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Sony Android Walkman im Test
Die gut klingende Alternative zum Smartphone

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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Reine MP3-Player haben für nicht wenige Menschen noch immer eine Daseinsberechtigung, auch in Zeiten günstiger Smartphones. Sonys Walkman Z will unter anderem mit Android-OS, Internet-Zugang, Tegra-2-Chip und gutem Klang überzeugen. Dennoch hinterlässt der teure Player ein paar dicke Fragezeichen.

Wer sich über die Gründe, sich einen reinen MP3-Player zuzulegen, Gedanken macht, ist hier an der falschen Adresse. Musikliebhaber, die diese Frage aus dem Schlaf mit "Ich will besten Klang" beantworten, sollten jedoch aufhorchen: Mit der Z-Serie schickt Sony das neue Flagschiffmodell der Walkman-Reihe ins Rennen gegen Apples iPod Touch und die Galaxy-Player-Serie von Samsung. Argumente: Tegra-2-Prozessor, riesiger Touchscreen, voller Zugang zum Android Market. Beim näheren Hinsehen entdeckt man jedoch auch ein paar Ungereimtheiten.

Kaum Zubehör: Leider spendiert Sony seinem ersten Android-Walkman lediglich mittelprächtige Kopfhörer und ein USB-Kabel.

Obwohl nahezu vollständig aus Kunststoff gefertigt, ist der Walkman Z, in unserem Fall hört das Testgerät auf die Bezeichnung NWZ-Z1050 (16 Gigabyte, Schwarz/Lila), eine massige Erscheinung. 153 Gramm Gewicht bringt er auf die Waage. Zum Vergleich: Apples iPod Touch wiegt mit 101 Gramm deutlich weniger und ist in ein Metallkleid gehüllt. Das anständige Gewicht ist zum Teil aber auch dem deutlich größeren Display geschuldet. Im Walkman sitzt ein 4,3 Zoll großes Display, im Apple iPod nur eine 3,5 Zoll große Anzeige. Samsungs Galaxy Player ist wahlweise mit einer Display-Größe von 3,6, 4,0 oder 5,0 Zoll erhältlich.

Unboxing und Verarbeitung

Den Lieferumfang des Walkman Z beschränkt Sony auf das absolut Notwendige. So vermisst netzwelt zum Beispiel Dreingaben wie ein Putztuch oder eine Tasche. Schmerzlicher ist aber das Fehlen eines Netzteiles. Lediglich USB-Kabel samt proprietärem Anschluss und In-Ear-Kopfhörer finden sich in dem kompakten Karton. Dürftig, wenn man bedenkt, dass Sony den Walkman Z nicht unter 270 Euro über die Ladentheke schiebt.

Ein klein wenig entschädigt wird, wer den Sony Walkman in die Hand nimmt. Satt und zufrieden liegt er dort, fast schon wie ein ausgewachsenes Smartphone. Einen ganz so edlen Eindruck wie Sonys aktuelles Android-Smartphone-Flaggschiff Xperia S hinterlässt er zwar nicht, aber Welten liegen auch nicht dazwischen. Die Rückseite, im Falle des Testgeräts von netzwelt ganz in Lila gehalten, ist leicht geschwungen, was sich angenehm bemerkbar macht, hält man den Player horizontal in den Händen. Fast kommt ein wenig Playstation-Feeling auf, doch leider handelt es sich beim Walkman Z nicht um ein PS-zertifiziertes Gadget.

Die geschwungenen Kanten des Walkmans dürften nicht lange so schön unversehrt aussehen wie auf den Hochglanzfotos im Netz. Im netzwelt-Test fiel bereits am ersten Tag auf, dass der dort angebrachte Lack schnell abblättert. Dazu reicht es unter Umständen bereits aus, den Player etwas ungeschickt auf einem Tisch abzulegen.

Anschlüsse

Ähnlich wie Apple setzt auch Sony auf einen zu anderen Marken nicht kompatiblen Spezialanschluss. Dieser wird sowohl zum Laden des Akkus als auch zur Synchronisation mit dem Rechner verwendet. Geht das Kabel verloren, muss Original-Ersatz vom Hersteller her. Und auch auf Reisen lassen sich nicht USB-Kabel verschiedener Geräte untereinander austauschen. Direkt daneben findet sich der Kopfhörer-Ausgang, der Player wandert daher am besten kopfüber in die Hosentasche. Bei früheren Playern war dies problematisch, da unter Umständen wichtige Hardwaretasten dadurch ebenfalls "vertauscht" waren. Bei einem reinen Touchscreengerät wie dem Walkman Z ist dies aber weniger schlimm.

An der rechten Gehäuseflanke verbaut Sony einen Mini-HDMI-Port zur Signalweitergabe an den großen Fernseher oder Monitor, die spezielle Walkman-Taste, auf die wir später noch zurückkommen werden sowie eine ausreichend groß bemessene Lautstärkewippe mit exakten Druckpunkten. Auf der Oberseite findet sich schließlich noch der Powerknopf, der gleichzeitig auch die Tastensperre entriegelt. Die linke Seite ist völlig knopflos.

Wie von Android-Handys gewohnt, verfügt auch dieser Walkman über die typischen Sensorschaltflächen "Zurück", "Hauptmenü" und "Menü", die unterhalb des großen Displays angebracht sind. Großer Nachteil: Die Tasten sind nicht beleuchtet und bestätigen Eingaben nicht mit einem Vibrationseffekt. Kurzum: An einem Walkman sind sie eigentlich völlig fehl am Platz.

Keine Kamera, keine Speicherplatzerweiterung

Zwei Punkte lassen sich dem Sony-Walkman bereits auf den ersten Blick ankreiden, der erste betrifft den fest eingebauten und nicht erweiterbaren Flashspeicher. In Deutschland wird die Z-Serie mit wahlweise 16 oder 32 Gigabyte großem Speicher angeboten, eine 8 oder 64 Gigabyte große Variante wurde noch nicht angekündigt. Da jegliche Form des nachträglichen Speicherausbaus fehlt, sollte sich der Nutzer im Vorfeld bereits darüber im Klaren sein, ob die 16-Gigabyte-Variante ausreicht. Die Preisdifferenz zwischen 16- und 32-Gigabyte-Modell liegt aktuell bei 40 Euro.

Sony Android Walkman

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Die Sony Walkman Z-Reihe ist der erste Sony Walkman mit dem Android-Betriebssystem. (Bild: netzwelt)

Der zweite Punkt betrifft die nicht vorhandene Kamera. Sony spendierte dem Testgerät weder eine Front- noch eine Rückkamera. Daher fehlt dem  Z sowohl das Rüstzeug für Schnappschüsse als auch das für Augmented Reality- oder Videotelefonie-Anwendungen. Beides bieten die direkten Konkurrenten iPod Touch und Galaxy Player. Ob man bei einem auf das Musikhören spezialisierten Gerät darauf verzichten kann, hängt vom bereits vorhandenen Gerätepark und von den persönlichen Vorlieben ab. Viele können auf eine Kamera in einem MP3-Player sicherlich verzichten, wenn dafür der Klang und die Musikfunktionen stimmen.

Hörtest

Wer sich heutzutage einen MP3-Player kauft, erwartet von diesem Gerät in der Regel einen im Vergleich zu guten Smartphones besseren Klang. Diesem Anspruch wird der Walkman Z gerecht. Im direkten Vergleich mit einem iPhone 4S, einem Blackberry Bold 9900 und einem Galaxy S ragen sowohl Detailtreue als auch Bass- und Höhenwiedergabe des Sony-Walkmans klar heraus. Kurzum: Stimmen klingen klarer, Bässe knackiger, Bands präsenter. Der Audio-Qualitätssprung zwischen dem iPhone 4S und dem Sony Walkman Z ist, wenn man so will, vergleichbar mit dem Qualitätssprung der Displays zwischen iPhone 4 und iPhone 3G.

Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer von Sony erledigen ihre Aufgabe zufriedenstellend, leisten aber leider auch nicht viel mehr. Zudem müssen Käufer mit der mitgelieferten Größe der Kopfhörer-Aufsätze leben, denn Sony legt nicht, wie sonst üblich, verschiedene Größen bei. Je nach verwendetem Kopfhörer-Modell könnte bei dem ein oder anderen Käufer der Wunsch nach einem kräftigeren Bass aufkommen. Netzwelt verwendete für diesen Hörtest sowohl die E500PTH von Shure als auch den Kopfhörerklassiker Koss Porta Pro. Die Basswiedergabe bei den Porta Pros war erwartungsgemäß über jeden Zweifel erhaben - mit den Shure-Kopfhörern im Ohr kam jedoch schnell der Wunsch nach einer knackigeren Basswiedergabe auf.

In-Ear-Kopfhörer des Sony Walkman Z

Sony bietet verschiedene Equalizer-Optionen im Menü an, um den Klang den eigenen Vorstellungen anpassen zu können. Hier stechen vor allem die VPT (Surround) genannten Effekte wie "Studio", "Live", "Club", "Stadion" und "Matrix" positiv heraus. Vor allem die Einstellung "Studio" fand netzwelt für viele Musiksituationen passend.  Der rückseitig verbaute Lautsprecher ist nicht das Gelbe vom Ei, zu schwach ist er auf der Brust. Viele Handy-Lautsprecher tönen kräftiger. Den Hang zum Übersteuern hat auch der Walkman-Z-Lautsprecher. Da hilft auch die von Sony "xLOUD" genannte Equalizer-Option zur Erhöhung der Lautstärke der internen Lautsprecher nicht weiter.

Abspielbare Formate und Software

Kritik muss sich das Walkman-Flaggschiff von Sony bei den kompatiblen Audio-Formaten gefallen lassen. Die Liste ist mit MP3, WMA, WMA (DRM), Linear PCM und AAC nicht wesentlich länger als bei modernen Smartphones. Warum Sony seinem Walkman keine Kompatibilität zu FLAC und OGG spendierte, ist unverständlich. Ebenfalls schmerzlich für Musikliebhaber: Gapless Playback wird nicht unterstützt. Konzeptalben und Live-Aufnahmen laufen daher nicht in einem Rutsch unterbrechungsfrei durch, sondern werden durch kleine Aussetzer beim Trackwechsel gestört. Sony vergibt hier klar die Chance, die Walkman-Reihe von Smartphones weiter abzugrenzen.

Die Bedienung des Players erfolgt für Menschen, die schon einmal mit dem Android-OS in Berührung gekommen sind, intuitiv. Aber auch für Google-Neulinge dürfte es nicht allzu schwer sein, die Grundfunktionen des Walkman über den Touchscreen zu erforschen. Leider kommt nicht Googles aktuelle Android Version 4, sondern die schon leicht angestaubte Gingerbread-Version (2.3.4) zum Einsatz. Ob der Walkman in absehbarer Zeit ein Update erhalten wird, ist derzeit noch unklar.

Über die seitliche Walkman-Taste gelingt der direkte Zugriff auf die Musikfunktionen. Das klappt auch bei aktivierter Tastensperre.

Die logisch gegliederte "Musik-Player"-App erledigt ihren Job sehr gut und lässt sich durch einen Druck auf den an der Gehäuseflanke angebrachten Walkman-Knopf aufrufen. Dies funktioniert auch bei aktivierter Tastensperre. Musik lässt sich nach den gängigen Kriterien, beispielsweise nach Interpret, Song, Stil oder Datum sortieren. Die etwas verspielte Cover-Ansicht, in der Interpreten oder Alben-Shortcuts auf dem Bildschirm verschoben werden können, ist nett anzuschauen, aber dennoch unpraktisch. Praktisch hingegen ist eine Funktion, die Sony SensMe nennt. SensMe versucht, ähnlich Apple Genius, Musik anhand unterschiedlicher Kriterien einer bestimmten Stimmung zuzuordnen. So spielt der Walkman bei aktivierten SensMe-Kanal "Chillout" vornehmlich ruhige Stücke.

Spiele und Zugang zum Netz

Im Alltag lässt sich der Android-Walkman einwandfrei flüssig bedienen. Auch Spiele, die der Nutzer aus dem Android Market beziehungsweise Google Play herunterladen kann, starten und laufen ohne nennenswerte Verzögerungen - ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen, reinen Musikspielern. Sehr gut gelingt dem Android-Walkman auch das Aufrufen von Internetseiten über WLAN-Netzwerke.

Sony Walkman NWZ-Z1050: Der Internetbrowser des Walkman ist komfortabel und schnell. Doppeltes Antippen zoomt einen Bereich passgenau heran.

Die Seiten bauen sich schnell auf, lassen sich komfortabel scrollen. Ein Doppelklick auf einen bestimmten Seitenbereich vergrößert diesen zeilengenau. Dank eingebautem Lagesensor dreht das Testgerät den Bildschirminhalt automatisch, sobald der Nutzer den Player dreht. Der Wechsel vom Hoch- in das Querformat erfolgt sowohl beim Surfen als auch in allen anderen unterstützten Menüebenen fehlerfrei und ohne erkennbare Verzögerung.

Weitere Funktionen

Natürlich kann der Sony Walkman Z auch Videos abspielen. Als unterstützte Formate gibt Sony AVC, WMV9 und MPEG-4 an. Die Videodarstellung auf dem großen Display erfolgt klar und flüssig. Hier kommt dem Walkman das dank LED gut und gleichmäßig ausgeleuchtete Display mit einer maximalen Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten zugute.

Dank eines eingebauten Mikrofons lässt sich der Walkman Z schließlich auch als Diktiergerät verwenden. Natürlich ist es ebenso möglich, dem Player Suchbegriffe für die Google-Eingabe zu diktieren. Analog zu den Android-Smartphones funktioniert dies in der Praxis bereits ausgesprochen gut. Auch ein Radio ist mit an Bord, welches allerdings nur funktioniert, wenn der Nutzer die Kopfhörer, die in diesem Fall auch als Antenne dienen, angeschlossen hat.

Der Datenabgleich des Walkman Z mit dem Rechner ist unkompliziert. Sowohl für die Datenübertragung mit dem Windows-PC als auch für den Abgleich mit einem Mac benötigt der Anwender keine Zusatzsoftware. In beiden Fällen wird der Android-Walkman als externes Laufwerk erkannt, und Daten lassen sich per Drag-and-Drop verschieben. Die Sortierung auf dem Player erledigt die interne Datenbank automatisch.

Fazit

Sony hat mit dem Walkman Z einen rundum gelungenen Audio-Player mit nützlichen Zusatzfunktionen im Programm. Die Klangqualität hebt sich im positiven Sinne deutlich von üblichen Smartphones ab, die übrigen Funktionen gleichen denen moderner Mobiltelefone. Dies ist gleichzeitig auch einer der größten Kritikpunkte, denn Nutzer müssen bereit sein, mindestens 270 Euro für diese gute Audio-Qualität zu bezahlen. Da ist es besonders schade, dass der Walkman von Haus aus nicht mehr Formate und kein Gapless Playback unterstützt.

Sony Android Walkman

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Die Sony Walkman Z-Reihe ist der erste Sony Walkman mit dem Android-Betriebssystem. (Bild: netzwelt)

Im Vergleich zu direkten Konkurrenz-Modellen, namentlich dem iPod Touch von Apple und der Galaxy-Player-Reihe von Samsung, kann der Sony Walkman sich klanglich an die Spitze setzen. Gegenüber dem iPod hat er zudem das deutlich größere Display und bringt mit "Music Unlimited" auch gleich einen "hauseigenen" Musikabodienst  mit. Auf der anderen Seite kostet der Walkman Z nach derzeitigem Straßenpreis in der 16-Gigabyte-Variante noch immer stolze 255 Euro. Ein vergleichbar ausgestatteter iPod Touch mit doppelt so großem Speicher kostet aktuell nur etwa 15 Euro mehr.

Wer auf Funktionen wie Apps und Internetzugang verzichten kann, weil dafür sowieso schon ein Smartphone bereitsteht, aber dennoch einen Musikspieler mit hoher Wiedergabequalität sucht, sollte einen Blick auf den Cowon-Player J3 werfen - den nach Meinung von netzwelt immer noch besten MP3-Player.

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Reine MP3-Player haben für nicht wenige Menschen noch immer eine Daseinsberechtigung, auch in Zeiten günstiger Smartphones. Sonys Walkman Z will unter anderem mit Android-OS, Internet-Zugang, Tegra-2-Chip und gutem Klang überzeugen. Dennoch hinterlässt der teure Player ein paar dicke Fragezeichen.

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Sony Android Walkman im Test
Sony Android Walkman im Test
MP3-Player sind noch lange nicht tot - das beweist unter anderem der Sony Walkman Z, der sich mit Android, Internetzugang und gutem Klang gegen die Smartphones behaupten will.
http://www.netzwelt.de/news/91695-sony-android-walkman-test.html
2012-04-05 17:34:11
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/kaum-zubehoer-leider-spendiert-sony-seinem-ersten-android-walkman-lediglich-mittelpraechtige-kopfhoerer-usb-kabel-bild-netzwelt-13665.jpg
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