Gerät jedes Mal den Putzvorgang vor Beendigung ab und zeigte die Fehlermeldung "Sensoren verschmutzt" an. Diese wurden jedoch zuvor gereinigt, was die Vermutung nahelegt, dass Dreck auf dem Boden die Sensoren so schnell verschmutzt, dass der Roboter funktionsuntüchtig wird - unglücklich bei einem Staubsauger.

Schickt der Nutzer den Sichler-Staubsauger per Fernbedienung zurück, gelingt die Heimkehr in der Regel einwandfrei, dauert jedoch ein wenig, da sich das Modell in chaotischen Bahnen durch den Raum bewegt. Er merkt sich also nicht, wo die Basisstation zu finden ist.

Sichler Reinigungs- und Staubsauger-Roboter PCR-3350.UV

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Im Paket des Staubsauger-Roboters ist neben der Basisstation auch eine Infrarot-Sperre, Fernbedienung, ein Microfaser-Tuch und eine Bürste enthalten. (Bild: netzwelt)

Chaotisch am Schmutz vorbei

Im Auto-Modus bewegt sich der Staubsauger im Chaos-Prinzip durch den Raum, jedenfalls in der Theorie. Im Praxis-Test viel auf, dass der Roboter häufig den gleichen Weg einschlägt und dafür andere Stellen im Raum links liegen lässt. Recht zufällig entscheidet er sich zudem dazu, in den Spot-Modus zu wechseln, in dem er spiralförmig ein paar Minuten lang über die selbe Stelle fährt.

Eigentlich ist diese Saugtechnik für besonders verschmutzte Stellen gedacht, im Test wanderte der Roboter jedoch meist über augenscheinlich saubere Bodenregionen mehrmals, während er offensichtliche Schmutzgebiete nur einmal durchfuhr.

Eine Einschränkung in der Bedienung des Roboters ist, dass sich die unterschiedlichen Auto- genauso wie die Spot-Modi, die gleich vorgestellt werden, nur über die Knöpfe am Staubsauger selbst auswählen lassen. Auf der Fernbedienung ist dies nicht möglich.

Gründlicher Spot-Modus

Auch der Spot-Modus steht in drei Varianten zur Verfügung. Der Roboter fährt dabei entweder im Kreis, im Zickzack oder zehn Minuten an der Wand entlang. Der spiralförmige Modus wirkt dabei besonders effektiv, da der Sichler-Staubsauger seine Kreise in zwei unterschiedlichen Richtungen dreht. Ergänzt wird die Modi-Auswahl durch drei unterschiedliche Geschwindigkeitsstufen und durch ein spezielles Wand-Programm, in dem der Roboter am Rand eines Raums entlang fährt.

Während der Wand-Modus im Test durchaus überzeugte - da der Roboter dicht am Rand entlang fuhr und die meisten, wenn auch nicht alle, Ecken mitnahm - machen sich die Geschwindigkeitswechsel nur bedingt bemerkbar. Anstatt drei Stufen scheint es eher die Wahl zwischen langsam, langsam und schneller zu geben.

Die Wisch-Funktion

Schon in der Geräte-Beschreibung löst Pearl auf, dass es sich bei der beworbenen "Wischfunktion" eigentlich nur um ein Microfaser-Tuch handelt, dass der Nutzer anfeuchten und mit Klettverschluss an der Unterseite des Roboters befestigen kann. Weder verfügt der Roboter über ein internes Wasserreservoir, um für ständige Befeuchtung zu sorgen, noch über einen ausfahrbaren Mini-Mop.

Das bedeutet, dass sich die Wischfunktion zum einen nicht nutzen lässt, wenn der Nutzer früh das Haus verlässt und der Roboter mit Timer programmiert erst später anfangen soll zu putzen - was sich mit Rücksicht auf die Nachbarn bei einer durchschnittlichen Lautstärke von 76 db(A) empfiehlt - denn dann ist das Tuch wieder trocken. Zum anderen reicht weder die Feuchtigkeit noch die Fläche des Tuchs aus, um eine größere Fläche tatsächlich sauber zu bekommen. Besonders für eingetrocknete Flecken eignet sich der Roboter nicht.

Fazit

Der PCR-3350.UV ist mit seinen 199,90 Euro ein unschlagbar günstiges Angebot. Die Konkurrenz ist erst für mehr als das Doppelte des Pearl-Preises zu haben. Nutzer, die über einen Kauf eines Staubsauger-Roboters nachdenken, sollten jedoch lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und beispielsweise in den netzwelt-Testsieger von Vorwerk investieren. Denn weder hat die Wischfunktion des Sichler-Modells einen wirklichen Mehrwert, noch funktioniert der Saugvorgang des Roboters problemfrei.

Weitere Konkurrenzprodukte, die preislich zwischen dem Vorwerk- und dem Sichler-Modell liegen, finden Sie im Vergleichstest.

Kommentare zu diesem Artikel

Der Staubsauger-Roboter PCR-3350.UV von Sichler kann nicht nur saugen, sondern auch wischen. Trotz des günstigen Preises ist ein Kauf jedoch nicht unbedingt zu empfehlen. Erfahren Sie mehr im netzwelt-Test

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  • Olife schrieb Uhr
    AW: Ein Roboter für alle Fälle?: Der Staubsauger-Roboter mit Wisch-Funktion von Sichler im Test

    billigster China-Schrott - 199 € zum Fenster herausgeworfen. Funktionierte gerade mal eine Woche
  • Convex schrieb Uhr
    AW: Ein Roboter für alle Fälle?: Der Staubsauger-Roboter mit Wisch-Funktion von Sichler im Test

    Lasst die Finger vom dem Schrott. Absolut nicht zu empfehlen!!!

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Staubsauger-Roboter mit Wisch-Funktion von Sichler im Test
Staubsauger-Roboter mit Wisch-Funktion von Sichler im Test
Ein Roboter der saugen und wischen kann? Klingt nützlich, funktioniert in der Praxis allerdings mehr schlecht als recht.
http://www.netzwelt.de/news/92041-staubsauger-roboter-wisch-funktion-sichler-test.html
2012-05-01 09:32:02
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/motorola-mobility-google-uebernommen-bild-motorola7148.jpg
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