Inselausflug in Tarnklamotten

Im Kurztest: Jagged Alliance: Back in Action

Wie nähert man sich der Neuauflage einer 13 Jahre alten Strategie-Legende, an der es kaum etwas zu verbessern gab? Das kleine Münchner Entwicklerstudio Coreplay entschied sich bei "Jagged Alliance: Back in Action" unter anderem für den Wechsel vom rundenbasierten Vorgehen zur Echtzeit - und griff nicht nur damit ordentlich daneben.

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Jagged Alliance: Back in Action - Teaser Trailer #2: Die Taktik-Reihe Jagged Alliance ist 2012 wieder "Back in Action". Dieser Trailer zeigt die Optik des rundenbasierten Taktik-Titels, die sich wieder stark am Original orientiert. Fans der Serie müssen sich demnach mit Jagged Alliance: Back in Action zumindest in der Präsentation nicht an Neuerungen gewöhnen. Ob die Spieltiefe der Vorgänger ebenfalls erreicht wird, bleibt allerdings abzuwarten. Erscheinen wird Jagged Alliance: Back in Action für den PC. Zum Video: Jagged Alliance: Back in Action - Teaser Trailer #2

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"Jagged Alliance: Back in Action" präsentiert sich als etwas eigentümlicher Mix aus echtem Remake und normaler Fortsetzung. Praktisch gleich geblieben ist ausgerechnet das Szenario samt Hintergrundgeschichte und dem damit vorgegebenen Spielziel. Als Anführer eines Söldnertrupps sollen PC-Spieler die unterjochte Karibikinsel Arulco von der tyrannischen Despotin Deidranna Reitman befreien.

Spielerisch, und auch das bleibt gleich, gliedert sich die Operation in drei Bestandteile: Per Laptop erlediget man den Verwaltungskram, rekrutiert Söldner, kauft Waffen und Ausrüstung und hat dabei stets den aktuellen Finanzstatus und die offenen Missionen im Blick. Im Strategieteil sieht man aus der Vogelperspektive eine Übersichtskarte der Insel. Hier werden vor allem die Söldnertrupps zu neuen Zielen wie Städte, Minen, Unterschlüpfen oder gesperrte Straßenkreuzungen dirigiert. Manche Orte sind bereits offiziell als Ziel markiert, inklusive der Angabe, wie groß die darin befindliche Feindesschar ist. Andere Orte muss man hingegen erst erkunden, um zu sehen, worum es sich genau handelt.

Dritter Teil und quasi der Kern des Spiels sind dann die die eigentlichen Kampfgebiete. Hier entschied sich Coreplay, statt klassischer Rundentaktik auf Echtzeit-Gefechte zu setzen - was bei der alteingesessenen "Jagged Alliance"-Fanbasis bereits vorab für eine Welle der Empörung sorgte. Allerdings ist das Geschehen jederzeit pausierbar. Zudem kommt dabei ein sogenannter "Plan&Go"-Modus zum Einsatz: Jedem Söldner darf man nun spezielle Befehle wie "Bewegen", "Schießen" oder "Stellung halten" auf den Weg geben und diese per Drag&Drop auch zeitlich miteinander koordinieren. Auf Tastendruck spult nun jeder Kämpfer sein Programm ab. Dabei darf man jederzeit wieder zur Planungsebene zurückkehren, die noch restlichen Befehle löschen und neue eingeben, etwa weil sich die Situation geändert hat.

"Plan&Go" funktioniert überraschend gut und wäre ein adäquater Ersatz für das klassische Rundenkonzept. Doch leider haben die Entwickler selbst das große Potenzial mit diversen groben handwerklichen Schnitzern gleich wieder ordentlich geschmälert. So haben sie als weitere eigenwillige Design-Entscheidung auf einen Kriegsnebel verzichtet - für einen komplexen Taktik-Klopper doch eher ungewöhnlich. Sofort beim Betreten des Levels sind alle Feinde und ihre Position sichtbar. Das spannende Durchkämmen der Gegend entfällt. Stattdessen erfordert die Kenntnis eine gewisse Gesamtplanung.

Vor allem aber ist die Gegner-Intelligenz mehr als zweifelhaft. Nur selten verschanzen sich die Schergen der Despotin hinter einer geeigneten Deckung. Sie laufen lieber ins Kreuzfeuer der eigenen Söldner oder reagieren gar nicht. Dann braucht es aber auch kein besonders gewieftes Plan&Go mehr, sondern einfach einen oder zwei gut platzierte Schützen. Trotzdem ist der Schwierigkeitsgrad nicht unerheblich: Die Feinde sind meist zahlreich, sehr gut ausstaffiert und haben gewisse Vorteile wie unendliche Munition.

Wer "Jagged Alliance 2" kennt (und liebt), muss zudem weitere Nackenschläge verkraften. Viele Spielelemente wurden entweder vereinfacht, gestrafft oder gleich ganz gestrichen. Die Strategiekarte etwa verdient ihren Namen kaum noch. Was früher ein fast eigenständiger Modus war, verkommt nun zur reinen Reise-Landkarte. Und trotzdem hat es Coreplay geschafft, die Bedienung vieler, auch relativ einfacher Tätigkeiten unnötig zu verkomplizieren.

Im Kurztest: Jagged Alliance: Back in Action

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Was letztendlich übrig bleibt, sind die meist spannenden und herausfordernden Scharmützel sowie die große, dynamische Spielwelt. Alles in allem ist "Jagged Allianced: Back in Action" damit schon noch ein leicht überdurchschnittliches Taktikspiel. Seinem großen Namen wird es aber nicht einmal ansatzweise gerecht.

Datenblatt

Jagged Alliance: Back in Action
SpielnameJagged Alliance: Back in Action
HerstellerCoreplay
VertriebbitComposer
GenreStrategie
Erhältlich ab09.02.2012
Preisca. 45 Euro
EAN Code4260231340108
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene und Profis
Alterab 16 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges 
Bewertung Grafikbefriedigend
Bewertung Steuerungausreichend
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassbefriedigend
Bewertung Gesamtbefriedigend
SystemPC

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