Mobile gibt den Takt vor

Kommentar: Warum Windows 8 nicht begeistert

Im Herbst wird das neue Windows 8 erscheinen. Die Vorfreude auf das angekündigte Betriebssystem scheint sich in Grenzen zu halten. Die veröffentlichte Consumer Preview ist bei den Kritikern bisher eher auf Skepsis gestoßen.

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Die Metro-Oberfläche von Windows 8 ist für die Touchscreen-Oberfläche von Tablet-PCs optimiert. (Screenshot: Microsoft)
Die Metro-Oberfläche von Windows 8 ist für die Touchscreens von Tablet-PCs optimiert. (Screenshot: Microsoft)
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Warum eigentlich? Technisch ist das neue Betriebssystem vom Feinsten, es startet beispielsweise viel schneller. Daneben gibt es vier unterschiedliche Versionen und Anwender können sich freuen, ein auf Tablets optimiertes Betriebssystem zu bekommen. Das belebt den Markt und schafft eine Alternative zu Apples iOS und Googles Android. Und die neue an die Touchscreens der Tablet-PCs angelehnte Metro-Oberfläche verspricht ebenfalls ein spannendes Experiment zu werden. Man kann Microsoft also nicht vorwerfen, nichts Neues zu wagen.

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Die Skepsis liegt möglicherweise daran, dass Windows immer noch als Desktop-Betriebssystem gesehen wird. Drei Jahre sind seit dem Start von Windows 7 im Oktober 2009 vergangen. In dieser verhältnismäßig kurzen Zeit hat sich der Markt radikaler verändert als im gesamten Zeitraum von Windows 95 über XP und Vista bis hin zu Windows 7. Denn erstmals gibt nicht mehr der Desktop-Markt den Ton an, sondern der Mobilmarkt.

Der Mobilmarkt gibt den Ton an

Sicher, auch vor drei Jahren gab es schon Business-Handys und Notebooks. Doch in der Vergangenheit galt immer: Mobilgeräte sind eine schöne mobile Ergänzung, aber der Desktop bleibt das Maß aller Dinge. Diese Regel hat sich nun praktisch in ihr Gegenteil verkehrt. Der PC-Markt wächst nur noch langsam. Software ist in nahezu allen Bereichen ausgereift. Heute ist die mobile Nutzung das Maß aller Dinge und der PC ein Ding von gestern.

Einen zwingenden technischen Grund für ein neues Betriebssystem gibt es ebenfalls nicht. Neue technische Standards wie beispielsweise USB 3.0 lassen sich durch ein Servicepack ins vorhandene Betriebssystem eingliedern. 

Es ist also nicht so, dass Desktop-Nutzer sehnsüchtig auf ein neues Betriebssystem warten. Microsoft hat damit ein grundsätzliches Problem. Auch ein technisch brillantes Windows 8 wird dieses Problem nicht lösen können. 

Das Konzept von Windows 8 basiert auf zwei Grundideen. Erstens auf der Erkenntnis, dass die mobile Nutzung künftig den Takt angibt. Deshalb die Metro-Oberfläche, die an die "gekachelten" Bedienoberflächen von Smartphones oder Tablet-PCs angelehnt ist. Natürlich kann man den herkömmlichen Desktop verwenden, aber die Metro-Oberfläche ist nun mal das, was das neue Windows optisch auszeichnet. Die zweite Grundidee ist die, dass Anwender in allen Nutzungsarten die gleiche Bedienoberfläche - neudeutsch: "Look and Feel" - haben möchten. Stimmt das wirklich? Die Nutzung unterwegs auf einem 10-Zoll-Tablet-PC oder zu Hause am 24-Zoll-Bildschirm sind so vollkommen unterschiedlich, dass diese Annahme fragwürdig erscheint. 

Vor allem die Desktop-Nutzer, die sich nicht mit Tablet-PCs oder hochgerüsteten Smartphones anfreunden wollen, werden von der Metro-Oberfläche kaum begeistert sein. Die Nutzung unterwegs und zu Hause ist viel zu unterschiedlich, als dass eine Bedienoberfläche für beide zweckmäßig wäre. 


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