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HTC Velocity 4G Test
Erstes LTE-Handy auf dem deutschen Markt

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Mobil so schnell surfen wie im heimischen WLAN - das verspricht der neue Mobilfunkstandard LTE. Netzwelt wagte in Düsseldorf einen Testlauf mit Deutschlands erstem LTE-Handy, dem HTC Velocity 4G, und verfiel dem Rausch der Geschwindigkeit.

Das HTC Velocity 4G sieht dem HTC Sensation XL zum Verwechseln ähnlich. Die Spezifikationen ähneln ebenfalls denen aktueller Android-Flaggschiffe. Der feine Unterschied: Neben der Empfangsanzeige leuchtet, ein entsprechendes Netz vorausgesetzt, "4G" statt "3G" auf. Die neue Mobilfunkgeneration LTE, kurz 4G, soll für Hochgeschwindigkeit im mobilen Internet sorgen. Netzwelt wagte mit Deutschlands erstem LTE-Handy in Düsseldorf einen Probelauf.

Die Quintessenz der Spritztour im Mobilfunknetz der Zukunft? Surfen mit LTE-Geschwindigkeit macht Laune. Während Webseiten mit 3G- oder HSPA-Verbindung sich oft quälend langsam aufbauen, öffnen sie sich im LTE-Netz quasi ohne Verzögerung - fast wie auf dem Computer daheim. YouTube-Videos laufen in HD-Qualität so flüssig, als ob sie im internen Speicher des HTC Velocity 4G liegen würden. Wischt der Nutzer mit dem Finger über die Zeitleiste, wird er keine Verzögerungen bemerken - von Buffering keine Spur.

Übertragungsrate und Bandbreite

Dabei erreichte das HTC Velocity 4G im Kurztest in Düsseldorf nicht einmal die theoretisch maximale Download-Geschwindigkeit von aktuell 50 Megabit pro Sekunde im Vodafone-Netz. Durchschnittlich bewegte sich die Download-Rate im Test bei knapp 20 Megabit pro Sekunde.

Die Übertragungsgeschwindigkeit hängt dabei von der verfügbaren Bandbreite ab. Je mehr Nutzer sich im LTE-Netz befinden, umso geringer wird die Übertragungsgeschwindigkeit. Dennoch soll LTE künftig für Entlastung an Knotenpunkten wie Bahnhöfen oder Flughäfen sorgen, erklärte Vodafone auf der Pressekonferenz. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof funktionierte das LTE-Netz im Praxis-Test bereits gut. Während sich mit einem 3G-Surfstick kaum eine Seite öffnen ließ, flutschten die Daten über 4G in Festnetz-Geschwindigkeit über das Mobilfunknetz. In Kombination mit der leistungsstarken Hardware des HTC Velocity 4G ist das Surferlebnis derzeit im Smartphone-Bereich sicherlich einmalig. Dank Tethering lassen sich auch Laptop oder Tablet ins 4G-Zeitalter bringen.

Geschwindigkeitslüge?

Zu beachten ist allerdings auch, dass der netzwelt-Test in Düsseldorf unter optimalen Bedingungen erfolgte. Wie die Geschwindigkeiten bei starker Netzbelastung etwa zu Stoßzeiten am Abend aussehen, bleibt abzuwarten.

Die Konkurrenz von Telekom und O2 gibt sich bei den erreichbaren Geschwindigkeiten bescheidener. Die sogenannten LTE zuhause-Angebote, wo ein LTE-Router als DSL-Ersatz fungiert, versprechen bei beiden Unternehmen nur eine maximale Datenrate von 7,2 Megabit pro Sekunde. Dieser Wert sei bei starker Nutzung und der damit verbundenen geringen Bandbreite realistisch, heißt es auf den Webseiten der beiden Netzbetreiber.

LTE noch nicht flächendeckend verfügbar

Die Verfügbarkeit von LTE in Deutschland ist zudem noch begrenzt. Rechtliche Vorgaben zwingen die Anbieter dazu, zunächst den Aufbau in ländlichen Regionen, die noch kein Breitband-Internet haben, voranzutreiben. Düsseldorf ist eine der wenigen deutschen Großstädte, in denen LTE zur Verfügung steht. In Hamburg fehlt bislang beispielsweise ein LTE-Netz, in Berlin ist 4G nur in einigen Stadtteilen verfügbar. Vielerorts werden Nutzer also das neue Surferlebnis, das das HTC Velocity 4G ermöglicht, gar nicht erleben können. Zwar unterstützt das Smartphone auch die bisherigen Standards 2G, 3G und HSPA, sodass man auch ohne LTE surfen kann - dann geht der Mehrwert des Smartphones aber verloren.

An Orten, wo LTE zur Verfügung steht, ist die Nutzung des schnellen Internets zudem eine kostspielige Sache. Nutzer müssen bei Vodafone für den Zutritt zum 4G-Netz einen Aufschlag von monatlich 10 Euro zahlen. Zudem kann die LTE-Option derzeit nur bei höherpreisigen Tarifen gebucht werden, unter 60 Euro monatlich kommt der Nutzer in der Regel nicht in die neue Mobilfunkära. Erst im Sommer will Vodafone auch günstigere LTE-Tarife anbieten.

Einfluss auf Akku-Laufzeit, Maße und Gewicht

Moderne Smartphones bieten bereits heute eine wenig zufriedenstellende Akku-Laufzeit. Mit LTE erhält ein weiterer potentieller Stromfresser Einzug in das Mobiltelefon. Eine gravierende Verschlechterung der Akku-Laufzeit befürchtet Georg Schweighöfer vom Chiphersteller Qualcomm, auf dessen LTE-Chip das HTC Velocity 4G basiert, aber nicht. Durchschnittlich einen Tag sollte das LTE-Handy schon durchhalten, schätzt er im Gespräch mit netzwelt. Zwar verbrauche eine 4G-Verbindung mehr Strom als eine 3G-Verbindung, durch die hohen Übertragungsraten müsse die Verbindung aber auch kürzer aufrecht erhalten werden, sodass sich die Einflüsse die Waage halten sollten. Natürlich könnten aber die hohen LTE-Geschwindigkeiten den Nutzer zu einem intensiveren Nutzungsverhalten verleiten, was in einer geringeren Akku-Laufzeit resultiere.

HTC Velocity 4G

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Das HTC Velocity 4G bietet ein 4,5 Zoll großes Display. (Bild: netzwelt)

Der Akku des HTC Velocity 4G ist dementsprechend auch nicht größer dimensioniert. Er bietet eine Kapazität von 1.600 Milliamperestunden. Damit soll er laut HTC je nach Netz eine maximale Gesprächszeit zwischen 5 und knapp 7,5 Stunden sowie eine Stand-by-Zeit von bis zu 293 Stunden bieten. Ein Einfluss des LTE-Chipsatzes auf Maße und Gewicht des Smartphones ist nicht zu erkennen. Das HTC Velocity 4G ist mit einer Tiefe von 11,3 Millimetern in etwa so dick wie das HTC Sensation XE oder das HTC Sensation XL. Das Gewicht liegt mit 163,8 Gramm in etwa auf dem Niveau des Sensation XL. Die Verarbeitung ist, wie von HTC gewohnt, hochwertig.

Kinderkrankheiten

Beim Entwicklungsschritt von UMTS- zu LTE-Handys werden sicherlich die ein oder anderen Kinderkrankheiten auftreten. Qualcomm, HTC und Vodafone sind aber zuversichtlich, dass sich diese beim HTC Velocity 4G in Grenzen halten. Schließlich habe Chiphersteller Qualcomm bereits erste LTE-Erfahrung mit entsprechenden Surfsticks gesammelt und diese in den Velocity 4G-Chipsatz einfließen lassen. Generell sei man bei LTE jetzt bereits weiter als seinerzeit beim Umstieg auf UMTS, hieß es immer wieder in Düsseldorf.

Ein Problem gibt es derzeit aber noch: Da Sprachtelefonie noch über ein 2G- oder 3G-Netz läuft, wird die 4G-Datenverbindung bei ein- oder ausgehenden Anrufen getrennt und muss nach dem Telefonat neu aufgebaut werden. Eine Übernahme der Datenverbindung ins andere Netz ist bei diesem CircuitSwitch-Fallback genannten Verfahren derzeit laut HTC nicht möglich. In der Praxis kann es dadurch zu unterbrochenen Downloads oder Problemen mit HTTPS-Verbindungen kommen.

Fazit

Das HTC Velocity 4G machte im Kurztest bereits einen ausgereiften Eindruck. Die neue Mobilfunktechnologie LTE bringt in Sachen Akkulaufzeit und Bauform keine nennenswerten Einschränkungen mit sich, verspricht aber ein WLAN-ähnliches Surferlebnis unterwegs. Abzuwarten bleibt, wie schnell das Netz unter Alltagsbedingungen ist.

Erhältlich ist das HTC Velocity 4G zunächst ab März in Düsseldorf und ab April auch bundesweit bei Vodafone.

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HTC Velocity 4G Test
HTC Velocity 4G Test
Vodafone und HTC bringen mit dem Velocity 4G das erste LTE-Handy nach Deutschland. Im Kurztest entfachte das Smartphone einen wahren Geschwindigkeitsrausch beim Surfen.
http://www.netzwelt.de/news/90872-htc-velocity-4g-test.html
2012-02-15 17:00:30
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/neben-apple-remote-unterstuetzt-remote-buddy-viele-andere-fernbedienungen-bild-netzwelt6929.jpg
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