Testflug in drei bis fünf Jahren
CleanSpace One: Schweizer entwickeln Müllwagen für Weltraumschrott
Weltraumschrott stellt ein immer größeres Problem für die Raumfahrt dar. Die NASA beobachtet mindestens 16.000 solcher Objekte mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern. Nun will eine Schweizer Universität einen Säuberungs-Satelliten entwickeln - und eine ganze Serie produzieren.
Inhaltsverzeichnis
- 1Kollisionswahrscheinlichkeit von 1:10.000
- 2Säuberungs-Satellit greift Schrott
- 3"Wir möchten Pioniere auf diesem Gebiet sein"
In der Erdumlaufbahn schwirrt eine Menge Weltraumschrott mit atemberaubender Geschwindigkeit umher. Darunter befindet sich etwa Ballast von Raketen sowie aufgegebene Satelliten. Diese stellen ein immer größeres Problem für die Raumfahrt dar und können hohe Kosten verursachen. Das Schweizer Weltraumcenter an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat nun eine Lösung für diese Plage vorgestellt: CleanSpace One. Ein Projekt, bei dem eine Serie von Satelliten entwickelt und gebaut werden soll, die den Weltraumschrott beseitigen.
Kollisionswahrscheinlichkeit von 1:10.000
Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA beobachtet mindestens 16.000 solcher Objekte mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern. Wenn ein Satellit mit einem dieser Teilchen kollidiert, können ernsthafte und kostspielige Schäden entstehen, meist werde der Satellit komplett zerstört. Zudem würden Tausende neue Fragmente entstehen.
Solche Kollisionen gab es bereits, wie die EPFL mitteilt: Am 10. Februar 2009 explodierte der amerikanische Satellit Iridium-33 nach dem Zusammenstoß mit einem aufgegebenen russischen Satelliten. Die Internationale Raumstation ISS ändert daher ständig ihre Umlaufbahn. Laut der Versicherung Swiss Re liegt die Wahrscheinlichkeit einer Kollision eines zehn Qudadratmeter großen Satelliten mit einem Teilchen, das größer ist als ein Zentimeter, bei fast 1:10.000.
Säuberungs-Satellit greift Schrott
Zunächst wollen die Schweizer einen Prototyp schaffen. Dabei hat der Säuberungs-Satellit drei Herausforderungen zu meistern, für die jeweils eine neue Technologie entwickelt werden muss. Zunächst muss er seine Flugbahn anpassen, um zu dem Weltraumschrott zu gelangen. In der Nähe seines Ziels hat CleanSpace One vermutlich eine Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern und eine Höhe von 630 bis 750 Kilometern.
Anschließend wird der Müllabfuhr-Satellit das Objekt greifen und stabilisieren. Dazu soll ein spezieller Greif-Mechanismus entwickelt werden. Der Schrott soll dann zurück Richtung Erde geschickt werden, wo der Satellit beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen soll.
"Wir möchten Pioniere auf diesem Gebiet sein"
Nach dem ersten Prototypen soll eine ganze Serie entstehen und verkauft werden. "Wir möchten Pioniere auf diesem Gebiet sein", sagte der Direktor des Schweizer Weltraumcenters, Volker Gass. Entwicklung und Konstruktion von CleanSpace One sollen etwa zehn Millionen Schweizer Franken (etwa 8,3 Millionen Euro) kosten. Der Satellit soll eine Größe von gerade einmal 30 x 10 x 10 Zentimter haben. Der erste Testflug könnte in drei bis fünf Jahren erfolgen.
Die NASA geht indes einen anderen Weg. Die amerikanische Raumfahrtbehörde erforscht Laser zur Beseitigung von Weltraumschrott. Auch die Europäische Raumfahrtbehörde ESA plant inzwischen eine eigene Weltraumlageerfassung.

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