Sie sind hier:
 

Radio-Stream mitschneiden
Die rechtlichen Grundlagen von Radio-Mittschnitten

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Wer einen neuen Song auf den PC laden will, muss sich nicht mit Tauschbörsen oder YouTube herumschlagen. Das deutsche Recht schützt alle Anwender, die Musik aus dem Radio mitschneiden - das ist völlig legal.

Nur die wenigsten Verbraucher wissen, dass Musik legal aus dem Radio mitgeschnitten werden darf. Häufig reicht die Qualität des Mitschnitts sogar an klassische CDs heran und ist deutlich besser als beim Download eines YouTube-Videos. Netzwelt erklärt die Hintergründe und was es bei Aufzeichnungen zu beachten gilt.

Jeder Verbraucher darf Musik kostenlos und legal aus dem Radio mitschneiden. (Quelle: König Electronics)

Längst haben YouTube, MyVideo und Co. die großen Tauschbörsen abgelöst, was den Musikkonsum betrifft. Nicht selten nutzen Verbraucher die genannten Portale auch dazu, sich einen Song auf den PC zu laden - leider häufig in bescheidener Qualität. Besser hört sich Musik an, die aus dem Radio mitgeschnitten wird.

Rechner statt Kassette

Sicher können sich noch einige Anwender daran erinnern, wie sie als Kind Musik aus dem Radio auf Kassette aufgenommen haben, was heute natürlich nicht mehr gangbar ist - kaum jemand dürfte noch Kassetten zu Hause haben, geschweige denn ein entsprechendes Aufnahmegerät. Heute dient der Rechner als Quelle für einen Mitschnitt aus dem Radio: Jeder handelsübliche PC oder Mac, der über eine Soundkarte verfügt, kann Streams aus dem Internet mitschneiden. Die meisten Anwendungen, die im letzten Absatz vorgestellt werden und im Download-Archiv von netzwelt heruntergeladen werden können, speichern Musik gleich als MP3-Datei ab.

Das neue Urheberrecht

Nach dem aktuell gültigen Urheberrecht ist das Erstellen einer Privatkopie elektronischer Medien - also auch einer Radiosendung, die als Stream im Netz ausgestrahlt wird - vollkommen legal. Verbraucher müssen sich nur an zwei Regeln halten: Erstens dürfen sie keinen Kopierschutz bei ihrer Aufnahme umgehen. Im Moment gibt es aber ohnehin keinerlei passende Technologien, die Radiosender einsetzen könnten, um Streams vor Mitschnitten zu schützen - spätestens direkt an der Soundkarte kann die Musik ja abgegriffen werden. Zweitens ist es strikt untersagt, Mitschnitte aus dem Radio kommerziell zu verbreiten oder zum Beispiel selbst in einer Tauschbörse anzubieten. Das Kopieren auf eine CD oder USB-Sticks für private Zwecke ist dagegen erlaubt.

Übrigens: Deutschland steht mit der ausdrücklichen Erlaubnis einer Privatkopie, die sich auch auf Mitschnitte aus dem Radio erstreckt, nicht alleine da. Auch in Österreich oder der Schweiz sind entsprechende Aufnahmen gestattet. Hierzulande sorgt die GEMA dafür, dass durch Abgaben auf CD-Brenner und andere Geräte ein fairer Ausgleich dafür geschaffen wird, dass die Urheber durch Privatkopien weniger Einnahmen generieren.

StreamRipper zeichnet Musik im Radio direkt aus Winamp heraus auf. (Quelle: Projekt-Website)

Passende Programme

Eines der beliebtesten Werkzeuge für das Mitschneiden eines Radio-Streams ist StreamRipper. Die Anwendung läuft auf Windows, Mac OS X und Linux gleichermaßen und kann auf Wunsch auch direkt aus Winamp heraus genutzt werden, für das ein Plug-in angeboten wird. Alternativ kann auch das Open-Source-Werkzeug Miro eingesetzt werden, um Musik aufzuzeichnen und nebenbei auch YouTube-Videos zu laden. Mit RadioRipper, AVS Audio Ripper, YouRipper und Co. gibt es im Download-Archiv von netzwelt noch viele praktische Programme, die sich auf eine bestimmte Funktion konzentrieren oder auf eine bestmögliche Geschwindigkeit Wert legen. Darüber hinaus gibt es Dienste wie Save.tv, die komplett im Browser ausgeführt werden.

Fazit

Der Download von YouTube-Videos ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn auch die Performance des jeweiligen Künstlers gesichert werden soll. Wer nur am Song selbst interessiert ist, erhält mit Radio-Aufzeichnungen eine deutlich bessere Qualität - viele Webradios strahlen ihre Inhalte sogar mit mehr als 128 Kilobit pro Sekunde aus.

Kommentare zu diesem Artikel

Wer einen neuen Song auf den PC laden will, muss sich nicht mit Tauschbörsen oder YouTube herumschlagen. Das deutsche Recht schützt alle Anwender, die Musik aus dem Radio mitschneiden - das ist völlig legal.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!
  • Nikobaer schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    Noch ausgereifter klappt es wie auf der Seite beschrieben: wenn man besonders geeignete Radiostationen findet, mehrere Streams gleichzeitig mitschneidet - und das Ergebnis dann für weitere private Nutzung auch noch in eine Musik-Cloud hochlädt. Vielen Dank an netzwelt.de für die Einführung...
  • radiofreak schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    tolle Möglichkeiten, und bei diesen radioportalen findet man z.b eine tolle Radiosender Auswahl auf surfmusik oder www.online-radioportal.de so das jeder auf den Musikgeschmack kommen sollte.

    noch eine ergänzung: phonostar.de bietet neben einer großen sender auswahl auch noch ein epg, das ist praktisch für aufnahmen von z.b. hörspielen oder konzerten. für den mitschnitt braucht man nichteinmal eine software.
  • Hanno Scholtz schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    Ein Vorteil von Youtube bleibt allerdings unerwähnt: Beim Streaming muss man nämlich, ganz wie früher mit dem alten Radiorekorder, selbst dasitzen und auf die REC- und die STOP-Taste drücken, und meist drückt man doch nicht zur rechten Zeit und hat dann noch Moderation mit drin oder den Anfang verpasst. Weil dieses Problem kaum elektronisch in den Griff zu kriegen ist, wird der Stream-Mitschnitt nie das ganz grosse Ding werden, und die ganze Urheberrechtsdiskussion muss nicht so hochkochen. Für einen sauberen Songanfang ohne ärgerliche Fehlversuche sind dann doch immer noch viele Leute bereit, Geld hinzulegen.
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    ... die Lieder ...

    Ich als Konsument habe die Möglichkeit - und auch das Recht auf meiner Seite - mir hiervon einen Mitschnitt anzufertigen. Für den privaten Gebrauch, versteht sich. Wenn ich allerdings anfange, diesen Mitschnitt großflächig weiter zu verteilen - über die von Dir angesprochenen Download-Portale bspw. - ohne Einfluss darauf zu haben, wer die Lieder letztlich bekommt, dann bekomme ich in der Tat ein Problem.

    Aber: Nicht jede Art von digitalisierter Musik landet direkt auf einem illegalen Download-Portal. Das ist kein zwingender Kreislauf oder so. Ich entscheide, wie bei allen anderen Dateien auch, was ich damit mache.

    Wir unterstützen in keinem Fall Straftaten. Ganz im Gegenteil. Aber in diesem Fall ist das ganze ja nicht mal ein Schlupfloch oder so - sondern ganz genau geregelt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich - wenn ich wirklich Wert auf hochqualitative Musik lege - sicherlich nicht auf einen Mitschnitt von einem sagen wir 32 oder 64 kb/s Stream zurückgreife ...
  • DJ OPA schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    Was Ihr da Anbietet,schadet die Interpreten. Es würde erst einer angezeigt,und zu mehren Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.Den die Lieder landen dann in schwartz donlut Portale. Wen ich einen erwische ,wir haben die alpi adressen kleich,auch wen sie über fag alp adressen mit schneiden.allso gehöhrt Ihr auch angezeigt,weil Ihr straftäten unterstütz.
  • schekalo schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    tolle Möglichkeiten, und bei diesen radioportalen findet man z.b eine tolle Radiosender Auswahl auf surfmusik oder www.online-radioportal.de so das jeder auf den Musikgeschmack kommen sollte.
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    ... Nach Art. 11 der CHARTA der Grundrechte ...

    Hier lässt sich jetzt natürlich streiten, welche Art von Informationen damit explizit gemeint sind. Sind es nur die "politischen Informationen" - in Form von Nachrichten etc. pp. - zur Weiterbildung und zur Unterstützung der Meinungsbildung? Oder dachte man im Jahr 2000 schon so weit, dass damit sämtliche Informationen im digitalen Raum inbegriffen waren?

    Hinzu kommt in dem Zusammenhang auch der Spiegelstrich 2, nachdem die Pluralität der Medien geachtet wird. Wenn diese Vielfältigkeit der Erstellung in dem Zusammenhang nur dadurch schützbar erscheint, dass man die Vielfältigkeit der Verbreitung einschränkt, dann ist das GEMA-Urteil zumindest in rechtlicher Hinsicht wahrscheinlich Hieb- und Stichfest ...

    Deine Argumente sind trotzdem interessant - und im Zusammenhang mit der Zwangsabgabe bei Datenträgern ausdrücklich richtig. Aber auch dagegen ließe sich argumentieren, dass es den Nutzern ja grundsätzlich freisteht jede Art von Musik über einen Radio-Stream mitzuschneiden (wie ja auch im Artikel besprochen), wodurch dann wieder die Zwangsabgabe legitimiert wäre ...

    Edit zur Ergänzung und Klarstellung: Ich bin kein Jurist! Alles was ich hier geschrieben habe beruht einzig und allein auf meinem Kenntnisstand, den ich aus begrenztem Wissen und der einen oder anderen Erfahrung ableite ;)
  • Oliver Lau schrieb Uhr
    AW: Legal und kostenlos: Musik aus dem Radio mitschneiden

    Das sehe ich genauso. Außerdem kann man auch legal aus dem FreeTV Konzerte, Musikvideos o. ä. jederzeit legal mitschneiden oder aufnehmen. Eben genauso wie bei Filmen wie Tatort. Hat der Ein oder Andere sicherlich auch schon mal aufgezeichnet.

    Da fällt mir aber an obigen Artikel jetzt etwas auf. Wenn die GEMA Abgaben auf CD-Brenner, Rohlinge, Festplatten usw. bereits von den Herstellern verlangt, die als Abgabe für das private Kopieren kassiert werden, dann würde die GEMA damit ja einen Freischein zum Kopieren und Downloaden von Musikartikeln bei Privatpersonen bereits ausgestellt haben. Das wäre dann ja so, als wenn man als Privatperson eine Lizenz zum Kopieren der GEMA Artikel hätte. Denn über PC, Festplatte etc. ist die Abgabe bereits bezahlt. Und mit dem Kaufvertrag und Gebrauch des Rohlings, der Festplatte etc. wäre man Eigentümer dieser Lizenz. Wieso werden dann die Seiten bei youtube überhaupt noch von der GEMA gesperrt? Nach Art. 11 der CHARTA der Grundrechte

    https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:OnXhuqK8t50J:www.europarl.europa.eu/charter/pdf/text_de.pdf+CHARTA+der+Grundrechte&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESg_a8oYOQMjEjbjzYZkj63gndImNWdxPUUj_agAicckbKz2pZkqLwkymVH-SWdBF5BIqAs9LATrcWFrOaYsHNfo6QbHXsT6i-oAM42e6niQDO7FWKCLkhaTcCYNJLkX58MThzce&sig=AHIEtbTkk4tfpcuKnjW0REDpldpVcEbE2A

    dürfen Informationen durch Behördlichen Eingriff im Internet auch nicht mehr angehalten werden.

    https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:rUlSLuDcTREJ:https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_sonstige/Tarif_Festplatten_ab_2008.pdf+GEMA+Festplatten&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESisk5QMXpgD71vl2JCbXlVlHqmvDk2OUS6IODisoQv9Ys0bgJNT2oAEyVaUebtA4aOCEfawms9phesEHX6WWSTqo6CaDpoE09bfu6FpjOcgzMOYM6yQTbPMo431iJFwCyYtj2bN&sig=AHIEtbQQhlOP-UJCuQHw5yQbgboEUGtppQ

    Da leuchtet einem auch ein, warum alle gegen die GEMA im Internet Sturm laufen. Die haben bereits die Abgaben mit dem PC bezahlt.

    Und ein Gericht hat heute entschieden, dass youtube Videos aus dem Programm nehmen soll?

    Sowas gibt es ja gar nicht!!!!

    Oliver Lau, Einbeck
netzwelt Live

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
34240
Radio-Stream mitschneiden
Radio-Stream mitschneiden
Netzwelt erklärt, warum Radio-Streams legal mitgeschnitten werden dürfen - und was nicht erlaubt ist.
http://www.netzwelt.de/news/91868-radio-stream-mitschneiden.html
2012-04-20 16:43:07
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/verbraucher-darf-musik-kostenlos-legal-radio-mitschneiden-bild-koenig-electronics-13891.jpg
News
Radio-Stream mitschneiden