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Motorola Defy+ im Test - Outdoor-Handy
Neuer Prozessor, größerer Akku

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Ein Smartphone für Wind und Wetter - diesen Ruf hat sich das Motorola Defy erarbeitet. Mit dem Defy+ bringt Motorola nun eine leicht überarbeitete Fassung auf den Markt. Diese übernimmt aber leider nicht nur die Stärken des Vorgängers.

Ein Sturz von der Tischkante, starker Regen oder ein umgekipptes Glas Wasser auf dem Schreibtisch - was für andere Smartphones der Tod ist, ist für das Motorola Defy kein Problem. Das robuste Gehäuse machte das Handy beliebt. Nun präsentiert Motorola den Nachfolger Defy+. Dieser hat mit dem ursprünglichen Modell nicht nur die Widerstandsfähigkeit gemein.

Das Motorola Defy war das erste robuste Smartphone mit Touchscreen. Der Nachfolger Defy+ ist ähnlich hart im Nehmen. Dank einer IP67-Zertifizierung ist das Gehäuse staubdicht und auch Wasser kann ihm im Normalfall wenig anhaben. Theoretisch können Sie das Modell eine halbe Stunde lang bis zu einem Meter tief unter Wasser halten - ohne Folgen.

Der Touchscreen ist dank Corning Corilla Glas auch gut gegen Kratzer geschützt. Kleinere Stürze oder der Transport mit einem Schlüsselbund in der Hosentasche verursachten im Test keine Schäden. Das gilt allerdings nur für das Display - beim Gehäuse ist der Lack bei unvorsichtiger Behandlung schnell ab, eine Schutzhülle ist also durchaus empfehlenswert.

Neue Hardware

Neu ist das Innenleben des Defy+: Der Prozessor taktet nun mit einem Gigahertz statt wie beim ursprünglichen Modell mit 800 Megahertz. Laut Hersteller soll dies einen Geschwindigkeitsvorteil von 25 Prozent bringen.

Im netzwelt-Test bestätigte sich dies nicht. Zwar starteten Apps auf dem Defy+ einige Augenblicke schneller als auf dem Motorola Defy. Wer vom Defy auf das Defy+ umsteigt, wird bei vielen alltäglichen Anwendungen - anders als beispielsweise beim Umstieg vom iPhone 4 auf das iPhone 4S - aber keinen spürbaren Unterschied bemerken. Im Test war der Browser beim Defy+ zudem etwas langsamer im Aufbau von Seiten.

Bekanntes Design

Am Design des Smartphones und der Verarbeitung hat sich nichts geändert: Das Motorola Defy+ liegt dank seiner kompakten Bauform wie der Vorgänger perfekt in der Hand. Mit den Abmessungen 107 x 59 x 13,4 Millimeter ist es deutlich kleiner als Apples iPhone 4S und verschwindet fast vollständig in der Hand. Die leicht angeraute Rückseite sorgt für einen sicheren Halt.

Abstriche bei der Displaygröße müssen Nutzer trotz der kompakten Bauform nicht machen. Mit einer Diagonalen von 3,7 Zoll (9,4 Zentimeter) ist der Bildschirm des Motorola Defy+ größer als beim iPhone (3,5 Zoll beziehungsweise 8,9 Zentimeter). Allerdings dürfte das klobige Design des Handys nicht jedermanns Sache sein - dass ein robustes Smartphone nicht dick sein muss, beweist beispielsweise das Fujitsu Arrows F07D. Trotz der Tiefe von 13,5 Millimetern trägt das Motorola Defy+ in der Hosentasche aber nicht auf.

Motorola Defy+

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Das Gehäuse ist IP67 zertifiziert. (Bild: netzwelt)

Frontkamera und HD-Videos Fehlanzeige

Die 5-Megapixel-Kamera des Motorola Defy+ konnte im Test nicht überzeugen. Sie liefert zwar brauchbare Bilder, die Farben wirken aber etwas blass. Feine Details werden nicht abgebildet. Im Testbild ist dies gut zu sehen an den Blättern der Rose. Zudem ist ein leichtes Rauschen auf den dunklen Flächen zu erkennen.

Bei den Videoaufnahmen ist zum einen die geringe Auflösung zu bemängeln: Maximal nimmt das Defy+ Clips mit 640 x 480 Pixeln auf. Andere Modelle bieten in dieser Preisklasse bereits HD-Aufnahmen mit 720p. Zum anderen braucht die Videokamera meist einige Augenblicke, um bei wechselnden Lichtverhältnissen die Helligkeit des Bildes anzupassen (siehe Testvideo). Eine Frontkamera weist das Motorola Defy+ im Gegensatz zur Konkurrenz in der Preisklasse nicht auf. Videotelefonate via Skype kann der Nutzer also vergessen. Ein dicker Minuspunkt.

Guter Media Player, mäßige Sprachqualität

Ein Highlight des Defy+ ist der vorinstallierte, so genannte verbundene Musik-Player. Die App bietet nicht nur Zugriff auf die eigene Musiksammlung auf dem Smartphone, sondern auch auf Webradiosender, YouTube-Videos und den Musikerkennungsdienst SoundHound. Angeschlossene Kopfhörer vorausgesetzt, lassen sich auch herkömmliche Radiosender empfangen. Alles mit einer App und unter einer einheitlichen Nutzeroberfläche. Abgerundet wird der Player durch zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten wie Timer und die Anzeige von Songtexten.

Eine Equalizer-Funktion gibt es leider nicht, hierfür muss der Nutzer den Weg über die Telefon-Einstellungen wählen. Die Klangqualität über Kopfhörer ist gut und macht einem MP3-Player durchaus Konkurrenz. Der externe Lautsprecher fällt dagegen gegenüber preislich vergleichbaren Modellen ab - der Ton klingt hier etwas zu dumpf. Die Sprachqualität ist wie beim ursprünglichen Modell ebenfalls nur befriedigend. Die Stimmen der Gesprächspartner klingen leicht verzerrt, im Test war zudem ein leichtes Rauschen zu vernehmen, teilweise kam es zu Aussetzern.

Outdoor-Funktionalität

Abgesehen von dem robusten Gehäuse bringt das Defy+ nur wenige Outdoor-Funktionalitäten mit sich. Ein Pluspunkt ist zwar ohne Frage der Akku. Mit 1.700 Milliamperestunden ist er üppig dimensioniert und ermöglicht laut Hersteller eine maximale Gesprächszeit von 7,1 Stunden und eine Stand-by-Zeit von bis zu 16 Tagen. Genug um mit dem Defy+ auch einige Tage auf Wanderung zu gehen. Zu bemängeln ist allerdings eine fehlende Taschenlampenfunktion, hierfür muss der Nutzer auf Drittanbieter-Apps zurückgreifen. An ein "echtes" Outdoor-Handy gehört nach Meinung von netzwelt eine separate Taste zum Aktivieren der Taschenlampen-Funktion.

Im Außeneinsatz störend können auch die Sensortasten sein, da der Nutzer sie nicht erfühlen kann und sie wie der Touchscreen nicht auf Berührung reagieren, wenn der Nutzer Handschuhe trägt. Softwareseitig liefert Motorola, anders als beispielsweise Sony Ericsson beim Xperia active, auch keine speziellen Outdoor-Apps mit. Lediglich ein Cardio Trainer, der unter anderem zurückgelegte Wegstrecken aufzeichnet, ist vorinstalliert. Weiteres Zubehör wie etwa eine Öse zur Befestigung des Defy+ am Rucksack sucht der Nutzer ebenfalls vergebens. Im Lieferumfang befindet sich nur ein Headset, der Ladestecker und ein Datenkabel.

Gingerbread und Motoblur

Als Betriebssystem kommt Android 2.3 Gingerbread zum Einsatz. Der Vorgänger lief noch ab Werk mit Android 2.1 Eclair. Ob das Defy+ ein Update auf Android 4.0 erhalten wird, ist fraglich. Bislang hat Motorola nur eine Aktualisierung für das Flaggschiffmodell Razr in Aussicht gestellt.

Das Android-Betriebssystem hat Motorola mit seiner eigenen Nutzeroberfläche Motoblur überzogen. Um alle Funktionen dieser nutzen zu können, muss der Nutzer sich aber ein kostenloses Motoblur-Konto anlegen. Dann ist es beispielsweise möglich, dass Handy zu orten oder aus der Ferne Daten zu löschen, wenn es gestohlen wurde.

Fazit

Das Motorola Defy+ ist ein solides, kompaktes und robustes Smartphone und angesichts des vergleichsweise geringen Preises von aktuell unter 250 Euro auch für Einsteiger interessant. Getrübt wird der Gesamteindruck wie beim ursprünglichen Modell aber durch die durchschnittliche Kamera und Sprachqualität sowie die fehlende Frontkamera. Die Idee eines robusten Outdoor-Smartphones hat Motorola zwar aufgebracht, allerdings mit dem Defy+ nicht weiterentwickelt - beispielsweise fehlt eine sinnvoll einsetzbare Taschenlampen-Funktion.

Wer auf das robuste Gehäuse keinen Wert legt, findet in der Preisklasse bereits leistungsstärkere Geräte mit besserer Ausstattung. Besitzer des ursprünglichen Modells werden nur wenig zwingende Gründe für einen Umstieg finden. Alternativen zum Motorola Defy+ sind das Sony Ericsson Xperia active und das Samsung Galaxy Xcover.

Kommentare zu diesem Artikel

Ein Smartphone für Wind und Wetter - diesen Ruf hat sich das Motorola Defy erarbeitet. Mit dem Defy+ bringt Motorola nun eine leicht überarbeitete Fassung auf den Markt. Diese übernimmt aber leider nicht nur die Stärken des Vorgängers.

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  • E.Doerr schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    Bei einem explizit Outdoorgerät ist ja nun eine ganz wesentliche Frage vergessen worden zu bewerten. WIE HELL ist das Display?
  • cfi schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    @Dirk: Die fehlende Oese ist in der Tat ein echtes Manko. Hier hilft ueber den Tellerand schauen: Wer auf Booten oder mit Kayaks unterwegs ist uns ich ein IP67 Handy zulegt moechte vielleicht auch auf/im Boot erreichbar sein. Hier ist eine Befestigungsoese absolut essentiell.
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    Alle hier genannten Mängel oder fehlenden Austattungen sind mir noch nicht untergekommen oder habe ich noch nicht vermisst. @Dirk Törmer: Vielen Dank für deinen Beitrag. Wir versuchen in unseren Test möglichst breit Vor- und Nachteile der Geräte auszuführen. Und von einem Smartphone, dass auch Outdoor-Fähig ist, kann man eine Taschenlampen-Funktion erwarten. Das ein Smartphone natürlich nicht adäquat vier,fünf Geräte ersetzen kann, sollte klar sein...allerdings gibt es viele Nutzer, die halt unterwegs mit dem Smartphone fotografieren und für die ist es schon interessant, ob sie für 200 Euro ne 5-Megapixel-Kamera oder eine 8-Megapixel-Kamera bekommen... Natürlich können alle hier genannten Nachteile für dich nicht relevant sein, eine Reduzierung auf Akkulaufzeit, Betriebssystem und Gehäuse würde aber den komplexen Geräten und vielen verschiedenen Nutzungsszenarien unserer Meinung nach nicht gerecht werden. Grüße aus der Redaktion.
  • Dirk Törmer schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    Meiner Meinung nach sind machnche handy tests ein Witz. Wer braucht eine öse zum Anhängen an den Rucksack? Das einer vorbei rennt und es dir vom Rucksack reisst???? Wer braucht eine Taschenlampe? Wenn ich auf Outdoor Wanderung gehen würde, würde ich meine Blacklight mitnehmen aber nicht mein Handy als Lampe nutzen. Das Gerät bringt niemals eine solche helligkeit zustande wie eine ordendliche Taschenlampe. Ebenfalls ein Witz die kriztik über die 5MP Kamera. Für ein Handy völlig ausreichend. Wenn ich bessere Fotos möchte nehme ich meine Digicam. Ich benutze das Gerät schon einige Zeit. Ich bin Koch und brauche ein gerät das ich auch mal mit NAssen Fingen anfassen kann. Ich bin völlig zufrieden. Sprachstörungen? Hatte ich noch nicht.Frontkamera? Für was,soll ich meine eigene Visage aufnehmen? Man sollte sich mal bei Handytests auf das Wesentliche konzentrieren. Akku, Gehäuse, Betriebssystem. Es gibt Samsung und Sony HAndy die wesentlich schlechter abgeschnitten haben. Ich möchte es jedenfalls nicht mehr missen. Alle hier genannten Mängel oder fehlenden Austattungen sind mir noch nicht untergekommen oder habe ich noch nicht vermisst.
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    @Guy_Incognito/June Grostic: Das stimmt das Motorola Defy+ ist bereits seit einigem Monaten erhältlich. Leider schaffen wir nicht alle Geräte immer pünktlich zum oder gar vor dem Marktstart zu testen.

    Wir halten das Defy+ aber immer noch für ein interessantes Gerät, da auch aktuell weitere IP67-Smartphones erscheinen und haben daher den Testbericht noch nachgereicht.

    Grüße aus der Redaktion.
  • June Grostic schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    Ähh, gibt´s das Handy nicht schon seit mehreren Monaten ??? Ja. Marktstart war im September vergangenen Jahres. Ist das Testmodell zu spät eingegangen? :D Ich nutze noch das alte Defy mit Cyanogen-Rom. 1A - hat schon viele Stürtze überlebt (und das ohne Spidermanapp).
  • Guy_Incognito schrieb Uhr
    AW: Motorola Defy+ im Test: Moderates Update des robusten Smartphones

    Ähh, gibt´s das Handy nicht schon seit mehreren Monaten ???

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Motorola Defy+ im Test - Outdoor-Handy
Motorola Defy+ im Test - Outdoor-Handy
Motorola legt sein Outdoor-Smartphone Defy als Plus-Variante neu auf. Dabei übernimmt der Hersteller aber nicht nur die Stärken des Erfolgsmodells.
http://www.netzwelt.de/news/90820-motorola-defy-test-outdoor-handy.html
2012-02-13 16:37:16
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Motorola Defy+ im Test - Outdoor-Handy