Verkehrte Netzwelt: Die schöne Kanzlerin aus Chile
Digitale Piraten gewinnen die Wahl
Dann gewannen die Linkspiraten die Bundestagswahl und Camila Vallejo war die Bundeskanzlerin. Ich war immer noch ihr persönlicher Referent. Sie begann sofort, ein streng sozialistisch orientiertes Programm der sozialen Gerechtigkeit für alle umzusetzen.
Stunden nach der Vereidigung der neuen Regierung wurde die Einfuhr aller Apple-Produkte verboten, denn Apple war die Spitze des bösen Kapitalismus. Camila ordnete an, dass iPhones und iPads erst dann wieder verkauft werden dürfen, wenn Apples Gewinnmarge unter zehn Prozent gedrückt war und alle tapferen Arbeiterinnen und Arbeiter beim chinesischen Zulieferer Foxconn denselben Stundenlohn erhielten wie die Mitarbeiter bei Porsche in Zuffenhausen. Das gleiche galt natürlich für Samsung, HP, Asus und alle anderen Hardware-Hersteller und all ihre Zulieferer. Nachdem die neue Regierungssprecherin Marina Weisband das über Internet-Video verkündet hatte, standen wir alle auf und ballten die rechte Hand zur Faust. So wie man das in der Revolution tut oder so wie wir das in den Film "Machete" gesehen hatten. Das war vielleicht ein geiler Film.
Kim Schmitz wird Minister
Natürlich brauchen wir auch fortschrittlich gesinnte Minister. Zum Minister für Internet und Technologie wurde Kim Schmitz ernannt. Irgendwie war Kim Schmitz die ideale Ergänzung zu Camila Vallejo. Hatte er nicht mit seinem volksnahen Dienst Megaupload die kapitalistischen Agenten der systemerhaltenden Unterhaltungsindustrie bekämpft? Hatte er nicht den "Content" auf seinen Servern sozialisiert und für das arbeitende Volk zugänglich gemacht? Kim Schmitz war ein Held der Revolution. Er musste nur noch ein wenig an seinem Wortschatz feilen und sich die typischen Vokabeln des sozialistischen Revolutionärs aneignen, aber das war für den wendigen Kim Schmitz kein Problem. Allerdings musste er seinen suboptimal geformten Körper durch 17 Schönheitsoperationen kompatibel mit den visuellen Systemvoraussetzungen der neuen Ära machen. Danach sah er aus wie ein gestählter Playboy des Cyber-Zeitalters.
Überhaupt wurden nur schöne Menschen in der Regierung geduldet. Nur schöne Menschen werden im Digital-Zeitalter geklickt, nur schöne Menschen werden gewählt.
Kultusminister wurde Modepapst Karl Lagerfeld. Er sorgte umgehend dafür, dass Heidi Klum einen Job als oberste Gefängniswärterin in deutschen Frauengefängnissen erhielt. Ihre von der Kosmetik-Mafia korrumpierte, systemerhaltende Model-Show musste sie natürlich aufgeben. Klingt jetzt ein bisschen unlogisch, ich weiß, aber es war ein Traum. Und ich hatte Fieber. Außerdem hatte Michael mir diese komische Tablette gegeben.






