Dieser Schuss geht nach hinten los

Kommentar: Shitstorm im Piratenmeer

Die Piratenpartei hat mit Vorschlägen zur Reform des Urheberrechts eine heftige Diskussion ausgelöst. Künstler, Autoren und Musiker sind empört. Sie haben recht, denn die Konzepte der Piraten gehen an der Realität vorbei.

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Mit 101 Statements unter dem Motto "Ja zum Urheber" versucht die Piratenpartei ihre Position im Streit um die Rechte der Künstler deutlich zu machen. (Bild: Piratenpartei)
Mit 101 Statements unter dem Motto "Ja zum Urheber" versucht die Piratenpartei ihre Position im Streit um die Rechte der Künstler deutlich zu machen. (Bild: Piratenpartei)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Entertainment-Industrie wird verteufelt
  2. 2Böse Manager der Musikindustrie
  3. 3Die Vorteile für den Künstler
  4. 4Musik aus dem Notebook
  5. 5Neue Themen für die Piraten
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Wie kommt es eigentlich, dass sich die Piratenpartei zurzeit so auf das Urheberrecht fixiert? Gibt es keine anderen Probleme? Wollen sie sich mit einem Thema wichtig machen, das die Gemüter erhitzt und bei dem jeder glaubt, mitreden zu können? Im Moment sieht es so aus, als ob der Schuss nach hinten losgeht. Bei den Künstlern und Autoren haben sich die Piraten ganz schön in die Nesseln gesetzt. Diese wenden sich in Scharen in offenen Briefen und Statements gegen den freien Download von Filmen und Musik aus dem Web sowie das Kopieren von CDs oder Büchern. Siehe dazu etwa der Brief der 51 Tatort-Drehbuchautoren oder die 100 Statements von Künstlern im Handelsblatt.

Die Piraten betonen häufig, sie seien eigentlich die besten Freunde der Künstler und Kreativen. Es ginge ihnen doch nur darum, die "Urheber zu stärken". Wenn sie dabei vorschlagen, Kopien und Downloads freizugeben und die Geltungsdauer des Urheberrechts drastisch zu reduzieren, müssen sie sich aber nicht wundern, wenn die Kreativen auf solche Freunde keinen Wert legen. Vor allem dann nicht, wenn keine praktikablen Gegenvorschläge kommen. Wie sollen Künstler ohne Verlage und GEMA ihre Brötchen verdienen? Der Ratschlag "Geh doch ins Web 2.0, da hast du fantastische Möglichkeiten" ist wohlfeil, dürfte aber so manchen Komponisten, Musiker, Fotografen oder Texter überfordern. Schließlich ist nicht jeder ein Digital Native, der die Möglichkeiten des Web 2.0 schnell mal für sich nutzen kann.

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Es ist auch nicht besonders nett, all diejenigen, die am herkömmlichen System der Vermarktung von Kunst festhalten, als Ewiggestrige zu verspotten, die die neue Zeit nicht verstanden haben und sich "an ein verkrustetes System klammern". Die jungen Polit-Pioniere der Digital-Ära wirken in solchen Momenten einfach nur arrogant.

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