Verkehrte Netzwelt: CeBIT-Sprech in zehn Minuten

Würstchenbude mit Mobile Apps

"Also, Walter, wenn du mit den gleichen Ressourcen und einem überschaubaren Invest mehr Umsatz generieren willst, musst du deine Bude ins Web 2.0 bringen. Damit kannst du dann gleich neue Zielgruppen targetten. Die Laufkundschaft hast du ja sowieso. Zusätzlich kannst Du aber die gut verdienenden Profis aus dem mittleren Management adressieren. Das sind Middle-Ager unter 35. Man erkennt sie sofort am Bluetooth-Headset und der Notebook-Tasche. Diese Leute stehen komischerweise alle auf den Retro-Stil. Retro ist in dieser Zielgruppe völlig hip. Zeig ihnen eine analoge Spiegelreflexkamera und die kriegen feuchte Augen. Das ist deine Business-Opportunity. Denn eine Würstchenbude ist 100 Prozent Retro und 100 Prozent Old School. Da braucht es nur ein cleveres Marketing und dein Laden wird sofort Kult. Genau das muss deine Vision sein. 

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Zuerst brauchst du aber natürlich mal die Awareness deiner Zielgruppe. Die kriegst du am besten über Mobile Apps. Und die Mobile Apps wiederum kannst du der Messegesellschaft anbieten, ich sag mal scherzhaft, als kostenlosen Gag mit Nährwert. Die können das in ihre Newsletter oder auch in den Hallenplan, den die auf die Handys broadcasten, als Link einbinden. Damit können wir Awareness und Interest bei der Zielgruppe sicherstellen.

Das App auf dem Smartphone oder iPhone erinnert die Leute zu bestimmten Uhrzeiten daran, dass sie sich jetzt am besten eine Currywurst holen sollten, oder in Kombination mit GPS-Technik, dass dein Laden gerade in der Nähe ist. Dann müssen die nur drauf klicken und können online bei dir ordern, was sie haben wollen. Damit hättest im zweiten Step das klare Commitment deiner Kunden, dass sie deine Currywurst wollen und keine andere. Darauf musst du den Fokus legen. 

Bockwurst ready to go

Bezahlen tun die Leute gleich online per Micropayment. Wenn sie an deinen Stand kommen, ist alles schon bestellt, gepayt und ready to go. Du musst ihnen nur noch die Currywurst mit Ketchup in die Hand drücken. Oder Bockwurst mit Senf. Oder Kartoffelsalat mit Cola, whatever. Der perfekte customized Service. Deinen Kunden gibst du damit eine großartige Customer Experience, die du im Vorfeld proaktiv strukturiert hast. Solche Kunden gehen dann auch den letzten Step und kaufen am nächsten Tag wieder bei dir. Damit hättest du auch die Loyalty deiner Kunden und, ganz ehrlich, Loyalty ist das Schwerste überhaupt. Wenn du diese vier Steps hinkriegst (Awareness, Interest, Commitment, Loyalty), dann hast du ein effektives Customer Relationship Management. Das gehört heute, ich sag mal, zu den absoluten Essentials in jedem Business.

Das Ganze wird von einer massiven Web 2.0-Kampagne begleitet. Wir fahren für deinen Business-Case ein Hybrid-Modell, bei dem wir offline, ich sag mal, die echte schmackhafte deutsche Wurst offerieren und online die Story drumrum posten. Vom Wording her könnten meine Jungs von »The Great Hype« eine Multichannel-Strategie aufsetzen, die alle Kanäle synchron mit einer konsistenten Story bedient. Die hidden Message muss sein: "Frage nicht, was der Würstelkönig für dich tun kann, frage, was du für den Würstelkönig tun kannst". 

Hottest Wurst in town

Anyway, die Story, den Claim, müsste man sich noch ausdenken, irgendwas wie "Walters schmackhafte Wurstwaren". Das klingt jetzt not exactly thrilling, aber ich will damit nur sagen, in welche Richtung das gehen muss. Die Kampagne adressiert ja die Retro-Liebhaber aus der Hightech-Szene. Deshalb muss die Story ein bisschen ungelenk, ein bisschen bieder und, ich sag mal, ein bisschen old-school-mäßig rüberkommen. So aufgesetzte Anglizismen wie "Currywurst to go" oder gar "Hottest Wurst in town" würden deine schöne Message kaputt machen.

Weil, ganz ehrlich, wenn's um die Wurst geht, wird Deutsch gesprochen."