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DSL versus Mobilfunk
Kupferkabel ausgedient?

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Die Provider setzen auf den LTE-Ausbau, auch in den Metropolen. Angesichts des Tempos von LTE stellt sich die Frage, ob Mobilfunk eine echte Alternative zur Festnetz-Leitung darstellt.

Dank satter Geschwindigkeitsraten empfehlen sich Mobilfunk-Anschlüsse mittlerweile als echte Alternative zur Festnetzleitung. Doch nicht alle Nutzer profitieren von den Vorteilen von LTE und Co. Für wen lohnt sich ein Wechsel und welche Nachteile muss der Kunde hinnehmen?

DSL ist in die Jahre gekommen. VDSL, die schnellste Technik, die derzeit auf dem Kupferkabel basiert, ermöglicht zwar Geschwindigkeiten bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Download, ist aber nur noch begrenzt ausbaufähig. Mit neuen Techniken wären auch 100 Megabit pro Sekunde drin, für die Anbieter fehlen hierfür jedoch noch regulatorische Rahmenbedingungen. Glasfaserleitungen, die schon bei der VDSL-Übertragung eingesetzt werden, stellen derzeit nur für wenige Bürger eine Alternative dar: Vom Ausbau profitiert derzeit nur eine Minderheit.

Viel besser sieht es da beim Mobilfunk aus. Die größten Provider Deutschlands, Vodafone und die Telekom, drücken hier richtig aufs Tempo. Sie haben die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur zur Abdeckung der "Weißen Flecken" auf dem Land per LTE weitestgehend erfüllt und erschließen nun die Städte mit dem Highspeed-Funk. Die Tarife mit der höchsten Geschwindigkeit bieten derzeit eine Brutto-Datenrate von bis zu 50 Megabit pro Sekunde im Download und zehn Megabit pro Sekunde im Upload und liegen damit gleichauf mit VDSL-Leitungen. Der Einstiegs-LTE-Tarif mit 7,2 Megabit pro Sekunde im Download ist vergleichbar mit DSL 6.000, die Upload-Geschwindigkeit mit bis zu 1,4 Megabit pro Sekunde schlägt auf dem Papier sogar DSL 16.000-Leitungen mit bis zu rund einem Megabit pro Sekunde in Senderichtung.

Solche Multifunktionsgehäuse dienen zur Verteilung von DSL-Kabeln. Der Ausbau der Leitungen kommt technisch an seine Grenzen. (Quelle: Telekom)

Geschwindigkeitsvorteil

Theoretisch drängt sich LTE also als echte DSL-Alternative auf. Gut gerüstet ist die schnelle Mobilfunktechnik auch für die Zukunft, da die Kapazitäten im Funkspektrum noch lange nicht ausgeschöpft sind. In Spitzen können im Download derzeit Datenraten von bis zu 300 Megabit erreicht werden, im Upload bis zu 75 Megabit pro Sekunde. Dafür sorgt die breitere Breitband-Skalierungsmöglichkeit (1,4; 3; 5; 10; 15; 20 Megahertz) im Vergleich zum UMTS-Standard, der auf die Nutzung in jeweils 5 Megahertz breiten Kanälen begrenzt ist. Noch Zukunftmusik ist die kommende Ausbaustufe LTE Advanced mit Downloadraten von bis zu ein Gigabit pro Sekunde.

Ein weiterer Vorteil von LTE sind die geringen Latenzzeiten. Unabhängig von der Belegung der Mobilfunkzelle profitieren Nutzer der Videotelefonie als auch Gamer, die über das Internet spielen, vom schnelleren Ping. Komfortabel ist es zudem, dass LTE abwärtskompatibel ist: Stehen keine Basisstationen zur Verfügung, die mit LTE ausgerüstet sind, surft man per Tablet eben mit UMTS weiter.

HSPA+ als Alternative

Aber nicht erst mit LTE bietet sich der Mobilfunk als DSL-Alternative an, denn die UMTS-Erweiterung HSPA+ liefert ohnehin schon üppige Download-Raten: Die Telekom beschleunigte ihr Netz im Laufe des letzten Jahres im Download auf bis zu 42,2 Megabit pro Sekunde und elf Megabit pro Sekunde im Upload. Noch mehr Tempo ist mit den nächsten Ausbaustufen zu erwarten, die die derzeitige Geschwindigkeit noch um ein Vielfaches vergrößern könnten. Per HSPA+ kommen auch Nutzer schnell ins Netz, deren Smartphone oder Tablet keine LTE-Unterstützung mitbringt. So geht es etwa den Käufern des neuen Apple iPad in Deutschland.

Von den Katalysator-Qualitäten des Mobilfunks hat der Bürger in unterversorgten Regionen aber wenig. In der Praxis hilft nur ein Blick auf die Netzabdeckungskarten der großen Provider im Internet; sie geben eine Antwort, ob am Wohnort schneller Mobilfunk zur Verfügung steht. Per Adresssuche lassen sich die verfügbaren Verbindungsmöglichkeiten gezielt für jeden einzelnen Standort darstellen und abhängig vom Provider ist auch ein Abruf der lieferbaren Geschwindigkeiten an der jeweiligen Adresse möglich.

LTE-Mast: Der schnelle Mobilfunk will sich als DSL-Alternative etablieren. (Quelle: Vodafone)

Mobilfunk-Störungen

Auf den ersten Blick wirkt das HSPA- und LTE-Netz schon dicht gespannt. Belastbarer sind aber Zahlen, wie sie der Breitbandatlas des Bundes liefert: Demnach liegt die Verfügbarkeit im LTE/UMTS-Bereich bei schnelleren Verbindungen größer als sechs Megabit pro Sekunde bei 6,5 Prozent. Eine Auswertung für dieselbe Geschwindigkeitsklasse im DSL-Bereich dokumentiert die Statistik leider nicht. Auf Breitband-Anschlüsse größer als 16 Megabit pro Sekunde können nach dem Breitbandatlas 48,7 Prozent der Bevölkerung zurückgreifen. Leider zeigt der Atlas nur den Stand von Mitte 2011. Spannend dürfte der diesjährige Bericht sein, der die höhere Durchdringung an Mobilfunktechniken aufgrund des Ausbaujahres 2011 dokumentieren dürfte. Bei den schnellen Festnetzleitungen ab 16 Megabit pro Sekunde dominieren übrigens die Kabelnetzbetreiber.

Ist eine Versorgung mit schnellem Mobilfunk am Wohnort möglich, sollten interessierte Wechselkandidaten von der Festnetz- zur Funkversorgung über die Leistungsfähigkeit des Anschlusses nachdenken. Hier hat DSL klare Vorteile, da die verfügbare Geschwindigkeit im Mobilfunk durch mehr Faktoren beeinträchtigt werden kann: Die Anzahl der Nutzer in einer Versorgungszelle sorgt gegebenenfalls ebenso für reduzierte Netto-Datenraten wie die Entfernung zu Antennen und bautechnische Hindernisse. Die Provider sichern sich bei den Tempoangaben, wie schon aus dem Festnetzbereich bekannt, durch ihre "bis zu"-Regelungen ab.

Bereit für LTE: Die Telekom vermarktet den Router Speedport LTE zusammen mit seinen Tarifen für den schnellen Mobilfunk. (Quelle: Telekom)

Aufrüstung durch Metro-Cells

Gespannt darf man deshalb sein, wie diese Probleme durch sogenannte Metro-Cells gelöst werden könnten. Bei den Metro-Cells handelt es sich um kleine Basisstationen, die etwa von Netzausrüstern wie Alcatel-Lucent hergestellt werden und die Verfügbarkeit von LTE-Mobilfunk erhöhen sollen. Einen Vorgeschmack auf den Einsatz in der Praxis gab der spanische Provider Télefonica auf dem Mobile World Congress.

Das Unternehmen, zu dem auch die deutsche Mobilfunkmarke O2 gehört, demonstrierte den Live-Betrieb in Barcelona mit elf Metro-Zellen. Die Funkzellen sollen in Städten verbaut werden und bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Download und 60 Megabit pro Sekunde im Upload liefern. Neben den geringen Latenzzeiten von rund 25 Millisekunden sollen über eine Metro-Zelle 30 Nutzer mit einem Tempo von 30 Megabit pro Sekunde konstant im Netz surfen können.

Kostenstruktur und Hardware

Was die Kosten angeht, sind die LTE-Tarife noch geringfügig teurer als die DSL-Angebote. So kassieren die Provider rund 40 Euro pro Monat für einen Telefon- und Internettarif fürs LTE-Netz mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde, der als DSL-Ersatz vermarktet wird. Ein DSL 16.000-Anschluss ist dafür im Vergleich schon für 30 Euro im Monat zu haben. Zusätzlich drosseln die Anbieter den schnellen Mobilfunk ab einem bestimmten Datenvolumen. Das gilt auch für die mobilen LTE-Datentarife der Provider, deren Preise hier nicht verglichen wurden.

Hardware für LTE ist noch Mangelware. Für den stationären LTE-Einsatz bieten Provider wie die Telekom und Vodafone Router mit Durchsatzraten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde an, die in Verbindung mit einem Tarif als Kauf- oder Mietgerät erhältlich sind. Besser aufgestellt für die LTE-Zukunft ist man mit alternativen Router-Modellen von AVM und Lancom oder den USB-Datensticks der Provider, die schon 100 Megabit pro Sekunde in Empfangsrichtung liefern. Im Smartphone-Bereich lockt Vodafone mit der Vermarktung des HTC Velocity 4G als erstes mobiles LTE-Gerät in Deutschland mit gleichen Datenraten. Tablets für den schnellen Mobilfunk mit 100 Megabit in Senderichtung dürften hierzulande im Frühjahr folgen.

Das HTV Velocity ist das erste LTE-Handy in Deutschland.

Fazit

Aufgrund der mobilen Verfügbarkeit bietet der schnelle Mobilfunk nicht nur Vorteile für Camper, die unterwegs im Internet surfen wollen. Auch im stationären Einsatz in der Wohnung auf dem Land - und ab diesem Jahr auch in vielen Großstädten - verspricht LTE eine Alternative zur DSL-Leitung. Dank Abwärtskompatibilität empfängt man auch HSPA+-Mobilfunk mit hohen Durchsatzraten, zumindest in der Theorie.

Leider muss man unter Umständen mit verminderter Leistungsfähigkeit rechnen, etwa durch die Anzahl der Nutzer in einer Mobilfunkzelle. Wesentlich zuverlässiger ist da das DSL-Kabel mit relativ konstanten Datenraten.

Kommentare zu diesem Artikel

Die Provider setzen auf den LTE-Ausbau, auch in den Metropolen. Angesichts des Tempos von LTE stellt sich die Frage, ob Mobilfunk eine echte Alternative zur Festnetz-Leitung darstellt.

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  • Salsataenzer schrieb Uhr
    AW: Neue Wahlfreiheit: UMTS und LTE als Festnetz-Alternativen

    Das sehe ich definitiv ganz genau so! Momentan ist es keine Alternative! Ich denke da nur an meine leidigen Erfahrungen mit meiner ehemaligen UMTS Flatrate für 25EUR monatlich. Nach 5GB übertragenen Daten, PRO MONAT, das ist gerade eine single layer DVD, war Schluss mit der Geschwindigkeit! Dann wurde auf ISDN Geschwindigkeit gedrosselt, das reicht noch für E-Mails ohne Anhänge! Was sind denn 5GB, wenn ich die Flatrate nutzen will? Nichts!!! Das reicht nicht mal für einen HD Film. Ein Film pro Monat ist ein wenig dürftig :-))) Da brauche ich gar keine Flatrate!!! Also entweder es wird mit LTE Verträge gleich dem Festnetz geben, in punkto Preis UND Leistung, also keine Datenbeschränkung mehr!!! Oder es wird NIE eine Alternative!!! Dafür müssen die Funkzellen dann aber GEWALTIG ausgebaut werden. An jedem Sylvester ist doch zu sehen, wie wenig Kapazität die Zellen wirklich haben. Wie viele User können das gleichzeitg nutzen? Keine 20% aller Nutzer mit Vertrag. Da müssen also fünf mal so viele Mobilfunkzellen her, wenn es funktionieren soll. Ich sehe schon wieder die ganzen verfilzten Ökofreaks auf die Straße rennen, wegen irgend welchem Elektrosmog, der eh keine Auswirkung auf den menschlichen Körper hat. Nee nee, ohne Kabel wird es auch in Zukunft NICHT gehen!!! Grüße, Andreas
  • Olli91 schrieb Uhr
    AW: Neue Wahlfreiheit: UMTS und LTE als Festnetz-Alternativen

    Bei größeren Nutzerzahlen wird LTE genauso zusammenbrechen wie UMTS (mal ganz abgesehen von den wahnsinnigen Preisen und für Homeuser völlig inakzeptablen Beschränkungen) und stellt deshalb keine Alternative zu Glasfaserkabeln dar. Ein Ausbau ist unumgehbar und muss unbedingt gesetzlich erzwungen werden. Ander geht es ohne staatliche Telekom nunmal nicht...

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LTE und HSPA+ sind echte Katalysatoren im Mobilfunknetz. Aber lohnt sich deshalb schon ein Umstieg vom althergebrachten Festnetz?
http://www.netzwelt.de/news/91335-dsl-versus-mobilfunk.html
2012-03-13 16:58:49
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2012/solche-multifunktionsgehaeuse-dienen-kabelverteilung-dsl-kabel-ausbau-leitungen-kommt-technisch-grenzen-bild-telekom-12905.jpg
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