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Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer Dieser Schuss geht nach hinten los

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Die Piratenpartei hat mit Vorschlägen zur Reform des Urheberrechts eine heftige Diskussion ausgelöst. Künstler, Autoren und Musiker sind empört. Sie haben recht, denn die Konzepte der Piraten gehen an der Realität vorbei.

Die Piratenpartei hat mit Vorschlägen zur Reform des Urheberrechts eine heftige Diskussion ausgelöst. Künstler, Autoren und Musiker sind empört. Sie haben recht, denn die Konzepte der Piraten gehen an der Realität vorbei.

Mit 101 Statements unter dem Motto "Ja zum Urheber" versucht die Piratenpartei ihre Position im Streit um die Rechte der Künstler deutlich zu machen. (Quelle: Piratenpartei)

Wie kommt es eigentlich, dass sich die Piratenpartei zurzeit so auf das Urheberrecht fixiert? Gibt es keine anderen Probleme? Wollen sie sich mit einem Thema wichtig machen, das die Gemüter erhitzt und bei dem jeder glaubt, mitreden zu können? Im Moment sieht es so aus, als ob der Schuss nach hinten losgeht. Bei den Künstlern und Autoren haben sich die Piraten ganz schön in die Nesseln gesetzt. Diese wenden sich in Scharen in offenen Briefen und Statements gegen den freien Download von Filmen und Musik aus dem Web sowie das Kopieren von CDs oder Büchern. Siehe dazu etwa der Brief der 51 Tatort-Drehbuchautoren oder die 100 Statements von Künstlern im Handelsblatt.

Die Piraten betonen häufig, sie seien eigentlich die besten Freunde der Künstler und Kreativen. Es ginge ihnen doch nur darum, die "Urheber zu stärken". Wenn sie dabei vorschlagen, Kopien und Downloads freizugeben und die Geltungsdauer des Urheberrechts drastisch zu reduzieren, müssen sie sich aber nicht wundern, wenn die Kreativen auf solche Freunde keinen Wert legen. Vor allem dann nicht, wenn keine praktikablen Gegenvorschläge kommen. Wie sollen Künstler ohne Verlage und GEMA ihre Brötchen verdienen? Der Ratschlag "Geh doch ins Web 2.0, da hast du fantastische Möglichkeiten" ist wohlfeil, dürfte aber so manchen Komponisten, Musiker, Fotografen oder Texter überfordern. Schließlich ist nicht jeder ein Digital Native, der die Möglichkeiten des Web 2.0 schnell mal für sich nutzen kann.

Es ist auch nicht besonders nett, all diejenigen, die am herkömmlichen System der Vermarktung von Kunst festhalten, als Ewiggestrige zu verspotten, die die neue Zeit nicht verstanden haben und sich "an ein verkrustetes System klammern". Die jungen Polit-Pioniere der Digital-Ära wirken in solchen Momenten einfach nur arrogant.

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7 Kommentare

  • Pi.....wähler schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    Durch Ihren Lobbyismus mag die Musikindustrie und Filmindustrie sich bei den etablierten Parteien mit Ihren Briefen und Statements gehör verschaffen. Leider finden meine Briefe und Mails keine Aufmerksamkeit. Muß nur die Steuerförderung für den deutsche Filmfinanzierung erwähnen die auch unser ex Bundespräsident befürworterte. Im Gegensatz zu diesem möchte ich die Hilfe für die Schlecker-Frauen erwähnen die meines wissens nicht stattfand.Könnte noch viel mehr ...
  • Ein Hauptstädter schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    So einen lobbyistischen Quatsch habe ich leider zu oft in letzter Zeit lesen müssen. Apple vs. Samsung wird nur mit Urheberrechts-Waffen ausgetragen, und das ist nur ein Beispiel für die resourcenverschlingende Auswirkung, ohne etwas Sinnvolles zu erzeugen. Anderes Beispiel: Monsanto und Saatgut - perverser geht's kaum. Und bei Medikamenten hört für mich der Spaß endgültig auf. Und mir soll keiner erzählen, die sogenannte Kreativwirtschaft sei so wichtig, daß wir nicht auf sie verzichten könnten. Leute, die echte Künstler sind, bleiben Künstler und verstummen nicht. Sie werden dann eben nicht mehr durch wen auch immer "geformt", der ausschließlich an Kohle interessiert ist. Zumindest ist das das Ziel jeder AG. Und irgendwann auch das des Künstlers, der dann aber eher ein Entertainer geworden ist. "Good night & good luck!"
  • RA Dr. Alexander Wachs schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich fand den Artikel ebenfalls sehr gelungen. Die grobe Aufteilung in "Gut" und "Böse" ist naiv und quatsch. Viele kleine Label Inhaber sind mit viel Herz dabei. Mich nervt in dieser Diskussion immer dieser dahinter stehende Gedanke Künstler würden vom Konsumenten nach Belieben und Gefallen bezahlt , den Sven Regener als "Straßenmusiker" Status beschrieb. Die Lösung ist wie immer, in der Mitte zu finden. Nur muss auch klar sein, dass wenn die Piraten von Anfang an mit gemäßigten Positionen in die Diskussion einstiegen, nach den üblichen Kompromissen dann nichts mehr von der eigenen Position übrig bleibt. Klar ist, wir brauchen eine Partei, welche die Bürger bei Freiheitsrechten insbesondere mit Internetbezug abholt und die Piraten sind die Einzigen, die sich entsprechend versuchen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Alexander Wachs
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    Man sollte in dem Zusammenhang bedenken, dass sich ein Künstler mit einem Plattenvertrag auch in eine Abhängigkeit zu seinem Verleger begibt. Dessen einziger Wunsch ist der Verkauf der Musik, während der Künstler vielleicht ganz andere Interessen vertritt und - überspitzt gesagt - damit zufrieden wäre den ganzen Tag auf seiner Gitarre herumzuklimpern. Eine Einschränkung ist das sicherlich, andererseits aber auch dem Wunsch geschuldet nachhaltig die Kundenwünsche zu erfüllen - und wollen die wirklich, dass die Beatsteaks aus einer künstlerischen Neigung heraus auf seichten Indie-Pop umsteigen?

    Was wir mit dem Artikel bezwecken wollten, war eine Diskussion anzufachen. Was ja durchaus gelungen ist. Von der "Industrie" haben wir dafür keinen müden Heller bekommen. Aber vielleicht sollten wir da mal anfragen. Könnte mir aber vorstellen, dass netzwelt in deren Augen - aufgrund anderer Artikel - uns eher als Feinde der Content-Industrie ansieht. Aber so ist das nun mal mit subjektiven Einschätzungen auf Grundlage einer Momentaufnahme ;)
  • James schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    Der Artikel ist sehr übertrieben und sehr an der Realität vorbei geschrieben. Fakt ist, das die Labels einen Sound Vorgeben, andere aber innovative Sounds damit gar nicht erst ermöglichen. Das Argument habt ihr sogar selbst gebracht und nicht bemerkt, wie ihr damit legitimiert Künstler direkt und nachhaltig einzuschränken und zu Manipulieren. Außerdem hat das Internet gezeigt, dass es durchaus in der Lage ist, gute Sounds an den Labels vorbei zu Promoten. Sei es ein Schni Schna Schnappi oder ein Justin Bieber welche so NIE durch Labels Existieren könnten. Eurer Artikel ist von seiner Konsistenz her sehr Interessant, aber eure Argumentation ist 1. Scheinheilig und 2. Noch grundlegend Falsch. Wie viel habt ihr von der Industrie den bekommen um diesen Unfug zu veröffentlichen?
  • exNichtwähler schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    > Das Urheberrecht mag reformbedürftig sein, zu den wirklich entscheidenden Themen gehört es nicht. Völlig richtig erkannt. Endlich lese ich sowas auch einmal in einem IT-affinen Umfeld. Wäre dies tatsächlich der einzige Grund die Piraten zu wählen, ich würde es als selbständiger Programmierer und Buchautor nicht tun. Denn ich lebe davon, dass meine Produkte gekauft und bezahlt werden, so einfach ist das. Trotzdem bekommen sie meine Stimme, weil sie frischen Wind in die verkrustete, abgehobene und meiner Meinung nach häufig korrupte Politik bringen. Aus diesem Grund sind die Piraten wichtig und ich wünsche ihnen 10+x Prozent. Danach müssen sie beweisen, dass sie nicht nur mit der virtuellen sondern auch mit der realen Welt umgehen können. Ausgang offen.
  • Carstenj schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

    Schön, kann dem Artikel uneingeschränkt zustimmen.

Darüber lacht die Netzwelt

Das Internet erzählt viele lustige und skurrile Geschichten, die besten haben wir euch hier zusammengestellt.

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Mehmet Toprak
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