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Neues Apple TV im Test
Für 109 Euro

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Das neue Apple TV bietet erstmals Full-HD-Unterstützung. Im Test fiel auf, dass der Hersteller aus Cupertino die Streaming-Box auch noch an anderen Stellen überarbeitet hat.

Full-HD-Unterstützung, neue Bedienoberfläche: Apple hat zum iPad-Start auch seine Streaming-Box Apple TV überarbeitet. Wie landen hochauflösende Inhalte auf dem Fernseher, wie flüssig läuft das Multimedia-Streaming? Apple TV im ausführlichen netzwelt-Test.

Als Apple für Anfang März zum Presse-Event einlud, stand das neue iPad natürlich im Vordergrund. Die Vorstellung der neuen Variante der Streaming-Box Apple TV wurde im Vergleich kaum beachtet. Lediglich zu Beginn der Keynote fand die Streaming-Box Erwähnung, was neben dem neuen iPad im Schlepptau auch an den wenigen Veränderungen von Apple TV gelegen haben dürfte: Als entscheidende Neuerung empfängt die Box jetzt auch Videos in Full HD-Qualität, also in 1080p-Auflösung, was 1.920 x 1.080 Bildpunkten entspricht. Zudem hübschte Apple die Bedienoberfläche auf, bietet Zugriff auf iCloud-Inhalte und die aus iTunes bekannte Genius-Empfehlungsfunktion für Filme. Für netzwelt Grund genug, die neue Version genauer unter die Lupe zu nehmen.

Passt in jede Hosentasche

An Apple TV beeindruckt zuallererst immer noch die Größe: Mit einer Kantenlänge von rund zehn Zentimetern ist die quadratische, nach wie vor im schlichten Schwarz daherkommende Streaming-Box äußerst kompakt, passt in die Hosentasche und versorgt bei Zusammenkünften deshalb auch gerne den Fernseher von Freunden und Bekannten mit Internet-Inhalten.

Trotz seiner kleinen Größe packt Apple einiges an Technik in seine Streaming-Box: Im Inneren sitzt ein A5-System-on-a-Chip, der im Gegensatz zum iPad und iPhone aber nur mit einem Kern ausgestattet ist und ein Upgrade des A4-Chips darstellt, der im letzten Apple TV saß. Den Arbeitsspeicher des neuen Apple TVs habe Apple vermutlich von 256 auf 512 Megabyte aufgerüstet, berichtet Macrumors in Bezug auf einen Nutzer im Xbmc.org-Forum, der die Streaming-Box auseinanderbaute. Den internen Flash-Speicher taxiert Apple weiterhin auf acht Gigabyte, wie im Vorgängermodell.

Neues Apple TV im Test

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Die neue Streaming-Client von Apple gleicht dem Vorgänger und wird mit Fernbedienung ausgeliefert. (Bild: netzwelt)

Kaum höhere Datenrate für Full-HD-Inhalte

Der Flash-Speicher dient in erster Linie zur Unterstützung des abgespeckten iOS-Systems auf dem Apple TV und fürs Zwischenspeichern der Streaming-Inhalte. Um die Datenrate von Full-HD-Filmen nicht zu groß werden zu lassen, setzt Apple auf eine höherwertige Kompression für H.264-kodierte Videos und kann dadurch auf mehr Flash-Speicher für seine Streaming-Box verzichten. Die Datenrate würde sich durch die Verwendung des "High-Profile" nur bis zwischen 15 und 15 Prozent im Vergleich zu 720p-Videos erhöhen, wie Ars Technica herausgefunden haben will.

Die HD-Videos gelangen wie gehabt per HDMI an den Fernseher. Im Test machten die hochauflösenden Filmtrailer aus iTunes durchweg eine gute Figur und sahen erwartungsgemäß durchweg schärfer aus als die SD-Varianten. Der Unterschied bei den Zwischenspeicherzeiten zwischen HD- und SD-Videos ist fast zu vernachlässigen: Bei beiden Varianten landen die Videos schnell auf dem Bildschirm, Vor- und Zurückspulen ist flüssig möglich ohne große Verzögerungen.

"Filme in HD" in iTunes

Apple stellt HD-Inhalte auf dem Apple TV exklusiv in den Vordergrund, wobei eine Sortierung nach HD-Inhalten oder gar gezielter nach 720p und 1.080p leider nicht möglich ist. Anwender müssen deshalb erst im Untermenü der Filme suchen, wo der Hersteller Informationen über die Auflösung auflistet. Besser geht die Suche nach HD-Filmen per iTunes auf dem Desktop-Rechner: Apple bietet für die Qualitätsvideos eine Extra-Rubrik "Filme in HD" an. Die aus der Abspielsoftware bekannte Empfehlungsfunktion Genius steht jetzt übrigens auch auf Apple TV zur Verfügung.

Für die Filmansicht auf dem iPad hat Apple die gelieferte Auflösung in iTunes extra angepasst: Während für das iPad 2 wegen des pixelärmeren Displays noch 720p-Inhalte zur Verfügung stehen, greift man mit dem neuen Tablet-Rechner schon auf 1080p-Filme zurück, sofern Apple einen Film in HD-Auflösung anbieten kann.

An der Optik hat sich beim neuen Apple TV nichts geändert.

Nur leihen, nicht kaufen 

Grundsätzlich lassen sich Filme per Apple TV nur leihen und nicht kaufen wie in iTunes, auf dem iPad oder iPhone. Ein Umweg bietet sich über die iTunes-Privatfreigabe an: Diese aktiviert man am Desktop-Mac oder mobilen Apple-Rechner und kann dann per Apple TV auf entsprechende Freigaben zugreifen. Die vermeintliche Alternative, iCloud, steht in Deutschland für Filme noch nicht zur Verfügung: Das Streamen von Inhalten aus dem Internet von Apple-Servern gilt nur für Musik, E-Books, E-Mails, Kalenderdaten und andere Medien.

Dank des Streaming-Protokolls AirPlay gelangen die gekauften oder geliehenen Filme auch über die Luft auf das Apple TV, vorausgesetzt Sender und Empfänger befinden sich im selben WLAN-Netzwerk. AirPlay hielt schon mit iOS 4.2 Einzug auf Apple-Geräte, sodass auch schon das letzte iPad Multimedia an die Streaming-Box senden konnte.

AirPlay und AirPlay Mirroring

Die kabellose Übertragung von Multimedia klappte in der Regel problemlos bei gutem WLAN-Durchsatz. Ist die Basisstation weiter entfernt und sind viele Geräte mit dem WLAN verbunden, kam es im Test beim Musikstreaming zu Aussetzern. Das sollten Anwender bedenken beim Einsatz von Apple TV. Den WLAN-Durchsatz kann man etwa mit einem WLAN-Repeater verbessern. Alternativ lässt sich die Streaming-Box auch per Ethernet-Kabel mit dem Netzwerk verbinden, wobei der Streaming-Client über einen 100-Megabit- und keinen Gigabit-Anschluss verfügt.

Empfindlicher als das reine Streamen zeigte sich das AirPlay Mirroring, also das Spiegeln von iPad-Inhalten auf den Fernseher. Die seit dem iPad 2 und auch auf dem iPhone 4S verfügbare Apple-Technik ermöglicht die Übertragung jedes Bildschirminhaltes vom mobilen Endgerät aus - ideal vor allem für Präsentationen von Tabellen, Grafiken und Urlaubsfotos. Im Test verzeichneten wir bei ausreichendem Datendurchsatz lediglich bei Spielen leichte Verzögerungen. Ist das WLAN-Netz stärker ausgelastet, hakte es jedoch an allen Ecken und Enden. Auch hier gilt also: Wer AirPlay einsetzen will, sollte für ausreichenden Durchsatz im Funknetz sorgen.

Auf der Rückseite stehen je ein Ethernet-, HDMI- und digital-optischer Anschluss zur Verfügung.

Schwarze Ränder bei Display-Spiegelung

Beim Spiegeln von Inhalten auf den Fernseher kann der Nutzer aber auch ganz auf Apple TV und das Netzwerk verzichten, indem er etwa auf einen digitalen AV-Adapter zurückgreift, wie ihn Apple anbietet. Der 40 Euro teure Adapter überträgt den iPhone- oder iPad-Inhalt ebenfalls auf den Bildschirm, wobei HD-Übertragung bis zu 1080p (außer Filme) unterstützt wird, während AirPlay Mirroring nur bis zu 720p funktioniert. Bei funk- und kabelbasierter Spiegelung wird das Bild nicht an die Fernseherbreite angepasst, sondern im 4:3-Format angeordnet, was zur Darstellung von schwarzen Rändern führt.

Mit iCloud hat Apple einen praktischen Synchronisationsdienst vorgestellt: Einmal eingerichtet, werden ohne weitere Eingriffe Kalenderdaten, E-Mails, Nachrichten und andere Daten mit allen mobilen Apple-Geräten abgeglichen. Auf Apple TV hat iCloud nur teilweise Einzug gehalten: Mit der Streaming-Box greift der Nutzer auf den Fotostream zurück, der mit anderen Apple-Endgeräten befüllt wird. Die mit dem neuen iPad geschossenen Bilder erscheinen scharf auf dem Fernsehdisplay, aber sind natürlich, abhängig von der Farbgebung des TV-Displays, leicht bis stark verändert.

Musikbibliothek auf dem Fernseher

Als weiterer iCloud-Dienst steht auch iTunes Match auf dem Streaming-Client zur Verfügung. Damit steht die gesamte Musiksammlung für Abonnenten auch zum Abruf auf dem Fernseher bereit. Interessant dürfte die Nutzung für all jene sein, die Audiosignale per optischem Anschluss am Apple TV an HiFi-Systeme weiterreichen wollen.

Apple hat auch die Bedienoberfläche seines Streaming-Client aufgehübscht. Statt reinem Text wie in der Vorgängergeneration erscheinen für den Abruf von Filmen, Musik, für die Privatfreigabe und für den Zugriff auf Einstellungen jetzt bunte Schaltflächen, die an iPhone- und iPad-Apps erinnern. An Online-Diensten stehen in der zweiten und dritten Spalte unter anderem YouTube, Vimeo, Videos des Wall Street Journals, Flickr und das TV-Portal der Major Baseball League zur Verfügung. Auch der Abruf von Podcasts und Internetradio-Stationen ist möglich.

Ideal für Präsentationen: AirPlay Mirroring funktioniert seit dem iPad 2 und mit dem iPhone 4S.

Abgeschlossenes System

Gerüchte, wonach Apple auch den App Store auf seine Streaming-Box bringt, zerschlugen sich bei der Präsentation. Wie gehabt, ist eine Erweiterung von Apple TV mit Miniprogrammen nicht möglich. Aufrüsten lässt sich die Streaming Box nur per Jailbreak, wie er auch auf Apples Smartphones möglich ist.

Auf diese Weise sperrt man das geschlossene iOS-System für interessante Anwendungen wie den XMBC-Player auf. Die Abspielsoftware ermöglicht auch den Zugriff auf Netzwerkfreigaben und Nas-Systeme. Apple TV kann damit mächtig erweitert werden und erreicht den Leistungsumfang vieler anderer Streaming-Boxen.

Fazit: Günstige Streaming-Box für iTunes-Freunde

Apple TV ist nach wie vor interessant für alle, die ihren Fernseher mit Internetzugang nachrüsten und auf iTunes im Wohnzimmer zugreifen wollen. AirPlay und AirPlay Mirroring sind dabei schicke Ergänzungen für Apple-Nutzer mit iPhone und iPad im Schlepptau.

Die 1080p-Unterstützung dürfte für einige Nutzer Grund genug sein, das Gerät der Vorgänger-Generation gegen ein neues Apple TV einzutauschen, zumal der Preis mit 109 Euro recht niedrig ist. Ansonsten können Interessierte auch auf den Fernseher von Apple warten, der mit ähnlichen Funktionen aufwarten dürfte. Allerdings ist unklar, ob und wann der Hersteller aus Cupertino solch ein Gerät auf den Markt bringt. Apple TV steht dagegen schon in den Läden.

Kommentare zu diesem Artikel

Das neue Apple TV bietet erstmals Full-HD-Unterstützung. Im Test fiel auf, dass der Hersteller aus Cupertino die Streaming-Box auch noch an anderen Stellen überarbeitet hat.

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  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: iTunes im Wohnzimmer: Neues Apple TV im Test

    Also, im Test von Heise bzw. "Mac & i" wurde erwähnt, dass die Datenraten für die "Full HD"-Inhalte aus dem Store teilweise so knapp bemessen sind, dass die Qualität darunter leidet und sich Kodier-Artefakte bilden. Ist halt immer noch ein ziemlich komprimiertes Format. Da ich meine HD-Filme immer noch mit der im Samsung-TV integrierten Software oder gleich auf dem Blu-Ray-Player anschaue, habe ich mir letztes Jahr zu Weihnachten den Vorgänger des aktuellen AppleTV zugelegt. Einfach nur, um meine archivierten DVB-T-Aufnahmen über iTunes auf den TV im Wohnzimmer zu bekommen. Und das funktioniert mit dem Teil wirklich gut. Von daher interessiert mich das neue Gerät nicht wirklich. ;)
  • Michael Knott schrieb Uhr
    AW: iTunes im Wohnzimmer: Neues Apple TV im Test

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Wir werden an unserer Aussprache arbeiten. könnt ihr auch normal reden? oder nur so bescheuertes monotones gelangweiltes Ablesen? Derweilen: Der Satz müsste orthografisch korrekt: "Könnt Ihr auch normal reden - oder nur so bescheuertes, monotones, gelangweiltes Ablesen?" heißen. Wir kümmern uns um lebhafteres "Ablesen", du arbeitest an deinem Ton und an deiner Rechtschreibung. Deal?
  • Monotones-Gelaber schrieb Uhr
    AW: iTunes im Wohnzimmer: Neues Apple TV im Test

    könnt ihr auch normal reden? oder nur so bescheuertes monotones gelangweiltes Ablesen?
  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: iTunes im Wohnzimmer: Neues Apple TV im Test

    Diskussion und Fragen zum Apple-TV jetzt hier im Forum und auf Facebook: www.facebook.com/netzwelt/posts/295237213880306
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Neues Apple TV im Test
Neues Apple TV im Test
Zum Start des neuen iPads hat der Hersteller auch ein neues Apple TV vorgestellt. Die Streaming-Box unterstützt jetzt auch Full-HD-Auflösungen. Apple TV im Test.
http://www.netzwelt.de/news/91484-neues-apple-tv-test.html
2012-03-23 16:57:45
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/googles-roboter-autos-loeste-auffahrunfall--bild-jalopnik7032.png
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