Position und Strategie von Intel im Smartphone-Markt

Intel-Manager im Interview: "Wir arbeiten am Compute Continuum"

Intel versucht, mit dem AppUp Developer Program am lukrativen Markt für Apps teilzuhaben - und kämpft dabei gegen fast übermächtige Konkurrenten wie Apple und Google. Im netzwelt-Interview gibt sich Björn Taubert von Intel trotzdem zuversichtlich, dass die hauseigene App-Plattform gut ankommt.

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Netzwelt spricht mit Intels Marketing Manager Björn Taubert über die App- und Smartphone-Strategie des Konzerns. (Bild: Intel/netzwelt)
Netzwelt spricht mit Intels Marketing Manager Björn Taubert über die App- und Smartphone-Strategie des Konzerns. (Bild: Intel / Montage: netzwelt)
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Der Mobile World Congress zeigt wieder einmal, wie sich die Verhältnisse in der IT-Branche geändert haben: Intel-Chips spielen in den meisten Smartphones kaum eine Rolle, stattdessen stehen ARM-Prozessoren im Rampenlicht. Intel konzentriert sich daher auf Apps, mit denen der Hersteller den lukrativen Markt für mobile Endgeräte zumindest ein Stück weit erobern will.

Herr Taubert, können Sie bitte in drei Sätzen sagen, wo die Vorteile des Intel AppUp developer program liegen und was Teilnehmer des Projekts davon haben?

Taubert: Das IADP bietet erfahrenen wie ambitionierten App-Entwicklern einen zentralen Kanal, um erstentwickelte oder portierte Windows- und HTML-5-Applikationen für eine Vielzahl von Endgeräten bei bis zu 70 Prozent Umsatzbeteiligung zu vertreiben. Aktuell sprechen wir vom Markt für Notebooks, Netbooks, PCs und Ultrabooks aber perspektivisch zählen auch Tablets, Smartphones oder etwa internetfähige TV-Geräte dazu. Unser Entwicklerprogramm bietet die Werkzeuge und Unterstützung, um Apps zu erstellen oder zu portieren, damit diese validiert und anschließend im Intel AppUp center vertrieben werden können.

App-Entwickler haben Schwierigkeiten, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Über welche Vertriebswege, die normale Entwickler von Apps nicht haben, verfügt Intel?

Taubert: Wer mit dem IADP zusammenarbeitet, vertreibt seine Apps nicht nur über das Intel AppUp center. Intel gibt OEMs, eTailern, Retailern und Telcos die Möglichkeit, auf Basis unseres Backends ihre eigenen Partnerstores zu betreiben und für ihre spezielle Kundenschicht zu vermarkten. Ein Beispiel hierfür ist der notebooksbilliger.de AppUpStore, der als erster deutscher Partnerstore Mitte November zeitgleich mit der deutschen Version des AppUp Centers startete. notebooksbilliger.de ist damit in bester Gesellschaft, da international bereits 22 Partner-Stores wie die von Asus oder Samsung betrieben werden.

Intel hilft selbstständigen Software-Entwicklern und profitiert gleichzeitig von deren Potential - könnte man es so ausdrücken? Ist es nicht besser für Entwickler, ihr Produkt in Eigenregie zu vermarkten?

Taubert: Mit dem IADP nehmen wir Entwicklern ja nicht vollends die Vermarktung ab, helfen ihnen aber dabei, neue Vermarktungskanäle zu erschließen, neue Käuferschichten anzusprechen und die Qualität ihres Produkts mit Blick auf Geräteklassen wie Ultrabook oder PC zu verbessern. Dazu stellen wir die nötigen Werkzeuge, Beratung und Informationen bereit.

Intel begründet die Motivation des Programms damit, dass der App-Markt zwar immer noch rasant wächst, für Entwickler allerdings zunehmend Schwierigkeiten bereithält, da das Angebot immer unübersichtlicher wird. Was ist damit gemeint?

Taubert: Der Markt für Smartphone-Apps ist stark umkämpft. Dort Neuentwicklungen zu positionieren und erfolgreich zu vermarkten, wird immer anspruchsvoller, eben weil immer mehr Player ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen. Intel möchte App-Entwicklern die Möglichkeit bieten, an alternativen Märkten zu partizipieren und unterstützt daher mit dem IADP die Portierung von bestehenden Apps und die Neuentwicklung von Apps speziell für Notebooks, Netbooks, den PC und die neue Geräteklasse der Ultrabooks.

Intel spielt mit dem AppUp Program im lukrativen Markt für Mini-Anwendungen mit. (Bild: Screenshot)
Intel spielt mit dem AppUp Program im lukrativen Markt für Mini-Anwendungen mit. (Bild: Screenshot)

Sollte eine App erfolgreich sein: Wie viel lässt sich mit der Entwicklung von Apps im Rahmen des Programms verdienen? Welche langfristigen Vergünstigungen gibt es noch?

Taubert: Wir beteiligen Entwickler prinzipiell mit 70 Prozent an dem Umsatz, den ihre Apps generieren - je nach lokalem Steuerrecht kann diese Vergütung auch geringfügig geringer ausfallen. Die restlichen 30 Prozent nutzt Intel übrigens für den Betrieb der Infrastruktur und die Beteiligungen der Vertriebs-Partner.

Wie ist bislang die Resonanz? Intel scheint im App-Markt besonders von den Endkunden bisher nicht wahrgenommen zu werden.

Taubert: Wir spüren sehr wohl ein wachsendes Interesse an unserem Store. Für viele wird das Thema Apps noch immer stark mit dem Smartphone oder Tablet assoziiert, aber wir sehen, dass diese Barriere allmählich aufbricht und fördern dies auch durch Marketing-Maßnahmen - so kann man uns beispielsweise bei der CeBIT auf dem AppUp-Stand in Halle 23 besuchen.

Für App-Entwicklungen sind vor allem Unternehmen wie Apple oder Google bekannt. Welches Interesse verfolgt Intel als Chip-Konzern mit Apps?

Taubert: Intel möchte ein sogenanntes Compute Continuum schaffen, in dem alle Devices nahtlos miteinander kommunizieren können - von Smartphone über Ultrabook bis hin zu In-Vehicle-Infotainment und Smart-TV. Ziel ist die bestmögliche User Experience und der Weg dorthin führt für uns über AppUp, das die Anwendungen bietet, die diese barrierefreie Erfahrung ermöglichen.

Welche Voraussetzungen muss eine App mitbringen, um marktreif verwertet werden zu können?

Taubert: In aller Kürze: Entwickler oder Unternehmen können ihre Apps sofort nach der Registrierung einreichen. Die Anwendungen dürfen natürlich keine Schadsoftware enthalten und keine Nutzerdaten auslesen, ohne den User darüber zu informieren. Daneben müssen sie den allgemein gültigen Jugendschutz beachten und sollten zudem die entsprechenden Konversionen zur Versionierung und Namensgebung umfassen. Bei kostenpflichtigen Windows-Apps muss nur noch die AppUp-SDK-Library in den Programmcode aufgenommen werden.

Abschließend geht die App durch unseren Validierungsprozess - sollten dabei Probleme auftreten, wird der Entwickler über die jeweiligen Gründe informiert, um entsprechend nachzubessern und die App erneut einreichen zu können. Wir haben dazu auf unserer Homepage auch eine Checkliste veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es ein sehr ausgereiftes Beta-Testverfahren im IADP. Damit kann ein Entwickler schon vor der Einreichung zur Validierung seine App testen lassen.

Können Sie konkrete Beispiel-Apps und deren Funktion nennen, die bereits auf dem Markt reüssiert haben?

Taubert: Produktivitätssteigernde Applikationen aller Art spielen zurzeit eine große Rolle und deren Entwicklung wird von uns immer wieder durch Fördermaßnahmen und Wettbewerbe angestoßen. Beispielhaft kann ich die Wunderlist von 6Wunderkinder nennen: Ein kostenloser, cloud-basierter Taskmanager, der eine unkomplizierte Organisation von beruflichen und privaten Terminen und Aufgaben ermöglicht. Ebenfalls sehr wichtig sind Location-based Services, die nach unserer Übernahme von Telmap einen Schub erhalten haben. Aber natürlich kommt auch der Bereich Entertainment nicht zu kurz, darunter auch erfolgreiche Games wie Pudding Panic von dem deutschen Entwicklerteam Kunst-Stoff. Intel Capital hat Ende 2011 einen 100 Millionen US-Dollar starken AppUp Fund aufgelegt. Damit fördert Intel Unternehmen bei der Entwicklung von innovativen Anwendungen und digitalen Inhalten für die Ecosysteme mobiler Geräte.

In diesen Tagen startet der Mobile World Congress in Barcelona. (Bild: Screenshot)
In diesen Tagen startet der Mobile World Congress in Barcelona. (Bild: Screenshot)

Haben Sie sich eine Zielstellung gesetzt, welchen Marktanteil Sie in den kommenden Jahren auf dem App-Markt erreichen wollen? Was ist perspektivisch noch angedacht für die Zukunft?

Taubert: Wir möchten im Smartphone Markt erst einmal Fuß fassen, was uns dank zahlreicher Innovationen auch zunehmend gelingt: Energiesparende Technologien und kleinere Transistoren sind hier nur zwei Schlagworte. Lenovo und Motorola werden im Rahmen des Mobile World Congress, der gerade in Barcelona stattfindet, einige Neuheiten ankündigen, die auf unserer Medfield-CPU beruhen. Ich möchte aber nicht vorgreifen, und Sie werden ja sicherlich ohnehin darüber berichten.

In einem Satz: Locken Sie mal einen App-Entwickler hinter dem Ofen hervor, der noch Zweifel an Ihrem Programm hat, und animieren Sie ihn für Ihr Projekt!

Taubert: Apps sind mehr als nur Smartphone-Anwendungen!

Vielen Dank für das spannende Gespräch.

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