Quo vadis RIM?
Netzwelt auf der BlackBerry DevCon Europe: Rock it, Thorsten!
Research in Motion (RIM), Hersteller der BlackBerry-Smartphones und des Tablet-Computers PlayBook, lädt Entwickler aus der ganzen Welt zur ersten DevCon Europe ein. Netzwelt ist mit vor Ort und berichtet von der Eröffnungsrede, die der brandneue RIM-Chef Thorsten Heins in Amsterdam hielt.
Inhaltsverzeichnis
- 1Das Marketing übernehmen andere
- 2Gute Besserung, BlackBerry
- 3BlackBerry Bridge 2.0: Das Smartphone wird zur Tablet-Steuerung
"Hello Ladies and Gentleman - oder wie wir in meiner Heimatstadt München sagen: Grüß Gott". Thorsten Heins hebt ein wenig die Arme und wirkt dabei eher wie ein nervöser Hampelmann als einer, der am liebsten alle Anwesenden umarmen würde. Als deutscher Teilnehmer der DevCon zuckt man unweigerlich etwas zusammen, versinkt in seinem Sitz.
Das Marketing übernehmen andere
Es ist dieser erste Moment der DevCon, der erste Auftritt von RIM-CEO Thorsten Heins vor der versammelten Entwicklergemeinde überhaupt, der bereits, wenn man denn so will, einen tiefen Einblick in die Situation des gesamten Unternehmens zulässt. Verhaltener Applaus, den Wortwitz scheint kaum jemand verstanden zu haben. Thorsten Heins ist kein Mann des großen Entertainments. Grundsolides Arbeiten traut man ihm auf den ersten Blick zu, man würde mit ihm gerne über die beste Vorgehensweise beim Hausbau sprechen. Den vakanten Posten der "Wetten, dass?"-Moderation würde ihm niemand anbieten.
Schenkt man den vielen Unkenrufen Glauben, dann ist aber gerade er - Typ seriöser Banker - genau der Richtige für den Job als neuer CEO von RIM. Denn der einst so stolze Smartphone-Bauer, der zum Synonym für Business-Handys wurde, befindet sich auf einem absteigenden Ast. Zumindest ist dies gefühlt so, aus Verbraucher-Sicht. Da braucht es Macher, keine Schönfärber, die gut reden können, aus Unternehmersicht. Heins soll RIM nach vorne bringen, das Marketing übernehmen andere.
Gute Besserung, BlackBerry
Auf der DevCon ist spürbar: Jeder der Anwesenden hofft, dass die Marke BlackBerry bald wieder an einstige Erfolge anknüpfen kann. Die Veranstaltung ist ausverkauft, über 2.000 Teilnehmer - überwiegend Entwickler, die mit ihren Apps und Programmen für die Blackberry-Plattform Geld verdienen, sind nach Amsterdam gekommen. Die gute Stimmung ist ansteckend, Tweets mit den Worten "Let´s Rock'n'Roll this" breiten sich aus wie Lauffeuer. Der hohe Anteil an zufriedenen Gesichtern der Teilnehmer könnte auch darin begründet liegen, dass RIM das BlackBerry Playbook unter allen Teilnehmern verschenkt, als wäre es ein Korb voller Bonbons und kein recht teurer Tablet-Computer.
Aber das dürfte natürlich nicht der einzige Grund für die gut gefüllte Halle sein. Selbst wenn das Apple-Universum auch auf dieser Veranstaltung allgegenwärtig ist - auch mit Apps für das BlackBerry OS lässt sich als Entwickler Geld verdienen. Und aus diesem Grund sind die Menschen angereist. Sie wollen Informationen, wie sie ihre Arbeit optimieren können, sie wollen mit möglichen Partnern in Kontakt treten, sie wollen gefördert werden.
Blackberry DevCon Europe 2012
Das ist er, der neue CEO von Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). Etwas unbeholfen steht er auf der großen Bühne - aber vielleicht müssen Underdogs ja auch genau so dastehen. (Bild: netzwelt)
Thorsten Heins eröffnet die DevCon Europe in Amsterdam. (Bild: netzwelt)
Das neue Betriebssystem BlackBerry 10 wird mit Spannung erwartet. Erste Details sickern nach und nach durch. (Bild: netzwelt)
OpenSource wird für den BlackBerry-Hersteller und die Entwickler ein immer wichtigeres Thema, nachdem es einige Jahre sträflich vernachlässigt wurde. (Bild: netzwelt)
Die neue Version der Playbook-Software wird mit einer Art Game Center das vernetzte Spielen auf dem Tablet-PC ermöglichen. (Bild: netzwelt)
Überhaupt werden Spiele ein immer größeres Feld für die Blackberry-Entwickler. (Bild: netzwelt)
BlackBerry 10 wird eine nahtlose Integration zwischen Tablet und Smartphone erlauben. (Bild: netzwelt)
Mit der Version 2.0 der BlackBerry Bridge wird es möglich sein, das Smartphone zur Steuerung des Tablet-Computers einzusetzen. (Bild: netzwelt)
Playbook 2.0 wird auch eine überarbeitete Version der Kalender-App liefern. (Bild: netzwelt)
...genauso wie eine überarbeitete Mail-Ansicht, die wesentlich mehr Informationen auf einen Blick liefert. (Bild: netzwelt)
Brav blickt Thorsten Heins daher auch "absolut positiv in die Zukunft", verspricht "zuzuhören" und spult die ersten Zahlen des Tages ab, welche die Entwickler bei der Stange halten sollen: Zwei Milliarden Apps wurden bislang aus der BlackBerry App World heruntergeladen, sechs Millionen sind es derzeit jeden Tag. 13 Prozent der Entwickler haben mit BlackBerry-Apps bereits über 100.000 Dollar verdient. Angesprochen auf die Zahl der verfügbaren Apps hörte man in der Vergangenheit von RIM stets nur das Mantra: "Es ist die Art der Apps, die entscheidet, nicht die pure Anzahl". Qualität statt Quantität. Auf der DevCon sprechen nun Zahlen, ganz im Sinne der Adressaten: Es lohnt sich, Apps für RIM zu schreiben.
BlackBerry Bridge 2.0: Das Smartphone wird zur Tablet-Steuerung
Neben den bereits bekannten Top-Neuigkeiten rund um Apps - so wird es zukünftig möglich sein, Android-Apps auf das Playbook zu portieren - präsentierte RIM auch bislang unbekannte Funktionen rund um Playbook 2.0. Eine davon ist BlackBerry Bridge 2.0. Die neue Version der Software sorgt dafür, dass Nutzer ihr BlackBerry-Smartphone mit dem Tablet-Computer verbinden und ihr Handy als Eingabegerät verwenden können. Die bekannt gute physikalische Tastatur der BlackBerry-Smartphones dient dann im Zusammenspiel mit dem Touchscreen als Eingabegerät. Mehr zu den neuen Funktionen finden Sie in der Bilderstrecke.
Der Auftritt von Thorsten Heins dauerte nur etwa eine halbe Stunde. Eine halbe Stunde, in der er es kaum vermochte, den Elan eines Steve Jobs, Bill Gates oder Steve Ballmers zu versprühen. Aber RIM spielt derzeit auch nicht in der gleichen Liga wie Apple oder Microsoft. Und das weckt durchaus auch Sympathien. "Dank an Thorsten für die tolle Rede - fühle mich direkt wohl auf der DevCon", twittert einer der Anwesenden. Und vielleicht ist es genau das, was den kanadischen Hersteller wieder auf die breite Erfolgsspur zurückbringen kann - Understatement, die Rolle des Underdogs, gepaart mit deutscher Zurückhaltung. Also dann: Rock it, Thorsten! Die Welt kann neben Apple, HTC, Samsung und all den anderen BlackBerry auf jeden Fall gut gebrauchen. Denn Handys von Samsung, HTC und Apple hat mittlerweile ja fast schon jeder.
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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Tablet-PC hier.
