Gigant der virtuellen Lüfte

Im Kurztest: X-Plane 10

Fliegen erlernt man nicht an einem Tag, die Bedienung von Aerosofts Flugsimulator "X-Plane 10" erst recht nicht - auch wenn auf dem Handbuch "Abheben in 5 Minuten" steht. Doch wer sich in die Feinheiten dieses Mammutprogramms vertieft, das Entwickler Laminar Research in einer Blechhülle mit acht Dual-Layer-DVDs ausliefert, wird mit dem wohl realitätsnahesten Flugerlebnis belohnt, das derzeit auf heimischen PCs (Windows und Linux) und Macs möglich ist.

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Im Kurztest: X-Plane 10 - Reichlich Übergepäck: Der PC- und Mac-Flugsimulator "X-Plane 10" beansprucht bis zu 80 Gigabyte auf der Festplatte (Bild: Aerosoft)
Reichlich Übergepäck: Der PC- und Mac-Flugsimulator "X-Plane 10" beansprucht bis zu 80 Gigabyte auf der Festplatte (Bild: Aerosoft)

Das Entsetzen unter Genrefans war groß, als Microsoft verkündete, dass es keinen echten Nachfolger mehr für den traditionsreichen "Flight Simulator" geben würde. Stattdessen verpasst der Softwareriese derzeit "Flight" den letzten Schliff - einem laienfreundlicheren Programm, das ab 29. Februar zum Download bereitstehen soll. Freunde komplexer Flugsimulationen hatten bislang die Wahl zwischen Microsofts "Flight Simulator" und dem ehrgeizigen, aber weniger zugänglichen Open-Source-Projekt "X-Plane". Letzteres bleibt auch in der Version 10 den alten Grundsätzen treu: möglichst realistische Flugmodelle, ein sehr wirklichkeitsnahes Flugerlebnis und maximale Flexibilität für individuelle Anpassungen und Erweiterungen aller Art.

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Ob einmotorige Cessna, vierstrahlige Boeing 747, Tarnkappenbomber oder Space-Shuttle - "X-Plane 10" bietet 30 Flugzeuge für die unterschiedlichsten Flugerfahrungen - immer mit detaillierten Cockpits, in denen beinahe jedes Instrument und jedes Knöpfchen tatsächlich eine Funktion haben. Beflogen werden kann theoretisch die ganze Welt. Wer jedoch die Daten aller Regionen und Flughäfen komplett auf seinem Rechner installieren will, muss viel Zeit und noch mehr freien Festplattenspeicher mitbringen. "X-Plane 10" reist mit jeder Menge Übergepäck und benötigt bei vollständiger Installation rund 80 Gigabyte (!) auf der Festplatte.

Einsteiger werden sich mit "X-Plane 10" schwerer tun als mit Microsofts "Flight Simulator X". Es gibt kein Tutorial, das Anfänger behutsam in die Feinheiten des virtuellen Luftverkehrs einführt. Auch vorgefertigte Szenarien mit Übungsaufgaben zum Trainieren der eigenen Flugkünste sucht man vergebens. Stattdessen gilt es, sich selbst mühsam mit den vielen Schaltern und Einstellungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Weder das dünne "Schnellstart"-Heftchen noch der Punkt "Anleitung" im spartanischen Benutzerinterface bieten hier ausreichende Hilfestellung. Sofort starten und zum Einstieg eine Runde über der Heimatstadt drehen, das funktioniert mit "X-Plane 10" kaum.

Nach langer Einarbeitung weiß man jedoch jedes Detail dieser ausgefeilten Simulation zu schätzen - vom realistischen Verhalten der Maschinen in Wind und Wetter über die realitätsnahen Funksprüche der Flugverkehrskontrolle bis hin zum Einsatz spezieller Zusatzhardware, die den realen Vorbildern aus dem Cockpit nachempfunden wurde. Gesteuert werden kann "X-Plane 10" sowohl per Maus und Tastatur als auch mit Joystick oder - noch realitätsnaher - mit Yoke und Ruderpedalen. Sogar iPads lassen sich als Instrumentenanzeige über ein Netzwerk einbinden. Die benötigte App ist jedoch kostenpflichtig.

Die Szenerie, die man beim Blick aus dem Cockpit zu sehen bekommt, ist allenfalls solide. Zwar nutzten die Entwickler die globalen Geodaten von OpenStreetMap etwa für die Einbindung realistischer Straßenverläufe. Dennoch werden die Terrains größtenteils autogeneriert, was jede Menge grafischer Fehler mit sich bringt. Städte müssen zudem ohne ihre markanten architektonischen Fixpunkte auskommen, populäre Flughäfen wie Frankfurt oder München wurden nur halbherzig umgesetzt, was den Reiz des Programms doch etwas schmälert. Immerhin hat Aerosoft der Verkaufsversion von "X-Plane 10" gleich die hochauflösenden Szenerien für Nizza, Innsbruck, Faro, Seattle und Paderborn-Lippstadt (!) beigefügt. Weitere Wunschszenarien müssen über Add-ons separat erworben und hinzugefügt werden.

Video: X-Plane 10

Wolken und Wetterverhältnisse, Wasserspiegelungen, Bäume, virtueller (aber nur bedingt stattfindender) KI-Flugverkehr - das alles zehrt an den Kräften der CPU. Selbst auf modernsten Rechnern sackt beim Einschalten aller Details die Framerate massiv ab - ein Performance-Gewinn gegenüber der Vorgängerversion ist jedenfalls nicht auszumachen.

Im Kurztest: X-Plane 10


Wer an einer "ernsthaften" Flugsimulation mit größtmöglichem Realitätsgrad interessiert ist, kommt nach dem Aus des "MS Flight Simulator" um "X-Plane 10" fast nicht herum. Um das Flugvergnügen jedoch voll auskosten zu können, bedarf es einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und Tüftelfieber. Spieler, denen der Entertainment-Aspekt wichtiger ist als Realismus, sind mit "X-Plane 10" nicht gut beraten und sollten die paar Tage bis zum Release von Microsofts kostenlosem "Flight" abwarten.

Datenblatt

X-Plane 10
SpielnameX-Plane 10
HerstellerLaminar Research
VertriebAerosoft
GenreSimulation
Erhältlich ab16.02.2012
Preisca. 70 Euro
EAN Code4015918119702
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene und Profis
Alterab 0 Jahren
Multiplayer2-100
SonstigesMinimum CPU mit 3 GHz, 4 GB RAM, Grafikkarte mit 512 MB RAM, ca. 25 bis 80 GB Festplattenspeicher
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundbefriedigend
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut
SystemPC
SystemMac OS X

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