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Apple iPad Test
Zwischen MacBook und iPhone

von Michael Knott
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Am 27. Januar 2010 schaute fast die ganze Technik-Welt nach San Francisco: Im Yerba Buena Center of the Arts stellte Apple-CEO Steve Jobs den Tablet-PC iPad vor. Dabei mischt sich unter die erste Euphorie auch Kritik - wohl auch, weil das Gerät weniger Funktionen hat als erhofft. Netzwelt hat Apples neusten Streich ausführlich getestet.

Apple ist bekannt für innovative Produkte, bei denen Software und Hardware perfekt aufeinander abgestimmt sind. In der Vergangenheit feierte das Unternehmen Erfolge bei mobilen Geräten jeder Art - vom großen All-In-One-Rechner über Notebooks bis hin zum kleinen Smartphone, dem iPhone. Eine Lücke im Portfolio, die für Branchen-Insider eigentlich überhaupt keine Lücke ist, soll nun das iPad schließen.

Wie ein übergroßes iPhone: Mit dem iPad stößt Apple in neue Nischen vor. (Quelle: Apple)

Die Vorstellung wurde gefeiert, als erfinde Apple das Rad neu: Gezielt heizte Apple-CEO Steve Jobs die Begeisterung der Zuhörer beim Launch-Event an und zeigte dann sein neuestes Spielzeug: Das iPad sieht aus wie ein zu groß geratenes iPhone. Obwohl man mit dem Tablet-Computer nicht telefonieren kann, läuft auf ihm ein abgewandeltes iPhone-Betriebssystem.

Weder iPhone noch Mac-Tablet

Bisher ist Apple hauptsächlich erfolgreich mit zwei Produktlinien: Einerseits verkauft sich das iPhone sehr gut und eröffnet mit den darauf laufenden Apps einen Milliarden-Markt. Gleichzeitig erfreuen sich die Mac-Notebooks immer größerer Beliebtheit und gewinnen stetig Marktanteile. Apple platziert die neueste Entwicklung nun genau zwischen beiden Linien: Das iPad ist weder ein Smartphone wie das iPhone, noch ein vollwertiger Mac.

Damit versucht Apple, einen neuen Markt selbst zu schaffen: Menschen, denen ein Notebook mit einem 13-Zoll-Bildschirm oder mehr immernoch zu groß für den täglichen Einsatz ist, sollen künftig zum iPad greifen. Denn der Umgang mit dem iPhone macht zwar Spaß - für das bequeme Surfen im Internet auf dem Sofa ist das schicke Gadget aber schlicht zu klein.

Hier setzt das iPad an: Mit einem Bildschirm von knapp 9,7-Zoll ist es so groß wie herkömmliche Netbooks, die zwischen 7,5 und 10 Zoll groß sind. Die Verkaufspreise für das iPad beginnen bei 499 US-Dollar und enden bei 829 Dollar für das Topmodell. Die Preise für Deutschland sind noch nicht bekannt, dürften aber jedoch deutlich über den umgerechneten USD-EUR-Preisen liegen.

Verarbeitung: Solider Handschmeichler

Der erste Kontakt zum iPad ist sehr angenehm: Die Verarbeitung ist von gewohnter Apple-Qualität. Das Display gibt auch bei härterem Druck nicht nach. Die kühle Alu-Hülle verhindert, dass sich das Gerät verwindet. Mit knapp 700 Gramm ist das iPad recht schwer geraten, aber immer noch leichter als die meisten erhältlichen Netbooks. Dennoch wirkt es solide, wie aus einem Guss.

Mit iPhoto macht das Betrachten von Bildern nun doppelt so viel Spaß (Quelle: Apple)

Auffällig ist auf den ersten Blick das Display: Es wirkt sehr brillant und steht den Schirmen der Mac-Notebooks in Nichts nach. Zieht man die Helligkeit bei iPad und iPhone auf ein Maximum, wirkt das iPhone aber dennoch deutlich heller - genaue Angaben zur Ausleuchtung gibt Apple bisher nicht bekannt. Die Brillanz des Displays erreicht Apple außerdem durch den Trick, dass das Glas bis zum Rand des Geräts gezogen wird - über einen schwarzen Rahmen, der das eigentliche Display aufnimmt.

Tatsächlich setzt Apple bei dem Display aber nicht nur auf optische Tricks, sondern auch auf aktuelle Technik: Das Display wird mit stromsparenden LED hintergrundbeleuchtet. Aus allen Blickwinkeln blieben im Test die Farben dank IPS-Technologie sehr stabil - das Gerät kann man also problemlos auf das Sofa mitnehmen und auf dem Schoß balancieren.

Ausstattung: Viel Speicher und UMTS

Den gewohnten Ein-/Aus-Knopf des iPhone findet man auch am iPad am rechten oberen Rand. Aus dem Tiefschlaf dauert es etwa elf Sekunden bis das iPad einsatzbereit ist. Damit startet das iPad deutlich schneller als der Handy-Bruder. Das Ausschalten liegt mit durchschnittlich vier Sekunden ebenfalls vor dem iPhone. Als Betriebssystem kommt iPhone OS 3.2 zum Einsatz, welches bisher nicht für das "reguläre" iPhone erhältlich ist.

Apple liefert das Gerät in unterschiedlichen Varianten: Zunächst können Kunden zwischen 16, 32, oder 64 Gigabyte Speicherkapazität wählen, der ausschließlich in Form eins Flash-Moduls angeboten wird. Traditionelle Festplatten finden sich also nicht im iPad, was bei einem mobilen Gerät dieser Art durchaus begrüßenswert ist. Das Basismodell enthält kein UMTS-Modul, sondern nur WLAN. Erst ab 629 US-Dollar kommt man in den Genuss von UMTS mit bis zu 7,2 MBit/s und kann auch unabhänig vom heimischen WLAN-Netzwerk surfen.

Im Test erreichte netzwelt im T-Mobile-Netz eine Übertragungsrate von nur knapp 2,5 MBit/s. Ob das an der fehlenden Abstimmung des Gerät auf deutsche Netze oder dem iPad selbst liegt, muss sich erst noch zeigen. Für den vergleichsweise hohen Preis des UMTS-iPads gibt es bereits günstigere Netbooks, die ebenfalls ein UMTS-Modul eingebaut haben.

Wer sich mit WLAN begnügt, kann a/b/g/n-Netze nutzen. Zusätzlich lassen sich Dateien per Bluetooth austauschen. Bei den Bluetooth-Profilen hat Apple im iPad leider ebenfalls nur spartanische Funktionen eingebaut: Viel mehr als der reine Dateiaustausch geht nicht. Es fehlt zum Beispiel weiterhin das passende Bluetooth-Profil für schnurlose Headsets.

In der Praxis: Starker Akku und schnelle CPU

Besonders beeindruckt hat Steve Jobs bei der Vorstellung des iPad mit der Tatsache, dass es mit zehn Stunden deutlich länger läuft als aktuelle Netbooks. Die Standby-Zeit liegt bei weit mehr als zwei Wochen. Die Angaben bestätigten sich Im Test. Nach einem typischen Mix aus Video-Betrachtung und Surfen über knapp fünf Stunden bei mittlerer Helligkeit standen noch 42 Prozent der Akku-Leistung zur Verfügung. Damit erreicht das iPad in der Tat eine beeindruckende Energieeffizienz.

Zeitungen auf dem iPad: Bei der Keynote stellte Firmenboss Steve Jobs die Qualitäten des iPads als Zeitungsersatz heraus. (Quelle: Apple)

Das iPad läuft nicht nur länger als viele Netbooks, die üblicherweise bei drei bis fünf Stunden liegen - das iPad übertrifft auch aktuelle Mac-Notebooks bei der Batterielaufzeit. Dafür ist auch die verbaute CPU mitverantwortlich: Im iPad steckt der A4 genannte Prozessor, den Apple selbst entwickelt hat. Und hier ist Apple ein Meisterstück gelungen: Obwohl die CPU augenscheinlich nur sehr wenig Energie verbraucht, öffnen sich Programme beeindruckend schnell und Videos werden ohne nervige Unterbrechungen abgespielt. Auch aufwändige Spiele aus dem App-Store laufen rucklerfrei. Ob der A4 aus mehreren Kernen besteht oder was genau dahinter steckt, verrät Apple aber nicht.

Mitgelieferte Software

Auf dem iPad sind die üblichen Programme vorinstalliert, die man auch vom iPhone kennt: Neben Safari (Browser), Kalender und Kontakten sowie dem YouTube-Player findet man auf dem Gerät auch Google Maps. Dafür hat das iPad einen GPS-Chip integriert, der ebenso wie das iPhone Assisted-GPS (A-GPS) bietet. Die Bestimmung des Standort funktioniert damit aber nur mit UMTS wirklich zuverlässig.

Apple hat diese Standard-Apps glücklicherweise an die Größe des iPad angepasst: In den Kontakten kann man jetzt direkt den Inhalt einer Visitenkarte anzeigen, im Kalender einzelne Einträge direkt editieren. Damit nutzt Apple den zusätzlichen Platz vernünftig aus. Auffällig ist, dass man an vielen Stellen ein neu gestaltetes Dropdown-Menü eingebaut hat: Es legt sich wie bei vollwertigen Betriebssystemen über das jeweilige Fenster. Praktisch ist das vor allem in Mail, wo man damit direkt zwischen mehreren Mails hin- und herspringen kann.

Besonders gut nutzt das Apple iPad die zusätzlichen Zoll für Fotos und Videos: Das iPad-iPhoto ist dem iPhone-Pendant weit überlegen. In den Alben kann man sehr intuitiv hin- und her-sliden mit Hilfe der bekannten MultiTouch-Gesten. Das Aufklappen und Schließen von Alben gelingt damit recht einfach. Auf einer Weltkarte wertet das iPad übersichtlich die Geo-Tags in den Fotos aus und zeigt passende Alben an.

iWork für Geschäftskunden und erhältliches Zubehör

Bei der Präsentation des iPads hat Steve Jobs ein neues iWork (Pages, Numbers und Keynote) vorgestellt, das speziell für das neue Tablet angepasst wurde, das im App-Store für rund 20 US-Dollar angeboten wird. Sofern die Apps wirklich benutzbar sind, eignet sich das iPad dann auch für Geschäftskunden, die kein volles Notebook mitschleppen möchten oder zum Beispiel im Flieger oder Zug nur eingeschränkt Platz zum Arbeiten haben.

Unterwegs hinterlässt die Bildschirmtastatur allerdings einen gespaltenen Eindruck. Die Tasten sind zwar fast so groß wie bei einet vollwertigen Notebook-Tastatur. Anders als beim iPhone fällt beim iPad aber stärker ins Gewicht, dass man eben keine physische Rückmeldung von der Tastatur bekommt. Man schreibt auf dem iPad quer wie auf einer normalen Tastatur und damit ganz anders als auf dem iPhone. An den Umgang damit müssen sich viele Anwender sicher erst gewöhnen.

Wie üblich liefert Apple nur das nötigste Zubehör mit dem iPad mit: Neben der obligatorischen Dokumentation gibt es nur das USB-Stromkabel und den zugehörigen Netzstecker. Erstmals bietet Apple aber umfangreiches eigenes Zubehör an: Mit dem so genannten Camera Kit kann das iPad direkt Bilder von der Kamera laden. Es gibt eine gut gestaltete Tasche, in der sich das iPad direkt bedienen lässt und die gleichzeitig als Halterung für das Gerät dient.

Interessant ist auch das Keyboard Dock: In dieser Halterung steht das iPad in einem angenehmen Winkel und man kann eine vollwertige Apple-Tastatur an das Gerät anschließen. Damit lassen sich längere Texte problemlos schreiben.

Zusätzliche Software aus dem App-Store

Anwender, die Programme für das iPhone erworben haben, können diese auch direkt auf dem iPad nutzen. Jede App, die es derzeit im App-Store gibt, läuft prinzipiell auch auf dem iPad. Entweder zeigt man die App in der Mitte des Bildschirms an oder vergrößert die Inhalte auf das volle Display. In vielen Fällen sehen dann Grafiken und Bedienelemente aber unscharf und deutlich hochskaliert aus.

Bücher und Zeitungen auf dem iPad

Mit iTunes hat Apple der kränkelnden Musikindustrie vor Jahren neue Hoffnung gegeben, endlich im Web die eigenen Inhalte vernünftig verkaufen zu können. Der App Store hat sich kurz danach zum größten Markt für mobile Software entwickelt und ist eine Goldgrube für viele Unternehmen, aber auch für Apple selbst. Jetzt möchte man den Erfolg auf das Verlagswesen ausdehnen:

Das iPad kommt mit einem Book Store, in dem man Bücher direkt auf dem Gerät lesen kann. Dazu zeigt das Gerät ein virtuelles Bücherregal mit den miniaturisierten Covern an, was im Test tatsächlich sehr ansprechend aussah. Über den iTunes Store kann man dann, sobald das iPad im regulären Handel verfügbar ist, Bücher kaufen. Das Lesen einer Druckseite macht auf dem iPad durchaus Spaß: Der Kontrast ist ähnlich hoch wie anderen eBook-Readern.

Angenehm fällt auf, dass man zum Umblättern die gewohnte Bewegung einfach als Wischen auf das Display überträgt. Das iPad lässt sich damit angenehm und deutlich intuitiver bedienen als die Konkurrenz. Insbesondere der eBook-Reader von Sony wirkt mit den Plastik-Knöpfen zur Navigation in Büchern gegen das iPad sehr altbacken.

Apple positioniert das iPad auch als Gerät, mit dem man Zeitung lesen kann: Schon bei der Vorstellung in San Francisco hakte das aber daran, dass Flash-Elemente im Safari nicht dargestellt werden können. Damit lassen sich viele Medien-Websites zwar bedienen, aber nur eingeschränkt nutzen.

Das iPad hinterlässt insgesamt einen gemischten Eindruck: Ohne Zweifel, es ist ein Gerät mit dem von Apple bekannten Sexappeal. Andererseits ist aber fraglich, ob zwischen iPhone und Mac-Notebook wirklich Platz für das iPad ist: Unterwegs ist das iPhone praktisch, für den Rest braucht man eben ein volles MacBook mit mehr Freiheit und vollwertigem MacOS X. Das iPad grenzt eine neue Kategorie von Geräten klar ab: Waren bisher die Übergänge zwischen Netbook, Subnotebook und Notebook eher fließend, zeigt das iPad hier klare Kante.

Liebäugelt man aber mit einem Netbook oder einfachen Gerät für Mail und gelegentliches Surfen, ist das iPad eine ernstzunehmende Alternative. Zusätzlich hat das iPad über den Book Store das Potential, das ultimative Endgerät für Leseratten zu werden: Das Display ist deutlich lebhafter als beim Kindle und andere Vertreter. Zeitungen auf dem iPad können grundsätzlich auf Spaß machen - hier muss man abwarten, was Apple in Deutschland in Zusammenarbeit mit den Verlagen zu Stande bringt. Und ob diese Art von tragbarem Computer überhaupt von den Konsumenten angenommen wird.

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netzwelt
7.0
Apple iPad
Vorteile
  • Design
  • Verarbeitung
  • Multimedia
Nachteile
  • kein SD-Kartenleser
  • Preis/Leistung

Beginn einer Ära?

Das iPad hinterlässt insgesamt einen gemischten Eindruck: Ohne Zweifel, es ist ein Gerät mit dem von Apple bekannten Sexappeal. Andererseits ist aber fraglich, ob zwischen iPhone und Mac-Notebook wirklich Platz für das iPad ist: Unterwegs ist das iPhone praktisch, für den Rest braucht man eben ein volles MacBook mit mehr Freiheit und vollwertigem MacOS X. Das iPad grenzt eine neue Kategorie von Geräten klar ab: Waren bisher die Übergänge zwischen Netbook, Subnotebook und Notebook eher fließend, zeigt das iPad hier klare Kante.


Einzelergebnisse
Design, Display, Leistung, Ausstattung, Multimedia: Nach diesen fünf Hauptkriterien bewerten wir Tablet-Computer. Für jede Unterkategorie vergeben wir Punkte, maximal 10. Die Summe der Einzelbewertungen teilen wir durch 5 und erhalten so die Endnote. Diese spiegelt nicht zwangsweise auch das Endresultat. Der testende Redakteur kann am Ende noch eine individuelle Auf- oder Abwertung vornehmen. Wie wir Tablet-Computer im Detail testen, können Sie an dieser Stelle nachlesen.
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Einsortierung
Apple iPad von Apple wurde als Tablet-PC abgelegt. Es befindet sich auch in der Bestenliste "Alle Tablet-PCs". Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Mobile Computing, Apple, Apple iPad, Tablet-PC, Apple iOS und Review .
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http://www.netzwelt.de/news/91145-apple-ipad-test.html
2010-09-01 16:00:36
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