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Kommentar zu Windows 8
Mobile gibt den Takt vor

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Im Herbst wird das neue Windows 8 erscheinen. Die Vorfreude auf das angekündigte Betriebssystem scheint sich in Grenzen zu halten. Die veröffentlichte Consumer Preview ist bei den Kritikern bisher eher auf Skepsis gestoßen.

Im Herbst wird das neue Windows 8 erscheinen. Die Vorfreude auf das angekündigte Betriebssystem scheint sich in Grenzen zu halten. Die veröffentlichte Consumer Preview ist bei den Kritikern bisher eher auf Skepsis gestoßen.

Die Metro-Oberfläche von Windows 8 ist für die Touchscreens von Tablet-PCs optimiert. (Screenshot: Microsoft)

Warum eigentlich? Technisch ist das neue Betriebssystem vom Feinsten, es startet beispielsweise viel schneller. Daneben gibt es vier unterschiedliche Versionen und Anwender können sich freuen, ein auf Tablets optimiertes Betriebssystem zu bekommen. Das belebt den Markt und schafft eine Alternative zu Apples iOS und Googles Android. Und die neue an die Touchscreens der Tablet-PCs angelehnte Metro-Oberfläche verspricht ebenfalls ein spannendes Experiment zu werden. Man kann Microsoft also nicht vorwerfen, nichts Neues zu wagen.

Die Skepsis liegt möglicherweise daran, dass Windows immer noch als Desktop-Betriebssystem gesehen wird. Drei Jahre sind seit dem Start von Windows 7 im Oktober 2009 vergangen. In dieser verhältnismäßig kurzen Zeit hat sich der Markt radikaler verändert als im gesamten Zeitraum von Windows 95 über XP und Vista bis hin zu Windows 7. Denn erstmals gibt nicht mehr der Desktop-Markt den Ton an, sondern der Mobilmarkt.

Der Mobilmarkt gibt den Ton an

Sicher, auch vor drei Jahren gab es schon Business-Handys und Notebooks. Doch in der Vergangenheit galt immer: Mobilgeräte sind eine schöne mobile Ergänzung, aber der Desktop bleibt das Maß aller Dinge. Diese Regel hat sich nun praktisch in ihr Gegenteil verkehrt. Der PC-Markt wächst nur noch langsam. Software ist in nahezu allen Bereichen ausgereift. Heute ist die mobile Nutzung das Maß aller Dinge und der PC ein Ding von gestern.

Einen zwingenden technischen Grund für ein neues Betriebssystem gibt es ebenfalls nicht. Neue technische Standards wie beispielsweise USB 3.0 lassen sich durch ein Servicepack ins vorhandene Betriebssystem eingliedern.

Es ist also nicht so, dass Desktop-Nutzer sehnsüchtig auf ein neues Betriebssystem warten. Microsoft hat damit ein grundsätzliches Problem. Auch ein technisch brillantes Windows 8 wird dieses Problem nicht lösen können.

Das Konzept von Windows 8 basiert auf zwei Grundideen. Erstens auf der Erkenntnis, dass die mobile Nutzung künftig den Takt angibt. Deshalb die Metro-Oberfläche, die an die "gekachelten" Bedienoberflächen von Smartphones oder Tablet-PCs angelehnt ist. Natürlich kann man den herkömmlichen Desktop verwenden, aber die Metro-Oberfläche ist nun mal das, was das neue Windows optisch auszeichnet. Die zweite Grundidee ist die, dass Anwender in allen Nutzungsarten die gleiche Bedienoberfläche - neudeutsch: "Look and Feel" - haben möchten. Stimmt das wirklich? Die Nutzung unterwegs auf einem 10-Zoll-Tablet-PC oder zu Hause am 24-Zoll-Bildschirm sind so vollkommen unterschiedlich, dass diese Annahme fragwürdig erscheint.

Vor allem die Desktop-Nutzer, die sich nicht mit Tablet-PCs oder hochgerüsteten Smartphones anfreunden wollen, werden von der Metro-Oberfläche kaum begeistert sein. Die Nutzung unterwegs und zu Hause ist viel zu unterschiedlich, als dass eine Bedienoberfläche für beide zweckmäßig wäre.

Microsofts selbst gebaute Falle

Dass die Bedienoberfläche von Windows zum Problem wird und nicht die darunterliegende Technik, zeigt, dass Microsoft letztlich in einer selbst gebauten Falle steckt. Ein Betriebssystem sollte eigentlich etwas Unsichtbares sein. So unsichtbar beispielsweise wie ein Getriebe im Auto. Etwas, um dass sich der Anwender nicht kümmern muss, weil es effizient und geräuschlos unter der Haube funktioniert. Schließlich arbeitet man mit den Programmen und nicht mit dem Betriebssystem.

Es war in den 90er Jahren der geniale Marketing-Trick Microsofts, Millionen von Kunden vorzugaukeln, das Betriebssystem und seine Optik seien die Hauptsache und die Programme müssten sich dem unterordnen. Deshalb haben die Kunden in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer sehnsüchtig auf das neue Windows gewartet, das ihnen einen Quantensprung in der Computerwelt suggeriert hat. Bei genauer Betrachtung steckten eigentlich nur ein neues Design und ein paar Technik-Gimmicks dahinter.

Netbooks, Smartphones und Tablet-PCs haben inzwischen einen neuen Markt geschaffen, der mit den Begriffen Faszination und Innovation besetzt ist. Quantensprünge und andere coole Dinge finden seitdem auf dem mobilen Touchscreen statt, nicht mehr auf dem Bildschirm zu Hause. Da kann ein neues Desktop-Betriebssystem einfach nicht mithalten. Darum dürfte das nächste Windows längst nicht mehr so viel Interesse auslösen wie früher. Auch wenn es technisch an Windows 8 nichts zu meckern gibt…

Kommentare zu diesem Artikel

Im Herbst wird das neue Windows 8 erscheinen. Die Vorfreude auf das angekündigte Betriebssystem scheint sich in Grenzen zu halten. Die veröffentlichte Consumer Preview ist bei den Kritikern bisher eher auf Skepsis gestoßen.

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  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

    Ich habe mir auch die "Consumer Preview" runtergeladen und werde sie mir auch mal anschauen, aber ich denke auch, dass ich erstmal bei "7" bleiben werde, zumal ich mir gerade erst einen neuen Rechner zusammengestellt und mit Windows 7 ausgestattet habe. Der Nachfolger interessiert mich nicht wirklich, und davon mal abgesehen wird Windows 7 ohnehin noch bis 2020 mit Sicherheits-Updates versorgt, weswegen (oder auch generell) keiner dazu gezwungen wird, alsbald umzusteigen. Überhaupt handhaben es die Redmonder mittlerweile so, dass die aktuellen Systeme relativ lange Support bekommen. Von daher kann ich wirklich nicht verstehen, wieso sich so viele Leute so echauffieren. Sollte die 8er tatsächlich floppen, wird Microsoft auch dementsprechend handeln. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass MS schon darauf bedacht ist, seine Kunden zufrieden zu stellen - auch wenn sie die Metro-Oberfläche anscheinend auf Teufel komm raus etablieren wollen. Ich sehe dem Ganzen jedenfalls ziemlich gelassen entgegen und warte mal ab, bis die Final raus ist und sich dazu mal ein paar Stimmen gesammelt haben.
  • pdchristian schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

    2 Punkte: 1. Windows 8 ist genial, da es seine einhält. Ich habe drei Rechner, die unter WindowsXP nicht mehr nutzbar waren. Jetzt mit Windows 8 laufen die Rechner wieder sehr schnell. Kompliment! 2. Ein große Fehler ist das Entfernen des Startmenüs. Es ist wichtig dem Kunde, abhängig von seinen Wünschen, die neue Bedienoberfläche oder das klassische Startmenü anzubieten.
  • nein schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

    also ich teste Windows 8 seit Veröffentlichung der Developer preview und bin absolut begeistert! Es ist nicht nur für Touch-Eingabe optimiert sondern erleichtert und beschleunigt das Arbeiten(!)mit dem Desktop enorm!!! Ich bin vollstens von Windows 8 überzeugt und benutze die Consumer Preview als Hauptbetriebssystem! Ich kann überhaupt nicht verstehen was manche sich beschweren über die Metro-Oberfläche: nicht gut für Desktop … Denen sage ich gerade für Desktop ist es genial!!! -> was macht man denn zu Hause am PC? man arbeitet oder konsumiert und dazu benötigt man immer ein Programm. Wie könnte man ein beliebiges Programm schneller starten als die Windows-Taste zu drücken und den namen des Programms und enter!?? Windows 8 mit der genialen Übersichtlichkeit der Live-Tiles in Metro und der schier unendlichen Freiheit und den Möglichkeiten ist g e n i a l !!!! testen nachdenken verstehen
  • Salsataenzer schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

    Wenn es schon diverse Versionen davon gibt, warum dann nicht Mobile und Workstation Versionen? Es kann doch mobile Versionen mit den Kacheln und Workstation Versionen mit Desktop geben!!! Warum geht das nicht, Microsoft???
  • Keine Alternative zu XP schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

    Nach den diversen Vorberichten hier und anderswo ist mir klar, dass ich als Selbständiger mal wieder viel Zeit, Geld und Nerven sparen werde, indem ich diese neue Version schlicht ignoriere. Dasselbe habe ich mit Vista getan und selbst Win7 läuft hier nur als parallel installierte Testbasis. Produktive PC-Arbeit findet bei mir beruflich unter XP statt, dem besten Windows der letzten und wie es derzeit aussieht auch kommenden Jahre. Und für privates gibt´s ja eh den iMac.

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Kommentar zu Windows 8
Kommentar zu Windows 8
Irgendwann in der nächsten Zeit wird das neue Betriebssystem Windows 8 von Microsoft erscheinen. Warum eigentlich?
http://www.netzwelt.de/news/91929-kommentar-windows-8.html
2012-04-20 16:40:14
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/metro-oberflaeche-windows-8-touchscreen-oberflaeche-tablet-pcs-optimiert-screenshot-microsoft-13994.jpg
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